Gemüse · Kohl · Anbau

Kohlröschen biologisch anbauen: organisch düngen, gründlich gießen, mit Netz schützen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Erst die Bodenprobe, dann der Dünger: Vorhandener Bodenstickstoff zählt bei Kohlröschen mit.
  • Für starkzehrende Kohlkulturen gibt es eine organische Variante mit 2,5 kg Kompost und 80 g Hornspänen je m².
  • Gieße eher einmal pro Woche mit rund 14 l/m² gründlich als täglich wenig; Mulch vermindert die Verdunstung.
  • Ein Kulturschutznetz unter 1 mm Maschenweite kommt direkt nach dem Pflanzen auf und bleibt bis zur Ernte geschlossen.
  • Zur Vorbeugung gegen Kohlhernie liegen zwischen Kreuzblütlern mindestens vier Jahre Anbaupause.
Eine Kalette-Pflanze, auch Kohlröschen genannt, mit ihren charakteristischen kleinen, gekräuselten Röschen am Stiel, wächst im Garten.
Foto: brebca · Depositphotos Standard License · Quelle ↗

Kohlröschen stehen lange im Beet: Gepflanzt wird etwa im Mai oder Juni, geerntet je nach Sorte ungefähr von September bis Februar. Im Biogarten müssen die Pflanzen diese ganze Zeit ohne Spritzmittel gut versorgt und vor Kohlfliege, Erdflöhen und Raupen geschützt bleiben. Ich setze dafür auf drei Dinge: Düngung nach Bodenbefund, gründliches Gießen mit Mulch und ein Kulturschutznetz vom Pflanztag bis zur Ernte.

Kurz erklärt

Kohlröschen sind eine Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl. Geerntet werden lockere Blattrosetten, die in den Blattachseln sitzen. Als Richtwert werden die Pflanzen etwa 80 bis 100 cm hoch.

Den ganzen Weg vom Standort bis zur Ernte zeigt die Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du als Anfänger Kohlröschen anbaust. In diesem Beitrag geht es um das, was den Bio-Anbau ausmacht: natürliche Düngung, wassersparendes Gießen und Pflanzenschutz ohne chemische Mittel.

Aussaat, Pflanzung und Standort in Kürze

Vorgezogen werden Kohlröschen je nach Region und Witterung ab März im Kleingewächshaus oder ab April im abgedeckten Freiland-Saatbeet. Ins Beet kommen die Jungpflanzen etwa im Mai oder Juni, an einen Platz mit tiefgründigem, humusreichem Lehm- oder Lössboden ohne Wasserstau. Die Termine hast du mit dem Aussaatkalender für Kohl zum Ausdrucken auf einem Blatt, Freiland und Gewächshaus vergleicht der Beitrag zu den Anbaumethoden für Kohlröschen.

Aussaatkalender Kalette / Kohlröschen
GartenkalenderVorkultur: Februar, März, April, Mai, Juni; Aussaat: April, Mai, Juni, Juli; Ernte: September, Oktober, November, Dezember; Pflanzung: Mai, JuniJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: FebruarVorkultur: MärzVorkultur: AprilVorkultur: MaiVorkultur: JuniAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliErnteErnte: SeptemberErnte: OktoberErnte: NovemberErnte: DezemberPflanzungPflanzung: MaiPflanzung: JuniVorkulturAussaatErntePflanzung

Wie düngst du Kohlröschen biologisch?

Erst die Bodenprobe, dann der Dünger

Kohlröschen brauchen eine ausreichende Nährstoffversorgung. Wie viel du ausbringst, hängt aber davon ab, was schon im Boden steckt. Vorhandener Stickstoff und die Nachlieferung aus Humus und Ernteresten zählen bei der Düngung mit. Ich nehme deshalb vor jedem Kohljahr eine Bodenprobe, bevor ich Kompost oder Dünger ins Beet bringe.

Eine Standard-Bodenanalyse bestimmt den pH-Wert sowie pflanzenverfügbares Phosphor, Kalium und Magnesium. Löslichen Stickstoff und den Humusgehalt misst das Labor nur, wenn du sie gesondert beauftragst. Weil bei Kohlröschen gerade der vorhandene Bodenstickstoff in die Düngung einfließen soll, lohnt sich dieser Zusatz.

Mini-Checkliste

So nimmst du die Bodenprobe für das Kohlbeet.

