Mehligkochende Kartoffelsorten für deinen Garten: Adretta, Freya, Gunda und Co.
- Mehligkochende Sorten haben unter den drei Kochtypen den höchsten Stärkegehalt und zerfallen beim Kochen leichter.
- Adretta, Afra, Freya und Vitelotte reifen mittelfrüh, Gunda früh und Highland Burgundy Red mittelspät.
- Adretta und Freya gelten als gut lagerfähig, Adretta hat zudem eine sehr lange Keimruhe.
- Linda ist festkochend, Agria wird je nach Einstufung als vorwiegend festkochend bis vorwiegend mehligkochend geführt.
- Mehlige Kartoffeln eignen sich besonders für Püree, Suppen und Klöße.

Wer Kartoffeln für Püree, Suppe und Klöße anbaut, braucht eine Sorte, die wirklich mehlig kocht. Ich lese deshalb vor jeder Saison zuerst Kochtyp und Reifegruppe, bevor eine Sorte ins Beet kommt. Dabei lohnt ein zweiter Blick: Linda gilt als festkochend, und Agria wird je nach Einstufung als vorwiegend festkochend bis vorwiegend mehligkochend geführt.
Unten vergleiche ich die mehligkochenden Sorten nach Reifezeit, Keimruhe, Lagerfähigkeit und Fleischfarbe. So findest du die Sorte, die zu deinem Beet und deinem Vorrat passt.
Woran du eine mehligkochende Kartoffel erkennst
Kartoffeln werden nach ihrem Stärkegehalt in drei Kochtypen eingeteilt: festkochend, vorwiegend festkochend und mehligkochend. Mehligkochende Sorten haben den höchsten Stärkegehalt und zerfallen beim Kochen leichter. Wie viel Stärke eine Knolle einlagert, hängt dabei von der Sorte ab.
| Kochtyp | Stärkegehalt (grober Richtwert) | Beim Kochen | Passt zu |
|---|---|---|---|
| festkochend | unter dem Wert der vorwiegend festkochenden | bleibt formstabil | Kartoffelsalat, Gratin, Bratkartoffeln |
| vorwiegend festkochend | etwa 13 bis 15 % | mittlere Festigkeit | Eintöpfe, Aufläufe, Salz- und Pellkartoffeln |
| mehligkochend | über dem Wert der vorwiegend festkochenden | zerfällt leichter | Püree, Suppen, Klöße |
Die Stärkewerte sind nur eine grobe Orientierung, denn Kartoffeln sind ein Naturprodukt mit Schwankungen.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Mehligkochende Sorten für den Hausgarten im Vergleich
Die folgenden Sorten sind als mehligkochend eingeordnet. Sie unterscheiden sich in Reifezeit, Keimruhe, Lagerfähigkeit und Fleischfarbe.
| Sorte | Reifegruppe | Merkmale |
|---|---|---|
| Gunda | früh | mittlere bis niedrige Keimfreudigkeit |
| Adretta | mittelfrüh | hellgelbes Fleisch, runde bis rundovale Knollen, sehr lange Keimruhe, gut lagerfähig, vom Züchter als trockentolerant beschrieben |
| Freya | mittelfrüh | gut lagerfähig |
| Vitelotte | mittelfrüh | alte Sorte, blauviolettes Fleisch, mehlig und dennoch schnittfest, eher geringe Erträge |
| Highland Burgundy Red | mittelspät | rotes Fleisch mit weißem Außenring |
Keimruhe und Keimfreudigkeit beschreiben, wie früh eine Sorte zum Austreiben neigt. Eine Sorte mit geringer Keimruhe treibt früh aus und braucht deshalb ein kühles Lager. Sorten mit geringer Keimfreudigkeit eignen sich als Lagerkartoffeln.
Adretta: mehlig und lagerfähig
Adretta ist eine mittelfrühe, mehligkochende Sorte mit hellgelbem Fleisch und runden bis rundovalen Knollen. Dazu kommen eine sehr lange Keimruhe, eine niedrige Keimfreudigkeit und eine gute Lagerfähigkeit. Der Züchter beschreibt Adretta außerdem als trockentolerant.
