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Hornspäne und Hornmehl als Stickstoffdünger: Stärken, Nachteile und Jahresplan

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl werden aus getrockneten Rinderhörnern und Rinderhufen hergestellt und unterscheiden sich im Mahlgrad.
  • Hornprodukte enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff, der nicht vollständig sofort pflanzenverfügbar ist.
  • Horn liefert vor allem Stickstoff und Schwefel, wenig Phosphor und Kalium, und ersetzt keine vollständige Nährstoffversorgung.
  • Leicht lösliche Mineraldünger wirken rasch, Horn muss erst im Boden umgesetzt werden; Frost, Trockenheit und Staunässe bremsen das.
  • Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei, und auch mit Horn ist Überdüngung möglich.
  • Im Gemüsegarten kommt Horn nicht später als Ende August in den Boden, Gehölze bekommen nach Mitte Juli keinen Stickstoff mehr.
Handvoll dunkler Kompost als organischer Dünger vor jungen Gartenpflanzen
Foto: Juan J. Morales-Trejo · Pexels License · Quelle ↗

Im Frühjahr stehe ich mit meinem Düngeplan am Gemüsebeet und entscheide, woher der Stickstoff für die Saison kommen soll. Hornmehl und Mineraldünger liefern ihn beide, nur in sehr unterschiedlichem Tempo. Davon hängt ab, ob der Stickstoff ankommt, solange deine Pflanzen wachsen, oder erst, wenn das Beet schon leer ist. Hier zeige ich dir, was Hornprodukte gegenüber Mineraldünger leisten, welche Nachteile sie haben und wie ich die Gaben übers Jahr verteile.

Was ist Hornmehl, und was steckt drin?

Hornmehl, Horngrieß und Hornspäne werden aus getrockneten Rinderhörnern und Rinderhufen hergestellt. Der Unterschied liegt im Mahlgrad, und der bestimmt das Tempo: Hornmehl setzt Nährstoffe am schnellsten frei, Horngrieß etwas langsamer, Hornspäne am langsamsten.

Alle drei enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff. Nicht alles davon steht deinen Pflanzen sofort zur Verfügung, weil der Stickstoff organisch gebunden ist. Neben Stickstoff liefert Horn vor allem Schwefel, Phosphor und Kalium stecken nur in geringen Mengen darin. Eine vollständige Nährstoffversorgung ersetzt Horn deshalb nicht.

Dünger Stickstoffgehalt
Hornspäne, Horngrieß, Hornmehl typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff
Rindermist etwa 0,5 % Gesamtstickstoff (durchschnittlicher Tabellenwert)
Pferdemist etwa 0,4 % Gesamtstickstoff (durchschnittlicher Tabellenwert)

Beim Mist schwanken die Gehalte mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil, einzelne Chargen weichen deshalb ab.

Kurz erklärt

Pflanzen nehmen Nährstoffe über die Wurzeln in mineralisch gelöster Form auf, ganz gleich, ob sie aus organischem oder mineralischem Dünger stammen. Organisch gebundener Stickstoff wie der im Horn muss deshalb erst im Boden mineralisiert werden. Erst danach kommt er bei der Pflanze an.

Für deinen Zeitplan heißt das: Hornmehl ist unter günstigen Bedingungen nach ungefähr sechs Wochen umgesetzt, gröbere Hornspäne brauchen dafür mehrere Monate. Welches du wann nimmst und wie du beide getrennt dosierst, steht im Vergleich von Hornmehl und Hornspänen nach Körnung und Wirkdauer.

Hornprodukte oder Mineraldünger: was sie unterscheidet

Was im Garten oft synthetischer Dünger heißt, ist in der Regel ein Mineraldünger, der seine Nährstoffe meist als Salze liefert. Organische Dünger wie Horn stammen dagegen überwiegend aus tierischem oder pflanzlichem Material.

Für die Wurzel zählt dieselbe Form

Leicht lösliche Mineraldünger bringen ihre Nährstoffe schon in aufnehmbarer Form mit. Deshalb können diese Dünger einen kurzfristigen Bedarf rasch decken. Horn muss dagegen erst im Boden umgesetzt werden, bevor die Wurzeln etwas davon haben. Weil die Pflanze den Stickstoff am Ende aus beiden Quellen mineralisch gelöst aufnimmt, liegt der Unterschied vor allem im Zeitpunkt, zu dem er verfügbar wird.

Das Wetter bestimmt, wann Horn wirkt

Bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei. Feuchtwarme Witterung kann dagegen starke Freisetzungsschübe auslösen. Niedrige Temperaturen verzögern außerdem die Wirkung organischer wie mineralischer Langzeitdünger. Bei umhüllten mineralischen Depotdüngern bremst eine Hüllschicht die Abgabe, und auch dort hängt die Freisetzung von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Langsam heißt bei Horn also nicht gleichmäßig, denn das Tempo richtet sich nach Wärme und Feuchte im Boden.

