Scheerkohl anbauen: Licht, Boden und der passende Platz im Garten
- Als Kohl mag Scheerkohl Sonne und kommt auch mit Halbschatten zurecht, also mit bis zu etwa vier Stunden direkter Sonne am Tag.
- Der Boden soll fruchtbar und gut durchlässig sein, Senken mit Staunässe meidest du.
- Für Kohlkulturen im Garten wird ein Boden-pH von 6,5 bis 7 empfohlen.
- Als Kreuzblütler zählt Scheerkohl zur Kohl-Anbaupause, genau wie Radieschen und Rettich.
- Bremer Scheerkohl wird bereits nach 4 bis 6 Wochen geerntet.
- Im Kübel braucht er freie Ablauflöcher und faserreiches, möglichst torffreies Substrat.

Du willst Scheerkohl anbauen und überlegst, ob er ins sonnige Hauptbeet muss oder ob die halbschattige Ecke am Zaun reicht. Bevor ich säe, gehe ich mit drei Fragen über die Fläche. Wie viele Stunden direkte Sonne fallen dorthin? Wie fühlt sich der Boden zwischen den Fingern an? Und stand dort in den letzten Jahren Kohl oder ein anderer Kreuzblütler? Wer diese Fragen überspringt, sät leicht in eine Senke mit Staunässe oder auf ein Beet, auf dem im Vorjahr Radieschen standen.
Was ist Scheerkohl?
Scheerkohl, auch Schnittkohl genannt, ist ein Kohl, den du jung schneidest. Als Kohl gehört er zu den Kreuzblütlern, und das bestimmt mit, auf welches Beet er darf. Welche Kohlarten es gibt und was du jeweils erntest, zeigt der Überblick über Kohlarten, Ernteorgane und Herkunft.
Wie viel Sonne braucht Scheerkohl?
Kohl bevorzugt einen sonnigen Standort, kommt aber auch mit Halbschatten gut zurecht. Für Scheerkohl heißt das: Neben dem Hauptbeet kommen auch Plätze infrage, die nur einen Teil des Tages Sonne bekommen.
Als Richtwert für Halbschatten gelten bis zu etwa vier Stunden direkte Sonne am Tag. Für Gemüse allgemein wird ein Minimum von rund drei Stunden direkter Sonne empfohlen.
Ich zähle an einem klaren Tag, wann direkte Sonne auf die Fläche fällt und wann Haus, Hecke oder Nachbarbeet sie beschatten. Die Stunden schreibe ich auf, statt mich auf den Eindruck von der Terrasse aus zu verlassen. Weil Kohl Halbschatten verträgt und für Gemüse rund drei Stunden direkte Sonne als Minimum gelten, kann eine Ecke mit Vormittagssonne reichen. Voraussetzung ist, dass sie auf diese drei Stunden kommt.
Welcher Boden passt zu Scheerkohl?
Der Boden soll fruchtbar und gut durchlässig sein, wobei Kohl auch schwere Tonböden verträgt. Wie dein Boden beschaffen ist, findest du mit ein paar Handgriffen heraus.
Bodenart mit der Fingerprobe bestimmen
Ich nehme vor jeder neuen Fläche eine Fingerprobe mit leicht feuchter Erde. Sandboden zerfällt dabei körnig, toniger Boden klebt und lässt sich gut ausrollen. Kompost hilft in beiden Fällen: Auf Sand verbessert er das Wasserhaltevermögen, auf schweren Böden die KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk. und die Durchlüftung.
Lockern, ohne die Schichten zu wenden
Ein bestehendes Gemüsebeet lockere ich im Frühjahr mit dem Sauzahn. Ich ziehe ihn kreuzweise in etwa 20 cm Abstand durch die Erde, ohne die Bodenschichten zu wenden. Umgraben ist vor allem bei Neuanlagen und sehr schweren Böden sinnvoll. Mit jeder Bodenarbeit wartest du, bis keine Erde mehr an den Geräten haften bleibt.
pH-Wert messen statt schätzen
Für Kohlkulturen im Garten wird ein Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. von 6,5 bis 7 empfohlen. Welcher Wert für dein Beet passt, hängt auch von Bodenart und Humusgehalt ab. Eine Standard-Bodenanalyse bestimmt den pH sowie pflanzenverfügbares Phosphor, Kalium und Magnesium. Löslichen Stickstoff und den Humusgehalt beauftragst du gesondert.