Freya und Afra
Freya ist eine mittelfrühe, mehligkochende Sorte und gilt ebenfalls als gut lagerfähig. Afra gehört auch zur mittelfrühen Reifegruppe und kocht mehlig. Ich setze solche Sorten gern in benachbarte Reihen und vergleiche sie nach der Ernte im Topf.
Gunda: mehligkochend aus der frühen Reifegruppe
Gunda ist eine mehligkochende Sorte aus der frühen Reifegruppe. Die Keimfreudigkeit wird als mittel bis niedrig eingestuft.
Vitelotte und Highland Burgundy Red: farbiges Fleisch, auch im Eimer
Vitelotte ist eine alte, mittelfrühe Sorte mit blauviolettem Fleisch, die mehlig kocht und trotzdem schnittfest bleibt. Die Erträge sind eher gering. Highland Burgundy Red reift mittelspät und hat rotes Fleisch mit einem weißen Außenring. Beide Sorten werden auch für den Kartoffeleimer genannt. Der Eimer braucht Löcher im Boden, und ein schwarzer Eimer gehört nicht in die pralle Sonne, weil sich die Pflanzen darin zu stark erhitzen können.
Alte Kartoffelsorten können gegenüber neuen Virusstämmen anfällig sein, und Vitelotte ist eine alte Sorte. Bei ihr achte ich deshalb besonders auf zertifiziert virusfreies Pflanzgut.
Melody und weitere mehlige Sorten
Melody kocht mehlig und besitzt eine hohe Keimruhe. Für einen zügigen Wachstumsstart braucht die Sorte mindestens eine Keimstimulierung, deshalb plane ich bei ihr das Vorkeimen fest ein. Melina, Karlena und Likaria zählen ebenfalls zu den mehligkochenden Sorten. Reifegruppe und Lagereignung prüfst du bei diesen dreien in der Sortenbeschreibung, bevor du bestellst.
Grenzfälle: Agria, Blauer Schwede und Linda
Bei manchen Sorten schwankt die Einordnung, andere kochen gar nicht mehlig. Agria ist eine mittelfrühe Sorte, deren Kochtyp je nach Einstufung von vorwiegend festkochend bis vorwiegend mehligkochend reicht. Dazu kommt eine mittlere bis hohe Anfälligkeit für Kartoffelschorf. Da leichte Standorte eher unter Schorf leiden, würde ich Agria auf Sandboden nicht als einzige Sorte pflanzen.
Der Blaue Schwede ist eine mittelfrühe Sorte mit blauem bis violettem Fleisch. Seine Kocheigenschaften reichen je nach Einstufung von festkochend bis mehligkochend.
Linda eine mehlige Sorte? Nein, Linda ist festkochend und hat tiefgelbes Fleisch. Auch Bellinda gilt als festkochend, Concordia als vorwiegend festkochend. Für Püree und Klöße greifst du besser zu einer der mehligen Sorten aus der Tabelle oben.
Wenn du auch festkochende oder vorwiegend festkochende Sorten einplanst, hilft dir meine Übersicht über Kartoffelsorten aller Kochtypen und Reifezeiten.
So wählst du die passende mehlige Sorte
Frühe Sorten gelten als lagerfähig bis in den Herbst, mittelfrühe bis ins Frühjahr. Gunda gehört zur frühen Reifegruppe, Adretta zur mittelfrühen: Kombinierst du beide, beginnt deine mehlige Ernte früher, und für den Winter bleibt trotzdem ein Vorrat. Die Reihen für zwei Sorten mit unterschiedlicher Reifezeit teile ich vorab im Beetplaner für dein Gemüsebeet ein.
So gehe ich beim Sortenkauf vor.
- Kochtyp prüfen: mehligkochend, bei Agria und beim Blauen Schweden schwankt die Einordnung.
- Reifegruppe wählen: Gunda früh; Adretta, Afra, Freya und Vitelotte mittelfrüh; Highland Burgundy Red mittelspät.
- Für den Wintervorrat: Adretta und Freya gelten als gut lagerfähig.
- Für trockene Lagen: Adretta wird vom Züchter als trockentolerant beschrieben.
- Für den Eimer: Vitelotte und Highland Burgundy Red werden dafür genannt.
- Pflanzgut: zertifiziert und virusfrei.