Merkmal Hornspäne und Hornmehl Leicht lösliche Mineraldünger Umhüllte mineralische Depotdünger
Herkunft getrocknete Rinderhörner und Rinderhufe Nährstoffe meist als Salze mineralische Nährstoffe unter einer Hüllschicht
Nährstoffe vor allem Stickstoff, dazu Schwefel; wenig Phosphor und Kalium laut Deklaration, etwa NPK 12-12-17 mit 2 % Magnesiumoxid laut Deklaration
Wirkungseintritt erst nach Umsetzung im Boden, Hornmehl schneller als Hornspäne; Frost, Trockenheit und Staunässe bremsen rasch, kann kurzfristigen Bedarf decken verzögert durch die Hülle, abhängig von Temperatur und Feuchte; Wirkungsdauer steht auf der Verpackung
Risiko bei zu hoher Gabe Überdüngung, Nährstoffschübe bei feuchtwarmem Wetter Salzschäden bis zum Absterben von Wurzeln bei hoher Bevorratung zeitweise erhöhter Salzgehalt

Dazwischen liegen organisch-mineralische Volldünger, die schnell wirkende mineralische mit langsamer wirkenden organischen Bestandteilen verbinden. Ich setze Horn dort ein, wo ich den Stickstoffbedarf vorausplanen kann, also im Frühjahr im Gemüsebeet und an Obstgehölzen.

Horn ersetzt keinen Kompost

Kompost und Mist bringen außer Nährstoffen organische Substanz in den Boden und können so Bodenstruktur und Bodenleben verbessern. Horn ist dagegen vor allem ein Stickstofflieferant. Wer im Gemüsebeet jährlich 3 l Kompost je m² als Grundgabe gibt, deckt damit den Phosphatbedarf und weitgehend den Kaliumbedarf, aber nicht automatisch den Bedarf an verfügbarem Stickstoff. Horn bringt genau diesen Stickstoff bei wenig Phosphor und Kalium mit, deshalb ergänzen sich Kompost und Horn auf dem Gemüsebeet. Bei mir kommt zuerst der Kompost aufs Beet und Horn nur dort, wo danach noch Stickstoff gebraucht wird.

Kosten: rechne in Kilogramm Stickstoff

Ob Horn teurer ist als ein Mineraldünger, verrät der Preis pro Sack nicht. Vergleichbar werden beide erst, wenn du den Preis auf den enthaltenen Stickstoff beziehst.

Zahl im Blick

Eine Versuchskalkulation für den Erwerbsgartenbau setzt Hornmehl mit 12 % Stickstoff zu 80 € je 100 kg Dünger an. Daraus ergeben sich 6,67 € je kg Gesamtstickstoff. Dieselbe Rechnung machst du mit Preis und Stickstoffgehalt deines Mineraldüngers. Denk dabei daran, dass der Stickstoff im Horn nicht vollständig sofort pflanzenverfügbar ist.

Die Nachteile von Hornspänen und Hornmehl

Bei akutem Mangel zu langsam

Gelbe ältere Blätter können auf Stickstoffmangel hindeuten. Blattvergilbung mit Blattfall kann aber auch von Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress kommen. Trockenheit kann Mangelsymptome auslösen, obwohl genug Nährstoffe im Boden sind, weil Wurzeln Nährsalze nur in Wasser gelöst aufnehmen. Eine weitere Horngabe behebt das akute Problem dann nicht zuverlässig, denn Frost, Trockenheit und Staunässe hemmen die Freisetzung. Ist ein Nährstoffmangel festgestellt, kann eine passende Flüssigdüngung die Versorgung rasch verbessern. Bevor ich nachdünge, prüfe ich mit dem Finger, ob die Erde im Wurzelbereich feucht ist.

Auch mit Horn ist Überdüngung möglich

Mythos-Check

„Mit Horn kann man nicht überdüngen.“ Das stimmt so nicht. Auch organische Dünger lassen sich in einer pflanzenbaulich oder ökologisch zu hohen Menge ausbringen, und feuchtwarmes Wetter kann starke Nährstoffschübe auslösen.

Zu viel Stickstoff kann bei Obstbäumen und Beerensträuchern starkes Triebwachstum zulasten von Blüten und Früchten auslösen und Frostschäden an unausgereiftem Holz verursachen. Im Gemüsebeet kann ein hohes Stickstoffangebot die Nitratanreicherung fördern. Das ist kein Grund, auf Gemüse zu verzichten, aber ein Grund, nach Bedarf zu düngen. Für eine einzelne Stickstoffgabe im Garten gilt 10 g N/m² als Obergrenze.

Geruch beim Ausbringen

Hornprodukte können nach dem Ausstreuen unangenehm riechen. Auf dem Balkon oder nah am Sitzplatz fällt das stärker ins Gewicht als mitten im Gemüsebeet. Ich lasse Horn deshalb nicht offen liegen, sondern arbeite es nach dem Streuen leicht ein. Für Töpfe und Kübel mische ich es schon vor dem Pflanzen unter die Erde, so wie es für torffreie Gefäßsubstrate vorgesehen ist.

Nicht keimfrei: Hygiene und Aufbewahrung

Achtung

Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei. Amtliche Kontrollen haben in Kleingartenprodukten Salmonellen nachgewiesen. Ich trage beim Streuen Handschuhe und wasche mir danach gründlich die Hände.

