Obst · Beerenobst · Pflege

Kompost für Beerenobst: ansetzen, Reife prüfen und was Heidelbeeren brauchen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Gesunde Gartenreste und pflanzliche Küchenreste gehören auf den Kompost, kranke Pflanzenteile und Holzasche nicht.
  • Trockene und feuchte Lagen im Wechsel und grobe Zweige halten den Haufen luftig, bei Trockenheit gießt du nach.
  • Kompost lockert schwere Böden und hilft sandigen Böden, Wasser und Nährstoffe zu speichern.
  • Vor einer Erdbeer-Neupflanzung können bei passender Bodenversorgung 3 bis 5 l reifer Kompost je m² leicht eingearbeitet werden.
  • Für Heidelbeeren ist kalkwirksamer Gartenkompost ungeeignet, weil sie ein saures Bodenmilieu brauchen.

Wenn ich reifen Kompost aussiebe, bekommt nicht jede Beere ihren Teil davon. Die Erdbeeren erhalten ihn vor der Neupflanzung, junge Johannisbeeren jedes Jahr, die Heidelbeeren gar nicht. Kompost lockert schwere Böden und hilft sandigen, Wasser und Nährstoffe zu speichern. Falsch eingesetzt kann er aber schaden: Hohe Nährsalzgehalte in eigenem Kompost können Erdbeerpflanzen schädigen, und für Heidelbeeren ist kalkwirksamer Gartenkompost ungeeignet.

Was auf den Kompost gehört und was draußen bleibt

Auf den Gartenkompost kommen gesunde Gartenreste und pflanzliche Küchenreste. Ich sammle sie getrennt nach feuchtem und trockenem Material, weil ich beides im Wechsel aufschichte.

Feucht und frisch, oft Grünmaterial genannt:

  • Gemüse- und Obstreste aus der Küche
  • Rasenschnitt
  • gesunde Blätter und Pflanzenreste aus dem Beet

Trocken und grob, oft Braunmaterial genannt:

  • Herbstlaub
  • Stroh
  • Zweige und Strauchschnitt

Kranke Pflanzenteile gehören nicht hinein, weil die Hygienisierung im Gartenkompost dafür nicht ausreicht. Im Beerengarten betrifft das zum Beispiel Erdbeeren mit grauem Pilzrasen, der auf Grauschimmel hindeuten kann. Knospen, die der Erdbeerblütenstecher angenagt hat, sammle ich auf und gebe sie in den Haus- oder Biomüll. Fleisch, Fisch und Milchprodukte kompostiere ich nicht, ebenso wenig Unkraut mit reifen Samen.

Häufiger Fehler

Holzasche aus dem Ofen landet auf dem Kompost, weil sie ja nur aus Holz stammt. Sie gehört aber weder auf den Kompost noch auf den Gartenboden, auch wenn das Holz naturbelassen war.

So setzt du den Haufen an und hältst ihn luftig

Schichte trockenes und feuchtes Material im Wechsel auf und lege zwischendurch grobe Zweige ein. Die Zweige halten den Kompost luftig. Frischen Rasenschnitt schütte ich nie als geschlossene Lage auf, sondern mische ihn mit Laub oder Stroh.

Bei Trockenheit ergänzt du Wasser. Ich prüfe das mit der Hand: Fühlt sich das Material im Inneren trocken an, gieße ich, bevor die nächste Schicht kommt. Sackt der Haufen zusammen und wirkt dicht, setze ich ihn um und lockere ihn mit frischem Strauchschnitt auf.

Marias Erfahrung

Neben meinem Haufen liegt immer ein Vorrat an trockenem Laub und grobem Strauchschnitt. Kommt eine Ladung Küchenreste oder Rasenschnitt dazu, decke ich sie gleich mit einer trockenen Schicht ab.

