Blattdüngung bei Zitrusfrüchten: Zeitpunkt, Wetter und Methode
- Blattdüngung kann bei Zitrus vorübergehende Engpässe bei Spurenelementen überbrücken, die Korrektur des Substrats ersetzt sie nicht.
- Günstig für die Blattdüngung im Obstbau sind Temperaturen unter 20 °C bei hoher Luftfeuchte.
- Oberhalb von 25 °C bringst du keinen Blattdünger aus.
- Sprühe fein verteilt und nie auf bereits nasse Blätter oder Früchte.
- Calciumhaltige Blattdünger mischst du nicht mit phosphat- oder sulfathaltigen Blattdüngern.
- Bei Obstgehölzen im Kübel stellst du die Düngung ab August ein, auch die über das Blatt.
Dein Zitronenbaum treibt hell aus, und die Sprühflasche mit dem Blattdünger steht schon bereit. Ob das Sprühen jetzt hilft, hängt zuerst am Wetter: An einem heißen Nachmittag gehört kein Blattdünger aufs Laub. Ich schaue deshalb auf das Thermometer am Kübelplatz und fasse ein Blatt an, bevor ich etwas ansetze.
Zitrus und andere mediterrane Obstgehölze wie die Olive behandelst du dabei nach den Regeln, die im Obstbau für die BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. gelten. Es sind wenige, und die wichtigsten betreffen den Zeitpunkt.
Was ist Blattdüngung, und was leistet sie bei Zitrus?
Bei der Blattdüngung sprühst du eine NährlösungEine Nährlösung ist ein Gemisch aus Wasser und gelöstem Dünger, das Pflanzen ohne Erde mit Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium versorgt. Sie gelangt bei erdelosen Verfahren wie der Hydroponik über die Bewässerung an die Wurzeln. auf das Laub, und die Pflanze nimmt die Nährstoffe über die Blätter auf. Die Methode kann vorübergehende Engpässe bei SpurenelementenSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. überbrücken, wenn die Pflanze diese aus dem Boden nur eingeschränkt aufnimmt. Die Korrektur ungünstiger Bodenbedingungen ersetzt sie nicht. Was dabei im Blatt geschieht, erklärt der Ratgeber dazu, wie Blattdüngung bei Obstbäumen funktioniert und wann sie der Düngung über den Boden überlegen ist.
Wo liegt die Grenze der Methode bei Zitrus?
Zitruspflanzen benötigen einen niedrigen pH-Wert, auch in torffreier Erde. Kompostreiche Kübelsubstrate können dagegen hohe pH-, Phosphor-, Kalium- und Salzgehalte aufweisen. Steht deine Zitrone in einem solchen Substrat, kann das Sprühen einen Engpass überbrücken, die Ursache bleibt aber im Topf. Bleiben die Blätter trotz Blattdüngung hell, prüfst du deshalb das Substrat, statt häufiger zu sprühen.
Welche Nährstoffe kommen über das Blatt infrage?
Über das Blatt kommen bei Zitrus vor allem Spurenelemente wie Eisen infrage, daneben MagnesiumMagnesium ist ein lebensnotwendiger Pflanzennährstoff, der im Blattgrün (Chlorophyll) jedes Blattes steckt. Fehlt Magnesium, vergilben die Blätter; diese Aufhellung heißt Chlorose. für das Blattgrün und Calcium für die Zellwände. Die Rolle von Stickstoff, PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat. und KaliumKalium ist neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Es regelt den Wasserhaushalt der Pflanze, festigt ihr Gewebe und macht sie widerstandsfähiger gegen Frost sowie Schaderreger wie Pilze und Insekten. beschreibt der Ratgeber dazu, welche Nährstoffe Zitruspflanzen brauchen und wie du ihren Bedarf deckst. Die Grundlagen für alle Obstgehölze stehen im Überblick zu Obst und Obstgehölzen, im Abschnitt zum Nährstoffbedarf und zum maßvollen Umgang mit Stickstoff.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Blattdüngung?
Den Zeitpunkt bestimmen drei Dinge: die Temperatur, der Zustand des Laubs und die Zeit im Jahr.
Welche Temperatur passt?
Günstig ist im Obstbau Wetter mit hoher Luftfeuchte und Temperaturen unter 20 °C. Oberhalb von 25 °C soll kein Blattdünger aufs Laub. Maßgeblich ist damit das Thermometer am Standort der Pflanze und nicht die Uhrzeit.
Zitruspflanzen eignen sich für sonnige Kübelstandorte, und Oliven benötigen im Sommer einen sehr sonnigen Platz. Zusammen mit der Grenze von 25 °C heißt das: Am sonnigen Standort deiner Pflanze misst du nach, bevor du sprühst. Ich sprühe im Sommer früh am Morgen, bevor die Sonne auf die Terrasse kommt.
Gesprüht wird mittags auf der sonnigen Terrasse, weil gerade Zeit ist. Oberhalb von 25 °C soll aber kein Blattdünger aufs Laub. Verschiebe die Anwendung auf einen kühleren Tag.
Was in Hitze- und Trockenphasen stattdessen ansteht, zeigt der Ratgeber dazu, wie du Düngung, pH-Wert und Gießen von Zitrus- und Mediterranpflanzen an Trockenperioden anpasst.
Darf das Laub beim Sprühen nass sein?
Nein. Blattdünger verteilst du fein, und du spritzt ihn nicht auf Blätter oder Früchte, die bereits nass sind. Feuchte Luft ist also günstig, nasses Laub ist es nicht. Nach einem Regenschauer wartest du deshalb, bis die Pflanze abgetrocknet ist. Gießt du morgens bodennah, wird das Laub dabei möglichst wenig benetzt.
