Fingerhut aussäen: So bringst du den Lichtkeimer vom Samen zur Blüte
- Roter Fingerhut ist ein Lichtkeimer: Streu die Samen auf die Erde und drück sie nur an.
- Die Saattiefe liegt bei 0 bis 1 cm, maßgeblich ist die Angabe auf deiner Saatgut-Tüte.
- Gesät wird von Mai bis September, unter Glas kannst du im März und April vorziehen.
- Die Keimung dauert 10 bis 21 Tage, so lange bleibt das Substrat ständig feucht.
- Sämlinge nach den ersten Laubblättern einzeln in Töpfe pikieren und ab dem Spätsommer auspflanzen.
- Ausgepflanzt wird mit 30 bis 40 cm Abstand in der Reihe und 40 bis 50 cm zwischen den Reihen.
- Blätter, Blüten und Samen sind giftig und werden nicht gegessen, auch das Saatgut nicht.

Fingerhut-Samen sind winzig, und wer sie wie Bohnen in die Erde steckt, nimmt ihnen das Licht, das sie zum Keimen brauchen. Ich streue sie deshalb auf die Oberfläche, drücke sie nur an und halte die Schale feucht, bis das erste Grün erscheint. So bringst du Roten Fingerhut (Digitalis purpurea) über Keimung, Pikieren und Abhärten bis an seinen festen Platz im Beet, wo er im zweiten Jahr blüht.
Fingerhut-Aussaat auf einen Blick
| Was | Angabe |
|---|---|
| Aussaatzeit | Mai bis September |
| Vorkultur unter Glas | März und April |
| Keimverhalten | Lichtkeimer |
| Saattiefe | 0 bis 1 cm, je nach Saatgut-Angebot |
| Keimtemperatur | 15 bis 22 °C, einzelne Angaben nennen 21 °C |
| Keimdauer | 10 bis 21 Tage |
| Tausendkorngewicht (Wild- und GenbankmaterialGenbankmaterial ist Saat- oder Pflanzgut aus dem Bestand einer Genbank, etwa einer Sammlung von Kulturpflanzen und ihren wilden Verwandten. Es wird nur in kleinen Mengen abgegeben und ist keine Ware eines kommerziellen Saatgutlieferanten.) | 0,0584 bis 0,1264 g |
| Pikieren | nach den ersten Laubblättern, einzeln in Töpfe |
| Auspflanzen | ab dem Spätsommer |
| Pflanztiefe | 0 bis 0,5 cm |
| Kulturdauer | 154 bis 420 Tage |
| Blüte | im zweiten Jahr, Juni und Juli |
Bei Saattiefe und Keimtemperatur unterscheiden sich die Angaben je nach Saatgut-Angebot, schau deshalb zusätzlich auf deine Tüte. Wann welche Staude an der Reihe ist, zeigt dir der Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser zum Ausdrucken.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Humusreicher Boden bevorzugt; sehr nasse und sehr trockene Standorte vermeiden. Halbschatten bevorzugt, volle Sonne möglich.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Humusreicher Boden bevorzugt; sehr nasse und sehr trockene Standorte vermeiden.
- Anbauort
Die Pflanze eignet sich für Blumenbeete und Rabatten, Bauerngärten, naturnahe Gärten und Wildblumenwiesen.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Direkt am endgültigen Standort säen.
Direktsaat oder alternativ Vorkultur in Aussaatschalen mit anschließendem Auspflanzen.
Pflege
- Pflege
Nach der Blüte zurückschneiden; falls keine Samen gewünscht sind, abgeblühte Blüten regelmäßig entfernen.
- Düngung
Roten Fingerhut im Freiland im April mit organischem Volldünger versorgen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist zweijährig oder kurzlebig mehrjährig.
- Verwendung
Je nach Sorte: Die Pflanze eignet sich als Schnittblume. Die Pflanze dient Nützlingen und Insekten als Nahrungsquelle.
Roter Fingerhut in Kürze
Roter Fingerhut wächst straff aufrecht und wird 80 bis 150 cm hoch. Er wird zweijährig kultiviert und blüht im Juni und Juli. Welche weiteren Arten es gibt und wie sie sich in Größe, Farbe und Lebensdauer unterscheiden, zeigt der Überblick über die Vielfalt der Fingerhut-Arten im Garten.
