Gartenpraxis · Aussaat & Anzucht (Grundwissen) · Anbau

Anzucht im Gewächshaus: Lohnt es sich, welcher Typ passt und wie du es einrichtest

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 13 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Ein unbeheiztes Gewächshaus ist nicht zuverlässig frostfrei, erlaubt aber witterungsabhängig etwa ab Anfang März die Pflanzung von Kopfsalat und Kohlrabi.
  • Eine Nord-Süd-Längsrichtung bringt gleichmäßig Sonne, eine Ost-West-Längsachse bevorzugt die Wintersonne.
  • Stell das Gewächshaus nicht in eine Senke, denn dort sammelt sich in Strahlungsnächten Kaltluft.
  • Plane als Faustzahl mindestens 20 % der Grundfläche als öffenbare Lüftungsfläche ein, die Tür nicht mitgerechnet.
  • Min-Max-Thermometer, Hygrometer und Bodenthermometer helfen dir bei der Klimakontrolle im Gewächshaus.

Wenn mich jemand fragt, ob sich ein Gewächshaus für die Anzucht lohnt, frage ich zurück: Was willst du darin ziehen, und wo soll es stehen? Ein unbeheiztes Haus ist nicht zuverlässig frostfrei. Fehlen öffenbare Fenster, wird es an sonnigen Frühjahrstagen für Jungpflanzen zu warm. Beides entscheidest du beim Kauf und beim Aufstellen, nicht erst mitten in der Saison.

Lohnt sich ein Gewächshaus für die Anzucht?

Ein Gewächshaus lohnt sich, wenn du früher in die Saison starten, mehr Sorten selbst ziehen oder Kübelpflanzen geschützt überwintern willst. Im ungeheizten Haus kannst du witterungsabhängig etwa ab Anfang März Kopfsalat und Kohlrabi pflanzen und Radieschen säen. Bei Tomaten ermöglicht die Eigenanzucht meist eine größere Sortenauswahl als der Kauf fertiger Jungpflanzen. Starkregen und Hagel erreichen die Pflanzen unter dem Dach nicht.

Vorgezogene Gurken und Bohnen haben nach dem Auspflanzen einen Entwicklungsvorsprung. Sie sind dann weniger durch Schnecken und Bohnenfliegen gefährdet, verlass dich beim Schneckenschutz aber nicht allein darauf.

Kohlrabi, Blumenkohl, Frühkohl und Sellerie sollen während der Anzucht nicht unter 14 bis 16 °C stehen, sonst droht vorzeitiges Schossen. Gepflanzt werden kann Kohlrabi im ungeheizten Gewächshaus dagegen etwa ab Anfang März. Daraus ergibt sich eine Arbeitsteilung: Die warme Anzucht läuft in der Wohnung oder in einem beheizten Bereich. Das ungeheizte Haus nimmt danach die Jungpflanzen für die frühe Pflanzung auf.

Feste Daten sind das nicht. Aussaat- und Pflanztermine verschieben sich mit Witterung und regionalem Klima: Im Weinbauklima geht es früher los, in ungünstigen Lagen später. Was ein Gewächshaus an Geld, Energie und Zeit verlangt, findest du unten bei den Herausforderungen.

Welcher Gewächshaustyp passt zu dir?

Der wichtigste Unterschied liegt in der Arbeitsweise. Im begehbaren Gewächshaus hast du Arbeitsraum im Inneren, einen niedrigen Frühbeetkasten bedienst du von außen. Danach richten sich Platzbedarf, Preis und das, was du darin ziehen kannst.

Typ So arbeitest du darin Passt, wenn du … Darauf achten
Freistehendes Gewächshaus begehbar, Arbeitsraum im Inneren Beete und Anzucht unter einem Dach willst braucht viel Platz, Ausrichtung frei wählbar
Anlehngewächshaus begehbar, an eine Hauswand gebaut wenig Platz hast oder kurze Wege vom Haus willst Die Wand kann Wärme abgeben, gibt aber die Ausrichtung vor
Folientunnel begehbar, Gestell mit Folie bespannt günstig starten oder später umziehen willst weniger langlebig als feste Eindeckungen
Frühbeetkasten niedrig, von außen bedient Jungpflanzen und Frühkulturen ziehen willst Abdeckung nach Süden, lüften durch Anheben der Scheiben
Mini-Gewächshaus, Anzuchtschale mit Haube auf Tisch, Balkon oder Fensterbank nur aussäen willst Haube beim ersten Keimling abnehmen

Wie sich Gewächshaus und Frühbeet bei Mikroklima, Nutzung und Kosten unterscheiden, vertieft der Ratgeber, welches System für die Aussaat unter Glas zu dir passt.

