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Anisgewürz im Vergleich: echter Anis, Sternanis und die Doldenblütler-Verwandten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Echter Anis ist Pimpinella anisum, ein Doldenblütler; Sternanis (Illicium verum) gehört zu einer anderen Pflanzenfamilie und ist keine Anis-Sorte.
  • Anis schmeckt süß bis fein würzig, Sternanis süß und sehr würzig bis beinahe scharf, Kümmel würzig mit süßlicher Anisnote.
  • Anis, Fenchel, Kümmel, Dill und Koriander gelten untereinander als unverträgliche Nachbarn; für Anis gilt eine Anbaupause von 4 Jahren.
  • Gewürz-Anis kommt unter anderem aus der Türkei, Spanien, Ungarn, dem Libanon und Ägypten; im oberösterreichischen Anbau ist die Landsorte Lüsener verbreitet.
Griechisches Basilikum als kleinblättriger, buschiger Trieb in einem Terrakottatopf mit Untersetzer vor heller Wand
Foto: Fadime Demirtaş · Pexels License · Quelle ↗

Du hältst zwei Tütchen in der Hand: „Anis“ und „Sternanis“. Beide riechen ähnlich, beide tragen Anis im Namen – und trotzdem hast du zwei Pflanzen aus verschiedenen Familien vor dir. Beim Saatgut geht die Verwirrung weiter: Fenchel, Kümmel, Dill und Koriander sehen als Körner ähnlich aus, sind mit Anis verwandt und vertragen sich im Beet trotzdem nicht mit ihm. Ich lese deshalb auf jeder Saatguttüte zuerst den botanischen Namen, bevor ich sie ins Beet oder ins Gewürzregal einsortiere. Hier sortiere ich für dich, was botanisch zusammengehört, was nur ähnlich schmeckt, woher Gewürz-Anis im Handel kommt und woran du die Samen auseinanderhältst.

Echter Anis: was die Pflanze botanisch ausmacht

Echter Anis heißt botanisch Pimpinella anisum und gehört zu den Doldenblütlern – wie Dill, Petersilie, Kümmel oder Koriander. Er ist keine Dauerkultur: Du säst ihn in einer Saison, er blüht etwa im Juli und August in weißen Dolden, und im August und September erntest du die Samen. Danach ist die Pflanze fertig, im nächsten Jahr säst du neu – auf einer anderen Fläche, dazu gleich mehr.

Die Pflanze wird etwa 50 bis 70 cm hoch (Richtwert, andere Quellen nennen bis zu 90 cm). Anis ist schwachzehrend, braucht also keinen laufenden Dünger; ein lebendiger Boden mit Kompost zum Start genügt. Er kommt sonnig bis halbschattig zurecht, am wohlsten fühlt er sich an warmen, mäßig feuchten Standorten mit trockenen Sommern auf leicht erwärmbarem, humosem Boden ohne Staunässe.

Genutzt werden die getrockneten Früchte, die im Alltag Samen heißen. Im Handel liegen sie ganz, geschrotet oder gemahlen.

Gibt es überhaupt Anis-Sorten?

Fragst du im Saatguthandel nach Anis-Sorten, bekommst du meist einfach „Anis“ – die Art Pimpinella anisum ohne Sortennamen. Eine traditionelle Landsorte gibt es trotzdem: Im oberösterreichischen Anis-Anbau ist der Lüsener verbreitet. Der eigentliche Vergleich läuft deshalb nicht zwischen Anis-Sorten, sondern zwischen Anis und den Gewürzen, die ihm im Regal und im Beet ähneln.

Anis oder Sternanis: zwei Familien, ein ähnlicher Duft

Die häufigste Verwechslung passiert am Gewürzregal. Anis (Pimpinella anisum) und Sternanis (Illicium verum) gehören unterschiedlichen Pflanzenfamilien an und sind keine Sorten derselben Art. Der Name täuscht eine Nähe vor, die botanisch nicht existiert.

Kurz erklärt

Anis schmeckt süß bis fein würzig. Sternanis schmeckt süß und sehr würzig bis beinahe scharf. Wer ein Rezept mit Anis auf Sternanis umstellt, verändert also nicht nur die Pflanze, sondern auch die Intensität.

Mythos-Check

„Sternanis ist die kräftigere Anis-Sorte.“ Nein. Sternanis ist eine andere Art aus einer anderen Pflanzenfamilie. Kräftiger ist er tatsächlich, aber eine Sorte des Anis ist er nicht.

