Rhabarber säen: So bringst du Sämlinge bis zur ersten Ernte
- Rhabarber ziehst du im März und April in Töpfen vor und pflanzt ihn im September oder Oktober ins Beet.
- Rhabarber ist kein Lichtkeimer: Die Samen kommen 1 cm tief in die Erde.
- Die Samen keimen bei 10 bis 20 °C in ständig feuchter Erde.
- Pikiert wird 2 bis 3 Wochen nach dem Auflaufen in Einzeltöpfe.
- Eine Pflanze braucht etwa 1 m² Platz und humusreichen Boden ohne Staunässe.
- Aus Samen gezogener Rhabarber 'Victoria' wird ab dem dritten Jahr geerntet, regulär bis zum 24. Juni.

Wer Rhabarber sät, statt ein Rhizomstück zu pflanzen, braucht Geduld. Bei der Sorte ‘Victoria’ beginnt die Ernte aus Samen erst ab dem dritten Jahr. Dafür steht eine Rhabarberpflanze als Richtwert über 10 Jahre am selben Platz. Ich säe Rhabarber deshalb im Frühjahr in Töpfe und suche den Beetplatz aus, bevor der erste Keimling erscheint.
Wann säst du Rhabarber?
Vorgezogen wird Rhabarber im März und April, so ist es für die Sorte ‘Victoria’ angegeben. Andere Saatgutangaben nennen als Startmonate auch April bis Juni oder April bis Juli. Ins Beet kommt Rhabarber in der Pflanzzeit, die im September und Oktober liegt.
Zwischen der Aussaat im Frühjahr und der Pflanzzeit im Herbst liegt also der ganze Sommer. So lange stehen deine Jungpflanzen in ihren Töpfen und brauchen dort gleichmäßige Pflege, vor allem beim Wasser. Wenn du mehrere Stauden aus Samen ziehst, hilft dir der Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser zum Ausdrucken beim Planen.
So säst du Rhabarber: Tiefe, Temperatur, Keimdauer
Fülle Töpfe oder Schalen mit salzarmer Aussaaterde, aus der überschüssiges Gießwasser abfließen kann. Leg die Samen einzeln aus und bedecke sie 1 cm hoch mit Erde. Rhabarber ist kein Lichtkeimer, die Samen gehören also unter die Oberfläche. Manche Angaben nennen eine Saattiefe von 1 bis 2 cm.
Die Samen keimen bei 10 bis 20 °C. Halte die Erde ständig feucht, solange die Samen quellen und keimen. Bis die ersten Keimlinge erscheinen, vergehen 7 bis 14 Tage. Nach anderen Angaben kann sich die Keimung über 6 bis 28 Tage ziehen, gib eine Aussaat deshalb nicht zu früh auf. Sobald der erste Keimling da ist, nimmst du eine Abdeckung ab und stellst die Töpfe hell, aber geschützt vor praller Sonne auf.
| Wert | Angabe für Rhabarber |
|---|---|
| Aussaat (Vorkultur) | März und April |
| Saattiefe | 1 cm, je nach Angabe 1 bis 2 cm |
| Lichtkeimer | nein |
| Keimtemperatur | 10 bis 20 °C, für die Aussaat auch genau 10 °C genannt |
| Keimdauer | 7 bis 14 Tage, nach anderer Angabe 6 bis 28 Tage |
| Tausendkorngewicht | 7 g |
| PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. | 2 bis 3 Wochen nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. |
| Pflanzzeit | September und Oktober |
Rhabarbersamen wie feine Blumensamen nur auf die Erde streuen. Rhabarber ist kein Lichtkeimer, deshalb kommen die Samen 1 cm tief unter die Erde.
Saatgut, salzarme Aussaaterde, Töpfe mit Abzugsloch, Etiketten und ein Platz mit 10 bis 20 °C. Dazu ein Beetplatz, auf dem jede Pflanze später etwa 1 m² bekommt.
Direktsaat oder Vorkultur?
