Kartoffelsorten im Porträt: welche Sorte zu welchem Gericht passt
- Festkochend für Kartoffelsalat, Gratin und Bratkartoffeln, etwa Linda oder Annabelle
- Vorwiegend festkochend für Eintopf, Auflauf, Salz- und Pellkartoffeln, etwa Laura oder Gala
- Mehligkochend für Püree, Suppen und Klöße, etwa Adretta oder Freya
- Agria und Blauer Schwede werden je nach Sortenbeschreibung unterschiedlich eingeordnet
- Grüne, stark keimende oder bittere Knollen nicht essen, Keime und grüne Stellen großzügig entfernen

Du blätterst im Katalog für Pflanzkartoffeln, und die Sortennamen verraten dir wenig darüber, was später auf dem Teller landet. Für die Küche hilft dir vor allem eine Angabe weiter: der Kochtyp. Nimmst du für Kartoffelsalat eine mehligkochende Sorte, zerfallen die Knollen beim Kochen leichter. Bevor ich bestelle, lege ich deshalb für jede Reihe fest, was daraus in die Küche soll: Salat, Eintopf oder Püree.
Welche Kartoffelsorte passt zu welchem Gericht?
Die Zuordnung läuft über den Kochtyp, und der richtet sich nach dem Stärkegehalt. Mehligkochende Sorten haben am meisten Stärke und zerfallen beim Kochen leichter, festkochende bleiben formstabil. Als grobe Orientierung haben vorwiegend festkochende Kartoffeln etwa 13 bis 15 % Stärke, mehligkochende mehr und festkochende weniger.
| Gericht | Kochtyp | Sorten zum Beispiel |
|---|---|---|
| Kartoffelsalat, Gratin, Bratkartoffeln | festkochend | Linda, Annabelle, Belana, Bellinda |
| Eintopf, Auflauf, Salz- und Pellkartoffeln | vorwiegend festkochend | Laura, Gala, Marabel, Concordia |
| Püree, Suppe, Klöße | mehligkochend | Adretta, Afra, Freya, Gunda |
Die Einteilung nach Reife und Kochtyp erkläre ich im Abschnitt über Sorten, Reifegruppen und Kochtypen im Ratgeber zum Kartoffelanbau. Was im Topf mit den einzelnen Typen passiert, liest du im Beitrag darüber, was mehligkochende von festkochenden Knollen unterscheidet. Wie du die Sorten einer Mischung Gericht für Gericht einsetzt, beschreibe ich beim Anbau von Pflanzkartoffel-Mischungen für die Küche. Fertige Gerichte findest du bei den Rezeptideen rund um die Kartoffel.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Kartoffelsorten im Porträt
Die Porträts zeigen je Sorte Kochtyp, Reifegruppe und die Merkmale, die für Küche und Vorrat zählen. Sortenbeschreibungen weichen bei Reife und Kochtyp manchmal voneinander ab, dann nenne ich beide Angaben. Eine breitere Übersicht über Kartoffelsorten für den Hausgarten ergänzt diese Auswahl.
Festkochende Sorten
Festkochende Sorten gibt es von sehr früh bis spät.
- Linda: tiefgelbes Fleisch. Die Reifegruppe wird mal als mittelfrüh, mal als spät angegeben.
- Annabelle: je nach Sortenbeschreibung sehr früh bis früh. Wegen ihrer geringen Keimruhe neigt sie früh zum Austreiben und braucht einen kühlen Lagerplatz.
- Belana: gelbes Fleisch, frühe Reifegruppe.
- Bellinda: mittelfrüh.
- Bamberger Hörnchen: längliche Landsorte, je nach Beschreibung mittelfrüh bis spät.
Sehr frühe Sorten sind nicht lagerfähig, frühe halten bis in den Herbst. Zusammen mit ihrer geringen Keimruhe eignet sich Annabelle damit eher für die Sommerküche als für den Wintervorrat. Ich plane sie deshalb für die ersten Salate ein und lagere für den Winter eine später reifende festkochende Sorte.
Vorwiegend festkochende Sorten
Diese Sorten haben eine mittlere Festigkeit und liegen damit zwischen den beiden anderen Gruppen. Auch Gala, Marabel und Bellarosa werden so eingeordnet.
- Laura: rote Schale und tiefgelbes Fleisch.
- Concordia: mittelfrüh.
- Cara: späte Sorte.
Ideen, was du mit vorwiegend festkochenden Knollen kochen kannst, habe ich in einem eigenen Beitrag gesammelt.
Mehligkochende Sorten
Unter den mehligkochenden Sorten findest du frühe, mittelfrühe und mittelspäte.
- Adretta: mittelfrüh, hellgelbes Fleisch, runde bis rundovale Knollen. Der Züchter beschreibt eine sehr lange Keimruhe und gute Lagerfähigkeit.
- Freya: mittelfrüh und gut lagerfähig.
- Afra: mittelfrüh.
- Gunda: frühe Reifegruppe, mittlere bis niedrige Keimfreudigkeit.
- Melody: hohe Keimruhe. Für einen zügigen Start braucht sie mindestens eine Keimstimulierung.
Melina, Karlena und Likaria sind weitere mehligkochende Sorten. Für den Vorrat lohnt der Blick auf die Keimfreudigkeit, denn Sorten, die wenig zum Keimen neigen, eignen sich als Lagerkartoffeln.
Agria und Blauer Schwede: Kochtyp je nach Beschreibung
- Agria: mittelfrüh. Der Kochtyp reicht je nach Beschreibung von vorwiegend festkochend bis vorwiegend mehligkochend.