Im Garten passt er in Beete und Rabatten, in Bauerngärten, naturnahe Gärten und Wildblumenwiesen. Insekten nutzen ihn als Nahrungsquelle. Wie du Fingerhut mit seinen Blütenkerzen gestalterisch einsetzt, beschreibt der Ratgeber dazu.
Saatgut vorbereiten
Vorsicht: Auch die Samen sind giftig
Blätter, Blüten und Samen des Roten Fingerhuts sind wegen herzwirksamer Glykoside wie Digitoxin giftig und werden nicht gegessen, auch das Saatgut nicht. Besteht der Verdacht, dass jemand Pflanzenteile oder Samen geschluckt hat, ruf ein Giftinformationszentrum an oder hol ärztliche Hilfe, und löse kein Erbrechen aus. Was du über giftige Stauden wie Fingerhut, Eisenhut und Lupinen wissen solltest, fasst der Überblick zu Stauden und Ziergräsern zusammen.
Winzige Samen gleichmäßig verteilen
Fingerhut-Samen sind sehr fein: Das Tausendkorngewicht von Wild- und Genbankmaterial liegt bei 0,0584 bis 0,1264 g. Bei solchem Saatgut, etwa der Sorte ‚Wildes Waldglöckchen‘, hilft es, die Samen vor dem Säen mit Sand zu mischen. So verteilen sie sich gleichmäßiger, und es landen nicht zu viele auf einem Fleck. Ich gebe die Samen dafür in ein Schälchen mit trockenem Sand, rühre um und streue das Gemisch aus.
Saatgut lagern und prüfen
Fingerhut-Samen haben ein orthodoxes Lagerverhalten, sie lassen sich also trocken aufbewahren. Kühl, dunkel und trocken gelagert bleiben die meisten selbst gesammelten Blumen- und Staudensamen als Orientierung etwa 3 Jahre keimfähig. Eine Garantie für jede Art ist das nicht. Günstig ist eine Lagerung unter Luftabschluss bei weniger als 10 °C. Bei Resten mit fraglicher KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. machst du etwa 4 Wochen vor der geplanten Aussaat eine KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt.. Hast du Samen von einer Hybridsorte geerntet, können die Nachkommen deutlich von der Mutterpflanze abweichen.
Erde und Schale
Für die Aussaat nimmst du salzarme Aussaaterde. Die Schale braucht Abzugslöcher, damit überschüssiges Gießwasser abfließen kann.
Schale mit Abzugslöchern, salzarme Aussaaterde, Samen mit trockenem Sand gemischt, ein kleines Brett zum Andrücken, Sprühflasche, durchsichtige Haube, Etikett mit Sorte und Datum.
Fingerhut aussäen: Schritt für Schritt
Wann gesät wird
Roter Fingerhut wird von Mai bis September ausgesät. Unter Glas kannst du ihn schon im März und April vorziehen. Welcher Termin zu deinem Garten passt, wann vorgezogene Pflanzen hinauskommen und wie du die Selbstaussaat nutzt, erklärt der Ratgeber zum richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Pflanzung von Fingerhut.
In der Schale vorziehen
Füll die Schale mit Aussaaterde, streich die Oberfläche glatt und drück sie leicht an. Feuchte die Erde an, bevor die Samen daraufkommen, damit du sie danach nicht mit dem Gießstrahl verschwemmst. Streu das Samen-Sand-Gemisch gleichmäßig über die ganze Fläche. Ich drücke die Samen danach mit einem kleinen Brett an, damit sie guten Kontakt zur Erde haben.
Als Lichtkeimer bleibt Fingerhut an der Oberfläche liegen. Die Saattiefe liegt bei 0 bis 1 cm, und manche Saatgut-Angebote sehen eine Bedeckung vor. Steht auf deiner Tüte eine Erdschicht, halte dich genau an diese Angabe und gib nicht mehr darauf. Zum Schluss setze ich eine durchsichtige Haube auf die Schale und stecke ein Etikett mit Sorte und Datum hinein.
Lichtkeimer sind Samen, die zum Keimen Licht brauchen. Lichtkeimer kommen deshalb an die Oberfläche und werden höchstens so tief bedeckt, wie die Saatgut-Angabe es vorsieht.
