Blaukissen und pH-Wert: Boden messen, richtig kalken, durchlässig machen
- Der passende pH-Bereich richtet sich nach Bodenart und Kultur, deshalb misst du vor jeder Kalkung.
- Leichte Böden haben im Staudenbeet einen niedrigeren pH-Zielbereich als Lehm oder Ton.
- Kalk kommt nur aufs Beet, wenn der gemessene pH für die Bodenart zu niedrig ist; darüber auch kein kalkhaltiger Dünger.
- Über pH 7,0 kann die Verfügbarkeit von Eisen stark eingeschränkt sein, gelbe Blätter sind kein Grund für Kalk auf Verdacht.
- Lehmigen Boden machst du mit Sand, Kies und Splitt durchlässig, denn länger anhaltende Staunässe begünstigt Wurzel- und Stammgrundfäule.
- Holzasche gehört nicht ins Beet, und Kompost zur Anreicherung ist bei Polsterstauden nicht sinnvoll.

Blühen deine Blaukissen nur dünn, liegt der Griff zum Kalk nahe. Ich messe vorher, denn Kalk auf Verdacht kann den Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. in einen Bereich heben, in dem Eisen schlechter verfügbar ist. Wer seinen Boden misst, weiß, ob Kalk überhaupt infrage kommt, und steckt die Arbeit sonst in die Durchlässigkeit.
Blaukissen sind niedrige PolsterstaudenPolsterstauden sind niedrige, winterharte Stauden, die flach in die Breite wachsen und dabei dichte Polster oder Teppiche bilden. Sie werden vor allem im Steingarten und als Bodendecker verwendet. für Steingärten, Trockenmauern und Einfassungen. Die Mischung „Superbissima“ wird etwa 10 bis 20 cm hoch und blüht im April und Mai.
Welcher pH-Wert passt zu Blaukissen?
Für Blaukissen richtest du dich nach dem pH-Zielbereich deiner Bodenart. Der passende Bereich für die Kalkversorgung hängt von der Bodenart und von der Kultur ab, eine einzelne Zahl für alle Gärten trifft es deshalb nicht. Für Staudenbeete gelten diese allgemeinen Zielbereiche für eine gute Kalkversorgung:
| Bodenart | pH-Zielbereich im Staudenbeet |
|---|---|
| Sand | 5,4 bis 5,8 |
| lehmiger Sand oder sandiger Schluff | 5,8 bis 6,2 |
| stark sandiger Lehm oder lehmiger Schluff | 6,2 bis 6,6 |
| sandiger Lehm, schluffiger Lehm oder Lehm | 6,6 bis 7,0 |
| schluffig toniger Lehm, toniger Lehm oder Ton | 6,8 bis 7,2 |
Leichte Böden liegen also niedriger als schwere. Derselbe Messwert kann deshalb Verschiedenes bedeuten: Ein Wert, der auf Sand schon über dem Zielbereich liegt, kann auf Lehm noch darunter liegen. Gekalkt wird nur, wenn der Wert für die eigene Bodenart zu niedrig ist, also auf dem Lehm womöglich, auf dem Sand nicht.
Der Zielbereich beschreibt, wo der pH-Wert für eine gute Kalkversorgung des Bodens liegen soll. Er gilt nicht für eine einzelne Art, sondern als Rahmen für das Staudenbeet auf einer bestimmten Bodenart.
Wie beeinflusst der pH-Wert die Nährstoffe?
Der pH-Wert entscheidet mit, ob Nährstoffe im Boden für die Wurzeln verfügbar sind. Liegt er über 7,0, kann die Verfügbarkeit von Eisen stark eingeschränkt sein. Mangelsymptome sind dann möglich, obwohl der Boden genug Eisen enthält. Am anderen Ende kann MolybdänMolybdän (Mo) ist ein Pflanzennährstoff, der für die Stickstoffernährung wichtig ist. Es ist aktiver Bestandteil zweier Enzyme: der Nitratreduktase in der Pflanze und der Nitrogenase in den Knöllchenbakterien. unter pH 5,5 schlecht verfügbar sein.