Ich ziehe Rhabarber in Töpfen vor, weil ich dort Feuchte und Temperatur während der Keimung im Blick habe. Den allgemeinen Ablauf von Direktsaat, Vorkultur, Abdecken und AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. findest du im Staudenratgeber, im Abschnitt darüber, wie Aussaat, Vorkultur und Pflanzung bei Stauden ablaufen. Ein Beispiel für Direktsaat mit anschließendem Ausdünnen zeigt die Anleitung, wie du Witwenblumen aussäst und die Sämlinge ausdünnst.
Pikieren und die Jungpflanzen durch den Sommer bringen
Pikiere die Sämlinge 2 bis 3 Wochen nach dem Auflaufen in Einzeltöpfe. Für ‘Victoria’ sind Töpfe mit etwa 12 cm Durchmesser angegeben. Ich hebe jeden Sämling mit einem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. aus der Erde und halte ihn dabei locker an einem KeimblattKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen., ohne daran zu ziehen.
Auf jedes Etikett schreibe ich das Aussaatdatum und später den Tag, an dem der erste Keimling erscheint. Den Termin zum Pikieren zähle ich ab diesem zweiten Datum, weil die Keimdauer bei Rhabarber stark schwanken kann.
Danach wachsen die Jungpflanzen in ihren Töpfen weiter. Rhabarber braucht während des Wachstums ausreichend Wasser, lass die Erde im ersten Jahr also nicht länger austrocknen. Staunässe vermeidest du trotzdem, deshalb brauchen die Töpfe freie Abzugslöcher.
Bevor die Pflanzen vom Haus ins Freie umziehen, gewöhnst du sie etwa eine Woche lang an einem windgeschützten, hellen, aber schattigen Platz an draußen. In der Pflanzzeit im September oder Oktober setzt du sie dann an ihren endgültigen Platz im Beet.
Ein kleiner Topf hält weniger Wasser vorrätig als ein großer, denn ein größeres Erdvolumen verlängert die Zeit zwischen zwei nötigen Wassergaben. Prüf die Töpfe im Sommer deshalb öfter als das Beet. Bei torffreier Erde fühlst du auch unten im Topf nach, weil eine trockene Oberfläche feuchte Schichten darunter verdecken kann.
Welcher Boden und welches Licht passen zu Rhabarber?
Rhabarber wächst am besten in humusreichem, mittlerem bis schwerem Boden, der Wasser gut hält. Staunässe und BodenverdichtungBodenverdichtung bedeutet, dass der Boden zusammengedrückt ist und seine lockere Struktur verloren hat, vor allem durch Betreten oder Befahren in feuchtem Zustand. Wurzeln dringen dann kaum ein, und Regenwasser bleibt oft in Pfützen stehen. meidest du, denn beide beeinträchtigen Wachstum und Wurzelgesundheit. Beim pH-Wert ist Rhabarber nicht festgelegt, er kommt mit sauren, neutralen und alkalischen Böden zurecht.
Lockere den Boden vor der Pflanzung mindestens 30 cm tief. Wurzelunkräuter holst du dabei mit der Grabegabel heraus und sammelst alle Rhizom- und Wurzelstücke sorgfältig ab.
Ein sonniger Standort ist günstig für kräftige Stiele und hohe Erträge, leichten Schatten verträgt Rhabarber ebenfalls. Schattenlagen und feuchte Jahre begünstigen allerdings Blattflecken. Hast du die Wahl zwischen Sonne und Halbschatten, bekommt der Rhabarber deshalb den sonnigeren Platz.
Wie viel Platz braucht Rhabarber?
Eine einzelne Rhabarberpflanze braucht etwa 1 m² Fläche. Rhabarber wird 100 bis 150 cm hoch und steht als einzelne Staude frei im Beet. Setzt du mehrere Pflanzen in eine Reihe, plane 150 cm Abstand zwischen den Pflanzen ein. Zwischen den Reihen sind 130 cm angegeben. Gepflanzt wird 2 cm tief.
Rhabarber bleibt als Richtwert über 10 Jahre am selben Standort. Danach sollte auf dieser Fläche 5 Jahre lang kein Rhabarber wachsen. Mit der Platzwahl legst du die Fläche also auch für die Zeit nach dem Rhabarber fest.
Ob die Fläche reicht, siehst du, wenn du deine Beete im Beetplaner einzeichnest. Im Werkzeug zur Mischkultur prüfst du außerdem, welche Beetnachbarn zu Rhabarber passen.