Eindeckung: Glas, Stegdoppelplatten oder Folie

Glas bleibt lange klar und lässt sich gut reinigen. Stegdoppelplatten von 8 bis 20 mm verringern durch ihre Luftzwischenräume die Wärmeverluste. Folie ist die günstigste Eindeckung, hält aber weniger lange als feste Platten. Planst du ein temperiertes Haus mit Zusatzheizung, nimm Stegdoppelplatten: Was ihre Luftzwischenräume an Wärme halten, musst du nicht nachheizen.

Stehwandhöhe, Tür und Fenster

Miss vor dem Kauf die Stehwandhöhe, also die Höhe der Seitenwände. Bei etwa 2 m passt in einem Kleingewächshaus eine zweite Pflanzebene auf Regalen. Die Tür zählt bei der Lüftungsfläche nicht mit, darauf gehe ich beim Lüften genauer ein.

Mini-Checkliste

Begehbar oder von außen bedient? Reicht die Stehwandhöhe für eine zweite Ebene? Lassen sich Dach- und Seitenfenster ohne die Tür auf genug Fläche öffnen? Passt die Eindeckung zu deiner Heizplanung? Bleibt Platz für Wege, Wasser und Strom?

Wo sollte das Gewächshaus stehen?

Ich suche zuerst den hellsten Platz im Garten und prüfe dann, was dort im Winter Schatten wirft. Bäume und Gebäude, die im Sommer kaum stören, werfen bei tief stehender Sonne lange Schatten. Ein windgeschützter Platz hält die Wärme besser im Haus und schont Fenster und Tür.

Ausrichtung: Nord-Süd oder Ost-West

Ein rechteckiges Gewächshaus mit Nord-Süd-Längsrichtung bekommt gleichmäßig Sonne. Eine Ost-West-Längsachse bevorzugt dagegen die Wintersonne. Ziehst du vor allem im Spätwinter und Frühjahr an, spricht das für Ost-West. Nutzt du das Haus hauptsächlich im Sommer für Beete, passt Nord-Süd besser.

Senken meiden

In Strahlungsnächten fließt Kaltluft hangabwärts und sammelt sich in Senken, Mulden und am Hangfuß. Diese Lagen sind besonders frostgefährdet. Ein unbeheiztes Gewächshaus ist ohnehin nicht zuverlässig frostfrei, in einer Senke kommen also zwei Risiken zusammen.

Wasser und Strom einplanen

Kurze Wege zu Wasserhahn oder Regentonne sparen dir in der Saison viele Gänge. Brauchst du Strom für Heizung, Lüfter oder Licht, lass die Leitung fachgerecht verlegen, denn im Gewächshaus ist es feucht.

Was steht wo im Gewächshaus?

In einem Anzucht-Gewächshaus stehen meist drei Dinge: Beete am Boden, Tische oder Regale für Schalen und Töpfe und ein Arbeitsplatz zum Pikieren und Umtopfen. Lichthungrige Kulturen bekommen die hellste Seite. Arbeitsplatz, Erde und leere Töpfe kommen dorthin, wo ohnehin Schatten fällt.

Regale und Tische vergrößern die Stellfläche, beschatten aber die Beete darunter. Wie du Schalen stapelst, Regale anordnest und die Höhe nutzt, zeigt der Ratgeber, wie du den Platz für Anzuchtschalen im Gewächshaus planst.