Kurz erklärt

Bokashi ist ein Verfahren, das aus Japan stammt. Dabei werden organische Küchenreste unter Luftabschluss mithilfe von Mikroorganismen fermentiert. Der Gartenkompost funktioniert anders: Er soll luftig bleiben, deshalb die groben Zweige.

Woran du reifen Kompost erkennst

Reifer Kompost riecht erdig und zerfällt in der Hand zu Krümeln. Ich nehme dafür eine Probe aus der Mitte des Haufens, rieche daran und zerreibe sie zwischen den Fingern. Riecht die Probe faulig, bleibt der Haufen liegen, und beim nächsten Umsetzen mische ich trockenes Material und Zweige unter.

Vor dem Ausbringen siebe ich den Kompost. Grobe Zweigstücke und Strohreste wandern zurück auf den neuen Haufen. Holzhäcksel und Stroh können beim Abbau Stickstoff binden. Was davon noch unverrottet ist, baut sich deshalb besser im Haufen ab als zwischen den Wurzeln deiner Beeren.

Achtung

Reiner Kompost ist keine Aussaaterde. Er kann empfindliche Keimlingswurzeln durch hohe Nährsalzkonzentrationen schädigen. Für die Vorkultur von Erdbeeren nimmst du salzarme Aussaaterde in Gefäßen, aus denen das Wasser ungehindert abläuft.

Was Kompost im Beerenbeet leistet

Kompost lockert schwere Böden. In sandigen Böden verbessert er die Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Dazu bringt er Phosphor, Kalium und Spurenelemente mit.

Diese Nährstoffe liegen organisch gebunden vor. Mikroorganismen machen sie pflanzenverfügbar, und Wärme und Bodenfeuchte steigern ihre Aktivität. Niedrige Temperaturen verzögern die Freisetzung dagegen. In kaltem, trockenem Boden liefert Kompost seine Nährstoffe also langsamer als in warmem, feuchtem.

Wie viel Kompost welche Beere bekommt

Beere Kompostgabe Bedingung
Erdbeeren, Neupflanzung 3 bis 5 l reifer Kompost je m², leicht eingearbeitet vor der Pflanzung und bei passender Bodenversorgung; die Gabe versorgt Pflanzjahr und Folgejahr mit Phosphor, Kalium und Spurenelementen
junge Johannis-, Himbeer- und Brombeersträucher 1 bis 1,5 l reifer Kompost je Strauch und Jahr kann den Phosphor- und Kaliumbedarf decken
Heidelbeeren kein kalkwirksamer Gartenkompost sie brauchen ein saures Bodenmilieu

Die Erdbeer-Menge ist ein Flächenwert und gilt nicht je Pflanze. Garten-Erdbeeren pflanzt du im Juli oder August, den Kompost arbeitest du vorher leicht ein. Für die Planung übers Jahr hilft dir der Aussaatkalender für Beerenobst zum Ausdrucken.

Nach dem Abräumen eines Erdbeerbeets gilt für diese Fläche eine Anbaupause von 4 Jahren. Welches Beet du stattdessen mit Kompost vorbereitest, kannst du im Beetplaner für deine Gartenflächen durchspielen.

Tipp

Miss die Kompostgabe mit einem Eimer mit Literskala ab und verteile sie Quadratmeter für Quadratmeter. So bleibst du bei Erdbeeren im Rahmen von 3 bis 5 l je m².

Bekommen Heidelbeeren Kompost?

Heidelbeeren brauchen ein saures Bodenmilieu. Kalkwirksamer Gartenkompost ist für sie deshalb ungeeignet. Im Kübel soll ihr Substrat einen pH-Wert von etwa 4,0 bis 5,0 haben.

Ich gebe meinen Heidelbeeren keinen Kompost vom eigenen Haufen. Sie stehen in saurer, torffreier Spezialerde für Rhododendren oder Moorbeetpflanzen. Gegossen werden sie vorzugsweise mit kalkarmem Wasser wie Regenwasser, und der Kübel braucht ein Abzugsloch für überschüssiges Wasser.

