Nützlinge im Porree-Beet: Wen du gegen Blattläuse und Thripse förderst und wann das Netz drauf muss
- Gegen Blattläuse arbeiten Marienkäfer sowie die Larven von Florfliegen, Schwebfliegen und Gallmücken.
- Thripsgegner wie Raubmilben, räuberische Thripse, Florfliegen und Blumenwanzen förderst du im Freiland mit Saumstrukturen am Beetrand.
- Gegen Lauchmotte und Lauchminierfliege kommt gleich nach dem Pflanzen ein Kulturschutznetz auf den Porree.
- Unter feinmaschigen Netzen sind Marienkäfer deutlich seltener, deshalb gehören Blüher und Saum neben das Netz.
- Gewöhnlichen Thripsbefall am Porree kannst du im Hausgarten meist hinnehmen, der Schaden ist vor allem optisch.

Wenn am Porree silbrige Flecken oder Fraßgänge auftauchen, will ich zuerst wissen, wer dort frisst. Bei Blattläusen und Thripsen kannst du auf Gegenspieler setzen, die du im Beet förderst. Bei Lauchmotte und Lauchminierfliege verlasse ich mich auf ein KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen., das gleich nach dem Pflanzen aufliegt. Beides passt zusammen, wenn du weißt, wo die NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. leben und wo das Netz sie aussperrt.
Welche Schädlinge am Porree sitzen
Diese fünf Schädlinge solltest du im Porree-Beet auseinanderhalten können, denn nicht gegen jeden helfen dieselben Maßnahmen. Bei der ZwiebelfliegeDie Zwiebelfliege ist ein der Stubenfliege ähnlicher Schädling, dessen weißliche Maden den Blattgrund junger Zwiebelpflanzen zerstören. Befallene Pflanzen welken, färben sich gelblich-grau und lassen sich leicht herausziehen. steht das Schadbild an jungen Zwiebeln in der Tabelle.
| Schädling | Woran du ihn erkennst | Was ich dagegen tue |
|---|---|---|
| Lauchmotte (auch Zwiebelmotte genannt) | Raupen fressen von den Blattspitzen aus Gänge bis ins Pflanzenherz, im Schaft kann Fäulnis entstehen | Kulturschutznetz mit 1,35 mm Maschenweite, gleich nach dem Pflanzen |
| Lauchminierfliege | geradlinige Fraßgänge mit braunen Tönnchenpuppen am Gangende | feinmaschiges Netz mit 0,8 mm Maschenweite, lückenlos aufgelegt |
| Thripse | silbrigweiße, längliche Flecken und kleine schwarze Kotpunkte auf den Blättern | Gegenspieler fördern, gewöhnlichen Befall hinnehmen |
| Blattläuse | die Läuse selbst; gelbliche Blattstreifen und gehemmtes Wachstum können auf das Porreegelbstreifenvirus hindeuten | Marienkäfer, Florfliegen, SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. und Gallmücken fördern |
| Zwiebelfliege | an jungen Zwiebeln: Laub vergilbt und welkt, weißliche Maden zerstören den Blattgrund | Netz mit 1,35 bis 2,0 mm Maschenweite, Ränder geschlossen |
Gegen Thripse reicht ein Netz nicht aus. Selbst Kulturschutznetze mit 0,3 mm Maschenweite haben den Befall in Praxisversuchen an Zwiebelgewächsen nicht zufriedenstellend gesenkt. Gewöhnlichen Thripsbefall am Porree kannst du im Hausgarten meist hinnehmen, weil der Schaden vor allem optisch ist.
Blattläuse können das Porreegelbstreifenvirus übertragen, und das Virus selbst lässt sich nicht direkt mit Pflanzenschutzmitteln bekämpfen. In der Hand hast du also nur die Überträger: Läuse früh sehen und ihren Gegenspielern Raum lassen.
Nicht jeder Fleck am Lauch stammt von einem Tier. Rotorange Pusteln, an denen die Blatthaut aufreißt, können auf Porreerost hindeuten. Graue Flecken mit violettem Rand passen zur Purpurfleckenkrankheit, weißlich absterbende Blattspitzen nach Regenperioden zur Papierfleckenkrankheit. Das sind Krankheiten, keine Schädlinge.
Welche Nützlinge im Porree-Beet arbeiten
Biologischer Pflanzenschutz im Freiland heißt vor allem, die Nützlinge zu fördern und zu schonen, die schon da sind. Ich richte das Beet deshalb für Tiere ein, die von selbst kommen, statt welche zu kaufen.