Die Samen werden aus Gewohnheit mit Erde übersiebt. Bei Fingerhut gehört nicht mehr Erde darauf, als deine Tüte angibt.
Direkt ins Beet säen
Fingerhut lässt sich auch direkt am endgültigen Standort säen. Entferne vorher Wurzelunkräuter und lockere verdichteten Boden, damit ein durchlässiges, bewuchsfreies Saatbett entsteht. Streu das Samen-Sand-Gemisch aus, drück es mit einem Brett an und halte die Fläche bis zum Auflaufen feucht. Ich markiere die Saatstelle mit Stäben, damit ich die Keimlinge beim Jäten nicht erwische. Später vereinzelst du die Sämlinge auf die Abstände, die auch beim Auspflanzen gelten.
Pflege während der Keimphase
Während die Samen quellen und keimen, muss das Substrat ständig ausreichend feucht bleiben. Weil Fingerhut-Samen als Lichtkeimer offen auf der Erde liegen, kommt es dabei vor allem auf die oberste Schicht an: Trocknet sie aus, fehlt den Samen das Wasser genau dort, wo sie liegen. Ich sprühe deshalb mit feinem Nebel nach, sobald die Oberfläche heller wird, statt kräftig zu gießen. Staunässe vermeidest du, indem überschüssiges Wasser durch die Abzugslöcher ablaufen kann.
Stell die Schale an einen hellen Platz mit 15 bis 22 °C. Pralle Sonne halte ich von der Schale fern. Die Keimung dauert 10 bis 21 Tage. Sobald der erste Keimling erscheint, nimmst du die Haube ab. Ab dann stehen die Sämlinge hell, aber vor praller Sonne geschützt.
10 bis 21 Tage dauert die Keimung beim Roten Fingerhut. Bleibt die Schale in dieser Zeit noch leer, prüfst du Feuchte und Temperatur, statt sie aufzugeben.
Jungpflanzen pflegen: pikieren, gießen, abhärten
Sämlinge pikieren
Pikiert wird, sobald die Sämlinge ihre ersten Laubblätter gebildet haben. Heb jeden Sämling mit einem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. aus der Erde und halte ihn dabei an den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen., ohne zu ziehen. Setz die Sämlinge einzeln in Töpfe mit frischer Erde und drück sie behutsam an. Ich trage beim Pikieren Handschuhe und wasche mir danach die Hände.
Sind die ersten Laubblätter da, legst du Pikierstab, Töpfe und angefeuchtete Erde bereit. So liegen die Sämlinge nicht lange ohne Erde.
Gießen, Licht und Nährstoffe
Die pikierten Pflanzen stehen hell, aber ohne pralle Sonne. Halte die Erde gleichmäßig feucht und sorg dafür, dass überschüssiges Wasser aus dem Topf ablaufen kann. Bei torffreier Erde hebe ich den Topf an und prüfe die Feuchte im unteren Bereich, denn eine trockene Oberfläche kann feuchte tiefere Schichten verdecken. Mit Dünger halte ich mich in der Topfphase zurück und beobachte Blattfarbe und Wuchs.
Schnecken und Läuse im Blick
Junge Pflanzen kontrolliere ich auf Schnecken und Blattläuse. Ein Schneckenzaun schützt nur zuverlässig, wenn du innerhalb der Umzäunung weiterhin regelmäßig Schnecken absammelst. Weinbergschnecken stehen unter Schutz und dürfen nicht gezielt bekämpft werden. Bei schwachem Blattlausbefall genügt häufig ein Wasserstrahl, der die Läuse abspült. Wie du Fingerhut vor Krankheiten und Schädlingen schützt und gut durch den Winter bringst, liest du im Ratgeber dazu.
Abhärten
Pflanzen, die im Haus standen, härtest du vor dem Auspflanzen etwa eine Woche ab. Stell sie dafür an einen windgeschützten, hellen, aber schattigen Platz.
Zum Abhärten stelle ich die Töpfe in den Schatten an die Hauswand und hole sie bei Sturm wieder herein.