Für dein Kräuterbeet ist damit klar, worum es geht: Säst du „Anis“, ziehst du Pimpinella anisum – den Doldenblütler, um den es in diesem Artikel geht.

Die Verwandten im Doldenblütler-Beet

Fenchel, Kümmel, Kreuzkümmel, Dill und Koriander liegen als Samen dicht bei Anis: ähnliche Körner, ähnliche Doldenblüten, ähnliche Verwendung als Brot- und Backgewürz. Die Unterschiede, die ich dir sicher nennen kann, stehen in der Tabelle.

Gewürz Botanik Lebensdauer, Wuchs, Klima Aroma der Samen Küche
Anis Pimpinella anisum, Doldenblütler eine Saison; etwa 50–70 cm (Richtwert, andere Quellen nennen bis zu 90 cm); warme Standorte mit trockenen Sommern süß bis fein würzig ganz, geschrotet oder gemahlen als Gewürz
Kümmel Carum carvi, Doldenblütler zweijährig: im ersten Jahr Blattrosette, im zweiten Blüte und Samen; etwa 30–80 cm; bevorzugt kühlere Temperaturen würzig mit süßlicher Anisnote Brot, Sauerkraut
Kreuzkümmel Cuminum cyminum, Doldenblütler braucht ein heißes Klima frischer, schärfer, dominanter als Kümmel; Früchte etwas größer und heller arabische, indische, mexikanische Küche
Gewürzfenchel Doldenblütler; Knollenfenchel ist die Gemüseform Foeniculum vulgare var. azoricum Samen erntereif, wenn die Dolden von grün nach gelbbraun umfärben, je nach Sorte und Jahr etwa ab Ende August bis in den Herbst – Würze und Tee; Knollenfenchel wird gekocht oder roh gegessen
Dill Anethum graveolens, Doldenblütler einjährig; junge Blätter und ausgereifte braune Samen werden genutzt; im Herbst belassene Dolden säen sich selbst aus – Blatt- und Samengewürz
Koriander Coriandrum sativum, Doldenblütler liefert Würzblätter und Samen herb-süß, an Orangenschalen erinnernd Backwaren, Saucen, Lebkuchengewürz

Kümmel und Kreuzkümmel lassen sich geschmacklich nicht ohne deutliche Veränderung des Gerichts gegeneinander austauschen – für Anis gilt dieselbe Vorsicht, wenn du ihn durch einen Verwandten ersetzen willst. Ganze Früchte von Kümmel und Kreuzkümmel mahlst du für ein kräftiges Aroma am besten erst kurz vor der Verwendung; ich handhabe Anis genauso und mahle nur die Menge, die ich gerade brauche.

Verwandt, aber keine guten Nachbarn

Botanische Nähe heißt im Beet nicht Freundschaft. Als unverträgliche Nachbarn für Anis gelten Dill, Kerbel, Stangensellerie, Knollensellerie, Schnittsellerie, Kümmel, Koriander, Kreuzkümmel, Möhren, Knollenfenchel, Fenchel, Liebstöckel, Pastinaken und Petersilie – also fast das gesamte Doldenblütler-Regal. Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts; diese Paarungen aber legst du besser gar nicht erst an. Was zu deinen anderen Kulturen passt, prüfst du am schnellsten im Mischkultur-Werkzeug für deine Beetnachbarn.

Häufiger Fehler

Anis und Koriander in eine Reihe setzen, weil beide „Gewürzsamen“ liefern und ähnlich wachsen. Koriander steht ausdrücklich auf der Liste der unverträglichen Nachbarn für Anis. Ich halte die Doldenblütler in getrennten Beetabschnitten und rücke lieber ein Nicht-Doldenblütler-Kraut dazwischen.

Zahl im Blick

Für Anis gilt eine Anbaupause von 4 Jahren, in der Fruchtfolge sind mindestens vier Jahre empfehlenswert. Kümmel ist strenger: Zu anderen Doldenblütlern hält er eine Anbaupause von 7 bis 10 Jahren ein. Beetplaner-Fruchtfolgen kannst du dir im Beetplaner mit Fruchtfolge-Pausen anlegen.