Beete fest planen, Kulturen wechseln

Leg den Grundriss von Beeten und Wegen einmal fest und behalte ihn bei. Die Kulturpläne legst du jedes Jahr neu darüber, so lassen sich Anbauvarianten leichter durchspielen. Zuerst verteilst du die Hauptkulturen, danach ergänzt du Vor- und Nachkulturen nach ihrer Belegungsdauer. Im Beetplaner für Grundriss und Kulturfolge hältst du das Jahr für Jahr fest.

Nach Gurken sollen auf demselben Beet vier Jahre lang keine Gurken, Kürbisse oder Zucchini stehen. Weil die Beete im Gewächshaus fest liegen, hilft dir eine jährliche Aufzeichnung der Hauptkultur je Beet, eine zu enge Folge rechtzeitig zu erkennen. Ich trage deshalb am Saisonende ein, was in welchem Beet stand.

Boden, Wege und Drainage

Die Beete im Gewächshaus sind Gartenboden, der keinen Regen abbekommt. Bearbeite ihn erst, wenn er so weit abgetrocknet ist, dass keine Erde mehr an den Geräten haften bleibt. Lockere ihn mit Grabgabel oder Sauzahn, statt ihn regelmäßig mit dem Spaten umzuwenden. Eine organische Mulchschicht schützt ihn vor dem Austrocknen und fördert die Humusbildung. Wie viel Kompost das Beet im Frühjahr verträgt, richtet sich nach einer Bodenuntersuchung.

Steht auf der geplanten Fläche nach Regen lange Wasser, kann der Untergrund verdichtet sein oder die Fläche in einer Mulde liegen. Ein kiesiger Unterbau unter Fundament und Wegen lässt Wasser dann besser abziehen. Plattenwege mit leichtem Gefälle bleiben auch nach dem Gießen trittfest. Töpfe und Schalen auf den Tischen brauchen einen Wasserabzug am Boden, damit überschüssiges Gießwasser ablaufen kann.

Lüften: Wie viel Fensterfläche braucht ein Gewächshaus?

Bei der Lüftung zähle ich vor dem Kauf nach, wie viel Fläche sich wirklich öffnen lässt. Dachfenster lassen warme Luft oben entweichen, Seitenklappen holen frische Luft nach.

Zahl im Blick

Als Planungsfaustzahl für Kleingewächshäuser sollen sich mindestens 20 % der Grundfläche öffnen lassen, zusätzlich zur Tür. Eine zweite Empfehlung setzt die Untergrenze bei einem Viertel der Gewächshausfläche. Beide Werte sind Mindestwerte für die Planung.

Automatische Fensteröffner öffnen bei Wärme selbsttätig und schließen wieder, wenn es abkühlt. Das hilft vor allem, wenn du tagsüber nicht im Garten bist. Richte die Seitenklappen so ein, dass keine Zugluft direkt über die Jungpflanzen streicht.

Lüften führt auch Feuchte ab. Hohe Luftfeuchte und geringe Luftbewegung können bei Gewächshaustomaten Befruchtung und Fruchtansatz beeinträchtigen. Feuchte, stehende Luft kann außerdem Pilzkrankheiten begünstigen.

CO₂: Nachschub über die Fenster

Pflanzen nehmen für die Photosynthese CO₂ aus der Luft auf. Im Gewächshaus kommt Nachschub vor allem über den Luftaustausch, also über dieselben Fenster, die Wärme und Feuchte abführen. Eine technische Anreicherung mit Gasflaschen setze ich im Hobby-Gewächshaus nicht ein. Sie verlangt Messtechnik und eine genaue Dosierung, sonst weißt du nicht, wie viel tatsächlich ankommt.

Klima im Gewächshaus: heizen, schattieren, messen

Heizen: frostfrei oder temperiert?

Ein unbeheiztes Gewächshaus ist nicht zuverlässig frostfrei. Für frostempfindliche Pflanzen brauchst du deshalb mindestens einen Frostwächter, also ein kleines Heizgerät mit Thermostat, das nur bei Frostgefahr anspringt. Elektrische Heizlüfter sind schnell aufgestellt, sollten aber für feuchte Räume geeignet sein. Eine Warmwasserheizung verteilt die Wärme gleichmäßiger, ist aber aufwendiger im Einbau. Für die Anzucht im Frühjahr reicht mir ein Frostwächter, weil die warme Keimphase in der Wohnung läuft.

