Natürliche Schädlingsbekämpfung im Obstgarten: Was Nützlinge, Netze und Leimringe leisten
- Im Obstgarten gilt die Reihenfolge vorbeugen, kontrollieren, mechanisch eingreifen.
- Gespinste der Apfelbaumgespinstmotte kannst du an kleinen Apfelbäumen samt Raupen ausschneiden oder absammeln.
- Pheromonfallen zeigen beim Apfelwickler den Falterflug an, zur Bekämpfung reichen sie allein nicht aus.
- Netze gegen Kirschessigfliegen haben 0,8 mm Maschenweite und müssen vollständig geschlossen sein.
- Leimringe kommen nur nach starkem Frostspannerbefall an den Stamm, weil Leim auch Nützlinge und Vögel gefährden kann.
- Mehrjährige Blühstreifen bieten den natürlichen Gegenspielern der Schädlinge Schutz und Nahrung.
Ein Gespinst voller Raupen im Apfelbaum, Fraßgänge im Apfel, angefressene Blüten im Frühjahr: Wer das sieht, will sofort etwas tun. Ich greife dann nicht zur Spritze, sondern zu Schere, Eimer und Notizbuch, und sehe mir zuerst an, wer da frisst. Natürliche Methoden können den Befall im Obstgarten bremsen, wenn sie zum Schädling und zum Zeitpunkt passen. Jede hat aber eine Grenze, und die solltest du kennen, bevor du Ringe, Fallen oder Netze besorgst.
Welche natürlichen Methoden gibt es, und wie weit tragen sie?
Im Hausgarten gilt die Reihenfolge vorbeugen, kontrollieren, mechanisch eingreifen. Die Tabelle zeigt, was die einzelnen Methoden leisten und wo sie enden.
| Methode | Zielt auf | Das leistet sie | Hier endet sie |
|---|---|---|---|
| Gespinste ausschneiden oder absammeln | Apfelbaumgespinstmotte | nimmt Raupen samt Gespinst aus dem Baum | gedacht für kleine Apfelbäume bei stärkerem Befall |
| Leimfreie Wellpappringe | Apfelwickler | können den Apfelwickler mindern | reichen allein nicht zur Bekämpfung aus |
| Pheromonfallen | Apfelwickler | zeigen den Falterflug an | reichen allein nicht zur Bekämpfung aus |
| KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. | Kirschessigfliege | Barriere zwischen Fliege und Frucht | nur vollständig geschlossen |
| Leimring | Frostspanner | mechanische Barriere am Stamm | nur nach starkem Befall, Leim kann auch Nützlinge und Vögel gefährden |
| Mehrjährige Blühstreifen | Schädlinge über ihre Gegenspieler | bieten natürlichen Gegenspielern Schutz und Nahrung | Vorteile zeigen sich nicht an jedem Standort gleich |
| PflanzenjauchenPflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. | keinen bestimmten Schädling | düngen über die Wurzel | eine abwehrende Wirkung wird ihnen nur nachgesagt |
Vor allen Methoden steht die Pflege des Baums: Standort, Schnitt, Wasser und Düngung. Luftige Kronen und das Entfernen des befallenen Vorjahreslaubs beugen zum Beispiel dem Apfelschorf vor. Diese Grundlagen und die Pilzkrankheiten vom Apfelschorf bis zur Monilia stehen im Überblick zu Krankheiten und Schädlingen an Obstgehölzen.
Apfelgespinstmotte bekämpfen: Gespinste ausschneiden oder absammeln
Gespinste voller Raupen im Apfelbaum können auf die Apfelgespinstmotte hindeuten, die genauer Apfelbaumgespinstmotte heißt. Bei stärkerem Befall an kleinen Apfelbäumen kannst du die Gespinste samt Raupen ausschneiden oder absammeln. Dafür brauchst du nur eine Schere, Handschuhe und einen Eimer.
Ich gehe meine kleinen Apfelbäume dabei Ast für Ast durch. Wo ein Gespinst fest am Trieb sitzt, schneide ich das Triebstück mit heraus, den Rest streife ich mit der Hand in den Eimer.
