Akelei vermehren: Selbstaussaat lenken und Pflanzen teilen
- Die Gemeine Akelei ist meist kurzlebig und sät sich im Garten bereitwillig selbst aus.
- Für Sämlinge lässt du ausgewählte Blütenstände gesunder Pflanzen bis zur Samenreife stehen.
- Ein Rückschnitt nach der Blüte verhindert die Samenbildung und begrenzt die Selbstaussaat.
- Sämlinge blühen oft anders als die Mutterpflanze, weil sich Akeleien leicht kreuzen.
- Bei der Teilung braucht jedes etwa faustgroße Stück mindestens ein austriebsfähiges Auge.
- Neu gesetzte Teilstücke gießt du bei anhaltender Trockenheit in den ersten ein bis zwei Vegetationsperioden durchdringend.

Mit Akeleien im Garten tauchen bald Sämlinge an Stellen auf, die du nicht geplant hast. Die Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris), auch Gewöhnliche Akelei genannt, ist meist kurzlebig und sät sich bereitwillig selbst aus. Das bringt dir Nachwuchs ohne Aufwand, aber nicht unbedingt in der Farbe der Mutterpflanze. Ich entscheide deshalb jedes Jahr gleich nach der Blüte, welche Stängel ihre Samen behalten dürfen.
Zwei Wege führen zu neuen Akeleien. Die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. bringt viele Sämlinge mit wenig Arbeit, Farbe und Form bleiben dabei offen. Die Teilung bringt wenige Pflanzen, die ihrer Mutterpflanze in den Erbanlagen gleichen. Beide Wege lassen sich steuern.
Selbstaussaat oder Teilung: Welcher Weg passt?
Die Selbstaussaat ist der bequeme Weg. Du lässt ausgewählte BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen, den Rest erledigt die Pflanze. Dafür bestimmst du weder genau, wo die Sämlinge aufgehen, noch wie sie blühen.
Die Teilung ist Handarbeit am Wurzelstock. Du bekommst nur so viele Pflanzen, wie du etwa faustgroße Stücke mit mindestens einem austriebsfähigen Auge gewinnst. Dafür sind die Teilstücke vegetativ vermehrt und besitzen dieselben genetischen Anlagen wie die Mutterpflanze.
Weil die Gemeine Akelei meist kurzlebig ist und sich bereitwillig selbst aussät, lebt ein Akeleibestand vor allem von seinen Sämlingen. Die Teilung nimmst du für einzelne Pflanzen, deren Farbe und Form du genau so behalten willst. Welche weiteren Vermehrungsmethoden es für Zierpflanzen gibt und wie sie allgemein gelingen, zeigt dir der Überblick über Vermehrungsmethoden für Zierpflanzen.
Selbstaussaat zulassen: Welche Samenstände bleiben stehen?
Für Sämlinge lässt du nach der Blüte ausgewählte Blütenstände an der Pflanze, bis die Samen reif sind. Wähle dafür nur gesunde Pflanzen, denn auch beim eigenen Nachbau von Zierpflanzen gehört nur gesundes Saatgut ins Beet.
Das Stehenlassen hat einen Nachteil: Bei vielen Stauden kann die Samenbildung weitere Blüten vermindern. Umgekehrt kann bei der Akelei ‘Biedermeier Mischung’ ein Rückschnitt nach der ersten Blüte einen weiteren Blütenflor bringen. An solchen Sorten wägst du also ab, ob dir Samen oder Nachblüte wichtiger sind.
Ich binde während der Blüte einen Wollfaden um die Stängel der Pflanzen, deren Farbe mir gefällt. Nach der Blüte sehe ich die Farbe nicht mehr, der Faden zeigt mir dann, welche Fruchtstände stehen bleiben. Eine Garantie für die Farbe der Sämlinge ist das nicht, weil sich Akeleien leicht kreuzen.
Wo die Sämlinge gut wachsen
Die Sämlinge gehen dort auf, wo die Samen landen. Die Gemeine Akelei wächst im Halbschatten bis in der Sonne und entwickelt sich auf frischen Böden schöner als bei zeitweiliger Trockenheit. Empfohlen ist ein fruchtbarer, feuchter, aber gut durchlässiger Boden. Licht, Feuchte und pH-Wert für Stauden allgemein erklärt der Abschnitt Standort und Boden im Staudenratgeber.