Ich fasse vor dem Sprühen ein Blatt außen und eines im Inneren der Krone an. Fühlt sich eines feucht an, stelle ich die Flasche weg und schaue später noch einmal nach.
Welche Zeit im Jahr passt?
Blattdüngung gehört in die Wachstumszeit, wenn die Pflanze austreibt und neues Laub bildet. Die Grundversorgung läuft dann über das Flüssigdüngen: Als Orientierung werden Obstgehölze im Kübel in der Hauptwachstumszeit bis Ende Juni alle 2–3 Wochen flüssig gedüngt. Dabei hältst du die Produktdosierung ein. Die Blattdüngung ergänzt diesen Rhythmus, wenn ein Engpass bei Spurenelementen zu überbrücken ist.
Ab August stellst du die Düngung bei Obstgehölzen im Kübel ein, und das gilt auch für die Blattdüngung. Eine Blattdüngung im Herbst passt deshalb nicht zum Kübel. Frostempfindliche mediterrane Obstgehölze benötigen im Winter ein frostfreies Quartier.
Nach dem Umtopfen in bereits vorgedüngte Erde brauchen Kübelpflanzen gewöhnlich 4–6 Wochen keine zusätzliche Düngung. Den ganzen Düngekalender findest du im Ratgeber dazu, wie du Zitrus- und Mediterranpflanzen im Jahreslauf düngst.
Die Übersicht zeigt, wann du sprühst und wann du wartest. Die Temperaturwerte gelten für die Blattdüngung im Obstbau, die beiden letzten Zeilen für Pflanzen im Kübel.
| Situation | Was du tust |
|---|---|
| Unter 20 °C bei hoher Luftfeuchte | günstig, jetzt sprühen |
| Oberhalb von 25 °C | keinen Blattdünger ausbringen |
| Blätter oder Früchte bereits nass | abtrocknen lassen, erst dann sprühen |
| Frisch in vorgedüngte Erde umgetopft | gewöhnlich 4–6 Wochen keine zusätzliche Düngung nötig |
| Ab August bei Obstgehölzen im Kübel | Düngung einstellen |
Wie gehst du beim Sprühen vor?
Die Düngermenge richtet sich bei Kübelpflanzen nach der Dosierungsanweisung des konkreten Produkts. Ich lese das Etikett vor jedem Ansetzen neu und nehme nur Dünger, der für die Anwendung auf dem Blatt ausgewiesen ist. Wie du die Gesamtmenge für deine Pflanze bemisst, zeigt der Ratgeber dazu, wie viel und wie oft du Zitrus- und Mediterranpflanzen düngst.
Calciumhaltige Blattdünger darfst du nicht mit phosphat- oder sulfathaltigen Blattdüngern mischen. Bringe sie getrennt aus.
Beim Sprühen stellst du die Düse auf feinen Nebel, damit sich die Lösung fein auf dem Laub verteilt. Wie oft du sprühst, gibt die Gebrauchsanweisung vor. Sieh dir vor jeder weiteren Anwendung den Neuaustrieb an, statt nach dem Kalender zu sprühen.
Ansetzen, Sprühtechnik und Häufigkeit führt der Ratgeber zur Blattdüngung bei Obstbäumen im Einzelnen aus.
Ersetzt Blattdüngung die Düngung über die Wurzel?
Nein, sie ergänzt sie: Die Grundversorgung kommt über die Wurzel, und die Blattdüngung kann einen vorübergehenden Engpass überbrücken. Enthält dein Blattdünger Stickstoff, zählst du ihn zur übrigen Düngung dazu, denn übermäßige Stickstoffversorgung fördert bei Obstgehölzen Triebe zulasten der Blüten- und Fruchtbildung. Wie beide Wege zusammenspielen, beschreibt ebenfalls der Ratgeber zur Blattdüngung bei Obstbäumen.
Im Kübel hängt die Versorgung außerdem am Gefäß, am Substrat und am Gießen. Kübelobst gießt du bedarfsgerecht und durchdringend, wenn die oberen 3–5 cm des Substrats trocken sind. Mehr dazu steht im Überblick zu Obst und Obstgehölzen im Abschnitt zum Obst im Kübel mit Gefäß, Substrat und Gießkontrolle.
Was tun bei hellen Blättern oder zu viel Dünger?
Helle Blätter oder ein stockender Austrieb sind Hinweise, noch keine Diagnose: Dahinter kann ein fehlender Nährstoff stehen, und der pH-Wert spielt mit hinein. Die einzelnen Bilder zeigt der Ratgeber dazu, woran du Nährstoffmängel bei Zitrus- und Mediterranpflanzen erkennst und wie du sie behebst. Das Vorgehen bei Verdacht steht im Überblick zu Obst und Obstgehölzen im Abschnitt zu NährstoffmangelNährstoffmangel heißt, dass eine Pflanze von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig bekommt oder aufnehmen kann. Sie bleibt dann im Wachstum zurück und zeigt Verfärbungen, etwa hellgrünes oder vergilbendes Laub. und ÜberdüngungÜberdüngung heißt, dass ein Boden mehr Nährstoffe bekommt, als die Pflanzen brauchen. Die Überschüsse reichern sich im Boden an oder werden ausgewaschen und belasten dann Boden und Umwelt., Leitsatz: erst prüfen, dann handeln.
Hast du im Kübel zu viel gedüngt, kannst du den Ballen langsam mit Wasser durchspülen. Das setzt voraus, dass das überschüssige Wasser ungehindert ablaufen kann. Wie du Verbrennungen am Laub vermeidest, steht im Ratgeber zur Blattdüngung bei Obstbäumen.

