Baumpflege: Wann du den Profi rufst und woran du einen guten erkennst
- Was du mit Schere und Handsäge vom Boden aus erreichst, schneidest du selbst.
- Mit der Motorsäge darf bei Baumarbeiten niemand von einer Leiter aus arbeiten.
- Dürfen Äste nicht frei fallen, werden sie kontrolliert abgeseilt, und das erfordert besondere Ausbildung und Erfahrung.
- Nach einem Sturm sperrst du bei Verdacht auf gefährliche Schäden den Bereich ab, bis die Lage fachlich geklärt ist.
- Regelmäßig wiederbenutzte Fortpflanzungs- und Ruhestätten besonders geschützter Tiere sind ganzjährig geschützt.
- Ein anerkannter Fortbildungsabschluss ist Geprüfter Fachagrarwirt oder Geprüfte Fachagrarwirtin Baumpflege.
Der Ast hängt über dem Gewächshaus, die Leiter lehnt schon am Stamm, und die Motorsäge liegt bereit. An dieser Stelle lege ich die Säge weg. Mit der Motorsäge darf bei Baumarbeiten niemand von einer Leiter aus arbeiten, und ein Ast über Glas darf nicht einfach fallen.
An meinen Obstbäumen schneide ich selbst, was ich mit Schere und Handsäge vom Boden aus erreiche. Für alles andere beauftrage ich einen Baumpflegebetrieb. Wo diese Grenze verläuft, welche Regeln für deinen Baum gelten und woran du einen guten Betrieb erkennst, liest du hier der Reihe nach.
Was kannst du am Baum selbst erledigen?
Eine geeignete Schere und eine leichtgängige Säge sind die Grundausstattung für den regelmäßigen Obstbaumschnitt. Damit entfernst du Seitenäste, die du im Stehen erreichst. Der Schnitt sitzt am Astring, ein Aststummel bleibt nicht stehen.
Wann und wie geschnitten wird, hängt von der Baumart ab. Schon beim Obst richten sich die Empfehlungen nach der Obstgruppe und nach dem Wetter. Was Eiche, Fichte, Apfel oder Zierkirsche jeweils brauchen, steht im Ratgeber dazu, welche Pflege die einzelnen Baumarten verlangen.
Auch das Beobachten bleibt deine Aufgabe. Ich gehe um jeden Baum herum und schaue von unten in die Krone, bevor ich die Schere ansetze. Dabei achte ich auf Totholz, Risse und angebrochene Äste.
Planst du eine Neupflanzung, beeinflusst du mit der Unterlage auch, wie viel Schnittarbeit später in deiner Reichweite bleibt. Die Unterlage eines veredelten Obstbaums bestimmt wesentlich, wie groß er wird, und schwache Apfelunterlagen eignen sich für Buschbäume, Spindelbüsche und kleine Spaliere.
Wo ist für dich Schluss?
Schluss ist dort, wo du den Boden verlassen müsstest. Bei einem Hochstamm liegt der Kronenansatz nach den Qualitätsanforderungen der Baumschulen ab 180 cm Stammhöhe. Die Haushaltsstehleiter ist wegen ihrer Kippgefahr schon für die Obsternte auf gewachsenem Boden ungeeignet. Weite Teile einer Hochstammkrone erreichst du also nicht vom Boden aus, und die Leiter aus dem Keller ist auf der Wiese kein sicherer Ersatz.
Die Tabelle zeigt, wie ich die Arbeit aufteile.
| Situation am Baum | Wer schneidet? | Grund |
|---|---|---|
| Seitenast, mit Schere oder Handsäge vom Boden aus erreichbar | selbst | Schnitt am Astring, ohne Aststummel |
| Ast über Dach, Zaun oder Gewächshaus | Fachbetrieb | Der Ast darf nicht frei fallen und wird kontrolliert abgeseilt |
| Schnitt, für den die Motorsäge auf die Leiter müsste | Fachbetrieb | Von einer Leiter aus darf die Motorsäge nicht eingesetzt werden |
| Fällung | Fachbetrieb | Baum und Umgebung werden vorher schriftlich beurteilt |
| Sturmholz unter Spannung, Äste drohen herabzustürzen | Fachbetrieb | Fachkundige Beurteilung und Aufarbeitung sind nötig |
Wann gehört die Arbeit in Profihand?
