Physalis anbauen: Aussaat, Temperatur nach der Keimung, Pikieren und Auspflanzen
- Gemeint ist die Andenbeere (Physalis peruviana), nicht die Lampionblume (Physalis alkekengi) mit ihren giftigen Pflanzenteilen.
- Aussaat von Februar bis April im Haus, die Samen kommen 0,5 bis 1 cm tief in nährstoffarme Erde.
- Physalis keimt bei 20 bis 25 °C nach 7 bis 20 Tagen.
- Nach der Keimung ziehst du die Sämlinge bei 16 bis 20 °C weiter.
- Pikieren, sobald die ersten Laubblätter da sind, einzeln in nährstoffreiches Substrat.
- Auspflanzen im Mai an einen geschützten, vollsonnigen Platz, mit Stütze.
- Abstand in der Reihe und zwischen den Reihen je 30 bis 100 cm, passend zur Wuchsbreite der Sorte.
- Auf derselben Fläche wächst die Andenbeere erst nach 4 Jahren Anbaupause wieder.

Physalis brauchen einen langen Vorlauf im Haus. Die Andenbeere hat eine Kulturdauer von 168 bis 196 Tagen, ins Beet darf sie aber erst im Mai. Die Wochen davor gehören der Anzucht, und in dieser Zeit achtest du vor allem auf zwei Temperaturen: die Wärme zum Keimen und den etwas kühleren Bereich danach. Ich stelle deshalb schon zur Aussaat ein Thermometer neben die Schale und plane das Beet, während die Sämlinge noch auf der Fensterbank stehen.
Andenbeere oder Lampionblume: welche Physalis du aussäst
Wenn hier von Physalis die Rede ist, geht es um die Andenbeere, botanisch Physalis peruviana. Sie gehört wie die Aubergine zu den NachtschattengewächsenNachtschattengewächse sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen gehören. Weil sie für dieselben Krankheiten anfällig sind, sollen sie nicht direkt nacheinander auf demselben Beet stehen. und trägt essbare Beeren in einer papierartigen Hülle. Die Lampionblume, Physalis alkekengi, ist eine andere Art derselben Gattung. Sie ist winterhart und wird für Beete und Rabatten gezogen.
Bei der Lampionblume sind die grüne Pflanze, besonders die unreifen Beeren, und der Wurzelstock giftig. Diese Teile können Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Prüf vor der Aussaat den botanischen Namen auf der Samentüte und probier von der Lampionblume nichts.
Die Andenbeere stammt ursprünglich aus Südamerika. Wie sie sich unter den übrigen Exoten einordnet, zeigt der Abschnitt „Was hier wächst“ im Überblick zu Exoten und Gemüse-Raritäten.
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen 0,5-1 cm tief säen.
Standort und Boden für Physalis vorbereiten
Welcher Platz passt
Die Andenbeere braucht einen geschützten, vollsonnigen Platz. Leichte Beschattung verträgt sie noch, die Lampionblume kommt dagegen auch mit Halbschatten zurecht. Plane außerdem die Höhe ein: Die Pflanzen werden 60 bis 150 cm hoch. Selbst die für Topfkultur angebotene Sorte ‚Little Lanterns‘ kann bis zu 1,5 m erreichen. Weil die Pflanze so hoch wird und ihre Triebe ohne Halt leicht abbrechen, gehört zum Platz von Anfang an Raum für eine Stütze. Auch im Hochbeet lässt sich die Andenbeere ziehen.
Fruchtfolge und Nachbarn
Auf dieselbe Fläche kommt die Andenbeere erst nach einer Anbaupause von 4 Jahren zurück. Solche Pausen gelten für die ganze Pflanzenfamilie, auch innerhalb einer Mischkultur. Weil die Aubergine ebenfalls ein Nachtschattengewächs ist, zählt ein früheres Auberginenbeet bei der Planung mit. Als direkte Nachbarn passen die beiden ebenfalls nicht, Aubergine und Physalis gelten als unverträglich. Ob eine Kombination an deinem Standort funktioniert, hängt außerdem von Licht, Boden und Pflege ab. Ich trage meine Beete in den Beetplaner für die Fruchtfolge über mehrere Jahre ein und prüfe geplante Nachbarn im Mischkultur-Planer.
Boden prüfen
Die Andenbeere braucht gut durchlässigen Boden. Am liebsten ist ihr nährstoffreicher Lehm, sie kommt aber auch mit armen Böden zurecht. Nach PFAF toleriert sie einen pH-Wert von 4,5 bis 8,2.
Welche Bodenart du hast, zeigt dir die Fingerprobe. Feuchter Sandboden lässt sich schlecht formen, tonreicher Boden ist klebrig und gut formbar. Genauer wird es mit einer Bodenuntersuchung, die im Standardumfang Kalium, Phosphor und den pH-Wert erfasst. Für eine repräsentative Probe mischst du 10 bis 15 Einzelproben aus einer einheitlich genutzten Fläche. Die Erde dafür entnimmst du aus 0 bis 25 cm Tiefe. Ob Kalk nötig ist, beurteilst du nach dem gemessenen pH-Wert, der Bodenart und der Kultur. Liegt der Wert über dem Zielbereich, kalkst du nicht.