Zahl im Blick

Zur Überwinterung von Kübelpflanzen braucht ein temperiertes Gewächshaus tagsüber 10 bis 15 °C und nachts etwa 5 °C. Dafür brauchst du eine Zusatzheizung.

Schattieren und kühlen

Frisch gekeimte Sämlinge brauchen einen hellen Platz, aber zunächst Schutz vor praller Sonne. Zu hohe Temperaturen nach dem Pikieren führen zu blassen, dünnen und weichen Jungpflanzen. Zusammen heißt das: Die Schattierung muss schon im Frühjahr bereitliegen und nicht erst im Hochsommer. Schattiergewebe dämpft die Einstrahlung, offene Fenster führen die Wärme ab. Verdunstendes Wasser kühlt zusätzlich, hebt aber die Luftfeuchte, deshalb kühle ich lieber über Schatten und Lüften.

Messen statt schätzen

Im Gewächshaus helfen Minimum-Maximum-Thermometer, Hygrometer und Bodenthermometer bei der Klimakontrolle. Das Min-Max-Thermometer zeigt dir den tiefsten und den höchsten Wert seit dem letzten Zurückstellen, auch wenn du nicht da warst. Am Hygrometer siehst du, wie lange die Luft nach dem Gießen feucht bleibt. Bleibt sie es lange, lüftest du mehr. Das Bodenthermometer brauchst du für die Pflanzentscheidung: Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini und Melonen können schon bei niedrigen Plusgraden im Wachstum stocken und brauchen einen erwärmten Boden.

Marias Erfahrung

Ich hänge das Min-Max-Thermometer schattig auf Höhe der Jungpflanzen auf, nicht direkt unter das Dach. Beim ersten Gang ins Gewächshaus lese ich es ab, notiere beide Werte und stelle es zurück.

Licht und Zusatzbeleuchtung

Saubere Scheiben lassen mehr Licht durch, deshalb wasche ich sie vor der Anzuchtsaison ab. Zu wenig Licht kann Jungpflanzen nach dem Pikieren ebenso blass, dünn und weich machen wie zu viel Wärme. Zusatzlicht mit LEDs kommt vor allem für Anzuchten in den lichtarmen Monaten infrage.

Zahl im Blick

In einem Hausgarten-Versuch wurden zwei Topftomatensorten und eine Snackpaprika nach dem Topfen täglich 16 Stunden mit LEDs beleuchtet, bei einstellbaren Systemen mit 90 bis 100 µmol/(m²·s). Zwei Basilikumsorten bekamen in einem Versuch ohne Tageslicht ab der Aussaat täglich 12 Stunden LED-Licht. Das sind Versuchswerte, keine allgemeine Regel für jede Kultur.

Bewässerung: was du einbauen solltest

Leg die Wasserversorgung fest, bevor das Gewächshaus steht. Eine Regentonne an der Dachrinne fängt Wasser genau dort auf, wo du es brauchst. In den Beeten geben Tropfschläuche das Wasser am Boden ab, sodass das Laub trocken bleibt. Für Schalen und Töpfe nehme ich eine Gießkanne mit feiner Brause. Eine Zeitschaltuhr am Tropfschlauch nimmt dir Arbeit ab, ersetzt aber nicht den prüfenden Griff in die Erde.

Aussaat, Pflege und Pflanzenschutz: das Wichtigste in Kürze

Aussaat. Jede Art keimt bei ihrer eigenen Temperatur, für Tomaten und Paprika liegen die Werte im Bereich 22 bis 25 °C. Eine luft- und lichtdurchlässige Haube hält die Aussaat feucht und kommt beim ersten Keimling herunter. Saatgutwahl, Heizmatte mit Thermostat und Multitopfplatten erklärt der Ratgeber, wie die Aussaat im Gewächshaus gelingt.

Pikieren und Abhärten. Tomaten pikierst du einzeln in größere Töpfe mit normaler Pflanzerde, sobald sie Blattpaare gebildet haben und sichtbar zulegen. Vor dem Auspflanzen gewöhnst du selbst angezogenes Fruchtgemüse bei geeigneter Witterung tagsüber erst im Halbschatten, dann in der Sonne an draußen. Licht, Temperatur und Pikieren beschreibt der Überblick zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Jungpflanzenpflege.