  • Stich 10 bis 15 Teilproben verteilt über die ganze Fläche, jeweils aus den oberen 30 cm.
  • Misch sie zu einer Probe und schick davon etwa 500 g ans Bodenlabor.
  • Probe im Herbst bis Frühjahr oder nach der Ernte, nicht direkt nach einer Düngung.
  • Beprobe unterschiedlich genutzte Bereiche getrennt.
  • Bestell löslichen Stickstoff zusätzlich zur Standardanalyse.

Kalken nur nach Befund

Einen einzigen passenden pH-Wert gibt es für Kohlröschen nicht, denn der Zielbereich hängt von der Bodenart ab. Auch der Humusgehalt spielt dabei mit.

Bodenart pH-Zielbereich, gemessen in Calciumchlorid
Sand 5,8 bis 6,0
lehmiger Sand 6,0 bis 6,5
sandiger Lehm 6,5 bis 7,0
Lehm und Schluff 7,0 bis 7,5

Deine Bodenart schätzt du mit der Fingerprobe ab: Leicht feuchter Sandboden zerfällt körnig, toniger Boden klebt und lässt sich gut ausrollen. Frag beim Labor nach, ob es den pH-Wert in Calciumchlorid misst, damit du die Werte vergleichen kannst. Ob du kalkst, richtet sich nach Bodenart und Befund. Liegt der pH-Wert schon über dem Zielbereich, wird nicht gekalkt.

Kompost, Hornspäne und die passende Vorfrucht

Vor dem Pflanzen arbeite ich reifen Kompost ein, so wie es auch bei den Eltern Rosenkohl und Grünkohl vorgesehen ist. Kompost lockert schwere Böden und verbessert bei leichten Böden die Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Den Stickstoffbedarf von Gemüse deckt er allein aber nicht. Im Biogarten ergänzt du ihn deshalb mit Hornspänen; als organische Stickstoffdünger eignen sich auch Horngrieß und Hornmehl.

Für starkzehrende Kohlkulturen gibt es eine organische Variante mit 2,5 kg Kompost je m². Dazu kommen 80 g Hornspäne je m². Nimm diese Mengen als Orientierung und gleiche sie mit deinem Befund ab. Zeigt die Probe stark erhöhte Phosphor- oder Kaliumwerte, fällt die Kompostgabe kleiner aus.

Stickstoff kann auch aus der Vorfrucht kommen. Im ökologischen Kohlanbau eignen sich dafür Leguminosen, als Gemenge oder als Zwischenfrucht. Für Kohlröschen gelten außerdem Porree, Zwiebeln, Zucchini, Getreide und Mais als vorteilhafte Vorfrüchte. Als Gründüngung vor Kohl passen Phacelia oder Buchweizen. Eine Gründüngung kann leichte Böden wasserspeichernder und schwere durchlässiger machen.

Häufiger Fehler

Senf, Ölrettich oder Raps als Gründüngung vor Kohlröschen säen. Alle drei sind Kreuzblütler und zählen damit zur Kohl-Anbaupause. Phacelia dagegen ist mit keiner gängigen Gemüseart verwandt und passt deshalb in eine Kohl-Fruchtfolge.

Jauche und Nachdüngen während der Kultur

Brennnessel- oder Beinwelljauche nutzen viele Biogärtner als flüssige Ergänzung. Einen festen Rhythmus dafür halte ich nicht ein, weil der Bedarf vom Boden abhängt. Wenn du Jauche nutzt, taste dich heran und beobachte Blattfarbe und Zuwachs. Für jede Nachdüngung gilt dasselbe: Grundlage ist der Befund, nicht der Kalender.

Wie gießt du Kohlröschen wassersparend?

Kohlröschen brauchen bei trockenem Boden zusätzliches Wasser, damit sie kräftig aufwachsen. Wie viel, hängt von Sorte, Wetter und Boden ab, dazu von Sonne und Wind an deinem Platz. Ich prüfe deshalb mit dem Finger, ob die Erde unter der Oberfläche trocken ist, bevor ich gieße. Wenn ich gieße, dann durchdringend.

Zahl im Blick

Die Bayerische Gartenakademie rät Hobbygärtnern, Gemüse eher einmal pro Woche mit rund 14 l/m² gründlich zu gießen als täglich in kleinen Mengen. Bei täglich 2 l/m² verdunstet gut ein Liter davon wieder, ohne der Pflanze zu nützen.