So nimmst du die Bodenprobe
- Stich 10 bis 15 Teilproben, verteilt über die ganze Fläche.
- Nimm jede Teilprobe aus den oberen 30 cm.
- Vermenge alles zu einer MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. und schick etwa 500 g davon ans Bodenlabor.
- Probe im Herbst bis Frühjahr oder nach der Ernte, nicht unmittelbar nach einer Düngung.
- Beprobe unterschiedlich genutzte Bereiche getrennt.
Kalk nach Gefühl streuen. Ob ein Beet Kalk braucht, richtet sich nach Bodenart und Bodenuntersuchung. Liegt der pH schon oberhalb des passenden Zielbereichs, wird nicht gekalkt.
Stellen, die du für Scheerkohl meidest
Meide Senken und Beetstellen, an denen nach Regen lange Wasser steht. Feuchte bis staunasse Böden begünstigen Infektionen mit KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen., besonders bei 20 bis 25 °C. Wo die Krankheit schon auftrat, braucht die Fläche eine langjährige Kohl-Anbaupause, denn die DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren. können bis zu 20 Jahre im Boden überdauern.
Beet, Kübel oder Hochbeet: welche Anbauform passt?
Scheerkohl lässt sich im Gartenbeet, im Kübel und im Hochbeet ziehen. Die Tabelle zeigt, was jeweils dafür spricht und worauf du achtest.
| Anbauform | Was dafür spricht | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Gartenbeet | Die Wurzeln frieren langsamer durch als im Kübel. | Anbaupause für Kreuzblütler, keine Senken mit Staunässe |
| Kübel und Balkonkasten | Anbau auch ohne Gartenboden, Erde frei wählbar | freie Ablauflöcher, torffreies Substrat, kleine Gefäße brauchen häufiger Wasser |
| Hochbeet | Erde erwärmt sich schneller, Anbau auch bei ungeeignetem Gartenboden | trocknet schneller aus; frisch mit Reisig, Kompost und Gärtnererde aufgebaut, setzt es im ersten Jahr viel Stickstoff frei |
Im Gartenbeet: erst die Vorkultur klären
Als Kreuzblütler zählt Scheerkohl zur Kohl-Anbaupause, genau wie Radieschen, Rettich, Rucola, Senf, Ölrettich und Raps. Vorbeugend kommt ein Kreuzblütler nur alle 3 bis 5 Jahre wieder auf dasselbe Beet. Den Wechsel planst du im Beetplaner für deine Fruchtfolge, passende Beetnachbarn findest du im Mischkultur-Werkzeug und das Grundsätzliche im Kohl-Ratgeber unter Fruchtfolge und Mischkultur.
Im Kübel und Balkonkasten
Auch im Gefäß müssen Licht, Bodenfeuchte, Wuchsverhalten und Pflanzabstände zur Kultur passen. Die Sonnenstunden auf dem Balkon zählst du deshalb genauso wie im Beet. Das Gefäß braucht freie Ablauflöcher, damit sich im Wurzelraum kein Wasser staut. Als Erde eignet sich faserreiches, möglichst torffreies Kompostsubstrat, das Luft, Wasser und Nährstoffe speichert.
Kleine Gefäße brauchen häufiger Wasser als große, deshalb greife ich auf einem sonnigen Balkon lieber zum breiten Kasten als zum kleinen Topf. Bei torffreier Erde prüfe ich vor dem Gießen auch die Feuchte unter der Oberfläche, weil die oberste Schicht schnell abtrocknet. Erde aus Gefäßen mit Kohlhernie oder anderen Wurzelkrankheiten verwendest du nicht wieder.
