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Biologisches vs. konventionelles Saatgut: Vor- und Nachteile für deine Sortenwahl

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bio-Saatgut wurde auf Bio-Betrieben nach Bio-Richtlinien erzeugt. Das Zeichen beschreibt die Vermehrung, nicht die Sorte.
  • Im Ökolandbau sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche synthetische Dünger nicht zugelassen.
  • Öko-Saatgut darf nicht mit gentechnischen Verfahren gewonnen werden, kann aber F1-Hybridsaatgut sein.
  • Wer eigenes Saatgut gewinnen will, achtet auf das Wort samenfest und nicht allein auf das Bio-Logo.
  • Bei der Auswahl von Gemüsesorten zählen Gesundheit, Geschmack und Ertragsleistung.

Im Samenregal liegen zwei Tüten Tomaten nebeneinander, eine mit Bio-Zeichen und eine ohne. Greifst du nur nach dem Logo, entscheidest du über die Vermehrung des Saatguts, aber noch nicht über die Sorte. Wer das Zeichen für ein Versprechen auf samenfeste Sorten hält, bekommt beim Nachbau womöglich Pflanzen mit anderen Eigenschaften. Ich drehe deshalb jede Tüte um und lese zuerst Sorte, Behandlungshinweis und Jahresangabe, bevor ich auf das Zeichen schaue.

Was das Bio-Zeichen auf der Samentüte aussagt

Bio-Saatgut ist Saatgut, das auf Bio-Betrieben nach Bio-Richtlinien erzeugt wurde. Im Ökolandbau sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche synthetische Dünger nicht zugelassen. Außerdem darf Öko-Saatgut nicht mit gentechnischen Verfahren gewonnen werden. Konventionelles Saatgut wurde ohne diese Auflagen vermehrt.

Beim Einkauf helfen dir das EU-Bio-Logo und die Zeichen ökologischer Anbauverbände bei der Orientierung.

Kurz erklärt

Steht auf der Tüte ein deutscher Bio-Kontrollstellencode, liest du ihn so: DE kennzeichnet das Kontrollland Deutschland, ÖKO den Bezug zur ökologischen Produktion. Die Ziffern nennen die zuständige Kontrollstelle.

Was das Bio-Zeichen nicht aussagt

Das Zeichen beschreibt, wie das Saatgut vermehrt wurde, und nicht, welche Sorte in der Tüte steckt. Ökologisch vermehrtes Saatgut kann aus einer konventionell gezüchteten Sorte stammen. Es kann auch F1-Hybridsaatgut sein, wie die Zucchinisorte ‘Dunja F1’ zeigt.

Für den Nachbau hat das Folgen. Bio-Saatgut kann eine F1-Hybride sein, und die Nachkommen von F1-Hybriden erhalten die ursprüngliche Merkmalskombination nicht zuverlässig. Ob du aus der Ernte eigenes Saatgut gewinnen kannst, verrät dir also das Wort samenfest und nicht das Bio-Logo.

Merkmal Hängt es am Bio-Zeichen? Was gilt
Vermehrung ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ja im Ökolandbau nicht zugelassen
Vermehrung ohne leicht lösliche synthetische Dünger ja im Ökolandbau nicht zugelassen
Gewinnung ohne gentechnische Verfahren ja gentechnische Verfahren sind bei Öko-Saatgut nicht erlaubt
Samenfest oder F1-Hybride nein Bio-Saatgut kann auch von Hybridsorten stammen
Züchtung der Sorte nein die Sorte kann konventionell gezüchtet sein
Hülle um das Korn nein auch Bio-Saatgut kann beschichtet sein
Nährstoffgehalt der Ernte nein hängt unter anderem von Sorte, Klima, Witterung, Boden und Erntezeitpunkt ab
Rückstandsfreiheit nein auch ökologische Erzeugnisse können unbeabsichtigte Rückstände nicht zugelassener Mittel enthalten

Bei jeder Zeile mit Nein hilft dir das Bio-Zeichen also nicht weiter.

Mythos-Check

„F1 ist Gentechnik.“ Das trifft nicht zu. Hybridzüchtung ist eine Form der Kreuzungszüchtung und bedeutet für sich genommen keine gentechnische Veränderung. F1 bezeichnet die erste Nachkommengeneration einer gezielten Kreuzung.

Bio-Saatgut: Vor- und Nachteile

Die Punkte gelten für das Saatgut in der Tüte, nicht für deine spätere Pflege im Beet.