Boden lockern und verbessern
Ein bestehendes Beet lockerst du mit dem Sauzahn, ohne die Erde zu wenden. Umgraben kommt vor allem bei einer Neuanlage und bei sehr schweren Böden infrage. Nassen Boden betrittst du dabei nicht, weil das Verdichtungen verursacht. Ausdauernde Unkräuter holst du früh heraus.
Bei schweren Böden verbessert regelmäßig eingearbeiteter Kompost die KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk. und damit Luftführung und Wasserdurchlässigkeit. Als allgemeiner Richtwert zur Humusverbesserung schwerer Gemüseböden gelten 3 Liter Kompost je Quadratmeter im Frühjahr. Jede weitere Gabe richtest du nach dem Bedarf der Pflanze und der Düngeempfehlung aus der Bodenprobe.
Das Physalis-Beet besonders üppig mit Nährstoffen anreichern. Zu reichhaltiger Boden fördert bei der Andenbeere das Blattwachstum zulasten des Fruchtansatzes. Da sie auch mit armen Böden zurechtkommt, gibt es keinen Grund, das Beet vorsorglich anzureichern.
Aussaat: wann und wie du Physalis vorziehst
Wann du aussäst
Andenbeeren ziehst du im Haus vor, die Aussaat fällt in die Monate Februar bis April. Ins Beet kommen die Jungpflanzen erst im Mai, die Zeit dazwischen gehört der Anzucht. Die Termine der übrigen Exoten hast du im Aussaatkalender für Exoten zum Ausdrucken auf einem Blatt.
Saatgut lagern und prüfen
Physalis-Samen sind winzig: Ihr Tausendkorngewicht beträgt 1 g. Saatgut bewahrst du kühl und trocken auf. Bei Samen aus dem Vorrat lohnt eine Probeaussaat, für die du die Körner genau abzählst. So schätzt du ein, wie gut das Saatgut noch keimt. Mitgezählt werden nur normal entwickelte Keimlinge, nicht die nur angekeimten oder missgebildeten.
So säst du Physalis aus
Füll eine Aussaatschale mit nährstoffarmer, humoser und durchlässiger Aussaaterde. Die Samen bedeckst du nur knapp, die Saattiefe liegt bei 0,5 bis 1 cm. Die Andenbeere gilt nicht als Lichtkeimer, die Samen gehören also unter die Erde. Halte das Substrat gleichmäßig feucht, aber nicht nass. Bevor du erneut gießt, prüfst du die Feuchte mit dem Finger. Die Schale steht an einem warmen Platz, an dem du die Keimtemperatur halten kannst.
Keimung: welche Temperatur Physalis vor und nach dem Keimen braucht
Zum Keimen brauchen Physalis-Samen 20 bis 25 °C. Die ersten Keimlinge zeigen sich nach 7 bis 20 Tagen. Nach PFAF unterstützen wechselnde Tages- und Nachttemperaturen die Keimung.
Temperatur nach der Keimung
Sobald die Keimlinge da sind, ziehst du sie bei 16 bis 20 °C weiter. Das ist etwas kühler als zum Keimen. Ich nehme die Schale deshalb von der warmen Stelle und stelle sie an den hellsten Platz, den ich habe. Werden die Sämlinge lang und dünn, kann das auf zu wenig Licht hindeuten.
Saattiefe 0,5 bis 1 cm. Keimen bei 20 bis 25 °C, die Keimdauer liegt bei 7 bis 20 Tagen. Nach der Keimung geht es bei 16 bis 20 °C weiter, auch nach dem PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat..
Pikieren: wann die Sämlinge einzeln in Töpfe kommen
Pikiert wird, sobald nach den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. die ersten Laubblätter sichtbar sind und sich die Sämlinge gut greifen lassen. Jeder Sämling kommt dabei einzeln in einen eigenen Topf. Anders als bei der Aussaat nimmst du jetzt nährstoffreiches Substrat. Danach stehen die Jungpflanzen weiter hell bei 16 bis 20 °C, und du hältst die Erde gleichmäßig feucht, aber nicht nass.
Ich lockere die Erde in der Schale mit dem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. und hebe jeden Sämling mit möglichst viel Wurzel heraus. Dabei fasse ich ihn an einem Keimblatt an, nie am Stängel. Im neuen Topf setze ich ihn so tief, dass die Keimblätter knapp über der Erde bleiben. Jeder Topf bekommt ein Schild mit Sorte und Aussaatdatum.
Bis zum Auspflanzen
Die Andenbeere wächst von Natur aus buschig. Wer eine stärkere Verzweigung möchte, kann die Triebspitze auskneifen, solange die Triebe noch unter 30 cm hoch sind. Nötig ist das nicht.