Gießen und Düngen. Anzuchtgefäße müssen überschüssiges Wasser ablaufen lassen, und bei torffreier Erde prüfst du vor dem Gießen auch die Feuchte unter der Oberfläche. Auch organische Dünger können bei übermäßiger Gabe Pflanzen und Umwelt schaden. Wie du Schale und Beet dabei auseinanderhältst, steht im selben Überblick in den Abschnitten zum Gießen und Düngen.

Krankheiten und Schädlinge. Trauermückenlarven vermehren sich besonders in ständig zu nasser Erde und können Wurzeln von Jungpflanzen anfressen. Silbrig graue Blattflecken können auf saugende Thripse hindeuten. Im Hausgarten gilt die Reihenfolge vorbeugen, kontrollieren, Befallenes entfernen; Einzelheiten stehen dort im Abschnitt zu Krankheiten und Schädlingen.

Stützen und Ausgeizen. Tomaten, Paprika und Gurken brauchen im Gewächshaus Stäbe, Schnüre oder Spaliere. Stabtomaten werden außerdem ausgegeizt, also von den Seitentrieben in den Blattachseln befreit. Klimaansprüche, Pflanzabstand, Aufleiten und Ernte der einzelnen Arten beschreibt der Ratgeber, wie du Fruchtgemüse im Gewächshaus anbaust.

Erdlos gärtnern: Hydroponik und Aquaponik

Im Gewächshaus kannst du Pflanzen auch ohne Erde ziehen. Ohne Substrat fehlt aber der ausgleichende Vorrat, deshalb musst du Wasser und Nährstoffe besonders genau dosieren. Bei einem hydroponischen Wasserbeet kontrollierst du Nährstoffkonzentration und pH-Wert regelmäßig, etwa einmal pro Woche. Die elektrische Leitfähigkeit erfasst dabei den Gesamtsalzgehalt der Lösung, aber nicht, welche Nährstoffe darin stecken. Ein passender Leitwert heißt also nicht, dass die Mischung stimmt, und ohne Substratpuffer wiegt jeder Dosierfehler schwerer.

Kurz erklärt

Bei NFT versorgt ein dünner Film aus Nährlösung die Wurzeln. Bei Aeroponik hängen die Wurzeln in der Luft und werden mit Nährlösung besprüht. In einem aktiven Tiefwassersystem sorgt eine Aquarium- oder Teichpumpe für Durchmischung und Sauerstoff in der Nährlösung.

In der Aquaponik wandeln Bakterien im Biofilter Ammonium aus dem Fischwasser in Nitrat um, das die Pflanzen aufnehmen können. Fische und Pflanzen teilen sich dabei einen Wasserkreislauf.

Das Gewächshaus im Jahreslauf

Spätwinter und Frühjahr

Vor der ersten Aussaat reinige ich Scheiben, Tische und Gefäße. Tontöpfe eignen sich für die Jungpflanzenanzucht und lassen sich nach der Reinigung wiederverwenden. Kalkränder löst du mit Essigwasser im Verhältnis 1:10 und spülst danach mit klarem Wasser nach. Gereinigte Gefäße steckst du erst trocken ineinander. Dann stellst du das Min-Max-Thermometer zurück, prüfst Fensteröffner und Frostwächter und legst die Schattierung bereit.

Sommer

Im Sommer stehen Schattieren, Lüften und Gießen im Vordergrund. Eine Mulchschicht auf den Beeten bremst das Austrocknen. Hohe Bodentemperaturen können bei Salaten, Feldsalat und Spinat die Keimung verhindern oder unterbrechen. Kopfsalat keimt bei Bodentemperaturen über 18 °C schlechter. Miss deshalb vor einer Salatsaat im Sommer mit dem Bodenthermometer nach.