Marienkäfer: Käfer und Larven
Marienkäfer gehören zu den natürlichen Gegenspielern der Blattläuse. Ihre Larven sehen den Käfern allerdings nicht ähnlich. Beim Siebenpunkt-Marienkäfer sind sie langgestreckt und grau-schwarz, mit gelben Flecken und kleinen schwarzen Warzen.
Grau-schwarze, warzige Larven zwischen den Läusen für Schädlinge halten und zerdrücken. Tragen sie gelbe Flecken, ist das beim Siebenpunkt-Marienkäfer genau der Nachwuchs, den du im Beet haben willst.
Florfliegen, Schwebfliegen und Gallmücken
Bei diesen dreien arbeiten die Larven: Larven von Florfliegen, Schwebfliegen und Gallmücken gehören ebenfalls zu den Gegenspielern der Blattläuse. Florfliegen tauchen außerdem unter den Gegnern der Thripse auf. Blühende Pflanzen am Beet bieten Insekten Nahrung; welche sich eignen, steht weiter unten.
Raubmilben, räuberische Thripse und Blumenwanzen
Gegen Thripse arbeitet eine eigene Gruppe: räuberische Thripse, RaubmilbenRaubmilben sind winzige Milben, die andere Milben wie Spinnmilben und je nach Art auch Thripslarven fressen. Als Nützlinge werden sie im Gewächshaus und im Garten gezielt gegen Spinnmilben eingesetzt., Florfliegen und Blumenwanzen. Im Freiland fördern Saumstrukturen diese Gegenspieler, also bewachsene Streifen am Beetrand. In einem Freilandversuch an Porree verbesserten Raubmilben, die zusätzlich unter Schutznetzen ausgebracht wurden, die Wirkung gegen Thripse nicht. Zusammen mit dem Grundsatz, im Freiland die vorhandenen Nützlinge zu fördern, spricht das dafür, deine Mühe in den Saum zu stecken statt in gekaufte Raubmilben.
SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. werden oft als Helfer gegen Lauchmotte und Zwiebelfliege genannt. Ich plane den Schutz gegen beide deshalb über das Netz und sehe jeden Gegenspieler, der zusätzlich kommt, als Zugabe.
Wie du Nützlinge ins Porree-Beet lockst und schonst
Blüten neben dem Porree
Blühender Dill, Kerbel und Gewürzfenchel bieten Insekten im Gemüsegarten Nahrung, ebenso Ringelblumen und Phacelia. Ringelblumen und Tagetes eignen sich außerdem als blühende Lückenfüller, wenn ein Beet lückig oder schon abgeerntet ist. Am Beetrand lasse ich Schnittknoblauch stehen, denn er gilt als nützlingsfreundlich und blüht von Juli bis September. Phacelia kommt zudem als Gründüngung vor oder nach Porree infrage. Sie ist mit keiner gängigen Gemüseart verwandt und fügt sich deshalb gut in die Fruchtfolge.
Säe die Blüher in einen eigenen Streifen neben den Porree statt zwischen die Reihen. So bleiben die Reihen für die Hacke frei, und die Blüten stehen außerhalb des Netzes, wo Insekten sie erreichen.
Winterquartiere und Saum
Marienkäfer finden Überwinterungsplätze in Stein- und Laubhaufen, in ungeschnittenen Stauden und in Trockenmauern. Ich lasse die Stauden am Beetrand deshalb über den Winter stehen und schiebe das Herbstlaub in einer Ecke zu einem Haufen zusammen. Derselbe bewachsene Rand kann den Thripsgegnern als Saum dienen.
Mischkultur als Ergänzung
Porree lässt sich mit Kohl, Möhren, Petersilie, Salat, Sellerie, Spinat und Tomaten in Mischkultur anbauen. Ob solche Nachbarn Schädlinge fernhalten, lässt sich oft schwer nachweisen, und Beobachtungen dazu widersprechen sich häufig. Welche Partner zu deinem Porree passen, prüfst du mit dem Mischkultur-Planer für dein Gemüsebeet.
