Bodenmikroben für Bambus und Ziergräser: was sie leisten und wie du sie förderst
- Bodenmikroorganismen leben von Humus und machen beim Abbau gebundene Nährstoffe für Bambus und Ziergräser verfügbar.
- Organische Dünger wie Hornspäne wirken erst nach mikrobiellem Abbau und setzen bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe kaum Nährstoffe frei.
- Für Bambus passt ein stickstoffbetonter Langzeitdünger mit wenig Phosphor, im Winter bleibt der Kübelbambus ungedüngt.
- Holzhäcksel, Stroh und Rindenmulch können beim Abbau vorübergehend Stickstoff im Boden binden.
- Mykorrhizapilze können die Versorgung mit Wasser und Mineralstoffen verbessern, ein bestimmter Mehrertrag für Bambus folgt daraus nicht.
- In einem Gewächshausversuch mit 106 Arten und Sorten von Herbststauden samt Gräsern zeigten EM-Behandlungen keinen einheitlichen Verbesserungstrend bei Wuchs und Bewurzelung.

Wenn ich im Frühjahr Hornspäne um meinen Bambus streue, dünge ich zuerst die BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben.. Die Nährstoffe organischer Dünger werden nämlich erst durch mikrobiellen Abbau pflanzenverfügbar. Ist der Boden gefroren, ausgetrocknet oder staunass, setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei. Wer weiß, wie das Bodenleben arbeitet, düngt Bambus und Ziergräser deshalb gezielter und kann Nährstoffschübe zur falschen Zeit vermeiden.
Welche Bodenmikroben helfen Bambus und Ziergräsern?
Zwei Gruppen von Bodenorganismen kannst du mit deiner Pflege direkt beeinflussen: die Zersetzer, die vom Humus leben, und die Mykorrhizapilze an den Wurzeln. Dazu kommen KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar., die bei Lupinen eine Rolle spielen.
Zersetzer leben vom Humus
Humus dient den Bodenmikroorganismen als Nahrung. Bauen sie ihn ab, setzen sie gebundene Nährstoffe in Formen um, die Wurzeln aufnehmen können. So werden auch Nährstoffe aus abgestorbenen Pflanzenresten wieder verfügbar, etwa aus altem Laub. Beim Humusabbau wird zudem Stickstoff frei, was zusätzliche Stickstoffdüngung verringern oder sogar entbehrlich machen kann. Nebenbei verbessert Humus die Durchlüftung und speichert Wasser und Nährstoffe.
MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. nennt man den Schritt, in dem Bodenorganismen organisch gebundene Nährstoffe zersetzen und dabei pflanzenverfügbar machen. Bei festen organischen Düngern wie Hornspänen läuft die Versorgung über genau diesen Schritt. Deshalb geben sie ihre Nährstoffe langsamer frei als mineralische Dünger.
Mykorrhizapilze an der Wurzel
Mykorrhizapilze gehen eine Partnerschaft mit Pflanzenwurzeln ein. Diese Pilze können die Versorgung ihrer Pflanzenpartner mit Wasser und Mineralstoffen verbessern. Ich pflege sie nicht gesondert, sondern versorge das Bodenleben als Ganzes mit Humus, Mulch und lockerem Boden.
Knöllchenbakterien: der Sonderfall Lupine
Die Staudenlupine kann über eine Symbiose mit Knöllchenbakterien pflanzenverfügbaren Stickstoff gewinnen. Für meinen Bambus plane ich keinen solchen Partner ein. Seinen Stickstoff bekommt er bei mir aus Humus und Dünger.
Wann arbeiten die Mikroben und wann nicht?
Wärme und Bodenfeuchtigkeit beschleunigen gemeinsam, wie schnell Mikroben Nährstoffe aus dem Humus freisetzen. Bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe setzen organische Dünger dagegen kaum Nährstoffe frei. Bei feuchtwarmer Witterung kann es unter Umständen sehr viel auf einmal werden. Auch die Wurzel selbst bremst: Niedrige Bodentemperaturen vermindern die Nährstoffaufnahme, und mehr Dünger gleicht das nicht automatisch aus.
Wer deshalb auf gefrorenem oder ausgetrocknetem Boden nachdüngt, weil sich nichts tut, häuft Nährstoffe an, die bei feuchtwarmem Wetter auf einmal frei werden können. Überhöhte Stickstoffgaben können dann als Nitrat ausgewaschen werden.
