Blumenwiesen und Bodenfruchtbarkeit: Wurzeln, Humus und Bodenleben statt Dünger
- Fein verzweigte Wurzeln stabilisieren Bodenkrümel und hinterlassen nach ihrem Abbau Kanäle für Luft und Wasser.
- Bakterien, Pilze und Regenwürmer bauen Pflanzenreste ab und wirken an Humusbildung und Nährstofffreisetzung mit.
- Klee und Luzerne können mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft binden.
- Abgeräumtes Mähgut entzieht der Wiese allmählich Nährstoffe; eine magere, artenreiche Blumenwiese wird nicht gedüngt.
- Ob sich der Bodenkohlenstoff verändert, zeigt nur eine Messung; Wiederholungsproben sind frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll.

Du legst eine Blumenwiese an und hoffst, dass dein Gartenboden davon besser wird. Gleichzeitig liest du, die Fläche solle mager bleiben und keinen Dünger bekommen. Das passt zusammen, sobald du Fruchtbarkeit nicht mit Nährstoffreichtum gleichsetzt. Unter einer Wiese verändern Wurzeln die KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk., Bodenlebewesen bauen Pflanzenreste ab, und aus abgestorbener Biomasse kann Humus entstehen. Ich trenne deshalb bei jeder Wiesenfläche zwei Fragen: Wie ist der Boden gebaut, und wie viele Nährstoffe liefert er?
Was Bodenfruchtbarkeit bei einer Blumenwiese bedeutet
Eine dauerhafte Blumenwiese besteht aus Gräsern und Wildkräutern. Damit unterscheidet sie sich von einer überwiegend einjährigen Sommerblumenansaat, die jedes Jahr neu eingesät wird. Bei einer mageren, artenreichen Wiese wird auf Düngung verzichtet, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Bodenfruchtbarkeit meint hier deshalb Krümelstruktur, Humus und Bodenleben, keinen großen Nährstoffvorrat.
Ein nährstoffreicher Gartenboden schließt eine Wiese trotzdem nicht aus. Auch nährstoffreichere Böden tragen eigene, geeignete Wiesengesellschaften, und für sie kannst du eine entsprechend angepasste Mischung wählen. Bei der Auswahl zählen Licht, Bodenfeuchte und Nährstoffversorgung deines Standorts.
Wie Wurzeln die Bodenstruktur verändern
Fein verzweigte Pflanzenwurzeln stabilisieren die Bodenkrümel. Sterben sie ab und werden abgebaut, bleiben Kanäle zurück, durch die Luft und Wasser in den Boden gelangen. Auch die Gräser einer Wiese können mit ihren fein verteilten Wurzeln die Stabilität der Krümel fördern. Gräser gehören ohnehin in eine Wiesenmischung, nur die konkurrenzstarken Arten Weidelgras und Wiesenrispe sollten darin fehlen.
Bei einer Wiesenanlage nach Bauarbeiten werden vorhandene Verdichtungen vor der Aussaat durch Lockerung beseitigt. Das passt zum Ablauf im Boden: Kanäle bleiben erst zurück, wenn abgestorbene Wurzeln abgebaut sind, und darauf wartest du bei einer Verdichtung nicht. Vor einer Neuanlage nehme ich eine Fingerprobe an feuchtem, nicht nassem Feinboden und schätze damit grob die Bodenart ein.
Für den Wasserhaushalt zählt dieselbe Struktur. Verdichtung und VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. können die Wasseraufnahme und Wasserspeicherung des Bodens vermindern und den Oberflächenabfluss verstärken. Was eine Wiese für Versickerung und Abfluss bedeutet, steht im Beitrag darüber, wie Blumenwiesen Wasser speichern.
Eine Bodenbedeckung ab etwa 30 % wirkt Wassererosion entgegen, ohne dass daraus eine feste Schutzleistung für eine bestimmte Blumenmischung folgt. Wo du Wiesen gezielt gegen Bodenabtrag einsetzt, liest du im Beitrag darüber, wie Blumenwiesen den Boden vor Erosion schützen.
Wie unter einer Wiese Humus entsteht
Pflanzen entnehmen der Luft CO2 und binden den KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. in ihrer Biomasse. Aus abgestorbenen Pflanzenteilen kann Humus entstehen. Bakterien, Pilze und Regenwürmer bauen diese Reste ab und wirken dabei an der Humusbildung und an der Freisetzung von Nährstoffen mit. Regenwürmer schaffen außerdem luft- und wasserführende Röhren im Boden. Damit ergänzen sie die Kanäle, die abgestorbene Wurzeln hinterlassen.
Was Untersuchungen zum Bodenkohlenstoff zeigen
Im Jena-Graslandexperiment erhöhte eine größere Pflanzenvielfalt den Gehalt an organischem Kohlenstoff im Boden. Auf 120 untersuchten Grünflächen des Gießener Campus hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasenflächen. Dort beeinflusste allerdings auch die frühere Nutzung der Flächen den Vorrat. In einem Feldversuch mit eingebrachten Bodenmineralen begünstigten Pflanzenvielfalt und Produktivität im Grünland die Bildung mineralgebundener organischer Substanz. Wie viel davon entstand, hing wesentlich von der Mineralart ab.
Einen sicheren Zuwachs gibt es trotzdem nicht. Im Münchner CO2-Flussmodell waren Grasflächen im Jahresmittel CO2-Quellen, weil ihre Bodenatmung die PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. überstieg. Weil Wiesen in Gießen mehr Bodenkohlenstoff hatten, Grasflächen im Münchner Modell aber Quellen waren, siehst du die Bilanz deiner eigenen Fläche nicht am Bewuchs. Du kannst sie nur messen lassen.