Bis zur ersten Ernte: was in den Jahren dazwischen passiert
Der Weg vom Samen zur ersten Ernte, am Beispiel der Sorte ‘Victoria’:
| Zeitpunkt | Was du tust |
|---|---|
| März und April | Samen 1 cm tief in Töpfe säen und bei 10 bis 20 °C keimen lassen |
| 2 bis 3 Wochen nach dem Auflaufen | in Einzeltöpfe mit etwa 12 cm Durchmesser pikieren |
| Sommer | Jungpflanzen im Topf feucht halten und vor dem Umzug ins Freie abhärten |
| September und Oktober | an den endgültigen Platz im Beet pflanzen |
| bis zur ersten Ernte | wachsen lassen, BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. entfernen, keine Stiele ernten |
| ab dem dritten Jahr | Stiele von Mai bis Juni ernten, regulär bis zum 24. Juni |
Bis zur ersten Ernte lässt du die Pflanze in Ruhe wachsen und nimmst keine Stiele ab. Rhabarber blüht im April und Mai, bei der Stielkultur entfernst du die Blütenstände regelmäßig. Als winterharte, mehrjährige Pflanze überdauert er die kalte Jahreszeit im Beet.
Gieß während des Wachstums ausreichend, ohne dass sich Staunässe bildet. Am besten gießt du morgens direkt an die Wurzeln statt über die Blätter, eine Mulchdecke hemmt zusätzlich die Verdunstung.
Rhabarber ist ein StarkzehrerStarkzehrer sind Gemüsearten mit hohem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff, etwa Kohl, Kürbis, Tomaten und Zucchini. In der Fruchtfolge kommen sie zuerst auf ein frisch versorgtes Beet, zum Beispiel nach einer Kompostgabe.. Im zeitigen Frühjahr bekommt er Kompost, etwa 3 l/m², dazu ergänzend Stickstoff, bevorzugt organisch. Richte die Düngung nach einer Bodenuntersuchung, denn Kompost bringt selbst Nährstoffe mit, die du mitrechnest.
Gegen Schnecken schützt ein Schneckenzaun nur dann zuverlässig, wenn du innerhalb der Umzäunung weiter Schnecken absammelst. Weinbergschnecken stehen unter Schutz und werden nicht bekämpft. Mehr zu Gießen, Düngen, Winter und Pflanzenschutz bei Stauden findest du im Ratgeber zu Stauden und Ziergräsern.
Erste Ernte: ab wann, bis wann und woran du reife Stiele erkennst
Bei aus Samen gezogenem Rhabarber der Sorte ‘Victoria’ beginnt die Ernte ab dem dritten Jahr. Geerntet wird von Mai bis Juni. Reif sind mittelstarke bis dicke Stiele, deren Blätter sich glatt ausgebreitet haben. Ich nehme im ersten Erntejahr nur einzelne kräftige Stiele und lasse den Rest der Pflanze stehen.
Regulär endet die Ernte am 24. Juni. Ein Vlies, das du im Frühjahr auflegst, kann Austrieb und Ernte verfrühen.
Wird Rhabarber nach dem 24. Juni giftig? Der Termin hat einen anderen Grund: Ab dann lagert die Pflanze Reservestoffe ein. Er gilt als reguläres Ernteende der gewöhnlichen Rhabarberkultur und ist keine allgemeine Giftgrenze.
In die Küche gehen die fleischigen Stiele, und zwar gegart, zum Beispiel als Kompott, Konfitüre oder Kuchen. Die Blattspreiten gehören nicht dazu. Frische Stiele halten sich in ein feuchtes Tuch gewickelt mehrere Tage im Kühlschrank.
Die Alternative zur Aussaat: ein Rhizomstück
Statt zu säen, kannst du ein Rhizomstück mit mindestens einer Knospe pflanzen, besser mit mehreren. Geteilt wird im Oktober, damit sich vor dem Winter Wurzeln bilden. Beim gepflanzten Stück bleibt das erste Jahr erntefrei; wie Teilen bei Stauden grundsätzlich abläuft, erklärt der Ratgeber zu Stauden und Ziergräsern.





