Wirsing natürlich schützen: Schädlinge und Krankheiten erkennen und gezielt vorbeugen
- Ein Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite kommt direkt nach dem Pflanzen auf das Beet und bleibt bis zur Ernte rundum dicht.
- Ab April schaust du regelmäßig nach den Jungpflanzen, denn dann erscheinen meist die überwinterten Erdflöhe.
- Welkt ein Wirsing, prüfe den Wurzelbereich: Weiße Maden sprechen für die Kohlfliege, innen weißfleischige Wucherungen deuten auf Kohlhernie.
- Plane für Wirsing 4 Jahre Anbaupause ein und zähle Radieschen, Rettich und Gelbsenf als Kreuzblütler mit.
- Zwiebeln, Knoblauch und andere Kohlarten gelten als ungeeignete Nachbarn für Wirsing.

An Wirsing fressen Erdflöhe, Kohlfliegenmaden und Raupen, und bei feuchtem Wetter kommen Blattkrankheiten wie der Falsche Mehltau dazu. Wer erst reagiert, wenn die Blätter durchlöchert sind, kann den Schaden oft nur noch begrenzen. Ich lege deshalb direkt nach dem Pflanzen ein feines Netz über meinen Wirsing und schaue ab dem Frühjahr regelmäßig unter die Blätter. Hier liest du, welcher Schädling welches Schadbild hinterlässt, welche Krankheiten auftreten und mit welchen Handgriffen du vorbeugst. Keine dieser Maßnahmen garantiert ein gesundes Beet, zusammen senken sie aber das Risiko.
Welche Schädlinge befallen Wirsing?
Die Übersicht hilft dir, ein Schadbild schnell einzuordnen. Sie liefert Hinweise und keine sichere Diagnose; die Einzelheiten stehen in den Abschnitten darunter.
| Schädling | Typisches Schadbild | Was du tust |
|---|---|---|
| Kohlerdfloh | viele kleine Löcher in jungen Blättern, springende Käfer | Netz direkt nach dem Pflanzen |
| Kleine KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. | welkende Pflanzen, weißliche Maden an Strunk und Wurzeln | Netz, Pappkragen, befallsfreie Fläche |
| Raupen von Kohlweißling, Kohlmotte und Kohleule | Lochfraß, grüne oder braune Kotkrümel | Raupen und Eigelege absammeln |
| Mehlige Kohlblattlaus | blaugraue Kolonien unter den Blättern, eingerollte Blätter | Kolonien früh entfernen, abspülen |
| Kohlmottenschildlaus | kleine Tiere unter den Blättern fliegen bei Berührung auf, Honigtau, Rußtau | Netz, befallene Pflanzen nicht überwintern lassen |
| Schnecken | Fraß mit silbrigen Schleimspuren | absammeln, lückenloser Schneckenzaun |
Erdflöhe: viele kleine Löcher in jungen Blättern
Die springenden Kohlerdflöhe werden etwa 2,5 bis 3 mm groß. Wo sie fressen, bleibt das Blatt mit vielen kleinen Löchern zurück. Bei Kohl gefährden sie vor allem Keimlinge und frisch gepflanzte Bestände. Meist ab April tauchen die Käfer auf, die überwintert haben; ab Juli kommt die nächste Generation dazu. In warmen, trockenen Frühjahren breiten sie sich leichter aus. Gegen Erdflöhe lege ich das Netz über eine Fläche, die vorher befallsfrei war.
Eine dicke Mulchschicht oder ständiges Gießen hält Erdflöhe vom Wirsing fern? Nur feucht halten reicht nicht, um Erdflöhe an Kohl verlässlich zu bekämpfen. Ich nutze Mulch deshalb für das, was er leistet: Auf offenem Boden verdunstet darunter weniger Wasser. Den Schutz vor den Käfern übernimmt bei mir das Netz.
Kohlfliege: welke Pflanzen und Maden am Strunk
Je nach Witterung zeigt sich die erste Generation der Kleinen Kohlfliege im April oder Anfang Mai. Mit der Eiablage beginnt sie ungefähr 8 bis 10 Tage später. Die weißlichen Maden werden bis etwa 1 cm lang. Am Wirsing sitzen sie vor allem im Strunk und an den Wurzeln, sodass die Pflanze welken kann. Junge Kohlpflanzen können daran sogar absterben. Welkt ein Wirsing, lege ich den Wurzelhals frei und schaue nach. Weiße Maden im Wurzelbereich sprechen für Kohlfliegenbefall.
