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Wasserspeicherfähigkeit von Anzuchterde: So stimmst du Zusätze und Gießen ab

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Anzuchterde muss Wasser aufnehmen und die Wurzeln zugleich ausreichend mit Luft versorgen.
  • Aussaatsubstrat bleibt gleichmäßig feucht, wird aber nie nass.
  • Kokosfasern halten weniger Wasser als Torf, Kokosmark ähnelt ihm im Luft- und Wasserhaushalt eher.
  • Perlit hält selbst wenig Wasser und bringt Luft in die Erde, Vermiculit hat eine mittlere Wasserkapazität.
  • Bei torffreier Erde prüfst du die Feuchte unter der Oberfläche und zusätzlich am Topfgewicht.
Anzuchtzubehoer
Foto: Christina & Peter · Pexels License · Quelle ↗

Die Oberfläche der Anzuchtschale sieht hell und trocken aus, du gießt nach, und unten ist die Erde noch nass. Wie viel Wasser deine Anzuchterde hält und wie schnell sie es wieder abgibt, bestimmt, wann Gießen nötig ist und wann es schadet. Ich hebe deshalb jeden Topf an und stecke den Finger in die Erde, bevor ich zur Kanne greife.

Was bedeutet Wasserspeicherfähigkeit bei Anzuchterde?

Die Wasserspeicherfähigkeit beschreibt, wie viel Gießwasser die Erde festhält und den Wurzeln nach und nach bereitstellt. Speichern allein genügt nicht, denn ein geeignetes Kultursubstrat muss Wasser aufnehmen und die Wurzeln zugleich ausreichend mit Luft versorgen. Für die Aussaat eignet sich deshalb ein Anzuchtsubstrat, das nährstoffarm, humos und durchlässig ist.

Wie viel dieser Vorrat ausmacht, zeigt der Vergleich mit der Hydroponik. Dort muss ohne Substrat besonders genau dosiert werden, weil der ausgleichende Substratvorrat fehlt. In der Anzuchtschale übernimmt die Erde diesen Ausgleich, solange sie weder austrocknet noch vernässt.

Mythos-Check

„Je mehr Wasser die Erde hält, desto besser keimt die Saat.” Das stimmt so nicht. Aussaatsubstrat soll gleichmäßig feucht bleiben, ohne nass zu sein, und nach dem Gießen muss wieder Luft an die Wurzeln gelangen.

Wie viel Feuchte braucht die Keimung?

Während der Keimung bleibt das Aussaatsubstrat gleichmäßig feucht, ohne nass zu sein. Bei Tomaten heißt das zum Beispiel, dass die Anzuchterde weder austrocknet noch tropfnass wird.

Ich fülle die Erde schon angefeuchtet in die Schalen. Bei feinen Aussaaten verhindert das, dass späteres starkes Wässern die Samen wegschwemmt. Danach halte ich die Oberfläche mit der Sprühflasche feucht.

Eine luft- und lichtdurchlässige Haube hält die Aussaat feucht. Nimm sie ab, sobald der erste Keimling erscheint. Rinnen vorher Wassertropfen von einer Folienabdeckung herab, öffnest du sie teilweise, damit die Luft besser zirkuliert. Bei der Tomatenanzucht unter einer transparenten Abdeckung lüftest du täglich, um Schimmelbildung vorzubeugen.

Samen, die offen auf der Erde liegen, brauchen einen genaueren Blick. Basilikumsamen drückst du nur an und deckst sie nicht ab. Bei torffreien Substraten kann die Oberfläche aber schon trocken sein, während es unten noch nass ist. Die Samen liegen also genau in der Schicht, die zuerst abtrocknet. Sprüh deshalb die Oberfläche an, statt die ganze Schale durchzugießen.

Was macht zu nasse Erde mit den Wurzeln?

Wurzeln brauchen Luft. Anzuchttöpfchen sollen deshalb nicht dauerhaft im Wasser stehen, damit nach dem Gießen wieder Luft an die Wurzeln gelangt. Bei Paprika hemmt zu nasses Anzuchtsubstrat das Wurzelwachstum und begünstigt, dass Welkepilze eindringen.

Dauernde Nässe bringt weitere Risiken mit. Pythium-Erreger können sich bei hoher Feuchtigkeit über bewegliche Sporen im nassen Substrat verbreiten. Trauermückenlarven vermehren sich besonders in ständig zu nasser Topferde und können Pflanzenwurzeln anfressen.

Zwei Beobachtungen sind Hinweise, keine Diagnosen. Wiederkehrender Schimmel auf Blumenerde weist häufig auf übermäßiges Gießen oder schlechte Durchlüftung hin. Ein verbräunter, eingeschnürter Wurzelhals kann auf eine Auflaufkrankheit hindeuten. Prüfe in beiden Fällen zuerst, wie nass die Erde ist und ob das Wasser ablaufen kann.

Wie prüfe ich, wie feucht die Erde wirklich ist?