Das Wasser gebe ich direkt an den Stängelfuß und lasse die Blätter trocken. Bei Jungpflanzen gehören rasch abtrocknende Blätter und vermiedene Taubildung zur Vorbeugung gegen Falschen Mehltau.

Gründlich gießen heißt nicht, den Boden dauernd nass zu halten. Kohlröschen wollen einen Boden ohne Wasserstau, und feuchte bis staunasse Böden begünstigen Infektionen mit Kohlhernie. Zu häufiges Gießen kann deshalb das Risiko für Kohlhernie erhöhen.

Mulchen und Hacken

Mulch vermindert im Sommer Verdunstung und Verschlämmung. Angetrockneter Rasenschnitt eignet sich dafür, wenn du ihn nur dünn bodendeckend ausbringst und dafür öfter nachlegst. Wo kein Mulch liegt, hacke ich regelmäßig flach. Das unterdrückt Beikräuter und vermindert ebenfalls die Verdunstung.

Wie schützt du Kohlröschen ohne Spritzmittel?

Biologischer Pflanzenschutz heißt bei Kohlröschen vor allem vorbeugen: Netz, Kontrolle, Absammeln und Fruchtfolge. Welche Schädlinge Kohl insgesamt treffen und wie du vorbeugst, kontrollierst und eingreifst, steht im Kapitel Schädlinge und Pflanzenschutz im Kohl-Ratgeber.

Welche Schädlinge wann kommen

Überwinterte Kohlerdflöhe erscheinen meist ab April, ihre neue Käfergeneration ab Juli. Die Blattkäfer sind nur etwa 2,5 bis 3 mm groß. Bei der Kleinen Kohlfliege tritt die erste Generation je nach Witterung im April oder Anfang Mai auf. Ungefähr 8 bis 10 Tage danach beginnt sie mit der Eiablage. Hinzu kommen die Raupen des Kohlweißlings.

Pflanzt du deine Kohlröschen im Mai, kann der Pflanztag also in die Eiablage der ersten Kohlfliegen-Generation fallen. Das Netz kommt deshalb bei mir noch am selben Tag auf das Beet.

Das Netz: früh, dicht und hoch genug

Nimm ein Kulturschutznetz mit einer Maschenweite unter 1 mm. Gegen Erdflöhe werden Netze mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite eingesetzt. Du legst es unmittelbar nach dem Pflanzen auf und hältst es bis zur Ernte geschlossen, an den Rändern rundum dicht.

Kohlröschen werden als Richtwert etwa 80 bis 100 cm hoch. Weil das Netz bis zur Ernte liegen bleibt, braucht es ein Gestell, das schon beim Pflanzen für diese Höhe reicht.

Ein Netz hat auch Nachteile. Bei Brokkoli kann es Hitzestau begünstigen. Unter Netzen über Chinakohl trocknen die Blätter bei feuchter Witterung langsamer ab, was das Risiko für Pilzkrankheiten erhöhen kann. Ich schaue deshalb bei Hitze und nach Regentagen genauer unter das Netz.

Marias Erfahrung

Schon während der Anzucht stehen meine Töpfe unter einem feinen Netz. Beim Pflanzen spanne ich das Netz über Bögen, die für die spätere Höhe reichen, und beschwere die Ränder rundum mit Brettern. Zum Kontrollieren öffne ich immer nur eine Seite und schließe sie danach sofort wieder.

Kontrollieren, absammeln, Nützlinge fördern

Ab April schaue ich regelmäßig nach Saaten und Jungpflanzen, auch unter dem Netz. Raupen sammle ich ab, befallene Pflanzenteile entferne ich. Das kann den Schaden begrenzen, wenn trotz Netz ein Befall auftritt. Nützlingen bieten ungefüllte Blüten sowie Laub- und Totholzhaufen Nahrung oder Rückzugsräume.

Kohlhernie vorbeugen

Die Dauersporen der Kohlhernie können bis zu 20 Jahre im Boden überdauern, deshalb zählt im Biogarten die Vorbeugung. Zwischen Kreuzblütlern liegen dafür mindestens vier Jahre Anbaupause, und befallene Pflanzen kommen samt Wurzeln in den Restmüll statt auf den Kompost. Die Pause behältst du im Beetplaner für deine Fruchtfolge im Blick; Krankheitsbilder beschreibt das Krankheitskapitel im Kohl-Ratgeber.

Welche Nachbarn passen zu Kohlröschen?