Zusätzlich zum Netz kannst du Pappkragen um den Wurzelhals junger Pflanzen legen. Auf den Kragen landen die Eier der Kohlfliege, und du nimmst Kärtchen samt Eiern weg.
Raupen: Kohlweißling, Kohlmotte und Kohleule
Fraßlöcher mit grünen oder braunen Kotkrümeln sind dein Zeichen, die Blätter nach Raupen und Eigelegen abzusuchen. Bei Kohlweißlingsraupen reicht der Lochfraß bis an die Blattrippen, die dann frei liegen. Die Larven der Kohlmotte minieren anfangs im Blatt und fressen später Löcher oder Fenster; an den Herzblättern findest du dann häufig ein feines, weißes Gespinst. An Farbe und Länge unterscheidest du die Raupen:
| Raupe | Farbe | Länge |
|---|---|---|
| Großer Kohlweißling | gelb mit schwarzen Flecken | bis 4 cm |
| Kleiner Kohlweißling | grün, samtartig behaart | bis 3 cm |
| Kohlmotte | grünlich grau | bis 1 cm |
| Kohleule | grün bis braun | bis 4 cm |
Stehen nur wenige Pflanzen im Beet, suchst du Raupen und Eigelege und entfernst sie von Hand. Solange der Befall gering ist oder gerade beginnt, kann das schon genügen. Ich drehe dafür die Blätter um und schaue auch an den Herzblättern nach Gespinst.
Blattläuse und Weiße Fliege unter den Blättern
Ihr Wachsbelag lässt die Mehlige Kohlblattlaus blaugrau aussehen, und sie hält sich meist an den Blattunterseiten auf. Siehst du weißlich-graue Kolonien und eingerollte Blätter, deutet das auf diese Laus. Entferne die Kolonien schon zu Befallsbeginn. Wo sich ein Blatt nicht ausbrechen lässt, spüle ich die Läuse mit einem kräftigen, kalten Wasserstrahl ab.
Die Kohlmottenschildlaus, oft Weiße Fliege genannt, sitzt mit ihren Larven ebenfalls unter den Blättern. Berührst du die Pflanze, fliegen die Tiere auf. Ihr klebriger Honigtau kann einen schwarzen Belag aus Rußtau nach sich ziehen.
Schnecken: Fraß mit Schleimspur
Silbrige Schleimspuren am Fraß deuten auf Schnecken. Du findest sie besonders früh morgens, spät abends und bei Regenwetter, und genau dann sammle ich sie ab. Einen Schneckenzaun baust du lückenlos auf und sorgst dafür, dass keine Pflanzen darüber hängen und eine Brücke bilden; sonst schützt er nicht. Schnecken, die schon innerhalb des Zauns sitzen, musst du trotzdem absammeln. Ein Kräutersaum aus Thymian, Salbei oder Pfefferminze hält Schnecken nicht gesichert ab.
Wie legst du das Kulturschutznetz richtig auf?
Das Netz ist beim Wirsing mein erster Handgriff. Bei Kopfkohl wie Wirsing kann es Schadinsekten ganz fernhalten oder ihren Befall zumindest verringern. Dafür kommt es auf den Zeitpunkt, die Maschenweite und dichte Ränder an.
- Leg das Netz unmittelbar nach dem Pflanzen auf.
- Lass ihm genug Wachstumsraum, damit der Wirsing darunter Platz hat.
- Schließ die Ränder rundum mit Erde oder Steinen, sodass keine Lücke bleibt.
- Halte das Netz bis zur Ernte geschlossen.