Äste über Dach, Zaun oder Gewächshaus
Als Planungsrichtwert für die Kronenbreite ausgewachsener Halb- und Hochstämme auf starkwüchsigen Unterlagen gelten etwa 8–10 m. Stehen unter einer solchen Krone Terrasse, Zaun oder Gartenhaus, darf kaum ein Ast frei fallen. Der Betrieb sichert den Ast dann am Seil und lässt ihn kontrolliert ab. Dieses Abseilen erfordert besondere Ausbildung und Erfahrung. Je breiter die Krone und je enger der Garten, desto eher ist der Schnitt also eine Arbeit für den Fachbetrieb.
Motorsäge und Arbeit in der Krone
Fachbetriebe arbeiten in der Krone mit Seilklettertechnik oder von der Hubarbeitsbühne aus. Beides setzt Ausrüstung und Übung voraus, die im Hausgarten fehlen. Bräuchtest du für einen Ast Motorsäge und Leiter zugleich, geht der Auftrag an den Betrieb.
Soll der Baum gefällt werden?
Bevor ein Betrieb einen Baum fällt, beurteilt er Baum und Umgebung schriftlich. Das fordert die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) für professionelle Fällarbeiten, und aus der Beurteilung ergibt sich die sichere Arbeitsweise. Wenn schon Profis beides schriftlich festhalten, bevor sie die Säge ansetzen, ist eine Fällung nach Augenmaß nichts für den Hausgarten. Bäume fälle ich deshalb nicht selbst, sondern vergebe die Arbeit.
Was tust du nach einem Sturm?
Nach einem Sturm steht eine zusätzliche Kontrolle an. Schau vom Boden aus nach Totholz, Rissen und anderen Defekten am Baum. Steht Sturmholz unter Spannung oder drohen Äste herabzustürzen, braucht der Baum eine fachkundige Beurteilung und Aufarbeitung.
Vermutest du nach einem Sturm einen gefährlichen Baumschaden, sperrst du den betroffenen Bereich ab, bis die Lage fachlich geklärt ist.
Ich fotografiere den Schaden, bevor etwas weggeräumt wird, und melde ihn umgehend dem Versicherer. Welche Versicherungsart zuständig ist, richtet sich danach, ob Gebäude, Hausrat, Fahrzeug oder fremdes Eigentum betroffen sind. Die weiteren Schritte beschreibt der Ratgeber dazu, was nach einem Sturm an geschädigten Bäumen sofort und auf längere Sicht zu tun ist.
Krankheiten und Schädlinge: Wann lohnt der Fachbetrieb?
Flecken auf den Blättern oder abgestorbene Triebe sind Hinweise, noch keine Diagnose. Weil im Obstgarten nur zugelassene Pflanzenschutzmittel nach Gebrauchsanweisung eingesetzt werden dürfen, gehört die Behandlung in Fachhände, sobald du die Ursache nicht einordnen kannst. Die Grundlagen stehen im Überblick, wie du bei Krankheiten und Schädlingen vorbeugst, kontrollierst und eingreifst, die einzelnen Krankheitsbilder und Behandlungswege im Ratgeber dazu, woran du Baumkrankheiten erkennst und wie sie behandelt werden.
Welkes Laub und nasser Boden
Welke Blätter können auf Wassermangel hindeuten, sie treten aber auch bei geschädigten Wurzeln in nassem Boden auf. Steht Wasser im Wurzelraum, fehlt den Wurzeln Sauerstoff, und StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt. kann so Fäulnis auslösen und die Nährstoffaufnahme stoppen. Wer bei welkem Laub einfach weitergießt, kann den Schaden also vergrößern. Ich prüfe deshalb vor dem Gießen mit einer SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge., wie weit der Boden durchfeuchtet ist.
Bleibt der Boden nass oder wirkt er verdichtet, hole ich Rat ein, bevor jemand lockert. Tief gelockert wird erst, wenn das Bodenprofil geprüft ist, und nur bei ausreichend trockenem Boden. Eingriffe an den Wurzeln überlasse ich dem Fachbetrieb.