Mischkultur kann unterstützen, sie garantiert aber nichts: Günstige Wirkungen zwischen Gemüsearten sind schwer nachzuweisen, eine Nachbarliste ist deshalb kein Schutzversprechen. Kurzlebige Zwischenkulturen erntest du ab, bevor sie die lange stehenden Kohlröschen bedrängen. Welche Partner infrage kommen, zeigen der Beitrag welche Partnerpflanzen zu Kohlröschen passen und das Werkzeug für die Mischkultur-Planung.

Wann kannst du ernten?

Geerntet wird je nach Sorte ungefähr von September bis Februar: die nicht winterharte Autumn Star F1 im Herbst, die ausgeprägt winterharte Snowdrop F1 im Winter. Für die Zuckeranreicherung im Geschmack zählen niedrige Temperaturen, solange die Pflanzen aktiv wachsen; Frost ist dafür keine Voraussetzung. Reife erkennen und frisch halten erklärt der Beitrag wann und wie du Kohlröschen erntest, Küchenideen das Porträt der Kohlröschen als vielseitiges Gemüse.

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Häufige Fragen

Was sind Kohlröschen und wie unterscheiden sie sich von anderen Kohlarten?
Kohlröschen sind eine Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl. Geerntet werden lockere Blattrosetten aus den Blattachseln, während Rosenkohlröschen aus dicht geschichteten Blättern bestehen. Als Richtwert werden die Pflanzen etwa 80 bis 100 cm hoch.
Wie erfolgt der biologische Anbau von Kohlröschen vom Samen bis zur Ernte?
Du ziehst die Pflanzen je nach Region ab März im Kleingewächshaus oder ab April im abgedeckten Saatbeet vor und pflanzt sie etwa im Mai oder Juni. Vorher arbeitest du nach Bodenbefund Kompost und Hornspäne ein, direkt nach dem Pflanzen kommt ein Kulturschutznetz über das Beet. Bei trockenem Boden gießt du gründlich statt oft, und geerntet wird je nach Sorte ungefähr von September bis Februar.
Wie lange dauert es von der Aussaat bis zur ersten Ernte von Kohlröschen?
Vorgezogen wird je nach Region und Witterung ab März oder ab April, gepflanzt etwa im Mai oder Juni. Geerntet wird je nach Sorte ungefähr von September bis Februar: Autumn Star F1 im Herbst, Snowdrop F1 im Winter. Mit der Sortenwahl legst du also fest, wann die ersten Röschen kommen.
Warum sind Kohlröschen nach dem ersten Frost besonders schmackhaft?
Den Zucker, der den Geschmack prägt, reichern Kohlröschen bei niedrigen Temperaturen an, solange sie aktiv wachsen. Frost selbst ist dafür keine Voraussetzung. Du musst mit der Ernte also nicht auf die erste Frostnacht warten.
Welche Kreuzblütler eignen sich als Mischkulturpartner für Kohlröschen?
Ich plane keine Kreuzblütler als Nachbarn ein. Radieschen, Rettich, Rucola, Senf, Ölrettich und Raps sind wie Kohl Kreuzblütler und zählen in der Fruchtfolge zur Kohl-Anbaupause, weil die Verwandtschaft die Kohlhernie begünstigen kann. Nachbarn aus anderen Pflanzenfamilien sind aber auch kein Schutzversprechen, denn günstige Nachbarschaftswirkungen sind schwer nachzuweisen.
Wie beeinflusst die Fruchtfolge die Nährstoffverfügbarkeit für Kohlröschen?
Leguminosen als Vorfrucht oder Zwischenfrucht eignen sich im ökologischen Kohlanbau zur Stickstoffversorgung. Für Kohlröschen gelten außerdem Porree, Zwiebeln, Zucchini, Getreide und Mais als vorteilhafte Vorfrüchte. Was an Stickstoff im Boden steckt und aus Humus und Ernteresten nachgeliefert wird, berücksichtigst du bei der Düngung.
Welche praktischen Methoden gibt es zum Mulchen von Kohlröschenbeeten?
Angetrockneter Rasenschnitt eignet sich, wenn du ihn nur dünn bodendeckend ausbringst und dafür öfter nachlegst. Die Mulchdecke vermindert im Sommer Verdunstung und Verschlämmung. Wo du nicht mulchst, unterdrückst du Beikräuter mit regelmäßigem flachem Hacken, das vermindert ebenfalls die Verdunstung.
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