Vor jeder Düngergabe greife ich unter dem Bambus in die Erde. Ist sie gefroren oder staubtrocken, warte ich ab. Gedüngt wird bei mir auf feuchten Boden und nicht auf feuchtes Laub.
Organisch oder mineralisch: was hat das Bodenleben davon?
Organische Dünger gehen den Umweg über das Bodenleben und bringen dabei Nahrung für die Mikroorganismen mit. Kompost fördert das Bodenleben und verbessert die BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. sowie die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu leiten und zu speichern. Hornspäne enthalten typischerweise 10 bis 14 % Stickstoff und gehören damit zu den stickstoffbetonten organischen Düngern.
Mineralische Dünger nehmen den direkten Weg zur Pflanze. Leicht lösliche mineralische Dünger wirken schnell, bei nicht bedarfsgerechter Anwendung kann aber Stickstoff ausgewaschen werden. Umhüllte DepotdüngerDepotdünger ist ein mineralischer Dünger, dessen Nährstoffe von einer Hüllschicht ummantelt sind. Durch diese Hülle werden sie nicht auf einmal, sondern langsam nach und nach freigesetzt. geben ihre Nährstoffe dagegen nach und nach durch die Hüllschicht ab. Düngst du überwiegend mineralisch, braucht der Boden zusätzlich organisches Material, damit seine Struktur auf Dauer erhalten bleibt.
Zu viel ist bei beiden Düngerarten möglich. Eine unausgewogene Nährstoffzufuhr kann die Lebensbedingungen der Bodenorganismen beeinträchtigen. Mit Stickstoff überdüngte, mastig wachsende Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten. Auch häufige Kompost- oder Stallmistgaben können einen Gartenboden mit Nährstoffen überversorgen. Wie du Bambus und Ziergräser mit organischen und bodenbiologischen Methoden düngst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Welcher Dünger passt zu Bambus im Kübel?
Für Bambus passt ein stickstoffbetonter LangzeitdüngerEin Langzeitdünger, auch Depotdünger genannt, gibt seine Nährstoffe nicht sofort, sondern verzögert über einen längeren Zeitraum an die Pflanzen ab. Das gilt für entsprechend gekennzeichnete Mineraldünger und ebenso für organische Dünger. mit wenig Phosphor. Als organische Stickstoffquelle nehme ich Hornspäne, Mist kommt nur kompostiert infrage. Kompost fördert zwar das Bodenleben, kann den Boden aber mit Phosphat überversorgen. Für Bambus taugt Kompost deshalb eher als Nahrung fürs Bodenleben denn als Hauptdünger.
Im Kübel zählt zusätzlich die Erde. Auch torffreie Erden sind meist vorgedüngt, ihre Ersatzstoffe können aber die Verfügbarkeit von Stickstoff einschränken. Die Nachdüngung passt du deshalb an den Stickstoff an, der tatsächlich verfügbar ist. Ein größeres Gefäß kann mehr Wasser und Nährstoffe speichern als ein kleines.
Abzugslöcher und ein strukturstabiles Substrat beugen Staunässe und dem Sauerstoffmangel im Wurzelraum vor. Für Bambus ist das wichtig, denn Staunässe kann Wurzeln und Rhizome faulen lassen. Bevor ich gieße, prüfe ich die Feuchte auch unten im Topf, weil eine trockene Oberfläche Nässe darunter verdecken kann.
Im Winter bekommt der Kübelbambus keinen Dünger. Gießen musst du ihn bei Bedarf trotzdem, und zwar an frostfreien Tagen. Mengen und Termine findest du im Ratgeber dazu, wie du die Düngung von Bambus und Ziergräsern an Wetter und Standort anpasst.
Wie förderst du das Bodenleben unter Bambus und Gräsern?
Gründüngung, Kompost, Mulch und eine bodenschonende Bearbeitung können das Bodenleben fördern und zum Humusaufbau beitragen. Mechanische Belastung kann es dagegen beeinträchtigen. Daraus ergeben sich drei Handgriffe: mulchen, vor der Pflanzung gründlich vorbereiten und im eingewachsenen Bestand die Hacke liegen lassen.
Mulch: Feuchte halten, Bodenleben unterstützen
Eine organische Mulchdecke erhält die Bodenfeuchte und unterstützt das Bodenleben. Zugleich mindert sie das Aufheizen des Bodens und schützt die Oberfläche vor Verkrustung. Gras- und Rasenschnitt lässt du vorher anwelken und bringst ihn dünnschichtig aus.