Welche Maschenweite gegen welchen Schädling passt, zeigt die Tabelle:
| Einsatz | Maschenweite |
|---|---|
| Kohlgemüse allgemein, rundum dicht | 0,8 mm |
| Kohlerdflöhe | 0,6 bis 0,8 mm, höchstens 0,9 mm |
| Blattläuse und Weiße Fliege | 0,8 mm |
| Kohlfliegen | etwa 1,3 mm |
| Gemüsefliegen und Raupen | 1,35 mm |
Für Wirsing nehme ich ein Netz mit 0,8 mm, weil diese Maschenweite für Kohlgemüse insgesamt empfohlen wird.
Das Netz hat allerdings zwei Grenzen. Gegen Kohlfliegen aus Puppen, die schon im Beet überwintert haben, richtet es nichts aus. Außerdem hält es natürliche Gegenspieler fern. Was unter dem Netz schlüpft, trifft dort also auf keine Nützlinge von außen. Deshalb gehört das Netz auf eine vorher befallsfreie Fläche, und du kontrollierst auch darunter.
Das Netz erst auflegen, wenn die ersten Fraßlöcher auftauchen. Dann sitzen Erdflöhe oder Kohlfliegeneier womöglich schon darunter. Leg es deshalb am Pflanztag auf.
Welche Krankheiten treffen Wirsing?
Zwei Gruppen solltest du kennen: die Kohlhernie an den Wurzeln und die Blattflecken, die feuchtes Wetter begünstigt.
Kohlhernie: Wucherungen an den Wurzeln
Kohlhernie lässt Kohlpflanzen kümmern oder welken. An den Wurzeln sitzen dann knötchenartige bis fingerförmige Wucherungen. Bis zu 20 Jahre können die DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren. des Erregers im Boden überdauern. Besonders gefährdet ist Kohl bei 20 bis 25 °C in feuchtem bis staunassem Boden. Eine bereits erkrankte Pflanze lässt sich nicht direkt wieder gesund machen.
Bevor ich eine Verdickung als Kohlhernie einordne, schneide ich sie auf. Innen weißfleischig und nicht hohl passt zur Kohlhernie. Finde ich Hohlräume mit Larven, stammt die Galle eher vom Kohlgallenrüssler.
Bestätigt sich der Verdacht, holst du die Pflanze samt Wurzeln aus dem Beet und gibst sie in den Restmüll. Die benutzten Geräte reinigst du danach gründlich. Auf der befallenen Fläche baust du danach mindestens 7 Jahre lang keine Kreuzblütler an. Eine Garantie ist selbst diese lange Pause nicht, denn die Dauersporen überleben so lange im Boden. Bei Weiß- und Rotkohl gibt es Sorten mit ResistenzResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. gegen Kohlhernie; beim Wirsing-Saatgut fragst du gezielt nach einer solchen Angabe.
Kohlherniekranke Pflanzen auf den eigenen Kompost werfen. Sie gehören samt Wurzeln in den Restmüll.
Blattflecken: Falscher Mehltau, Alternaria und Weißrost
| Schadbild | Kann hinweisen auf | Wird begünstigt durch |
|---|---|---|
| gelbliche Flecken, unterseits weißgrauer PilzrasenPilzrasen nennt man den sichtbaren Belag, den ein Pilz auf befallenen Blättern oder Stängeln bildet, etwa den grauen Pilzrasen beim Grauschimmel. Der Begriff beschreibt ein Merkmal des Schadbilds, nicht die Krankheit selbst. | Falscher Mehltau | 8 bis 12 °C für die Keimung, 15 bis 17 °C für schnelles Eindringen, dazu BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. |
| rundliche, graubraune Flecken | Alternaria | 15 bis 25 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit |
| weiße bis cremefarbene Pusteln von 0,5 bis 3 mm auf gelblich grünen Blattpartien | Weißrost | 10 bis 15 °C |
Flecken sind Hinweise und keine sichere Diagnose. Ein weißer, mehliger Belag deutet eher auf Echten Mehltau. Dem Falschen Mehltau beugst du vor, indem du lange Blattnässe vermeidest und nötiges Gießen früh am Tag erledigst. Jungpflanzen hältst du luftig und schützt sie vor Taubildung. Blätter mit Alternaria-Flecken entfernst du, um die Ausbreitung zu begrenzen. Zeigen sich am Blattrand V-förmige, gelbbraune Schäden und färben sich die Adern dunkel, kann das auf die bakterielle Adernschwärze hindeuten. Mit Pflanzenschutzmitteln lässt sie sich nicht direkt bekämpfen.