Nach der Pflanzung bekommen Kulturheidelbeeren etwa 5 cm Mulch aus gehäckseltem Nadelholz, damit die Oberfläche nicht austrocknet. Holzhäcksel kann beim Abbau Stickstoff binden, also plane bei diesem Mulch eine ergänzende Stickstoffversorgung ein.

Wann Kompost dem Beet schaden kann

Wenn der pH-Wert schon zu hoch liegt

Liegt der gemessene pH-Wert über dem Zielbereich für Bodenart und Beerenkultur, bringst du keinen Kompost aus. Das gilt ebenso für Kalk und kalkhaltige Dünger. Mehr Kompost hilft in dieser Lage nicht weiter, denn ein ungünstiger pH kann die Nährstoffaufnahme begrenzen, obwohl genug Nährstoffe im Boden stecken.

Für Erdbeeren eignet sich ein Boden-pH von 5,5 bis 6,5. Die Zielwerte der übrigen Beerenarten und die Vorbereitung schwerer Böden findest du im Boden-Abschnitt unseres Beerenobst-Ratgebers.

Wenn zu viele Nährstoffe zusammenkommen

Hohe Nährsalzgehalte in eigenem Kompost können Erdbeerpflanzen schädigen. Ich halte mich bei Erdbeeren deshalb an die Flächengabe und arbeite den Kompost ein, statt ihn pur um die Pflanzen zu häufeln.

Was Kompost an Nährstoffen liefert, ziehst du bei der Düngeplanung von der zusätzlich benötigten Düngermenge ab. Bei sehr hoher oder überhöhter Versorgung, also Gehaltsklasse E oder F, ist für den betroffenen Nährstoff keine weitere Düngung vorgesehen. Liegen Phosphor oder Kalium dort, betrifft das auch den Kompost, denn er bringt genau diese Nährstoffe mit.

Auch wenn du nur mit Kompost düngst, sollte der Gartenboden etwa alle 4 bis 5 Jahre untersucht werden. Die Standarduntersuchung umfasst üblicherweise Phosphat, Kalium und Kalkbedarf, Stickstoff und Humus beauftragst du gesondert. Vor der Neuanlage eines Erdbeerbeets lasse ich den Boden ohnehin untersuchen und richte die Kompostgabe danach.

Erde mischen, mulchen, düngen: kurz eingeordnet

Kompost in Pflanzerde und an älteren Sträuchern

Wie viel Kompost in eine Pflanzerde für Beerensträucher gehört, hängt von Beerenart und Ausgangsboden ab. Das Pflanzen und das Auffrischen älterer Bestände behandeln die Abschnitte Boden sowie Pflanzen und Aussäen im Beerenobst-Ratgeber.

Mulchen mit Kompost

Organischer Mulch bremst Verdunstung und Erosion, fördert das Bodenleben und hemmt Beikraut. Wurzelunkräuter beseitigt er nicht zuverlässig, und eine feuchte Mulchschicht bietet Nacktschnecken Unterschlupf. Wie du Erdbeeren und Strauchbeeren mulchst, steht im Abschnitt Pflege des Beerenobst-Ratgebers.

Kompost und zusätzlicher Dünger

Auf gutem, regelmäßig gemulchtem Boden brauchen Erdbeeren meist keine Zusatzdüngung, ein Mangel wird gezielt abgeklärt. Zu viel Stickstoff kann bei Erdbeeren Ertrag und Fruchtqualität vermindern. Welche Gaben Erdbeeren und Strauchbeeren zusätzlich bekommen und wann, steht im Abschnitt Düngen des Ratgebers.

Kompost und Nachhaltigkeit

Was im Garten wächst, kehrt als Kompost ins Beet zurück. Seine Nährstoffe rechnest du bei der Düngeplanung an, sodass du weniger Dünger zukaufen musst. Lachgas kann nach organischer wie nach mineralischer Stickstoffdüngung entstehen. Wer Stickstoffüberschüsse vermeidet, unterstützt deshalb den Klimaschutz, und dafür stimmst du Kompost und Dünger aufeinander ab.