Nützlinge schonen: Mittel und Hausmittel
Marienkäfer und ihre Larven reagieren empfindlich auf Pflanzenbehandlungsmittel. Wer auf Behandlungen verzichtet oder sie auf das Nötigste beschränkt, schont sie. Hausmitteln wie SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken., Rapsöl oder PflanzenjauchenPflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. wird nachgesagt, Blattläuse zu vertreiben oder Pflanzen zu stärken. Zur Wirkung selbst angesetzter Jauchen, Brühen und Tees gibt es nur wenige und teils widersprüchliche Untersuchungen. Auch ein Hausmittel ist eine Behandlung, und die kann Marienkäferlarven treffen.
Thripsschaden am Porree ist vor allem optisch, und Marienkäferlarven reagieren empfindlich auf Behandlungen. Wer gegen Thripse spritzt, setzt also die Gegenspieler der Blattläuse im selben Beet aufs Spiel.
Hältst du ein chemisches Mittel als letzten Schritt für nötig, kommt nur eines infrage, das für nichtberufliche Anwender zugelassen ist, und zwar für Porree und gegen genau diesen Schädling. Halte dich an die Gebrauchsanweisung, trage Schutzkleidung, beachte die Wartezeit bis zur Ernte und entsorge Reste nach Vorschrift. Auch zugelassene Mittel können Nützlinge treffen.
Netz und Nützlinge: wie beides zusammengeht
Gegen Lauchmotte und Lauchminierfliege baue ich auf das Kulturschutznetz. Es hat aber eine Kehrseite: Im OptiNet-Projekt kamen Marienkäfer, Spinnen und Laufkäfer unter feinmaschigen Netzen deutlich seltener vor als im offenen Anbau. Unter dem Netz fehlen also gerade die Marienkäfer, die sonst gegen die Blattläuse arbeiten. Deshalb prüfe ich den Porree unter dem Netz genauso gründlich auf Läuse und lege Blüher und Saum außerhalb an.
Das Netz kommt unmittelbar nach dem Pflanzen auf, mit gut befestigten Rändern, und bleibt bis kurz vor der Ernte liegen. Gegen die Herbstgeneration der Lauchminierfliege muss es besonders von Mitte August bis Oktober lückenlos abdecken, nimm es in dieser Zeit also auch für die Nützlinge nicht ab. Wie du Netze wählst und befestigst, zeigt der Überblick zu Krankheiten, Schädlingen und Netzen bei Zwiebeln, Lauch und Knoblauch.
Wann welcher Schädling unterwegs ist
| Schädling | Zeitraum |
|---|---|
| Zwiebelfliege | erste Generation Mitte April bis Ende Mai, zweite etwa Ende Juni bis Mitte Juli |
| Lauchmotte | erste Raupengeneration Mai bis Juli, zweite Juli bis Oktober |
| Lauchminierfliege | Herbstgeneration, Netzschutz besonders Mitte August bis Oktober |
Winterporree kommt im Sommer ins Beet und wird bis ins Frühjahr hinein geerntet. Damit steht er während der ganzen zweiten Lauchmottengeneration und während der Herbstgeneration der Lauchminierfliege im Beet, das Netz gehört bei ihm deshalb gleich nach dem Pflanzen drauf. Die Saat- und Pflanztermine aller Porree-Gruppen findest du im Kalender für Zwiebeln, Lauch und Knoblauch zum Ausdrucken.
Meine Kontrollrunde im Porree-Beet
Ich gehe bei der Kontrolle Reihe für Reihe durch und schaue mir jede Pflanze von den Blattspitzen bis zum Schaft an. Dabei suche ich nach Schäden und nach Nützlingen, denn beides entscheidet, was ich als Nächstes tue.
- Gänge von den Blattspitzen Richtung Herz: Hinweis auf die Lauchmotte
- geradlinige Gänge mit braunen Tönnchenpuppen am Ende: Hinweis auf die Lauchminierfliege
- silbrigweiße Flecken mit schwarzen Kotpunkten: Hinweis auf Thripse
- Läuse und gelbliche Blattstreifen: Blattläuse, möglicherweise mit Porreegelbstreifenvirus
- grau-schwarze Larven mit gelben Flecken: Marienkäfernachwuchs, stehen lassen
- rotorange Pusteln: eher Porreerost als ein Schädling
Finde ich einen Fraßgang, ziehe ich das Blatt vorsichtig auseinander und schaue hinein, bevor ich irgendetwas unternehme. So sehe ich, ob eine Raupe darin sitzt oder am Ende eine Tönnchenpuppe liegt, und kann den Gang einem Schädling zuordnen.