- Blauer Schwede: mittelfrüh, mit blauem bis violettem Fleisch. Die Angaben zum Kochtyp reichen von festkochend bis mehligkochend.
Von solchen Sorten koche ich nach der Ernte zuerst eine Probe und entscheide danach, ob sie in den Salat oder ins Püree kommen.
Farbige und alte Sorten
- Vitelotte: alte, mittelfrühe Sorte mit blauviolettem Fleisch. Sie kocht mehlig und bleibt trotzdem schnittfest.
- Highland Burgundy Red: mittelspät und mehligkochend, mit rotem Fleisch und weißem Außenring.
Alte Sorten können gegenüber neuen Virusstämmen anfällig sein. Damit sie erhalten bleiben, werden Kulturkartoffeln in Genbanken vegetativ vermehrt und im Feld auf Sortenreinheit geprüft. Wie du alte und seltene Sorten selbst nutzt und erhältst, beschreibe ich im Beitrag über alte Kartoffelsorten für Küche und Sortenvielfalt.
Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen isst du nicht, egal welche Sorte. Glykoalkaloide wie Solanin und Chaconin sitzen vor allem in Keimen und Augen, grünliche Stellen deuten auf einen erhöhten Gehalt hin. Schneide Keime und grüne Stellen großzügig weg. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat vorsorglich einen Richtwert abgeleitet: Speisekartoffeln sollten nicht mehr als 100 Milligramm Glykoalkaloide je Kilogramm enthalten.
Frühkartoffel oder Vorratssorte?
Sehr frühe Sorten stehen rund 100 bis 110 Tage im Beet, bevor du sie im Juli erntest. Mittelfrühe Sorten lassen sich bis ins Frühjahr lagern, späte werden erst im September oder Oktober geerntet.
Frühkartoffeln kannst du bei noch grünem Kraut portionsweise ernten, sie halten dann aber höchstens eine Woche und gehören gleich in den Topf. Lagerkartoffeln erntest du als Faustregel etwa 2 bis 3 Wochen nach dem Absterben des Krauts, wenn die Schale fest ist. Wann welche Reifegruppe so weit ist, liest du im Beitrag über den Erntezeitpunkt früher, mittlerer und später Sorten, die Reifezeichen stehen auch im Ratgeber zum Kartoffelanbau.
Für den Vorrat brauchen die Knollen einen dunklen, kühlen Platz bei 4 bis 6 Grad. Über 8 Grad beginnen sie zu keimen, und Licht lässt sie ergrünen. Wie du den Lagerplatz einrichtest, steht im Ratgeber zum Kartoffelanbau im Abschnitt über das Lagern.
Welche Sorteneigenschaften zählen im Beet?
Neben dem Kochtyp unterscheiden sich Sorten darin, wie sie mit Trockenheit und Krankheiten zurechtkommen.
| Eigenschaft | Sorten |
|---|---|
| als trockentolerant beschrieben | Adretta, Bellarosa |
| braucht gleichmäßige Wasserversorgung | Sieglinde |
| geringe Anfälligkeit für KrautfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. | Alanis, mittelspät |
| mittlere bis hohe Anfälligkeit für Schorf | Agria |
| auch für den Kartoffeleimer genannt | Vitelotte, Highland Burgundy Red |
| eher geringe Erträge | Vitelotte |
Im ökologischen Anbau gelten ToleranzBei Pflanzensorten bedeutet Toleranz: Die Pflanze wird von einer Krankheit oder einem Schaderreger zwar befallen, verkraftet das aber so gut, dass in der Regel keine Ertragseinbußen zu befürchten sind. gegen Krautfäule, ein früher Knollenansatz und ein geringer Stickstoffbedarf als geeignete Kriterien für die Sortenwahl. Solche Sorten können das Risiko senken, einen Befall verhindern sie nicht sicher. In einem Feldversuch mit unterschiedlich anfälligen Sorten verringerte ein reihenweiser Wechsel der Sorten den Krautfäulebefall stärker als eine vollständige Durchmischung. Ich setze die Sorten einer Mischung, etwa Annabelle, Heiderot und Laura, deshalb in eigene Reihen und stecke an jede Reihe ein Schild mit Name und Kochtyp.
Warum dieselbe Sorte nicht jedes Jahr gleich kocht
Kartoffeln sind ein Naturprodukt, und der Kochtyp auf dem Etikett ist keine feste Zusage für jede Ernte. Boden, Witterung, Düngung und Bewässerung können die Koch- und Speiseeigenschaften einer Sorte von Jahr zu Jahr verändern. Solange das Kraut grün ist, wachsen die Knollen weiter und lagern Stärke ein. Ausgeprägte Trockenschäden können dagegen Ertrag und Stärkegehalt verringern. Da der Kochtyp am Stärkegehalt hängt, kann eine mehligkochende Sorte nach so einem Jahr weniger mehlig ausfallen.
Auch die Düngung wirkt mit: Ein Überangebot an StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). kann den Trockenmassegehalt senken und Abreife sowie Schalenfestigkeit verzögern. Eine chloridhaltige Kaliumdüngung kann den Stärkegehalt der Knollen verringern. Wie du bedarfsgerecht düngst und gießt, steht im Ratgeber zum Kartoffelanbau.
Ich notiere nach jeder Ernte zu jeder Sorte, wie sie im Topf reagiert hat, und schreibe das Wetter der Saison dazu. So vergleiche ich mehrere Jahre, bevor ich eine Sorte aus dem Anbauplan streiche.