Anbau in drei Sätzen

Anis will einen warmen, sonnigen bis halbschattigen Platz mit leicht erwärmbarem, humosem Boden ohne Staunässe, und als Schwachzehrer reicht ihm Kompost zum Start. Gesät wird in Reihen mit 30 cm Abstand in der Reihe und 30 cm Reihenabstand, ohne Erziehung oder Stütze, im Erwerbsanbau nur seicht auf etwa 1 bis 1,5 cm Tiefe, sobald der Boden etwa 6 bis 8 °C erreicht hat. Wie Direktsaat, Vorkultur und die feinen Samen bei Kräutern grundsätzlich funktionieren, liest du im Grundlagenartikel im Abschnitt Aussaat: Vorkultur, Direktsaat und die feinen Samen; die Schritt-für-Schritt-Anleitung speziell für Anis samt Topf, Vermehrung und Problemen steht in der Anleitung zum Anisanbau vom Saatgut bis zur Ernte.

Ernte: Samen statt Blätter

Anis blüht etwa im Juli und August in weißen Dolden, die Samen erntest du etwa im August und September; die Dolden reifen nacheinander ab, im Erwerbsanbau gelten Bestände rund 3 bis 4 Wochen nach der Blüte als druschreif. Ich gehe deshalb mehrmals durch die Reihe und schneide nur die Dolden, die schon abgereift sind. Die Grundregeln zu Erntezeit und Vorrat stehen im Grundlagenartikel unter Ernten und Konservieren, die Pflege von der Saat bis zum Abräumen chronologisch in Anis im Jahreslauf mit Pflegetipps.

Woher Gewürz-Anis kommt: Anbauländer und Erwerbsanbau

Der Anis in deiner Gewürzdose ist in der Regel Importware. Zu den Anbauländern gehören die Türkei, Spanien, Ungarn, der Libanon und Ägypten. Auch in Oberösterreich wird Anis angebaut; dort ist die traditionelle Landsorte Lüsener verbreitet. Die Herkunftsliste passt zum Klimaanspruch: Anis bevorzugt warme, mäßig feuchte Standorte mit trockenen Sommern.

Im Erwerbsanbau läuft die Kultur so: Ausgesät wird, sobald der Boden etwa 6 bis 8 °C erreicht hat, nur seicht auf etwa 1 bis 1,5 cm Tiefe. Weil junger Anis Unkraut kaum unterdrückt, wird ab etwa 5 cm Wuchshöhe gehackt. In frühreifen Gebieten beginnt die Ernte etwa Ende Juli und zieht sich bis Anfang September, weil die Dolden nacheinander abreifen. Danach kommt die Fläche für mindestens vier Jahre aus der Anis-Fruchtfolge.

Was sich daraus für dich ableitet: Anis ist keine Kultur, die zwischen die Fingerspitzen gestreut wird und nebenbei läuft. Sie braucht Wärme, ein sauber gehaltenes Beet in der Jugend und Geduld bei der Ernte. Wer das nicht leisten will, kauft die getrockneten Früchte – ganz, geschrotet oder gemahlen – und baut im Beet lieber die Blattkräuter an.

Verwendung: Gewürz, Tee und die Grenze zur Medizin

Anis hat eine lange Tradition als Brot- und Backgewürz und als Teekraut, und die Verwandten in der Tabelle zeigen, wo die Nachbarschaft in der Küche liegt: Kümmel zu Brot und Sauerkraut, Koriander in Backwaren und Lebkuchengewürz, Gewürzfenchel für Würze und Tee. Rezepte, Dosierung in Gerichten und süße wie herzhafte Ideen findest du in den Küchenartikeln: wie du mit Anis Geschmacksvielfalt in der Küche entdeckst und konkrete Anisgerichte von süß bis herzhaft.

Für den Tee gilt, was für jeden Kräutertee gilt: mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen, mindestens fünf Minuten ziehen lassen, damit in seltenen Fällen vorhandene Keime sicher abgetötet werden – das ist besonders für Säuglinge, kleine Kinder und Kranke wichtig –, und den aufgegossenen Tee nicht über mehrere Stunden stehen lassen, weil hitzeresistente Sporen das Aufbrühen überstehen können.

Küchenkräuter sind Lebensmittel, keine Medizin. Anis wird traditionell auch als Teekraut genutzt, mehr sage ich dazu nicht. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.