Wie beugst du im Beet vor?
Anbaupause und Fruchtfolge
Für Wirsing gilt eine Fruchtwechselpause von 4 Jahren. Radieschen, Rettich und Gartenkresse kommen in dieser Zeit ebenso wenig auf das Beet wie Gelbsenf, Ölrettich oder Raps als Gründüngung, denn auch sie sind Kreuzblütler. Vor dem Wirsing passen Hülsenfrüchte gut aufs Beet. Als Gründüngung zwischen den Kohljahren nehme ich Phacelia, denn mit den üblichen Gemüsearten ist sie nicht verwandt. Eine mögliche Folge ist Wirsing als Starkzehrer, danach Möhren als MittelzehrerMittelzehrer sind Pflanzen mit mittlerem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff: Sie brauchen mehr als Schwachzehrer, aber weniger als Starkzehrer. Typische Mittelzehrer sind Möhren, Rote Bete, Spinat, Fenchel und viele Salate. und dann Feldsalat als Schwachzehrer. Damit du die Jahre im Blick behältst, kannst du deine Fruchtfolge über mehrere Jahre im Beetplaner festhalten.
Auch Beikräuter wie Hederich, Ackersenf und Hirtentäschel kann die Kohlhernie befallen. Ich jäte sie auf dem Kohlbeet deshalb auch in den Jahren, in denen dort kein Kohl steht.
Kreuzblütler sind die Pflanzenfamilie, zu der Kohl gehört. Neben Radieschen und Rettich zählen auch Rucola, Senf, Ölrettich und Raps dazu.
Boden, Kalk und Gießen
Am liebsten steht Wirsing in schwerem, fruchtbarem Boden, der Wasser gut durchlässt und eher alkalisch ist. Um Kohlhernie vorzubeugen, peilst du nach einer Bodenprüfung einen pH-Wert von 7 bis 7,5 an. Die Entscheidung zum Kalken triffst du anhand des Messwerts, der Bodenart und des Humusgehalts. Staunässe vermeidest du, weil sie Kohlhernie-Infektionen begünstigt.
Gieß früh morgens und bodennah, ohne die Blätter zu benetzen. Das kann zweifach helfen: Die Blätter trocknen über den Tag ab, was dem Falschen Mehltau vorbeugt. Und die Wege, auf denen Schnecken zuwandern, bleiben trocken.
Gute und ungeeignete Nachbarn
Neben Wirsing passen Spinat, Sellerie, Salat, Paprika, Möhren, Kartoffeln und Bohnen. Zwiebeln, Knoblauch und andere Kohlarten gelten dagegen als ungeeignet. Schnittsellerie wird seit Langem neben Kohl gepflanzt, weil er Erdflöhe und Raupen abwehren soll; beobachtet wird das aber nicht an jedem Standort. Mischkultur unterstützt, sie ersetzt weder Netz noch Anbaupause. Ihre Vorteile zeigt sie nur, wenn der Boden gepflegt ist, die Abstände reichen und die Wasserversorgung gesichert ist. Welche Arten in deinem Beet zusammenpassen, prüfst du mit dem Mischkultur-Planer für dein Gemüsebeet.
Was leisten Jauchen und Hausmittel?
Was die vergorene Brennnesseljauche vor allem liefert, ist Stickstoff: Sie ist in erster Linie ein Dünger. Dass sie Schädlinge vertreibt, wird ihr oft nachgesagt; bei mir übernehmen diesen Teil Netz und Kontrolle. Wirsing bekommt vor dem Pflanzen reifen Kompost und wird während der Kultur regelmäßig nachgedüngt. Wie viel die einzelnen Kohlarten brauchen, liest du in der Anleitung, wie du Kohl nach Art und Verwendungszweck düngst.
Ein Brennnesselauszug gegen Blattläuse kann nur dort etwas ausrichten, wo er die Läuse direkt trifft. Vorbeugend gespritzt bleibt er wirkungslos.