Die Raupen bilden mit der Zeit große Gespinste. Je früher du eines entdeckst, desto weniger Trieb musst du mitnehmen. An großen Bäumen erreichst du viele Gespinste nicht. Dort sammelst du ab, was in Griffhöhe hängt, und beobachtest den Baum weiter.
Gegen Raupen werden außerdem mikrobiologische Präparate angeboten. Sie sind Pflanzenschutzmittel und gehören in den Sicherheitsrahmen, den du weiter unten findest.
Ich nehme zum Absammeln einen Eimer mit Deckel mit. So bleiben Raupen und Gespinste beisammen, bis ich sie aus dem Garten gebracht habe.
Apfelwickler: Was können Wellpappringe und Pheromonfallen?
Fraßgänge im Apfel können auf den Apfelwickler hindeuten. Für den Hausgarten werden vor allem Wellpappringe und Pheromonfallen genannt, und beide haben eine klare Grenze.
Wellpappringe am Stamm
Leimfreie Wellpappringe legst du ab Mitte Juni um den Stamm. Sie können den Apfelwickler mindern, wenn du die Larven alle 14 Tage entfernst und die Ringe danach erneut anlegst. Die Kontrolle ist also Teil der Methode und kein Zusatz. Zur Bekämpfung reichen die Ringe allein nicht aus.
Ich nehme den Ring dafür ganz ab, sehe die Pappe von innen durch und lege ihn erst wieder an, wenn keine Larve mehr darin sitzt.
Pheromonfallen im Baum
Pheromone sind Sexuallockstoffe. Eine Pheromonfalle lockt damit gezielt die Männchen einer Art an.
Beim Apfelwickler dienen Pheromonfallen der Überwachung des Falterflugs. Du liest an der Falle ab, ob und wann Falter unterwegs sind.
„Eine Pheromonfalle im Baum, und der Apfelwickler ist erledigt.” Das stimmt nicht. Die Falle zeigt den Falterflug an und reicht allein nicht zur Bekämpfung aus.
Die Falle zeigt nur den Falterflug an, und der Wellpappring kann nur mindern. Weil beide allein nicht ausreichen, setzt du sie zusammen ein und kontrollierst die Früchte trotzdem weiter.
Frostspanner: Wann lohnt sich ein Leimring?
Frostspannerraupen fressen an Obstbäumen vor allem im April und Mai an Blättern, Blüten und jungen Früchten. Fraßspuren in dieser Zeit können also auf sie hindeuten.
Der Leimring ist eine mechanische Barriere am Stamm. Er soll die flugunfähigen Weibchen abfangen, die im Herbst zur Eiablage den Stamm hinaufkrabbeln. An den Baum kommt er nur nach starkem Frostspannerbefall. Du legst ihn vor den ersten kalten Herbstnächten an, häufig Ende September bis Anfang Oktober. Spätestens Anfang März nimmst du ihn wieder ab.
Der Fraß fällt in den April und Mai, die Barriere kommt aber erst vor den ersten kalten Herbstnächten an den Stamm. Starken Befall schreibst du dir deshalb im Frühjahr auf, damit du im Herbst weißt, welcher Baum einen Ring braucht.
Leim hält fest, was ihn berührt. Er kann auch Nützlinge und Vogelschnäbel gefährden, und an Leimringen und Klebetafeln können Vögel und Fledermäuse haften bleiben und sterben. Lege deshalb keinen Leimring auf Verdacht an.
Kirschessigfliege und Vögel: Wie setze ich Netze richtig ein?
Ein Netz ist eine Barriere. Ob sie hält, hängt an Maschenweite, Zeitpunkt und Verschluss.
| Netz gegen Kirschessigfliegen | Netz gegen Vögel | |
|---|---|---|
| Netzart | Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite | Vogelschutznetz, leuchtend blau ist gut erkennbar |
| Anbringen | drei bis vier Wochen vor der Fruchtreife | bei einsetzender Fruchtreife |
| Verschluss | vollständig geschlossen | straff gespannt, am Boden oder unter der Krone vollständig geschlossen |
Das Netz gegen die Fliege muss also früher hängen als eines gegen Vögel: drei bis vier Wochen vor der Fruchtreife und nicht erst, wenn die Reife einsetzt.