Auspflanzen an den endgültigen Platz
Vorgezogene Fingerhut-Pflanzen kommen ab dem Spätsommer ins Beet. Da Roter Fingerhut zweijährig kultiviert wird und im zweiten Jahr blüht, steht die Rosette so vor dem Winter an ihrem Platz und blüht im folgenden Sommer dort, wo sie bleiben soll.
Der passende Platz
Roter Fingerhut wächst sonnig bis halbschattig, bevorzugt aber den Halbschatten. Er mag humusreichen Boden und meidet sehr nasse wie sehr trockene Standorte. Wie du den passenden Platz mit Licht, Boden und Feuchte für Fingerhut findest, erklärt der Ratgeber dazu.
Boden vorbereiten
Vor dem Pflanzen entfernst du Wurzelunkräuter und lockerst verdichteten Boden. Bei Staunässe beseitigst du auch tiefer liegende Verdichtungen. Wie du den Boden für Fingerhut vorbereitest und die Pflanzen danach pflegst, zeigt der Anbau-Ratgeber.
Pflanzen Schritt für Schritt
Tauch den Topfballen vor dem Pflanzen ganz in Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Heb ein Pflanzloch aus, das den Ballen bequem aufnimmt. Die Pflanztiefe liegt bei 0 bis 0,5 cm, setz die Pflanze also nicht tiefer, als sie im Topf stand. Drück die Erde rundherum an und gieß gründlich an.
Die Abstände richtest du nach diesen Werten aus:
| Maß | Wert |
|---|---|
| Pflanzabstand in der Reihe | 30 bis 40 cm |
| Reihenabstand | 40 bis 50 cm |
| Wuchsbreite | 30 bis 40 cm |
| Wuchshöhe | 80 bis 150 cm |
| Wuchsform | straff aufrecht |
Für eine geschlossene Gruppenwirkung kannst du Roten Fingerhut mit 10 bis 20 Pflanzen kombinieren. Wie viele Pflanzen auf deine Fläche passen, kannst du mit dem Beetplaner für dein Beet durchspielen.
Fingerhut im Staudenbeet
In einseitig betrachteten Staudenbeeten stehen höhere LeitstaudenLeitstauden sind die prägenden Stauden eines Beets: langlebige Arten mit mächtigem, auffälligem Wuchs und üppiger Blüte. Sie bilden das Gerüst der Pflanzung, auf das die Begleitstauden abgestimmt werden. hinten und niedrige BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. vorn. Wie du Fingerhut nach Wuchshöhe im Staudenbeet platzierst und mit Beetstauden kombinierst, zeigt der Ratgeber zum Staudenbeet.
Vom Sämling zur Blüte: der Lebenszyklus
Im Aussaatjahr bildet Roter Fingerhut eine Rosette aus Blättern. Die Rosette überwintert im Beet, denn Roter Fingerhut ist winterhart. Im zweiten Jahr schiebt er seine Blütenkerze. Geblüht wird im Juni und Juli. Botanisch zählt er zu den zweijährigen oder kurzlebig mehrjährigen Pflanzen, mit vielen Blühjahren einer einzelnen Pflanze rechnest du also nicht.
Wer jeden Sommer Fingerhut blühen sehen will, sät deshalb auch im Folgejahr wieder. Dann blüht die erste Aussaat, während die nächste ihre Rosette bildet.
Nach der Blüte
Für die Vase schneidest du die Blütenstände, wenn sich das untere Drittel der Blüten geöffnet hat. Im Freiland versorgst du Roten Fingerhut im April mit organischem VolldüngerEin Volldünger, auch NPK-Dünger genannt, enthält die drei Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium in einem Produkt. Häufig sind zusätzlich Magnesium, Kalzium oder Schwefel beigemischt.. Nach der Blüte wird zurückgeschnitten. Willst du keine Sämlinge, entfernst du die abgeblühten Blüten regelmäßig, denn das kann die unerwünschte Selbstaussaat verhindern. Ich lasse an einer Beetecke einzelne Samenstände stehen und schneide die übrigen nach der Blüte ab. Mulch, Überwinterung und die Pflege im zweiten Jahr behandelt der Anbau-Ratgeber zum Fingerhut, die gezielte Selbstaussaat der Ratgeber zum richtigen Zeitpunkt.