Für Gefäße greife ich zu torffreien Erden: torffreie Universalerde für Erdbeeren, saure torffreie Spezialerde für Heidelbeeren.

Mythos-Check

Terra Preta heißen kohle- und nährstoffreiche Böden im Amazonasgebiet, die durch menschliche Bewirtschaftung entstanden sind. Pflanzenkohle für den Garten wird vor dem Einbringen mit Nährstoffen beladen, weil unbeladene Kohle Nährstoffe binden und so das Wachstum hemmen kann. In bayerischen Ackerbauversuchen ließen sich bessere Erträge und Wasserverfügbarkeit nicht systematisch der Biokohle zuordnen.

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Häufige Fragen

Was versteht man unter Kompostierung und wie funktioniert dieser Prozess?
Beim Kompostieren bauen Mikroorganismen gesunde Gartenreste und pflanzliche Küchenreste zu krümeliger, erdig riechender Erde ab. Damit das gelingt, schichtest du trockene und feuchte Materialien im Wechsel auf und mischst grobe Zweige unter, die den Haufen luftig halten. Bei Trockenheit ergänzt du Wasser. Im Beet machen Mikroorganismen die organisch gebundenen Nährstoffe des Komposts dann pflanzenverfügbar, und Wärme und Bodenfeuchte steigern ihre Aktivität.
Welche Materialien eignen sich für die Herstellung von Kompost für Beerenobsterde?
Geeignet sind gesunde Gartenreste und pflanzliche Küchenreste, etwa Gemüsereste, Rasenschnitt, Laub und Strauchschnitt. Feuchtes und trockenes Material wechselst du ab, grobe Zweige sorgen für Luft im Haufen. Kranke Pflanzenteile gehören nicht hinein, weil die Hygienisierung im Gartenkompost nicht ausreicht. Holzasche bleibt ebenfalls draußen, auch wenn sie aus naturbelassenem Holz stammt.
Wie verbessert Kompost die Bodenstruktur und Nährstoffversorgung für Beerensträucher?
Kompost lockert schwere Böden und verbessert in sandigen Böden die Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Er bringt Phosphor, Kalium und Spurenelemente mit, die Mikroorganismen im Boden erst pflanzenverfügbar machen. Bei jungen Johannis-, Himbeer- und Brombeersträuchern können jährlich 1 bis 1,5 l reifer Kompost je Strauch den Phosphor- und Kaliumbedarf decken. Für Heidelbeeren ist kalkwirksamer Gartenkompost dagegen ungeeignet, weil sie ein saures Bodenmilieu brauchen.
Worin unterscheiden sich Kompost und herkömmlicher Dünger bei der Anwendung für Beerenobst?
Kompost verbessert neben der Nährstoffversorgung auch die Bodenstruktur, denn er lockert schwere Böden und hilft sandigen, Wasser zu speichern. Seine Nährstoffe ziehst du von der zusätzlich benötigten Düngermenge ab, damit es nicht zu viel wird. Bei der Wahl eines Düngers zählt die Nährstoffzusammensetzung, die zu Pflanzenbedarf und Bodenbefund passt. Organisch gebundene Nährstoffe werden erst nach mikrobiellem Abbau frei, und niedrige Temperaturen verzögern diese Freisetzung.
Stimmt es, dass zu viel Kompost den Pflanzen schaden kann?
Ja, das kann passieren. Hohe Nährsalzgehalte in eigenem Kompost können Erdbeerpflanzen schädigen, und reiner Kompost setzt empfindlichen Keimlingswurzeln mit hohen Nährsalzkonzentrationen zu. Liegt der Boden-pH über dem Zielbereich der Beerenkultur, wird gar kein Kompost mehr ausgebracht. Auch bei Kompostdüngung sollte der Gartenboden etwa alle 4 bis 5 Jahre untersucht werden.
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