Horn lagerst du wie andere feste Dünger trocken und verpackt oder abgedeckt. Wie Hornspäne und Hornmehl lange haltbar und wirksam bleiben, liest du im Ratgeber zur Lagerung. Hat ein Kind vermutlich eine größere Menge Dünger gegessen, ruf das Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis an.

Herkunft: Rinderhorn, auch aus konventioneller Haltung

Horn ist ein tierisches Produkt. Organische Dünger sind deshalb nicht automatisch vegan, denn sie können tierische Rohstoffe wie Horn oder Schafwolle enthalten. Auch Horndünger, die im ökologischen Gemüsebau eingesetzt werden, können Rohstoffe aus konventioneller Tierhaltung enthalten. Auf ein Bio-Siegel kannst du dich bei Dünger nicht stützen: Biotaugliche Düngemittel dürfen nicht mit dem EU-Bio-Logo gekennzeichnet werden. Die Aufnahme in die Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau bestätigt die geprüfte Verwendbarkeit eines Düngers, nicht aber seine Düngewirksamkeit.

Woran du gute Hornprodukte beim Kauf erkennst, von der Herkunft bis zur Deklaration, liest du im Ratgeber dazu. Wer ohne tierische Rohstoffe düngen möchte, greift zu organischen Düngern aus pflanzlichen Rohstoffen wie Klee. Kompost, Gründüngung und Pflanzenjauchen gehören ebenfalls zu den natürlichen Düngemethoden ohne Tierprodukte.

Jahresplan: wann Horn in den Boden kommt

Ich dünge mit Horn im Frühjahr und nicht im Herbst, weil eine Frühjahrsdüngung Auswaschungsverluste verringert. Die Tabelle zeigt, wie ich die Gaben über die Saison verteile.

Zeitpunkt Was ich mit Horn mache Worauf ich achte
Vor dem Pflanzen in Topf und Kübel Hornspäne oder Hornmehl unter die torffreie Erde mischen Torffreie Erden können vorübergehend zu wenig verfügbaren Stickstoff bereitstellen.
Frühjahr, zusammen mit dem Kompost Hornmehl zu starkwachsenden Stauden wie Rittersporn, Phlox und Pfingstrosen Horn ergänzt die Kompostgabe, es ersetzt sie nicht.
Ende März bis Anfang April Hornmehl an kleinkronige Apfel- und Birnbäume im Vollertrag sowie an etablierte Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren, leicht eingearbeitet Das Hornmehl ergänzt die jährliche Kompostgabe.
Zur Saat oder Pflanzung im Gemüsebeet Horndünger leicht einarbeiten, bei Tomaten die erste Hälfte der Gabe nur bei zusätzlichem Stickstoffbedarf
3 bis 4 Wochen nach der Tomatenpflanzung zweite Hälfte der Horngabe für Tomaten Die Gabe wird zur Hälfte geteilt.
Juli, nach der Ernte Hornmehl für einmaltragende Erdbeeren Diese Gabe zählt für die Blütenanlage im Folgejahr.
Ab Mitte Juli kein Stickstoff mehr an Obst- und Ziergehölze Die Triebe sollen vor dem Winter ausreifen.
Ende August letzte Horngabe im Gemüsegarten, auch für Herbstkulturen Feldsalat und Radieschen im Spätsommer brauchen meist keine Stickstoffdüngung.
Herbst und Winter kein Horn Frost bremst die Freisetzung, auf leeren Beeten droht Auswaschung.

Hornspäne brauchen mehrere Monate, bis sie umgesetzt sind. Auf einem abgeernteten, leeren Beet kann aber keine Pflanze mehr aufnehmen, was frei wird, und diese Nährstoffe sind auswaschungsgefährdet. Eine späte Spänegabe setzt ihren Stickstoff also womöglich erst frei, wenn das Beet schon leer ist.

Häufiger Fehler

Horn auf trockenen Boden streuen und obenauf liegen lassen. In trockener Erde setzt es kaum Stickstoff frei, und Dünger, der auf nassen Pflanzenteilen hängen bleibt, kann Ätzschäden verursachen. Streu auf feuchten Boden und arbeite das Horn gleich leicht ein.

Marias Erfahrung

Ich trage mir zwei feste Termine in den Gartenkalender ein: Mitte Juli als letzten Stickstofftermin für Obst und Ziergehölze, Ende August als letzten Horntermin im Gemüsegarten. Was danach noch an Düngung ansteht, verschiebe ich aufs Frühjahr.

Wie viel Horn? Die Dosierung in Kürze

Wie viel Horn ein Beet braucht, hängt von der Kultur, vom Nährstoffvorrat im Boden und von deiner Kompostgabe ab, auch die Packungsangabe passt du daran an. Wie du nach Bedarf düngst und dafür eine Bodenanalyse nutzt, erklärt der Ratgeber zu Düngen, Boden und Kompost. Mengen je Kultur, Termine und geeignete Pflanzen stehen in der Anleitung, wie du Hornspäne dosierst und wann du sie ausbringst.

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