Vogelschutznetze nimmst du unmittelbar nach der Ernte wieder ab. Solange sie hängen, kontrollierst du sie regelmäßig und gewissenhaft auf Schäden und gefangene Tiere. Ein gefangenes Tier befreist du unverzüglich: Mit Handschuhen schneidest du das Netz rund um das Tier auf, statt an ihm zu zerren, und bringst es in einem Karton zu einer Wildtierstation oder zum Tierarzt. Engere Maschen verringern grundsätzlich die Gefahr, dass sich ein Vogel verfängt.
Netz straff gespannt? Am Boden oder unter der Krone vollständig geschlossen? Keine losen Netzteile auf dem Boden, die Vögeln und Igeln zur Falle werden? Kontrollgang auf Schäden und gefangene Tiere eingeplant?
Ich gehe ein frisch gespanntes Netz einmal ganz ab und prüfe mit der Hand jede Stelle, an der es schließt.
Nützlinge fördern: Was bringen Blühstreifen, Altgras und Hecken?
Marienkäfer, Florfliegen und SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. fressen oder parasitieren Schädlinge, Vögel holen sich Raupen. Sie alle brauchen im Garten Nahrung und Unterschlupf. Mehrjährige Blühstreifen in Obstanlagen bieten den natürlichen Gegenspielern von Schädlingen beides.
Im europäischen EcoOrchard-Freilandversuch waren die Fruchtschäden durch die Mehlige Apfelblattlaus bei Bäumen mit benachbarten Blühstreifen um 15 % geringer als in den Kontrollparzellen.
Der Versuch zeigt eine Minderung, keine Befallsfreiheit. Ein paar Blattläuse am Trieb gehören dazu, denn ihre Gegenspieler brauchen Beute.
Im Versuch standen die Blühstreifen neben den Bäumen. In einem LWG-Versuch mit jungen Apfelbäumen auf leichten lehmigen Sandböden erwiesen sich die geprüften Untersaaten dagegen als ungeeignet, weil die Wasserkonkurrenz zu hoch war. Säe den Streifen also neben junge Bäume und nicht als UntersaatEine Untersaat ist eine zweite Pflanzenart, die du zusätzlich zwischen oder unter eine Hauptkultur säst. Sie wächst zunächst mit und entwickelt sich nach der Ernte der früher erntereifen Hauptkultur weiter. direkt unter sie.
Wo der Streifen zwischen Bäumen, Wegen und Beeten Platz findet, klärst du vor der Saat, am einfachsten indem du deine Beete und Pflanzflächen auf dem Plan einteilst.
Auch die Wiese hilft mit. Ich mähe unter meinen Obstbäumen nie alles in einem Zug, sondern lasse Altgrasstreifen stehen. Sie bieten Insekten und Wirbeltieren Rückzugsräume sowie Plätze für Eiablage und Überwinterung. Auf Streuobstflächen können Hecken und artenreiche Säume den Bestand zusätzlich mit benachbarten Lebensräumen für Insekten und Vögel verbinden.
Stellst du Vögeln eine Tränke hin, wechselst du das Wasser täglich, um Krankheitsübertragungen vorzubeugen.
Mischkultur unter Obstbäumen: Hilft sie gegen Schädlinge?
Knoblauch, Kapuzinerkresse und Lavendel wird nachgesagt, dass sie Schädlinge mit ihrem Geruch fernhalten oder von den Bäumen ablenken. Verlassen kannst du dich darauf nicht, denn die Vorteile, die bei Mischkulturen beobachtet wurden, zeigen sich nicht an jedem Standort und nicht unter allen Bedingungen gleich. Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts. Bevor du BegleitpflanzenEine Begleitpflanze ergänzt im Beet eine auffälligere Leitpflanze; sie ist niedriger und wächst in kleineren Gruppen daneben. Im Gemüsebeet nennt man so auch einen Mischkulturpartner, der neben der Hauptkultur wächst. setzt, schlägst du nach, welche Pflanzen als Nachbarn zusammenpassen.