Vorteile von Bio-Saatgut

  • Auf den Vermehrungsbetrieben sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche synthetische Dünger nicht zugelassen.
  • Gentechnische Verfahren sind bei der Gewinnung ausgeschlossen.
  • EU-Bio-Logo und Verbandszeichen geben dir beim Kauf Orientierung.
  • Du unterstützt eine Anbauweise, in der vielfältige Fruchtfolgen, Hecken und Blühstreifen die Biodiversität fördern.

Nachteile von Bio-Saatgut

  • Das Zeichen sagt nichts über die Sorte: Sie kann konventionell gezüchtet und eine F1-Hybride sein.
  • Rückstandsfreiheit ist nicht garantiert, denn auch ökologische Erzeugnisse können unbeabsichtigte Rückstände nicht zugelassener Mittel enthalten.
  • Keimfähigkeit, Geschmack und Ertragsleistung liest du am Bio-Zeichen nicht ab.
  • Nicht jede Sorte ist als Bio-Saatgut erhältlich, und der Preis kann höher liegen.

Konventionelles Saatgut: Vor- und Nachteile

Konventionell bedeutet: nicht nach Bio-Richtlinien vermehrt. Die Sorte kann dieselbe sein wie in der Bio-Tüte.

Vorteile von konventionellem Saatgut

  • Du wählst frei nach Sorte und bist nicht darauf angewiesen, dass es sie aus Bio-Vermehrung gibt.
  • Die Verkehrsfähigkeit hängt wie bei jedem Saatgut davon ab, dass die gesetzlichen Qualitätsanforderungen erfüllt sind.
  • Behandlungen wie eine Beizung sind möglich. Sie kann Samen und Keimlinge vor bestimmten Schadorganismen schützen, die Wirkung hängt vom Beizmittel ab.
  • Der Preis kann niedriger liegen als bei der Bio-Tüte derselben Sorte.

Nachteile von konventionellem Saatgut

  • Bei der Vermehrung können chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche synthetische Dünger eingesetzt worden sein.
  • Gebeiztes Saatgut verlangt Vorsicht: Es darf weder gegessen noch verfüttert werden und muss von Kindern ferngehalten werden.
  • Reste gebeizten Saatguts und leere Verpackungen entsorgst du nach den örtlichen Vorgaben.
  • Mit dem Kauf unterstützt du keine ökologische Vermehrung.

Konventionelle Landwirtschaft: Nachteile und was davon in der Samentüte steckt

Konventionelles Saatgut stammt aus konventioneller Landwirtschaft. Deren Nachteile gehören deshalb zur Entscheidung dazu. Ein klarer Unterschied zum Ökolandbau liegt bei den Betriebsmitteln: Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche synthetische Dünger sind dort erlaubt, im Ökolandbau nicht.

Als Nachteile der konventionellen Landwirtschaft werden vor allem drei Punkte genannt:

  • Dünger und Pflanzenschutzmittel können Böden und Gewässer belasten.
  • Betriebe können von zugekauften Mitteln abhängig werden.
  • Weit verbreitete Hochleistungssorten können alte Sorten verdrängen.

Wie stark das zutrifft, hängt vom einzelnen Betrieb ab. Zwischen beiden Systemen gibt es Übergänge. Integrierter Anbau bevorzugt bei Sortenwahl, Fruchtfolge, Düngung und Pflanzenschutz Verfahren mit möglichst geringen Umweltwirkungen, übernimmt aber nicht sämtliche Bio-Beschränkungen.

Für deine Samentüte heißt das: Diese Nachteile entstehen auf dem Feld, auf dem das Saatgut vermehrt wird. Konventionelles Saatgut macht dein Beet nicht konventionell, denn über Düngung und Pflanzenschutz entscheidest du dort selbst. Eine Ausnahme sind Behandlungen direkt am Korn, sie stehen auf der Tüte. Mit Bio-Saatgut unterstützt du dagegen eine Vermehrung, bei der diese Mittel nicht zugelassen sind.

Regeln, Umweltwirkung und Ertrag beider Systeme vergleicht der Ratgeber, worin sich Bio-Saatgut und konventionelles Saatgut im Anbau unterscheiden.

So wählst du Saatgut praktisch aus

Ich gehe beim Bestellen immer in derselben Reihenfolge vor. Zuerst verteile ich die Hauptkulturen auf die Beete und ergänze passende Vor- und Nachkulturen. Wenn du deine Beetbelegung für die Saison planst, siehst du, welche Kulturen du überhaupt brauchst. Danach folgen vier Schritte.