Achtung

Beim eng verwandten Fenchel gibt es eine ausdrückliche Vorsichtsempfehlung: Kinder unter 4 Jahren sowie Schwangere und Stillende sollten vorsichtshalber auf Fencheltee verzichten; für das darin enthaltene Estragol lässt sich derzeit keine sichere Aufnahmemenge festlegen. Konzentrierte ätherische Öle – auch aus Gewürzpflanzen – können Hautreizungen, Atembeschwerden und allergische Reaktionen auslösen, und bei Säuglingen und Kleinkindern können sie in Mund oder Nase lebensbedrohliche Kehlkopfverkrampfungen und Atemstillstand verursachen. Unverdünnte ätherische Öle gehören nicht in Kinderhände.

Marias Erfahrung

Bevor ich eine größere Menge Gewürz-Anis kaufe, zerreibe ich ein paar ganze Früchte zwischen den Fingern und rieche daran. Ich vergleiche den Duft mit dem, was ich von Anis erwarte – süß bis fein würzig –, und lese danach den botanischen Namen auf der Packung. Beides zusammen entscheidet, ob die Tüte mitkommt.

Passt dazu

Die Aussaat- und Erntemonate aller Kräuter auf einen Blick hast du mit dem Aussaatkalender für Kräuter zum Ausdrucken neben dem Saatgutregal.

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Häufige Fragen

Was ist echter Anis botanisch?
Echter Anis heißt Pimpinella anisum und gehört zu den Doldenblütlern. Die Pflanze wird etwa 50 bis 70 cm hoch (Richtwert, andere Quellen nennen bis zu 90 cm), blüht etwa im Juli und August in weißen Dolden und liefert im August und September ihre Samen. Als Dauerkultur ist sie nicht geführt, du säst also jedes Jahr neu.
Ist Sternanis eine Sorte von Anis?
Nein. Anis (Pimpinella anisum) und Sternanis (Illicium verum) gehören unterschiedlichen Pflanzenfamilien an und sind keine Sorten derselben Art. Auch im Aroma unterscheiden sie sich: Anis schmeckt süß bis fein würzig, Sternanis süß und sehr würzig bis beinahe scharf.
Gibt es verschiedene Anis-Sorten für den Garten?
Im Saatguthandel bekommst du meist schlicht die Art Pimpinella anisum ohne Sortennamen. Eine traditionelle Landsorte ist der Lüsener, der im oberösterreichischen Anis-Anbau verbreitet ist. Vergleiche Anis mit seinen ähnlich schmeckenden Verwandten.
Worin unterscheiden sich Anis, Fenchel und Kümmel?
Alle drei sind Doldenblütler, aber verschiedene Arten. Kümmel (Carum carvi) ist zweijährig, bildet im ersten Jahr nur eine Blattrosette und schmeckt würzig mit süßlicher Anisnote; Anis läuft in einer Saison von der Saat bis zur Samenreife. Beim Fenchel unterscheidest du Gewürzfenchel für Würze und Tee vom Knollenfenchel, der gekocht oder roh als Salat gegessen wird.
Woran erkenne ich echten Anis beim Kauf?
Achte auf den botanischen Namen Pimpinella anisum auf der Packung. Gewürz-Anis wird als getrocknete Frucht ganz, geschrotet oder gemahlen angeboten. Zerreibst du ein paar ganze Früchte zwischen den Fingern, sollte das Aroma süß bis fein würzig sein – Sternanis wirkt dagegen sehr würzig bis beinahe scharf.
Kann ich Anis neben Fenchel, Dill oder Koriander pflanzen?
Besser nicht. Dill, Kerbel, Sellerie, Kümmel, Koriander, Kreuzkümmel, Möhren, Fenchel, Liebstöckel, Pastinaken und Petersilie gelten als unverträgliche Nachbarn für Anis. Halte außerdem eine Anbaupause von 4 Jahren ein, bevor Anis wieder auf dieselbe Fläche kommt.
Wann erntest du Anissamen?
Anis blüht etwa im Juli und August, die Samen erntest du etwa im August und September. Die Dolden reifen nacheinander ab, im Erwerbsanbau gelten Bestände rund 3 bis 4 Wochen nach der Blüte als druschreif. Ich gehe deshalb mehrmals durch die Reihe und schneide nur die Dolden, die schon abgereift sind.
Wo wird Anis angebaut?
Zu den Anbauländern gehören die Türkei, Spanien, Ungarn, der Libanon und Ägypten. In Oberösterreich wird Anis ebenfalls angebaut, dort ist die traditionelle Landsorte Lüsener verbreitet. Für Anis sind klimatisch warme, mäßig feuchte Standorte mit trockenen Sommern günstig.
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