Prüfe die Feuchte mit dem Finger, bevor du gießt. Die Anzuchterde soll sich gleichmäßig feucht anfühlen und niemals nass sein.

Bei torffreien und torfreduzierten Substraten reicht der Blick auf die Oberfläche nicht. Oben kann die Erde schon trocken sein, während der untere Gefäßbereich noch nass ist. Geh deshalb mit dem Finger unter die Oberfläche und heb den Topf zusätzlich an. Fingerprobe und Topfgewicht zusammen helfen dir bei der Gießentscheidung.

Marias Erfahrung

Ich hebe meine Anzuchttöpfe direkt nach dem Gießen an und merke mir das Gewicht. Vor dem nächsten Gießen hebe ich sie wieder an und vergleiche.

Auch ein Zusatz kann täuschen. Vermiculit kann sich bei hoher Wassersättigung noch trocken anfühlen, und torffreie Erde kann oben trocken und unten nass sein. In beiden Fällen verleitet dich der Finger womöglich zum Gießen, obwohl genug Wasser im Topf ist.

Mini-Checkliste

Vor dem Gießen: Topf anheben und das Gewicht einschätzen. Finger unter die Oberfläche stecken. Untersetzer auf stehendes Wasser prüfen. Abzugslöcher freihalten.

Welche Zusätze verändern die Wasserspeicherung?

Mit Zusätzen verschiebst du das Verhältnis von Wasser und Luft in der Erde. Entscheidend ist, wie viel Wasser der Zusatz selbst hält und wie viel Luft er mitbringt.

Zusatz Wasser und Luft Darauf achtest du
Kokosfasern halten weniger Wasser als Torf, erhöhen die Luftkapazität bringen Luft in die Mischung, nicht mehr Wasser
Kokosmark ähnelt im Luft- und Wasserhaushalt eher Torf nicht mit Kokosfasern gleichsetzen
Vermiculit mittlere Wasserkapazität, speichert Wasser und puffert Nährstoffe für selbst gemischte Anzuchterden Körnung 3 bis 6 mm; kann sich auch bei hoher Wassersättigung noch trocken anfühlen
Perlit geringe eigene Wasserkapazität, hohe Wasser- und Luftleitfähigkeit nur Perlit für den Gartenbau nehmen

Kokosfasern und Kokosmark verhalten sich unterschiedlich. Bleibt deine Mischung zu nass, bringen Kokosfasern Luft hinein. Soll die Erde Wasser halten, passt Kokosmark, weil es im Luft- und Wasserhaushalt eher Torf ähnelt.

Perlit hat eine geringe eigene Wasserkapazität, erhöht aber die Luftkapazität und verbessert die Strukturstabilität. Ein Substrat muss Wasser aufnehmen und die Wurzeln zugleich mit Luft versorgen. Ein Zusatz kann die Erde deshalb verbessern, obwohl er selbst kaum Wasser hält.

Achtung

Nimm für Anzuchtsubstrate nur Perlit, das für den Gartenbau bestimmt ist. Bauprodukte können beschichtet sein und unterliegen anderen Anforderungen.

Kompost löst das Wasserproblem nicht allein, denn reiner Kompost eignet sich wegen seines hohen Nährstoffgehalts nicht als Anzuchterde.

Wie viel du untermischst, probierst du an deiner eigenen Erde aus. Ich mische zuerst eine Probe an, fülle einen Topf damit und gieße ihn durch. Dann beobachte ich, wie schnell das Wasser abläuft und wie lange der Topf schwer bleibt. Welche Zusätze es darüber hinaus gibt und wie du Anzuchterde mit Zusätzen anreicherst und dosierst, ist ein eigenes Thema.

Welche Erde nehme ich als Grundlage?

Aussaaterde, Pikiersubstrat und Topferde unterscheiden sich unter anderem im Salzgehalt. Blumen- und Gartenerde darf außerdem nährstoffreicher und gröber strukturiert sein als Anzuchterde. Die Werte dazu stehen in der Übersicht zur Anzuchterde mit Salzgehalt, Bestandteilen und torffreien Mischungen. Welche Rolle die Anzuchterde von der Keimung bis zur Jungpflanze spielt, behandelt ein eigener Ratgeber.

Torffreie Substrate kombinieren Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost, Kokosfasern und Kokosmark, damit sich deren unterschiedliche Eigenschaften ausgleichen. Solche Mischungen schonen Moore und vermindern die CO₂-Emissionen, die mit dem Torfabbau verbunden sind. Mehr dazu steht im selben Abschnitt der Übersicht.

Wer selbst mischt, kann für robuste Jungpflanzen eine ungedüngte Mischung aus je 1 Teil Quarzsand, Gartenerde und reifem Kompost verwenden. Für empfindliche Aussaaten ist das keine pauschale Empfehlung. Nach welchen Kriterien du Anzuchterde kaufst, mischst und lagerst, klärt der Ratgeber zur Wahl der Erde.