Herbst

Sobald die Sonne tiefer steht, nimmst du die Schattierung ab. Feldsalat säst du für die zweite Jahreshälfte von Ende Juli bis spätestens Mitte September. Spinat für die Winter- oder Frühjahrsernte kommt bis Mitte September in den Boden. Solche Herbstkulturen halten den Boden bedeckt und nehmen freigesetzte Nährstoffe auf. Bevor es kalt wird, befreist du Grabgabel und Sauzahn von Schmutz und Rost und fettest sie ein. Spröde Holzstiele schleifst du glatt und ölst sie ein.

Winter

Ob Wintergemüse im ungeheizten Haus durchhält, hängt neben der Art auch von Sorte, Entwicklungszustand, Gesundheit, Standort und Witterung ab. Luftpolsterfolie innen an den Wänden verringert Wärmeverluste, nimmt aber etwas Licht. Am Frühbeetkasten verringern Stroh oder Laub an den Seiten die Wärmeverluste. An sonnigen, frostfreien Tagen lüftest du trotzdem, damit Feuchte abzieht.

Energie sparen und nachhaltig gärtnern

Heizenergie sparst du zuerst, indem du Wärmeverluste verringerst: mit Stegdoppelplatten statt einfacher Scheiben und im Winter mit Luftpolsterfolie an den Wänden. Ein Anlehngewächshaus kann zusätzlich von der Wärme der Hauswand profitieren. Heize nur so warm, wie deine Kulturen es verlangen. Kopfsalat, Kohlrabi und Radieschen kommen witterungsabhängig ohne Heizung aus, ein temperiertes Haus brauchst du etwa für die Kübelüberwinterung. Regenwasser aus der Tonne spart Leitungswasser.

Bei der Erde lohnt der Blick auf die Torffreiheit. Torffreie Substrate schonen Moore und vermindern die CO₂-Emissionen aus dem Torfabbau. Für solche Mischungen werden Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost, Kokosfasern und Kokosmark kombiniert, um ihre unterschiedlichen Eigenschaften auszugleichen.

Mythos-Check

„Bio-Erde ist automatisch torffrei.“ Das stimmt nicht. Die Bezeichnung Bio-Erde garantiert keine Torffreiheit, entscheidend ist die ausdrückliche Kennzeichnung als torffrei.

Bei längerer Lagerung torffreier Erde können organische Bestandteile Nährstoffe freisetzen und so den Salzgehalt erhöhen. Für Aussaaterde sollte der Salzgehalt unter 0,5 g/l liegen. Ein angebrochener Sack vom Vorjahr kann für die Aussaat deshalb zu salzig geworden sein. Ich kaufe Aussaaterde lieber frisch zur Saison.

Eigenen Kompost arbeitest du in die Beete ein, soweit die Bodenuntersuchung es zulässt.

Häufiger Fehler

Reinen Kompost in die Saatschale füllen. Er ist wegen seines hohen Nährstoffgehalts als Anzuchterde ungeeignet, in die Schale gehört Aussaaterde.

Herausforderungen: Kosten, Zeit und volle Körbe

Anschaffung

Ein begehbares Gewächshaus kostet je nach Größe, Eindeckung und Ausstattung deutlich mehr als ein Frühbeetkasten oder eine Anzuchthaube. Du musst nicht alles auf einmal kaufen. Ich würde mit ausreichender Lüftungsfläche und Messgeräten beginnen und Heizung, Zusatzlicht und Tropfbewässerung später ergänzen.

Laufende Kosten

Heizung und Strom für Lüfter, Pumpen oder Licht kosten vor allem im Winter Geld. Die wichtigste Kostenfrage lautet deshalb: Willst du Kübelpflanzen temperiert überwintern, oder reicht dir ein ungeheiztes Haus für Frühkulturen?

Zeit

An sonnigen Frühjahrstagen musst du lüften und schattieren, an heißen Sommertagen öfter gießen. Automatische Fensteröffner und Tropfschläuche nehmen dir einen Teil ab, ersetzen aber nicht den Blick auf Pflanzen und Thermometer. Für den Urlaub brauchst du eine Vertretung, die weiß, wann sie lüftet und gießt. Ich führe ein Gartentagebuch und notiere, welche Sorten gut keimen und sich zügig entwickeln. Darauf baue ich die Planung für das nächste Jahr auf.