Anderen Hausmitteln werden ebenfalls Wirkungen zugeschrieben. SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. soll wegen ihrer Kieselsäure das Blattgewebe festigen. Knoblauchauszug soll mit seinem Geruch Läuse fernhalten, und einer Brühe aus Rapsöl und SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. wird nachgesagt, dass sie Blattläuse verklebt. Ich verlasse mich beim Wirsing auf keines davon und greife bei Läusen zuerst zum Wasserstrahl.
Welche Nützlinge helfen im Wirsingbeet?
Draußen im Beet arbeitet biologischer Pflanzenschutz vor allem mit den Nützlingen, die schon da sind; zugekaufte Nützlinge setzt man überwiegend unter Glas oder Folie ein. Findest du neben toten Kohlweißlingsraupen gelbe Kokonhaufen, stammen sie womöglich von der Brackwespe Cotesia glomerata; die lässt du beim Absammeln liegen. Welche Nützlinge im Wirsingbeet helfen und wie du sie förderst, erfährst du im Nützlings-Ratgeber.
Wann kommt ein Pflanzenschutzmittel infrage?
Ein Pflanzenschutzmittel ist für mich der letzte Schritt, wenn Netz, Absammeln und Ausbrechen nicht reichen.
Prüfe vor jedem Einsatz, ob ein Mittel für Wirsing und für den Haus- und Kleingarten zugelassen ist; Auskunft geben die Gebrauchsanleitung und die BVL-Datenbank. Halte dich genau an die Gebrauchsanleitung, trag die dort verlangte Schutzkleidung, beachte die Wartezeit bis zur Ernte und entsorge Reste nach Vorgabe. Bedenke auch, dass ein Mittel Nützlinge treffen kann.
Gegen manche Probleme gibt es gar keine direkte Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln. So ist es bei der bakteriellen Adernschwärze und beim Turnip mosaic virus, das an Kohl zuerst grün-gelbliche und später dunkel umrandete Flecken sowie Blattverformungen hervorrufen kann. Wie du Wirsing nach Bio-Regeln ohne chemisch-synthetische Mittel kultivierst, liest du im Ratgeber zum Bioanbau.
Wann schaust du wonach?
Ab April gehe ich regelmäßig durch das Wirsingbeet und schaue dabei zuerst unter das Netz. Die Tabelle zeigt, worauf du wann achtest:
| Zeit oder Wetter | Worauf du achtest |
|---|---|
| ab April | überwinterte Erdflöhe an Saaten und Jungpflanzen |
| April oder Anfang Mai, je nach Witterung | erste Generation der Kleinen Kohlfliege, Eiablage ungefähr 8 bis 10 Tage danach |
| warmes, trockenes Frühjahr | Ausbreitung von Erdflöhen begünstigt |
| ab Juli | neue Erdfloh-Generation |
| feuchte Witterung, Blattnässe | Blattunterseiten auf Falschen Mehltau, Blätter auf Alternaria |
| Herbst und Winter | Kohlmottenschildläuse unter den Blättern |
Sind die Netzränder dicht? Zeigen junge Blätter kleine Löcher? Liegen Kotkrümel oder Eigelege unter den Blättern? Sitzen blaugraue Läusekolonien an den Blattunterseiten? Welkt eine Pflanze, legst du den Wurzelhals frei und schaust nach Maden oder Wucherungen.
Soll dein Wirsing für die Winterernte im Beet bleiben, lohnt vorher ein Blick unter die Blätter. Von Kohlmottenschildläusen befallene Pflanzen dienen dem Schädling als Winterquartier, deshalb räumst du sie vor dem Frühjahr ab.
Legst du die Aussaat- und Pflanztermine für Kohl auf einem Druckblatt daneben, siehst du, wann welche Jungpflanzen unter das Netz kommen.
Was gilt bei Ernte und Lagerung?
Für das Lager suchst du nur gesunde Köpfe aus, weil Alternaria an Kopfkohl eine Auslese gesunder Köpfe nötig macht. Wie du Wirsing von der Jungpflanze bis zur Ernte pflegst und woran du den Erntezeitpunkt erkennst, erklärt der Pflege-Ratgeber. Die Erntezeiten und Lagerhinweise aller Kohlarten stehen im Kohl-Ratgeber unter Ernte und Lagerung.