Der pH-Wert ist dabei nicht der einzige Faktor. Verdichtung, Kälte, Trockenheit und Staunässe können die Verfügbarkeit von Spurennährstoffen ebenfalls verschlechtern. Ein Mangelbild an einer kalten, nassen Stelle im Beet kann also auch bei passendem pH entstehen. Für den Nachschub sorgt das BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf.: Bodenlebewesen machen Nährstoffe aus abgestorbenen Pflanzenresten im Humus verfügbar. Wärme und Bodenfeuchte beschleunigen diese Freisetzung gemeinsam.
Wie misst du pH-Wert und Bodenart?
Zuerst bestimmst du die Bodenart, denn erst sie sagt dir, welcher Zielbereich gilt. Für eine grobe Einordnung reicht die Fingerprobe an feuchter, aber nicht nasser Erde. Sand lässt sich nicht formen, Lehm ist körnig formbar, und Ton fühlt sich schmierig und klebrig an. Dieser Schlüssel gilt für Böden mit höchstens 4 % organischer Substanz.
Den pH-Wert prüfst du selbst mit einem Streifentest. Dafür zerkleinerst du Gartenerde, vermengst sie mit destilliertem Wasser und liest nach kurzer Einwirkzeit die Farbe ab. Mehr Werte liefert eine Bodenuntersuchung im Labor, etwa bei der LUFA. Die Standarduntersuchung erfasst üblicherweise Phosphat, Kali und den Kalkbedarf. Stickstoff musst du gesondert beauftragen.
Für die MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. stichst du 10 bis 15 Mal gleichmäßig verteilt über die einheitlich genutzte Fläche ein. Die Erde nimmst du aus dem Oberboden bis etwa 25 bis 30 cm Tiefe. Alle Einstiche mischst du gründlich und füllst davon rund 500 g für die Untersuchung ab.
Ich steche mit einem schmalen Spaten ein, sammle alle Proben in einem sauberen Eimer und mische erst dort. Den Streifentest mache ich mit einem Teil derselben Mischprobe, damit Labor und Teststreifen dieselbe Erde prüfen.
Wann solltest du aufkalken?
Eine Kalkung ist nur sinnvoll, wenn der gemessene pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist. Die Entscheidung richtet sich nach Bodenart, Kultur und Messwert zugleich. Liegt der Wert oberhalb des passenden Zielbereichs, bringst du weder Kalk noch kalkhaltigen Dünger aus.
Wie viel Kalk dein Beet braucht, weist die Bodenuntersuchung als Kalkbedarf aus. Ich halte mich an diese Angabe und schätze die Menge nicht nach Augenmaß. Rechne außerdem deinen Kompost mit: Regelmäßig ausgebrachter Kompost liefert dem Boden auch Kalzium und gehört deshalb in die Entscheidung über zusätzliche Kalkgaben.
Kalk ohne Messung zu streuen, nur weil Blaukissen als Steingartenpflanzen gelten. Liegt dein Boden schon über dem Zielbereich, kann ein zu hoher pH die Eisenaufnahme behindern und eine Kalkchlorose auslösen.
Was taugen Eierschalen, Muschelgrit und Holzasche?
Eierschalen und Muschelgrit werden gern als natürlicher Ersatz für Gartenkalk genannt. Wer sie dafür nutzt, wendet dieselbe Regel an wie beim Kalk aus dem Sack: Sie gehören nur auf einen Boden, dessen gemessener pH für seine Bodenart zu niedrig ist. Liegt dein Wert im Zielbereich oder darüber, lässt du sie weg.
Bei Holzasche ist die Antwort eindeutig.
Holzasche soll weder direkt im Garten noch als Zugabe zum Kompost verwendet werden, auch wenn sie aus naturbelassenem Holz stammt.
Wie machst du schweren Boden durchlässig?
Steingartenpflanzen wie Blaukissen wachsen in durchlässigen, steinigen und meist nährstoffarmen Böden. Länger anhaltende Staunässe verursacht Sauerstoffmangel im Wurzelbereich und begünstigt Wurzel- und Stammgrundfäule. Für eine Steingartenpflanzung mit Blaukissen soll der Boden deshalb gut wasserdurchlässig sein.
Lehmigen Boden machst du mit Sand, Kies und Splitt magerer und durchlässiger. Bei Staunässe reicht das allein nicht. Dann lockerst du zuerst auch tiefer liegende Verdichtungen und arbeitest erst danach mineralisches Material ein. Wurzelunkräuter entfernst du vorher, damit ein durchlässiger, bewuchsfreier Pflanzboden entsteht. Ich lockere im Frühjahr erst, wenn der Boden ausreichend abgetrocknet ist, und nehme dafür die Grabegabel.