Bei Pflanzenkohle stehen dem möglichen Klimanutzen Risiken durch Schadstoffe gegenüber. Achte deshalb auf eine anerkannte Zertifizierung wie EBC.

Wie gieße ich passend zur Erde?

Der Wasserbedarf hängt von Pflanzenart und Sorte, Witterung, Substrat sowie Sonne und Wind am Standort ab. Einen festen Gießrhythmus gibt es deshalb nicht. Erst prüfen, dann gießen.

Womit gieße ich frische Aussaaten?

Frisch ausgesäte Paprika und Chili gießt du vorsichtig mit der Sprühflasche an, damit die Samen nicht abgeschwemmt werden. Ist das Anzuchtsubstrat schon durchfeuchtet, reicht feines Besprühen. Nimm Gießwasser mit Raumtemperatur.

Wohin mit dem überschüssigen Wasser?

Anzuchtgefäße brauchen freie Wasserabzugslöcher, damit überschüssiges Wasser abläuft und keine Staunässe entsteht. Ich kippe das Wasser aus dem Untersetzer weg, sobald die Erde durchfeuchtet ist.

Wann am Tag gieße ich?

Fruchtgemüsejungpflanzen sollen nach dem Bewässern vor der Nacht abtrocknen können, während das Substrat feucht statt nass bleibt. Ich gieße Tomaten und Paprika deshalb am Vormittag.

Warum trocknen kleine Töpfe schneller aus?

Ein größeres Erdvolumen kann mehr Wasser bevorraten und verlängert so die Gießabstände. Trockene Heizungsluft unter der Fensterbank kann Pflanzen dagegen zu stärkerer Verdunstung zwingen, als die Wurzeln durch Wasseraufnahme ausgleichen können. Kleine Töpfe über dem Heizkörper prüfst du deshalb häufiger als große Töpfe abseits der Heizung.

Was ist bei automatischer Bewässerung zu beachten?

Bei passiver Dochtbewässerung verbindet ein Docht den Wasservorrat mit dem Substrat und versorgt es ohne Pumpe mit Wasser. Eine gemeinsame automatische Bewässerung kann Pflanzen mit unterschiedlichem Wasserbedarf oder Entwicklungsstand aber zu nass oder zu trocken halten. Schließ deshalb nur Schalen zusammen an, die ähnlich viel Wasser brauchen und gleich weit entwickelt sind.

Häufige Fragen

Was versteht man unter der Wasserspeicherfähigkeit von Anzuchterde?
Gemeint ist, wie viel Gießwasser die Erde festhält und den Wurzeln nach und nach bereitstellt. Ein geeignetes Substrat muss Wasser aufnehmen und die Wurzeln zugleich ausreichend mit Luft versorgen. Für die Aussaat bedeutet das, dass die Erde gleichmäßig feucht bleibt und nie nass wird.
Welche Faktoren beeinflussen die Wasserspeicherfähigkeit von Anzuchtsubstraten?
Die Bestandteile bestimmen mit, wie viel Wasser die Erde hält. Kokosmark ähnelt im Luft- und Wasserhaushalt eher Torf, während Kokosfasern weniger Wasser halten und die Luftkapazität erhöhen. Vermiculit hat eine mittlere, Perlit eine geringe eigene Wasserkapazität. Dazu kommt das Gefäß, denn ein größeres Erdvolumen kann mehr Wasser bevorraten.
Wie können Kokosfasern die Wasserspeicherfähigkeit der Anzuchterde verbessern?
Kokosfasern halten weniger Wasser als Torf und erhöhen die Luftkapazität der Erde. Eine Mischung wird damit also luftiger und nicht feuchter. Soll die Erde mehr Wasser halten, passt Kokosmark besser, weil es im Luft- und Wasserhaushalt eher Torf ähnelt.
Wie lässt sich die Fingerprobe zur Bestimmung der optimalen Bodenfeuchte anwenden?
Steck vor dem Gießen einen Finger in die Anzuchterde und prüfe, wie sie sich unter der Oberfläche anfühlt. Die Erde soll gleichmäßig feucht und niemals nass sein. Bei torffreien und torfreduzierten Substraten kann die Oberfläche schon trocken sein, während der untere Gefäßbereich noch nass ist. Heb den Topf deshalb zusätzlich an und nimm das Gewicht als zweite Kontrolle.
Führt zu viel Wasserspeicherfähigkeit automatisch zu besseren Keimergebnissen?
Nein. Aussaatsubstrat soll gleichmäßig feucht bleiben, ohne nass zu sein, und nach dem Gießen muss wieder Luft an die Wurzeln gelangen. Bei Paprika hemmt zu nasses Anzuchtsubstrat das Wurzelwachstum und begünstigt, dass Welkepilze eindringen. Für die Aussaat eignet sich deshalb ein nährstoffarmes, humoses und durchlässiges Substrat.
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