Schritt 1: Erst die Sorte

Gesundheit, Geschmack und Ertragsleistung sind die Kriterien für eine Gemüsesorte. Bei der Gesundheit helfen Kürzel in der Sortenbeschreibung: HR bezeichnet hohe, IR intermediäre Resistenz gegen bestimmte Schaderreger. Eine Garantie ist das nicht, denn auch resistente Sorten können unter hohem Befallsdruck Symptome entwickeln.

Schritt 2: Samenfest oder F1

Entscheide, ob du aus der Ernte eigenes Saatgut gewinnen willst. Samenfeste Sorten geben ihre typischen Merkmale bei sortenerhaltender Vermehrung an die folgenden Generationen weiter. Bei F1-Hybriden kann der Heterosiseffekt zu besonders leistungsfähigen und ertragreichen Pflanzen führen. Nimm samenfest, wenn du nachbauen willst, und F1, wenn dir die Leistung im Anbaujahr wichtiger ist.

Schritt 3: Bio oder konventionell

Jetzt kommt das Zeichen. Gibt es deine Sorte in beiden Varianten, entscheidest du allein über die Art der Vermehrung. Ich nehme dann die Bio-Tüte, weil mir eine Vermehrung ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wichtig ist. Finde ich die Sorte nur konventionell, kaufe ich sie trotzdem und prüfe den Behandlungshinweis.

Schritt 4: Die Tüte lesen

Bei Saatgut im Geltungsbereich der Saatgutverordnung müssen chemische, besondere physikalische und vergleichbar wirkende Behandlungen gekennzeichnet werden. Eine farbige Hülle bedeutet noch kein Pflanzenschutzmittel: Ein Filmcoating kann ohne auskommen, und auch Bio-Saatgut kann beschichtet sein.

Achtung

Mit Beizmitteln behandeltes Saatgut darf weder gegessen noch verfüttert werden und muss von Kindern ferngehalten werden. Reste und leere Verpackungen entsorgst du nach den örtlichen Entsorgungsvorgaben.

Dazu kommen die Angaben zur Partie. Auf Gemüse-Kleinpackungen steht an der Partienummer St für Standardsaatgut und Z für zertifiziertes Saatgut. Die Jahresangabe nennt das Wirtschaftsjahr der Verschließung oder der letzten Keimfähigkeitsprüfung. Ein gesetzliches Mindesthaltbarkeitsdatum ist für Saatgut nicht vorgeschrieben.

Zahl im Blick

Die Saatgutverordnung nennt als reguläre Mindestkeimfähigkeit bei Tomate 75 % und bei Petersilie 65 % der reinen Körner. Geprüft wird unter kontrollierten, artspezifisch günstigen Laborbedingungen. Der Wert beschreibt deshalb nicht unmittelbar den Aufgang in deinem Garten.

Ich hebe jede Saatguttüte mit ihrer Partienummer auf, denn sie erleichtert bei Qualitätsproblemen die Zuordnung zur gekauften Partie. Im Gartentagebuch notiere ich außerdem, welche Sorten gut keimen und sich zügig entwickeln. Mit diesen Notizen plane ich die nächste Bestellung.

Eigenes Saatgut gewinnen: Was samenfest leistet und was nicht

Für eigenes Saatgut brauchst du samenfeste Sorten. Auch bei ihnen kann Fremdbestäubung durch passende andere Sorten oder verwandte Pflanzen zu abweichenden Nachkommen führen. Der deutsche Sortenschutz erstreckt sich nicht auf Handlungen im privaten Bereich zu nicht gewerblichen Zwecken.

Achtung

Von Zucchini und anderen Cucurbita-pepo-Kürbissen gewinnst du kein eigenes Saatgut, wenn Zierkürbisse in der Nähe wachsen. Schmeckt ein Kürbisgewächs bitter, spuckst du es sofort aus und entsorgst es. Auch Erhitzen beseitigt die giftigen Bitterstoffe nicht zuverlässig.

Wer Vielfalt erhalten will, findet bei Erhaltungsinitiativen Saatgut bedrohter Kulturpflanzensorten für den Eigenbedarf. Alte Sorten bewahren genetische Eigenschaften, die für künftige Züchtung und Ernährungssicherung nutzbar sein können. Am Bio-Zeichen erkennst du solche Sorten nicht, denn Bio-Saatgut kann auch von Hybridsorten stammen.