Holzhäcksel, Stroh und Rindenmulch sind stickstoffarm, deshalb können Bodenorganismen bei ihrem Abbau vorübergehend Stickstoff binden. Gerade beim Bambus, der stickstoffbetont gedüngt wird, kann unter Holzhäckseln deshalb eine ergänzende Stickstoffgabe nötig werden. Roher Rindenmulch ist für junge Staudenpflanzungen ungeeignet. Kompostierten RindenhumusRindenhumus ist feine, kompostierte Rinde. Du arbeitest ihn leicht in die Beeterde ein, um dem Boden organische Substanz und Nährstoffe zuzuführen – anders als Rindenmulch, der als Abdeckung obenauf liegt. kannst du dagegen zur Bodenverbesserung einarbeiten.
Nicht jedes Gras will einen reich versorgten Boden. Blau- und Schafschwingel passen auf warme, eher trockene und durchlässige Sand- bis Steinböden. In solchen nährstoffarmen Pflanzungen eignet sich mineralischer Mulch aus Kies oder Splitt, weil organischer Mulch dort unerwünschte Nährstoffe zuführen kann. Wie du Kompost, Mulch und Gründüngung im Staudenbeet einsetzt, zeigt der Ratgeber zur naturnahen Versorgung von Stauden und Bodendeckern.
Das Falllaub meines Bambus bleibt unter den Halmen liegen. Holzhäcksel streue ich nur auf die Wege. Angewelkten Grasschnitt verteile ich in dünner Lage zwischen den Horsten meiner Ziergräser, nicht aber im Kiesbeet mit dem Blauschwingel.
Vor der Pflanzung: lockern und begrünen
Verdichteter Boden hat weniger Porenraum. Wasser versickert schlechter, und im Wurzelbereich kann Luft fehlen. Länger anhaltende Staunässe verursacht Sauerstoffmangel und begünstigt Wurzel- und Stammgrundfäule. Vor einer Pflanzung entfernst du deshalb Wurzelunkräuter und beseitigst Verdichtungen, bei Staunässe auch die tiefer liegenden. Gelockert wird mit der Grabegabel, sobald der Boden ausreichend abgetrocknet ist.
Gründüngung eignet sich vor allem für größere, vorübergehend freie Flächen und zur Vorbereitung einer Neuanlage. Planst du einen Platz für Bambus oder ein neues Gräserbeet, kann eine Gründüngung vorher zum Humusaufbau beitragen.
Im eingewachsenen Bestand: nicht hacken
Ist eine Pflanzung eingewachsen, zerstört Hacken die obere Wurzelschicht. Zugleich belastet es den Boden mechanisch, und das kann die Lebensbedingungen der Bodenorganismen beeinträchtigen. Zwischen meinen Gräsern hacke ich deshalb nicht, BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. ziehe ich mit der Hand.
Bringen EM und Mykorrhiza-Präparate etwas?
Bodenleben gibt es auch zu kaufen, als Effektive Mikroorganismen, kurz EM, oder als Mykorrhiza-Präparat. Einen sicheren Vorteil kann dir bei beiden niemand versprechen.
EM-Lösung macht Stauden und Gräser verlässlich kräftiger? In einem Gewächshausversuch mit 106 Arten und Sorten von Herbststauden einschließlich Gräsern zeigten EM-Behandlungen keinen einheitlichen Verbesserungstrend bei Wuchs und Bewurzelung. Auch für die Pflanzengesundheit ergab sich kein einheitlicher Vorteil.
Mykorrhizapilze können die Versorgung mit Wasser und Mineralstoffen verbessern. Einen bestimmten Mehrertrag für Bambus kann daraus aber niemand ableiten, auch nicht für zugekaufte Pilze. Ich stecke meine Arbeit deshalb in Humus, Mulch und lockeren Boden, denn davon lebt das Bodenleben, das schon da ist.
Bodenuntersuchung: was sie zeigt
Ob dein Boden zu wenig oder schon zu viel Nährstoffe enthält, klärt eine Bodenuntersuchung. Eine Standarduntersuchung erfasst üblicherweise Phosphat, Kali und Kalkbedarf, Stickstoff musst du gesondert beauftragen. Gibst du regelmäßig Kompost, lässt du alle 4 bis 5 Jahre Phosphor und Kalium kontrollieren; mehr dazu im Abschnitt über Düngen und Bodenuntersuchung bei Stauden und Ziergräsern.