Sämlinge im Beet lenken
Ich lasse die Sämlinge stehen, bis ich sie sicher von BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. unterscheiden kann. Stehen sie zu dicht oder am falschen Platz, ziehst du die überzähligen heraus; fest verwurzelte stichst du aus. In eingewachsenen Staudenpflanzungen hackst du dabei nicht, weil Hacken die obere Wurzelschicht zerstört.
Einen Sämling an einer trockenen Stelle steche ich mit möglichst viel Erde aus und setze ihn gleich an einen frischeren Platz. Frisch gesetzte Pflanzen brauchen beim Einwachsen zusätzlich Wasser.
Selbstaussaat begrenzen: Fruchtstände rechtzeitig abschneiden
Willst du keine oder weniger Sämlinge, schneidest du die Akelei nach der Blüte zurück. Der Rückschnitt verhindert die Samenbildung und begrenzt so die Selbstaussaat. Bei der Gemeinen Akelei genügt es auch, die Fruchtstände nach der Blüte zu entfernen.
Du musst dich dabei nicht zwischen allem und nichts entscheiden. Ich schneide an den meisten Pflanzen die Fruchtstände ab und lasse nur an einzelnen markierten Stängeln die Samen reifen. So entscheide ich, von welchen Pflanzen überhaupt Samen ins Beet fallen.
Die Fruchtstände erst abschneiden, wenn die Samen schon reif sind. Reife Samen lösen sich leicht aus ihrer Hülle und können dann bereits im Beet liegen. Schneide deshalb gleich nach der Blüte.
Gartenformen der Gemeinen Akelei können sich in heimische Wildbestände einkreuzen und deren genetische Zusammensetzung verändern. Grenzt dein Garten an Vorkommen wilder Akeleien, schneidest du die Fruchtstände deiner Gartenformen besser ab, damit sich ihre Sämlinge nicht ausbreiten. Die Gemeine Akelei ist in Deutschland heimisch und besonders geschützt, Wildpflanzen gräbst du deshalb nicht für die eigene Vermehrung aus.
Warum blühen Sämlinge anders als die Mutterpflanze?
Akeleien kreuzen sich leicht untereinander. Wachsen mehrere Sorten zusammen, können dadurch neue Farbvarianten entstehen, und eine Sorte bleibt über Selbstaussaat kaum dauerhaft rein. Bei HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. können Nachkommen aus selbst geernteten Samen zudem deutlich von der Mutterpflanze abweichen. Ein Beispiel sind die langspornigen McKana-Hybriden, an deren Entstehung die Gold-Akelei (Aquilegia chrysantha) beteiligt war.
Die Sorte ‘Nora Barlow’ trägt gefüllte, spornlose Blüten in kräftigem Rosa mit hellgrünem Rand. Steht sie zwischen anderen Akeleien, wächst aus ihren Samen nicht zuverlässig wieder diese Blüte. Weil vegetativ vermehrte Pflanzen dieselben Erbanlagen wie ihre Mutterpflanze haben, behältst du eine solche Form über die Teilung.
„Hybriden mutieren bei der Selbstaussaat zur ursprünglichen Form zurück.“ Eine verlässliche Rückkehr zu einer bestimmten Form gibt es nicht. Die Unterschiede entstehen, weil sich Akeleien leicht kreuzen und Nachkommen von Hybridsorten deutlich abweichen können. Jeder Sämling kann deshalb anders ausfallen.
Akelei-Samen selbst ernten und aufbewahren
Statt die Samen fallen zu lassen, kannst du sie ernten und später gezielt säen. Ernte bei trockenem Wetter, sobald die Samen ausgereift sind und sich leicht aus ihrer Hülle lösen. Breite sie danach auf Papier aus und lass sie nachtrocknen, bevor du sie abfüllst. Ich beschrifte jede Tüte mit der Farbe der Mutterpflanze und dem Erntejahr.
Gelagert werden die Samen kühl, dunkel und trocken in dicht schließenden Gefäßen. Überlagertes Saatgut prüfst du vor der erneuten Aussaat auf KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut..
| Saatgut aus dem eigenen Garten | Richtwert |
|---|---|
| Keimfähigkeit bei kühler, dunkler und trockener Lagerung | etwa 3 Jahre, als Orientierung für die meisten Blumen- und Staudensamen und ohne Garantie für jede Art |
| Günstige Lagerung | unter Luftabschluss bei weniger als 10 °C |
| KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt. bei Resten mit fraglicher Keimfähigkeit | etwa 4 Wochen vor der geplanten Aussaat |
Akelei gehört zu den Kaltkeimern. Wann du säst und wie du den Samen die nötige Kältephase gibst, erklärt die Anleitung, wie du Akeleisamen mit Kältephase aussäst. Die Aussaatzeiten vieler Stauden findest du im Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser zum Ausdrucken.