Welche Regeln gelten für deinen Baum?
Wer ist verantwortlich, wenn ein Ast fällt?
Für die Bäume auf deinem Grundstück bist du verantwortlich, von ihnen soll keine Gefahr für andere ausgehen. Das nennt sich Verkehrssicherungspflicht. Wer Schäden übersieht oder liegen lässt, kann für die Folgen haften.
Ich sehe mir meine Bäume deshalb bewusst an, wenn ich ohnehin im Garten arbeite, und nach einem Sturm zusätzlich. Angebot und Rechnung eines Fachbetriebs hebe ich auf, denn sie können später zeigen, dass der Baum fachgerecht gepflegt wurde.
Was gilt, wenn Tiere im Baum leben?
Nutzen besonders geschützte Tiere eine Fortpflanzungs- oder Ruhestätte regelmäßig wieder, ist sie ganzjährig geschützt, auch außerhalb der Fortpflanzungszeit. Alte Höhlenbäume gehören zu den Lebensräumen, die ein Streuobstbestand bietet. Eine Höhle im alten Apfelbaum kann also auch im Winter geschützt sein, obwohl gerade kein Tier darin brütet.
Ich suche Stamm und starke Äste vor einem größeren Schnitt nach Höhlen und Nestern ab. Funde spreche ich beim Termin mit dem Betrieb an.
Brauchst du eine Genehmigung?
Viele Gemeinden schützen Bäume über eine eigene Baumschutzsatzung, oft abhängig von Art oder Größe. Ob dein Baum darunterfällt und ob eine Fällung oder ein starker RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. genehmigt werden muss, erfährst du bei deiner Gemeinde. Frag dort nach, bevor du den Auftrag vergibst.
Woran erkennst du einen guten Baumpfleger?
Welche Qualifikation zählt?
Frag nach dem Abschluss der Leute, die in deinen Baum steigen. Ein anerkannter beruflicher Fortbildungsabschluss ist der Geprüfte Fachagrarwirt beziehungsweise die Geprüfte Fachagrarwirtin Baumpflege. Andere Bezeichnungen und Zertifikate lässt du dir erklären: Was wurde geprüft, und wer im Betrieb hat den Nachweis?
Für die Beurteilung eines Baums gibt es Sachverständige für Baumpflege und Verkehrssicherheit. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, Holz- und Pilzschäden zu beurteilen und zu prüfen, wie sich ein Baum erhalten lässt. Geht es um die Frage, ob ein Baum bleiben kann, hole ich zuerst diese Beurteilung ein und vergebe erst danach den Schnitt.
Was gehört zum Termin am Baum?
Bitte jeden Betrieb vor dem Angebot zu einem Termin in deinen Garten. Lass dir zeigen, welche Äste entfernt werden, wohin sie fallen oder abgeseilt werden und wie das Schnittgut den Garten verlässt. Ein Betrieb, der Baum und Umgebung nicht gesehen hat, kann die Arbeit kaum planen.
Ich gehe beim Termin mit um den Baum und frage bei jedem Ast, warum er weg soll. Die Antworten schreibe ich auf und lege sie später neben das Angebot.
Wie liest du ein Angebot?
Hol mehrere Angebote ein und vergleiche zuerst die Leistung, dann den Preis. Ein brauchbares Angebot nennt die einzelnen Arbeiten, die eingesetzte Technik und die Entsorgung des Schnittguts. Der Preis hängt an Baumgröße, Zugang und Technik, deshalb sagt eine Pauschale ohne Blick auf den Baum wenig. Liegt ein Angebot deutlich unter den anderen, frag nach, wo gespart wird.
Auch die Arbeitsweise gehört ins Gespräch. Will ein Anbieter den Ast über deinem Dach von der Leiter aus mit der Motorsäge schneiden, vergibst du den Auftrag besser anders. Frag außerdem nach der Betriebshaftpflichtversicherung und lass dir den Nachweis zeigen.
Abschluss zeigen lassen. Termin am Baum vereinbaren. Angebot mit einzelnen Arbeiten, Technik und Entsorgung verlangen. Nachweis der Betriebshaftpflicht ansehen. Baumschutzsatzung und Tiere im Baum vorher klären.