Wie du Veränderungen messen lässt
Eine Gartenbodenanalyse erfasst standardmäßig Phosphat, Kalium und pH-Wert und lässt sich um den Humusgehalt ergänzen. Bei der Bodenanalyse vor einer Neuanlage lasse ich den Humusgehalt mitbestimmen und notiere mir die Beprobungstiefe.
Für den Bodenkohlenstoffvorrat einer Fläche werden Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte, Steinanteil und Beprobungstiefe gebraucht. Eine Wiederholungsprobe ist frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll.
Wie der Nährstoffkreislauf in der Wiese läuft
Stickstoff gelangt auch ohne Dünger in eine Wiese. KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. an den Wurzeln von Leguminosen wie Weißklee, Rotklee und Luzerne können Luftstickstoff binden und in pflanzenverfügbaren Stickstoff umwandeln. Hinzu kommen Nährstoffe, die beim Abbau abgestorbener Pflanzenreste frei werden.
Hinaus gehen Nährstoffe mit dem Mähgut. Regelmäßige Mahd mit vollständiger Entfernung des Schnittguts entzieht der Fläche allmählich Nährstoffe. Das Mähgut bleibt deshalb nicht als düngende Mulchschicht liegen. Dauerhaft liegen gelassenes Material bildet außerdem eine Filzschicht, die sich nachteilig auswirkt. Zum Ausfallen der Samen darf das Mähgut kurz auf der Wiese bleiben, danach kommt es herunter. Ich lasse es kurz antrocknen und räume es dann vollständig ab.
Auf wüchsigen Wiesenstandorten kann regelmäßiges Abräumen des Mähguts bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken. Verlass dich aber nicht darauf: Das ist eine Möglichkeit, kein fester Zeitplan.
Zu hohe Gaben schnell verfügbaren Stickstoffs fördern Gräser und hochwüchsige Kräuter und verdrängen niedrigwüchsige Wiesenkräuter. Auch Kompost und StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. sind Dünger und können bei zu hohen Gaben zur Nährstoffanreicherung beitragen. Vor der Aussaat einer dauerhaften Garten-Blumenwiese wird der Boden deshalb nicht mit Kompost angereichert.
Gründüngung und Blumenwiese nutzen denselben Vorgang mit entgegengesetztem Ziel. Phacelia nimmt als Gründüngung vorhandene Bodennährstoffe auf und gibt sie beim Verrotten für die Nachfolgefrucht wieder frei. Auf der Wiese räumst du das Mähgut dagegen ab, damit die aufgenommenen Nährstoffe die Fläche verlassen. Nach dem Einarbeiten einer Gründüngung wartest du vor der nächsten Aussaat meist etwa 2 bis 3 Wochen; die Belegung deiner Beete danach planst du im Beetplaner.
Was dein Pflanzenbestand über den Stickstoff verrät
Welche Arten sich auf deiner Wiese halten, gibt dir Hinweise auf den Stickstoff im Boden. Die StickstoffzahlDie Stickstoffzahl ist einer der Zeigerwerte nach Ellenberg, also eine Kennzahl von 1 bis 9. Sie zeigt, ob eine Pflanzenart in der Natur eher auf stickstoffarmen (1) oder stickstoffreichen Standorten (9) wächst. nach Ellenberg ordnet Pflanzen auf einer Skala von stickstoffärmst bis übermäßig stickstoffreich ein.
| Art | Stickstoffzahl (Ellenberg N, Skala 1 stickstoffärmst bis 9 übermäßig stickstoffreich) |
|---|---|
| Margerite | 3 |
| Wegwarte | 5 |
| Klatsch-Mohn | 6 |
| Wilde Karde | 7 |
Bei der Margerite kommt ein Hinweis aus der Wiesenpflege dazu: Der BUND weist darauf hin, dass Düngung Wiesen-Margeriten aus dem Bestand verdrängen kann. Für eine Standortdeutung sind größere Bestände und mehrere Arten aussagekräftiger als eine einzelne Pflanze.
Auch der Klappertopf gibt einen Hinweis. Klappertopf-Arten kommen besonders in wenig gedüngten Wiesen mit später erster Mahd vor. Als Halbschmarotzer entziehen sie ihren WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter. Wasser und Nährstoffe und können dadurch Gräser schwächen.
Ich notiere mir, welche Arten auf meiner Wiese in größeren Beständen wachsen, und lege die Listen der einzelnen Jahre nebeneinander. Aus einer einzelnen Pflanze leite ich nichts ab.
Was die Wiese Insekten über dem Boden bietet
Artenreiche Wiesen bieten Insekten neben Nahrung auch Möglichkeiten zur Fortpflanzung, zum Rückzug und zur Überwinterung. Offene oder schütter bewachsene Bodenstellen sind zudem Lebensraum für bodennistende Wildbienen. Mehr dazu steht im Wildblumen-Ratgeber im Abschnitt zum Nutzen für Insekten.
Wenn du die Fläche neu anlegst
Vor einer neuen Ansaat entfernst du konkurrenzstarke Pflanzen wie Quecke und Giersch mitsamt ihren Wurzeln. Saatbett, Aussaat und Mahd im Jahreslauf beschreibt derselbe Wildblumen-Ratgeber in den Abschnitten zu Aussaat und Pflanzung sowie zu Mähen und Pflege. Welche Mischung zu deiner Gegend passt, liest du im Beitrag darüber, wie du Blumenwiesen an die Klimazonen in Deutschland anpasst.