Abhärten und Auspflanzen im Mai
Abhärten
Bevor die Jungpflanzen ins Beet kommen, gewöhnst du sie an die Bedingungen draußen. Dazu senkst du die Temperatur und lüftest gut. Tagsüber stellst du sie zunächst in den Halbschatten und später schrittweise in die Sonne.
Wann du auspflanzt
Gepflanzt wird im Mai. Die Andenbeere ist nicht winterhart, warte deshalb ab, bis keine Fröste mehr zu erwarten sind.
Abstände: Platz nach Wuchsbreite
| Maß | Wert |
|---|---|
| Abstand in der Reihe | 30 bis 100 cm |
| Abstand zwischen den Reihen | 30 bis 100 cm |
| Wuchsbreite | 30 bis 100 cm |
| Wuchshöhe | 60 bis 150 cm |
| Erziehung | mit Stütze |
Die Spanne beim Abstand deckt sich mit der Spanne der Wuchsbreite, du richtest dich also nach deiner Sorte. Für breit wachsende Sorten nehme ich das obere Ende, damit ich zwischen den Pflanzen noch an die Stützen komme.
Einpflanzen Schritt für Schritt
- Die Jungpflanzen sind abgehärtet, Fröste sind nicht mehr zu erwarten.
- Der Boden ist gelockert, ausdauernde Unkräuter sind entfernt.
- Das Pflanzloch ist groß genug für den WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt..
- Pflanze einsetzen, Erde auffüllen und leicht andrücken.
- Die Stütze gleich beim Pflanzen mit einstecken.
- Gründlich angießen.
Vermehrung: neue Pflanzen aus Stecklingen und eigenem Saatgut
Stecklinge
Für einen StecklingEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. nimmst du einen Seitentrieb, der aus einer BlattachselDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. wächst. Er sollte etwa 10 cm lang sein. Steck ihn etwa zu einem Drittel seiner Länge in die Erde. Gegossen wird mäßig, sodass die Erde nicht vernässt. Ich schneide Stecklinge mit einem sauberen Messer und beschrifte jeden Topf mit dem Datum.
Saatgut aus eigener Ernte
Für Saatgut nimmst du voll ausgereifte Früchte: Die Hülle ist bräunlich, die Beere goldgelb. Ich drücke die Samen aus der Beere, spüle das Fruchtfleisch in einem feinen Sieb ab und lasse die Samen auf Küchenpapier trocknen. Danach kommen sie beschriftet in ein Papiertütchen und lagern kühl und trocken. Vor der nächsten Aussaat zeigt dir eine Probeaussaat, wie gut sie keimen.
Wie es nach dem Auspflanzen weitergeht
Pflege: Andenbeeren brauchen eine Stütze, weil ihre Triebe ohne Halt leicht abbrechen. Ab Blühbeginn gießt du bei heißem Wetter mehr, Samenunkräuter entfernst du vor der Samenbildung. Die Einzelheiten zeigt der Ratgeber, wie du Physalis über den Sommer stützt, gießt und mulchst.
Düngen: Ein Zuviel an Nährstoffen vermeidest du, weil zu reichhaltiger Boden das Blattwachstum zulasten des Fruchtansatzes fördert. Wann eine Gabe sinnvoll ist und womit, erklärt der Ratgeber, wie du Physalis im Beet und im Topf düngst.
Krankheiten und Schädlinge: Flecken, Beläge oder Saugschäden an Blättern sind zunächst Hinweise, keine Diagnose. Welche Erreger und Schädlinge an Physalis auftreten können und wie du vorbeugst, liest du im Ratgeber, wie du Krankheiten und Schädlinge an Physalis erkennst.
Ernte: Geerntet wird von August bis Oktober. Reif ist eine Andenbeere, wenn die Hülle bräunlich und die Beere goldgelb ist; in ihrer Hülle hält sie sich luftig, trocken und kühl gelagert bis zu 10 Tage. Wie du pflückst, lagerst und haltbar machst, steht im Ratgeber, woran du reife Physalis erkennst und wie du sie lagerst.
Topf und Winter: Die Andenbeere eignet sich auch für den Kübel, für Fruchtgemüse auf dem Balkon nimmst du Gefäße ab 10 Litern. Winterhart ist sie nicht. Was sie im Gefäß braucht und wie du sie dort über den Winter bringst, zeigt der Ratgeber, was Physalis im Kübel auf Balkon und Terrasse brauchen.
Küche: Reife Andenbeeren isst du frisch oder verarbeitest sie zu Kuchen, Kompott, Gelee und Konfitüre, die papierartige Hülle isst du nicht mit. Was bei Exoten in der Küche generell gilt, fasst der Exoten-Überblick im Abschnitt Küche und Sicherheit zusammen. Rezeptideen liefert der Ratgeber, wie du Physalis süß und herzhaft verarbeitest.