Die Gemeine Akelei ist in allen Pflanzenteilen giftig. Bewahre geerntete Samen beschriftet und für Kinder unerreichbar auf. Besteht der Verdacht, dass jemand Pflanzenteile gegessen hat, wendest du dich an ein Giftinformationszentrum oder holst ärztliche Hilfe und löst kein Erbrechen aus.
Akelei teilen: So gehst du vor
Teilen dient bei Stauden zugleich der Vermehrung und der Verjüngung. Bei der Akelei nutzt du es vor allem, um eine bestimmte Pflanze zu vervielfältigen. Maßgeblich ist dabei, was du an der Pflanze siehst: Jedes etwa faustgroße Teilstück braucht mindestens ein austriebsfähiges Auge oder eine vitale Triebspitze. Ich teile deshalb erst, wenn ich die Triebknospen an der Basis gut erkennen kann. Lässt sich aus einer Pflanze kein solches Stück gewinnen, bleibt sie ungeteilt.
Vegetativ vermehren heißt, ohne Samen aus Teilen der Pflanze neue Pflanzen zu ziehen. Solche Pflanzen besitzen dieselben genetischen Anlagen wie ihre Mutterpflanze, eine Teilung liefert also Kopien der Ausgangspflanze.
- Pflanze prüfen: Teile nur gesunde Pflanzen, denn auch für den eigenen Nachbau zählt ausschließlich gesundes Pflanzgut.
- Platz vorbereiten: Beseitige am neuen Standort Wurzelunkräuter und Bodenverdichtungen, damit ein durchlässiger, bewuchsfreier Pflanzboden entsteht.
- Ausheben: Ich lockere die Pflanze rundum mit der Grabegabel und hebe sie mit dem ganzen Wurzelstock heraus.
- Teilen: Trenne den Wurzelstock in etwa faustgroße Stücke, jedes mit mindestens einem austriebsfähigen Auge oder einer vitalen Triebspitze.
- Einsetzen: Setze die Stücke so ein, dass Wurzelballen oder obere Wurzeln 1 cm Erde über sich haben.
- Angießen: Gieße die Teilstücke gründlich an, denn frisch gesetzte Stauden brauchen beim Einwachsen zusätzlich Wasser.
Bei anhaltender Trockenheit wässerst du die Teilstücke in den ersten ein bis zwei VegetationsperiodenDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht. wiederholt durchdringend. Eine durchdringende Wassergabe befeuchtet tiefere Wurzelschichten besser als viele kleine Gaben. Ob das Wasser im Wurzelraum angekommen ist, prüfst du an einer entnommenen Bodenscholle an Farbe und Gefühl.
Was rund um die Vermehrung sonst zählt
Gießen, Düngen, Rückschnitt und Winterschutz beschreibt die Anleitung, wie du Akelei für eine reiche Blüte pflegst. Was im Frühling, Sommer, Herbst und Winter an der Akelei zu tun ist, zeigt dir der Pflegekalender für die Akelei übers Jahr.
Gelbliche bis violette Blattflecken, bei Feuchtigkeit mit beigem bis violettem Filz auf der Unterseite, können auf Falschen Mehltau hindeuten. Bestätigt sich der Befall, gräbst du die Pflanze vollständig aus und entsorgst sie über den Haus- oder Biomüll. Weil unbekannt ist, wie lange der Erreger im Boden überdauert, setzt du dort mindestens eine, besser mehrere Vegetationsperioden lang keine neue Akelei.
Nach der Blüte wirkt Akeleilaub weniger attraktiv, deshalb sollen Nachbarstauden es verdecken, ohne die Akelei zu überwuchern. Ein empfohlener Partner ist die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia).
Die artübergreifenden Grundlagen dazu findest du im Staudenratgeber in den Abschnitten Pflege im Jahreslauf, Krankheiten und Schädlinge sowie Gestalten und kombinieren.