Warum dieselbe Sorte nicht jedes Jahr gleich mehlig kocht
Die Koch- und Speiseeigenschaften einer Sorte können von Jahr zu Jahr schwanken, je nach Boden, Witterung, Düngung und Bewässerung. Solange das Kraut grün ist, wachsen die Knollen weiter und lagern Stärke ein. Ein Überangebot an StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). kann dagegen den Trockenmassegehalt senken und Abreife sowie Schalenfestigkeit verzögern. Mit steigender Kaliumdüngung kann der Stärkegehalt abnehmen, und chloridhaltige Kaliumdüngung kann ihn ebenfalls senken.
Ausgeprägte Trockenschäden können sowohl den Knollenertrag als auch den Stärkegehalt verringern. Mehlige Sorten pflanzt du wegen ihrer Stärke, also geht es bei ihnen in Trockenphasen beim Gießen auch um die Kochqualität. Mehr dazu, wie du den Ertrag mehligkochender Sorten gezielt steigerst, findest du in einem eigenen Beitrag.
Ich koche von jeder Sorte nach der Ernte zuerst ein paar Knollen zur Probe und notiere, wie stark sie zerfallen. Die Notiz schreibe ich unter den Sortennamen in mein Gartenheft, damit ich die Jahre vergleichen kann.
Anbau in Kürze: was für alle mehligen Sorten gilt
Im Beet brauchen mehlige Sorten dieselbe Grundpflege wie alle Kartoffeln. Ausführlich stehen die Grundlagen zu Standort und Boden, Pflanzung, Anhäufeln, Ernte und Lagern im großen Kartoffel-Ratgeber.
Boden: Schwere Böden erwärmen sich langsam und neigen zur Klutenbildung, leichte Standorte leiden eher unter Schorf und unzureichender Wasserversorgung. Kompost lockert schwere Böden und verbessert in leichten die Speicherung von Wasser und Nährstoffen.
Pflanzgut und Pflanzung: Ich lege zertifiziert virusfreie Pflanzknollen hell zum Vorkeimen aus. Vorkeimen kann einen Entwicklungsvorsprung von etwa 2 Wochen bringen. Gepflanzt wird bei einer durchschnittlichen Bodentemperatur von rund 8 Grad, den Termin behältst du im Aussaatkalender für Kartoffeln im Blick.
Anhäufeln: Ich häufle erstmals handhoch an, sobald die Triebe aufgelaufen sind, und ein zweites Mal etwa drei bis vier Wochen später. Die Erddämme schützen die wachsenden Knollen vor Licht und Ergrünen.
Gießen: Die wasserkritischste Phase reicht vom Knollenansatz bis zur Blüte, weil Trockenheit dann die Zahl der angelegten Knollen verringert.
Ernte: Lagerkartoffeln erntest du als Faustregel etwa zwei bis drei Wochen nach dem vollständigen Absterben des Krauts. Ich prüfe vorher die Schale: Lässt sie sich nicht mehr leicht mit dem Daumen abreiben, grabe ich bei trockenem Wetter vorsichtig mit der Grabgabel.
Lagern: Der Vorrat liegt dunkel, frostfrei und kühl bei 4 bis 6 Grad. Über 8 Grad beginnen die Knollen zu keimen, und Licht lässt sie ergrünen, was auf mehr Solanin hindeutet. Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen isst du nicht, bei den übrigen schneidest du Keime und grüne Stellen großzügig weg.
Krankheiten: Bei feuchter Witterung können graugrüne bis bräunliche Flecken an Blättern und Stängeln auf KrautfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. hinweisen. Luftige Bestände trocknen schneller ab, und Kraut mit Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen. gehört nicht auf den Hausgartenkompost. Wie du im Bio-Garten weiter vorbeugst, zeige ich im Beitrag, wie du mehligkochende Kartoffeln ökologisch anbaust.
Mehlige Kartoffeln in der Küche
Mehligkochende Kartoffeln zerfallen beim Kochen leichter und eignen sich besonders für Püree, Suppen und Klöße. Wie du mehlige Kartoffeln mit Blick auf Püree und Knödel anbaust, zeige ich in einem eigenen Beitrag.