Wenn die Ernte zu groß wird

Überschüsse verschenkst du an Nachbarn oder machst sie haltbar. Willst du selbst erzeugtes Fruchtgemüse als Bio-Ware verkaufen, musst du am Öko-Kontrollverfahren teilnehmen.

Häufige Fragen

Wie verlängert ein Gewächshaus die Anbausaison bei der Pflanzenanzucht?
Im ungeheizten Gewächshaus kannst du witterungsabhängig etwa ab Anfang März Kopfsalat und Kohlrabi pflanzen und Radieschen säen. Zuverlässig frostfrei ist ein unbeheiztes Haus allerdings nicht, deshalb behältst du die Nachttemperaturen mit einem Min-Max-Thermometer im Blick. Wärmeliebende Arten wie Tomaten, Paprika und Gurken können schon bei niedrigen Plusgraden im Wachstum stocken. Für sie zählen ein erwärmter Boden und die tatsächliche Witterung mehr als das Datum.
Was ist der Unterschied zwischen Gewächshaus und Frühbeet beim Gartenbau?
Ein Gewächshaus ist begehbar und bietet dir Arbeitsraum im Inneren, einen niedrigen Frühbeetkasten bedienst du dagegen von außen. Die geneigte Abdeckung des Frühbeets richtest du nach Süden aus und lüftest an sonnigen, frostfreien Tagen, indem du die Scheiben anhebst. Stroh oder Laub an den Seiten verringern dort Wärmeverluste. Hat ein Kleingewächshaus eine Stehwandhöhe von etwa 2 m, ist darin sogar eine zweite Pflanzebene auf Regalen möglich.
Ist ein Warmhaus wirklich notwendig oder reicht ein einfaches Pflanzenhaus?
Für Frühkulturen wie Kopfsalat, Kohlrabi und Radieschen reicht ein ungeheiztes Gewächshaus, zuverlässig frostfrei ist es aber nicht. Willst du Kübelpflanzen überwintern, brauchst du ein temperiertes Haus mit Zusatzheizung. Tagsüber sollten darin 10 bis 15 °C herrschen. Nachts sind etwa 5 °C nötig.
Welche praktischen Schritte sind bei der Belüftung von Gewächshäusern zu beachten?
Zähl schon beim Kauf die Fensterfläche nach: Als Planungsfaustzahl sollen sich mindestens 20 % der Grundfläche öffnen lassen, zusätzlich zur Tür. Dachfenster und Seitenklappen sorgen für Luftaustausch, automatische Fensteröffner öffnen bei Wärme auch in deiner Abwesenheit. Ein Min-Max-Thermometer und ein Hygrometer zeigen dir, wie warm und feucht es wird. Hohe Luftfeuchte und wenig Luftbewegung können zum Beispiel bei Tomaten Befruchtung und Fruchtansatz beeinträchtigen.
Wie richtet man ein Anzuchthaus für optimale Aussaatergebnisse ein?
Stell das Haus an einen hellen Platz außerhalb von Senken, weil sich dort in Strahlungsnächten Kaltluft sammelt. Ziehst du vor allem im Spätwinter an, passt eine Ost-West-Längsachse, denn sie bevorzugt die Wintersonne. Regale und Tische schaffen Stellfläche für Schalen, beschatten aber die Beete darunter. Minimum-Maximum-Thermometer, Hygrometer und Bodenthermometer helfen dir, Wärme und Feuchte zu kontrollieren.
Welche saisonalen Anpassungen erfordert die Gewächshausnutzung in unterschiedlichen Klimalagen?
Aussaat- und Pflanztermine verschieben sich mit Witterung und regionalem Klima: Im Weinbauklima beginnst du früher, in ungünstigen Lagen später. Im Frühjahr und Sommer schützt du Jungpflanzen mit Schattierung und Lüftung, denn zu hohe Temperaturen nach dem Pikieren machen sie blass, dünn und weich. Im Winter bleibt ein unbeheiztes Gewächshaus nicht zuverlässig frostfrei. Ob Wintergemüse durchhält, hängt neben der Art auch von Sorte, Entwicklungszustand, Gesundheit, Standort und Witterung ab.
Zuletzt geprüft:
↑