Im Hochbeet
Ein Hochbeet ermöglicht Gemüseanbau auch dort, wo der vorhandene Gartenboden ungeeignet ist. Seine Erde erwärmt sich schneller und trocknet dadurch auch schneller aus; eine Mulchdecke kann den Feuchteverlust mindern. Was du beim Anbau im Hochbeet besonders beachtest, erklärt der Ratgeber zu Scheerkohl im Hochbeet.
Welcher Platz passt zu welcher Jahreszeit?
Frühjahr: dort säen, wo die Erde zuerst warm wird
Für Bremer Scheerkohl liegt die Keimtemperatur bei 10 bis 12 °C. Ich stecke im Frühjahr ein Bodenthermometer in die geplante Saatreihe und säe, sobald die Erde dort diesen Bereich erreicht. Die Seitenwände eines Hochbeets erwärmen sich in der Sonne und können den Boden schneller aufheizen. Dort kann die Keimtemperatur für Scheerkohl also früher erreicht sein als im ebenen Beet.
Liegt über einer frühen Saat Verfrühungsvlies, nimmst du es bei deutlich gestiegenen Temperaturen ab, ungefähr ab Mitte Mai. Wähle dafür einen trüben oder regnerischen, möglichst windstillen Tag.
Sommer: Sonne und Wind bestimmen den Wasserbedarf mit
Wie viel Wasser Gemüse braucht, richtet sich nach Kultur und Sorte, Wetter, Substrat sowie Sonne und Wind am Standort. Ein vollsonniger, offener Platz verlangt im Sommer deshalb mehr Aufmerksamkeit beim Gießen als eine geschützte Ecke. Wie oft und wie viel du gießt, erklärt der Ratgeber zum richtigen Gießen von Scheerkohl, die Grundlagen stehen im Kohl-Ratgeber unter Gießen.
Herbst: tiefe Sonne und kalte Kübel
Im Herbst steht die Sonne tiefer, sodass Gebäude und immergrüne Gehölze Flächen beschatten können, die im Sommer frei lagen. Für einen Herbstplatz zählst du die Sonnenstunden noch einmal nach. Im Kübel friert der Wurzelballen schneller durch als im Gartenboden, und Wurzeln reagieren empfindlicher auf Minusgrade als die oberirdischen Pflanzenteile. Für Sätze, die bis in die kalte Zeit stehen sollen, wähle ich deshalb eher das Beet als den Kübel.
Für jede neue Scheerkohl-Fläche lege ich einen Zettel an. Darauf notiere ich die gezählten Sonnenstunden, das Ergebnis der Fingerprobe, den pH aus der letzten Bodenanalyse und die Kreuzblütler der letzten Jahre. Vor jeder Aussaat hole ich den Zettel wieder hervor.
Aussaat, Pflege und Ernte in Kürze
Aussaat
Bremer Scheerkohl säst du 1 bis 1,5 cm tief. Als Saatgutbedarf rechnest du mit 4 bis 6 g je Quadratmeter. Das Grundsätzliche zu Aussaat, Anzucht und Pflanzung steht im Kohl-Ratgeber.
Düngen
Kompost verbessert die BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten., deckt allein aber nicht die Stickstoffversorgung von Gemüse. Welche Dünger passen und wie du Über- und Unterdüngung vermeidest, erklärt der Ratgeber zum Düngen von Scheerkohl. Die Grundlagen nach Art und Verwendungszweck stehen im Kohl-Ratgeber unter Düngen.
Schädlinge
Überwinterte KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. erscheinen meist ab April, und ab dann schaust du regelmäßig nach deinen Saaten. Dagegen lege ich direkt nach der Saat ein KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite auf und halte es bis zur Ernte geschlossen. Typische Anfängerfehler im Scheerkohl-Beet behandelt der Ratgeber für Hobbygärtner zum Scheerkohl-Anbau, die Grundlagen der Kohl-Ratgeber unter Schädlinge und Pflanzenschutz.
Ernte
Bremer Scheerkohl wird bereits nach 4 bis 6 Wochen geerntet. Die Pflanzen sind dann etwa 10 bis 15 cm hoch. Wie du ihn mehrfach beerntest, zeigt die Anleitung von der Aussaat bis zur Mehrfachernte.