Stehen deine Blaukissen in einem Kiesbeet, deckst du den Boden mineralisch ab. Rindenmulch passt dort nicht, weil er ein feucht-saures Milieu schafft. Für trockenheitsliebende Pflanzen im Kiesbeet ist er deshalb ungeeignet.
Für bepflanzte Kiesbeete wird mineralischer Mulch mit einer Körnung von 8 bis 16 mm in einer 5 bis 7 cm starken Schicht aufgetragen.
Im Topf gilt dasselbe Prinzip. Für Steingartenpflanzen im Gefäß eignet sich ein lockeres, nährstoffarmes Substrat. Der Topf braucht freie Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
Brauchen Blaukissen Kompost oder Dünger?
Kompost liefert dem Boden auch Kalzium. Bei Polsterstauden ist eine Kompostgabe zur Anreicherung des Bodens aber nicht sinnvoll. Als Kalkersatz taugt Kompost im Blaukissenbeet deshalb nicht.
Standortgerecht gepflanzte Steingartenpflanzen brauchen normalerweise keinen Zusatzdünger. Zu viel Dünger kann bei Stauden nährstoffarmer Standorte untypisch starkes Wachstum auslösen und die Winterhärte verschlechtern. Wann eine Gabe trotzdem infrage kommt und womit, erklärt der Ratgeber, wie du Blaukissen gezielt düngst.
Was können gelbe Blätter bedeuten?
Hellen die Blätter deiner Blaukissen auf und werden gelb, kann das auf eine ChloroseChlorose ist eine unnatürliche Gelbfärbung der Blätter, weil das Blattgrün schlecht ausgebildet oder zerstört wird. Am häufigsten ist bei uns die Eisenmangel-Chlorose, oft ausgelöst durch kalkhaltigen Boden und Leitungswasser. hindeuten. Eine Eisenmangelchlorose kann durch einen zu hohen Boden-pH entstehen, genauso aber durch verdichteten oder vernässten Boden. Ein zu hoher pH kann die Eisenaufnahme behindern und so eine Kalkchlorose auslösen.
Chlorose kann also vom zu hohen pH kommen, und oberhalb des Zielbereichs wird nicht gekalkt. Gelbe Blätter sind deshalb kein Anlass, auf Verdacht Kalk zu streuen.
Siehst du gelbe Polster, grab an dieser Stelle mit dem Spaten nach. Ist die Erde nass oder fest verdichtet, kümmerst du dich zuerst um die Durchlässigkeit. Ist sie locker, misst du den pH-Wert und vergleichst ihn mit dem Zielbereich deiner Bodenart.
Standort, Pflege, Vermehrung und Nachbarn in Kürze
Standort
Blaukissen brauchen einen sonnigen Platz und passen in Steingärten, an Trockenmauern sowie als Beet- und Wegeinfassung. Wie Licht, Feuchte und pH-Wert bei Stauden allgemein zusammenwirken, steht im Abschnitt Standort und Boden des Stauden-Ratgebers.
Pflanzen und pflegen
Ab dem zweiten Jahr schneidest du die Polster nach der Blüte leicht zurück. Wie du Blaukissen gießt, schneidest und über den Winter bringst, steht im Ratgeber dazu, wie du Blaukissen für den Frühlingsgarten pflegst. Rückschnitt, Winter und Mulch für alle Stauden fasst der Stauden-Ratgeber unter Pflege im Jahreslauf zusammen.
Vermehren
Ältere Polster verjüngst du im Frühjahr durch Teilung. Bei der Aussaat wird das Saatgut nur angedrückt und gleichmäßig feucht gehalten; wie du Blaukissen aussäst und die Sämlinge durchbringst, zeigt der eigene Ratgeber. Grundsätzliches zum Teilen steht im Stauden-Ratgeber unter Teilen, StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. und SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat..
Nachbarn im Steingarten
Als Nachbarn im Steingarten eignen sich weitere Polsterstauden wie Schleifenblume, Polsterphlox und Silberwurz. Wie du Blaukissen im Steingarten und in Trockenmauern gestaltest, beschreibt der Ratgeber dazu; Dichte und Gruppen behandelt der Stauden-Ratgeber unter Gestalten und kombinieren. Die Aufteilung kannst du vorab im Beetplaner skizzieren.