Pflanzenjauchen und Hausmittel: Was ist dran?
BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. wird nachgesagt, dass sie Bäume stärkt und Blattläuse mit ihrem Geruch abschreckt. Verlässlich ist etwas anderes: Pflanzenjauche ist ein Dünger, der an die Wurzel gegossen wird.
| Schritt | Angabe |
|---|---|
| Ansatz einer allgemeinen Pflanzenjauche | 1 kg frisches oder 100 bis 200 g getrocknetes Kraut auf 10 l Wasser |
| Fertig | bei warmer Witterung nach etwa 14 Tagen, wenn die Jauche dunkel geworden ist und nicht mehr schäumt |
| Verdünnung zur allgemeinen Wurzeldüngung | üblicherweise 1:10 mit Wasser |
Eine Mischung zum Spritzen gegen Schädlinge steht bewusst nicht in dieser Tabelle. Jauche geht als Dünger an die Wurzel, und auch organische Dünger können im Hausgarten überversorgen. Wer Jauche zur Stärkung gießt, düngt also und rechnet sie zur übrigen Düngung dazu.
SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken., SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. und Knoblauchauszug werden ebenfalls als Hausmittel weitergereicht. Schachtelhalm gilt wegen seiner Kieselsäure als Mittel gegen Pilze, Knoblauch wegen seines Geruchs als Abwehr gegen Insekten, Schmierseife als Mittel gegen Blattläuse. Im Obstgarten dürfen nur zugelassene Pflanzenschutzmittel nach ihrer Gebrauchsanweisung eingesetzt werden, und eine selbst angesetzte Brühe hat keine.
Wenn es doch ein Präparat sein soll: Was gilt dann?
Mikrobiologische Präparate und chemische Mittel sind Pflanzenschutzmittel. Für mich stehen sie am Ende der Reihe, wenn Vorbeugen, Kontrollieren und mechanisches Eingreifen nicht gereicht haben. Im Obstgarten dürfen nur zugelassene Mittel eingesetzt werden, und zwar so, wie es ihre Gebrauchsanweisung vorgibt. Achte auf die Zulassung für Haus- und Kleingarten und lies vor dem Kauf nach, was dort zu Schutzkleidung, Wartezeit und Entsorgung steht. Auch ein zugelassenes Mittel kann Nützlinge treffen.
Wann ist was dran?
| Zeitraum | Schädling | Das steht an |
|---|---|---|
| April und Mai | Frostspanner | Raupen fressen vor allem jetzt an Blättern, Blüten und jungen Früchten, starken Befall notieren |
| ab Mitte Juni | Apfelwickler | leimfreie Wellpappringe anlegen, Larven alle 14 Tage entfernen, Ringe erneut anlegen |
| drei bis vier Wochen vor der Fruchtreife | Kirschessigfliege | Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite anbringen und vollständig schließen |
| bei einsetzender Fruchtreife | Vögel | Vogelschutznetz straff spannen und vollständig schließen |
| unmittelbar nach der Ernte | Vögel | Schutznetze entfernen |
| ab September | Wühlmäuse | Mulch von den Baumscheiben junger Obstgehölze entfernen |
| vor den ersten kalten Herbstnächten, häufig Ende September bis Anfang Oktober | Frostspanner | Leimringe anlegen, nur nach starkem Befall |
| spätestens Anfang März | Frostspanner | Leimringe wieder entfernen |
Die Zeile zu den Wühlmäusen ist eine Pflegearbeit und keine Falle: Unter Mulch finden die Tiere Schutz, deshalb kommt er ab September von den Baumscheiben junger Obstgehölze herunter.
Ich trage mir diese Termine am Jahresanfang in den Kalender ein und nehme das Notizbuch bei jedem Rundgang mit. Darin steht, an welchem Baum ich Fraß, Gespinste oder Falter in der Falle gesehen habe, und danach entscheide ich im Herbst über die Leimringe.