Geöffnete Päckchen lagerst du kühl und trocken, damit die Keimfähigkeit erhalten bleibt. Ob ältere Bestände noch ausreichend keimen, zeigt eine Probeaussaat mit genau abgezählten Samen. Die Einzelheiten stehen im Überblick zu Saatgut, Keimprobe und Lagerung.

Bio-Saatgut macht noch keinen Bio-Garten

Das Bio-Zeichen gilt für das Saatgut und nicht für dein Beet. Wie du gärtnerst, entscheidet sich bei Boden, Düngung und Pflanzenschutz. Im Bio-Gemüsegarten kannst du den Boden mit Grabgabel oder Sauzahn lockern, statt ihn regelmäßig mit dem Spaten umzuwenden. Blühinseln und Hecken unterstützen Nützlinge. Beim Düngen gilt: Auch organische Dünger können bei übermäßiger Gabe den Pflanzen und der Umwelt schaden.

Setz außerdem auf Vielfalt. Verschiedene Pflanzenarten im Garten verringern das Risiko, dass bei Extremwetter alle Pflanzen gleichzeitig ausfallen. Mischkultur kann das unterstützen, sie garantiert aber nichts. Vor dem Säen prüfe ich, welche Kulturen sich als Beetnachbarn vertragen.

Zu Bio-Ware wird deine Ernte durch Bio-Saatgut nicht. Wer selbst erzeugtes Fruchtgemüse als Bio-Ware vermarktet, muss am Öko-Kontrollverfahren teilnehmen. Für den eigenen Teller brauchst du das nicht.

Häufige Fragen

Was ist der grundlegende Unterschied zwischen biologischem und konventionellem Saatgut?
Bio-Saatgut wurde auf Bio-Betrieben nach Bio-Richtlinien erzeugt. Dort sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche synthetische Dünger nicht zugelassen, und gentechnische Verfahren sind bei der Gewinnung ausgeschlossen. Konventionelles Saatgut wird ohne diese Auflagen vermehrt. Die Sorte kann in beiden Fällen dieselbe sein, denn ökologisch vermehrtes Saatgut kann aus einer konventionell gezüchteten Sorte stammen.
Worin unterscheiden sich Hybridzüchtung und samenfeste Sorten?
F1 bezeichnet die erste Nachkommengeneration einer gezielten Kreuzung, bei üblichen Gemüsehybriden zwischen reinerbigen Elternlinien. Der Heterosiseffekt kann dabei zu besonders leistungsfähigen und ertragreichen Pflanzen führen, die Nachkommen in der F2-Generation erhalten die Merkmalskombination aber nicht zuverlässig. Samenfeste Sorten geben ihre typischen Merkmale bei sortenerhaltender Vermehrung an folgende Generationen weiter. Gentechnik ist Hybridzüchtung für sich genommen nicht, sie ist eine Form der Kreuzungszüchtung.
Welche Kriterien sollten beim Kauf von Pflanzensamen beachtet werden?
Wähle zuerst die Sorte nach Gesundheit, Geschmack und Ertragsleistung. Entscheide dann zwischen samenfest und F1, je nachdem, ob du eigenes Saatgut gewinnen willst, und erst danach zwischen Bio und konventionell. Lies zum Schluss die Tüte, denn Behandlungen wie eine Beizung müssen bei Saatgut im Geltungsbereich der Saatgutverordnung gekennzeichnet sein. Hebe die Tüte mit der Partienummer auf, das erleichtert bei Qualitätsproblemen die Zuordnung zur gekauften Partie.
Welche Rolle spielt die genetische Vielfalt bei der Saatgutwahl?
Alte Kulturpflanzensorten bewahren genetische Eigenschaften, die für künftige Züchtung und Ernährungssicherung nutzbar sein können. Erhalten werden sie in Genbanken und zusätzlich durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten. Im eigenen Garten verringern verschiedene Pflanzenarten außerdem das Risiko, dass bei Extremwetter alle Pflanzen gleichzeitig ausfallen.
Wie kann man erfolgreich eigenes Saatgut gewinnen und lagern?
Nimm samenfeste Sorten und rechne damit, dass Fremdbestäubung durch andere Sorten oder verwandte Pflanzen zu abweichenden Nachkommen führen kann. Von Zucchini und anderen Cucurbita-pepo-Kürbissen gewinnst du kein Saatgut, wenn Zierkürbisse in der Nähe wachsen. Lass die Samen gründlich trocknen, bevor du sie in luftdichte Gefäße füllst, und lagere sie kühl und trocken. Beschrifte jede Portion mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte.
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