Nachhaltige Blumenerde: Hürden der Herstellung und woran du gute Erde erkennst
- Als torfreduziert oder torfarm bezeichnete Blumenerden können noch bis zu 70 % Torf enthalten.
- Maßgeblich sind die Angaben torffrei oder ohne Torf, dazu ein Blick in die Inhaltsstoffliste.
- Bio ist bei Blumenerde keine geschützte Bezeichnung und garantiert keine Torffreiheit.
- Das RAL-Gütezeichen überwacht die Kulturqualität, HORTICERT die Nachhaltigkeit von Torfersatzstoffen und ihren Lieferketten.
- Holzfasern können beim Abbau Stickstoff festlegen, in der Herstellung gilt das als wesentliches Qualitätsproblem.

Auf vielen Erdsäcken stehen „Bio“ oder „torfreduziert“, und trotzdem kann darin noch Torf stecken. Ich drehe den Sack im Gartencenter deshalb zuerst um und lese die Inhaltsstoffliste, bevor ich mir die Vorderseite anschaue. Hier erfährst du, wie Hersteller Blumenerde nachhaltiger machen, wo die Herstellung an Grenzen stößt und welche Angaben dir beim Kauf wirklich weiterhelfen.
Was Blumenerde nachhaltig macht
Im Mittelpunkt steht der Verzicht auf Torf. Torfabbau und die dafür nötige Entwässerung zerstören Moorlebensräume und setzen gespeicherten KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. als Treibhausgas frei. Torf entsteht über Jahrtausende und ist in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar; wie Torf und seine Ersatzstoffe grundsätzlich einzuordnen sind, steht im Abschnitt Erden und Substrate unseres Ratgebers Düngen, Boden und Kompost.
Torffrei allein beschreibt nachhaltige Erde aber nicht vollständig. Dazu gehören auch die Herkunft der Ersatzstoffe und ihre Lieferketten, begrenzte Schadstoffgehalte und eine Erde, die im Topf ihre Aufgaben erfüllt. Kompost aus geeigneten Bioabfällen führt außerdem Humusbestandteile und Nährstoffe zurück in den Stoffkreislauf.
Ein Kultursubstrat muss Wurzeln Halt geben, Luft und Wasser bereitstellen, Nährstoffe speichern und wieder abgeben sowie den pH-Wert puffern. Daran misst sich jede Erde, egal aus welchen Rohstoffen sie besteht.
Wie Hersteller Torf ersetzen und wo es hakt
Holzfasern, RindenhumusRindenhumus ist feine, kompostierte Rinde. Du arbeitest ihn leicht in die Beeterde ein, um dem Boden organische Substanz und Nährstoffe zuzuführen – anders als Rindenmulch, der als Abdeckung obenauf liegt., Substratkompost, KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. und KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf. können Torf in Mischungen ersetzen. Als erprobtes Beispiel gilt eine Mischung aus jeweils ungefähr 25 % Holzfasern, Kokosmark, Rindenhumus und gütegesichertem Kompost. Was die Bestandteile einzeln im Topf leisten, beschreibe ich im Ratgeber dazu, woraus gute Blumenerde besteht und welche Aufgabe jeder Bestandteil übernimmt.
Für Hersteller beginnt die Arbeit lange vor dem Mischen, denn jeder Rohstoff bringt eigene Schwächen mit. Diese Punkte müssen Aufbereitung und Rezeptur lösen:
| Rohstoff | Was die Herstellung lösen muss |
|---|---|
| Rinde | Rinde wird kompostiert, dabei bauen sich wachstumshemmende Phenole und GerbstoffeGerbstoffe sind natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen, die zum Beispiel reichlich in Baumrinde stecken. Im Garten begegnen sie dir vor allem im Rindenmulch, wo sie das Wachstum von Gemüse, aber auch von Unkraut hemmen. ab. Ausgereifter, substratfähiger Rindenhumus bindet danach nur noch wenig Stickstoff. Er hat ungefähr die doppelte Rohdichte von Weißtorf und macht Mischungen entsprechend schwerer. |
| Holzfasern | Beim mikrobiellen Abbau kann Stickstoff festgelegt werden. In der Herstellung gilt das als wesentliches Qualitätsproblem. |
| Kompost | Bei RAL-gütegesichertem Kompost dokumentiert ein Prüfzeugnis die Untersuchung der jeweiligen Charge. Wie Rindenhumus kann Kompost hohe pH-, Phosphor-, Kalium- und Salzwerte in die Mischung bringen. |
| Kokos | Kokosmark bietet eine günstigere Wasserkapazität, Kokosfasern verbessern vor allem die Luftversorgung. Trotz langer Transportwege können kokosbasierte Ersatzstoffe insgesamt weniger Treibhausgas verursachen als Torf. |
| Blähton | Blähton für Pflanzen sollte die RAL-Höchstwerte einhalten. Bei Ware für Bauzwecke spielen die Salzgehalte keine entsprechende Rolle. |
Weil Holzfasern beim Abbau Stickstoff festlegen können, kann auch vorgedüngte torffreie Erde vorübergehend zu wenig pflanzenverfügbaren Stickstoff bereitstellen. Kompostreiche Mischungen können dagegen viel PhosphorPhosphor ist ein Pflanzennährstoff, der eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Pflanze spielt und Bestandteil von Erbsubstanz und Zellmembranen ist. In der Praxis spricht man meist von Phosphat. und Kalium enthalten. Eine gute Rezeptur kombiniert die Ersatzstoffe deshalb so, dass Luft-, Wasser- und Nährstoffhaushalt zueinander passen.
Neue Rohstoffe und Ideen aus der Forschung
Als neue regionale Torfersatzstoffe werden unter anderem Hopfenrebenhäcksel, Paludikulturmaterial und Faserhanf untersucht. Geprüft wird jeweils, wie sich der Stoff aufbereiten lässt, ob er sich für Pflanzen eignet und wie nachhaltig er ist. Auch zur Versorgung torffreier Erde gibt es Ergebnisse: In den HOT-Reallaboren verbesserte eine an Gefäß und Substrat angepasste Nährstoffgabe die Versorgung gegenüber einer Düngung, die allein an das Gießwasser gekoppelt war. Superabsorber und Netzmittel zeigten im untersuchten torffreien Hobbygartenanbau dagegen kaum praxistaugliche Effekte.
Pflanzenkohle: worauf es bei der Herstellung ankommt
Pflanzenkohle enthält selbst kaum pflanzenverfügbare Nährstoffe. Vor der Nutzung wird sie deshalb mit Nährstoffen beladen, zum Beispiel indem man sie frischem Kompost zugibt. Für Pflanzenkohlekompost sollte zertifizierte Kohle eingesetzt werden, weil vor allem Kohlen aus Holzvergasern stark mit PAK belastet sein können. Eine anerkannte Zertifizierung wie das European Biochar Certificate sichert die Prüfung von Schadstoffgehalten und Grenzwerten ab. In der ökologischen Produktion muss Pflanzenkohle außerdem aus pflanzlichen Ausgangsstoffen stammen und die einschlägigen Kontaminantengrenzen erfüllen.
Welche torffreien Erden es gibt und wie du sie im Garten einsetzt, zeige ich in einem eigenen Ratgeber über torffreie Blumenerde und ihren Einsatz im Garten.
Woran du nachhaltig produzierte Blumenerde erkennst
Maßgeblich ist die Angabe torffrei oder ohne Torf. Als torfreduziert oder torfarm bezeichnete Erden können noch bis zu 70 % Torf enthalten. Bio ist bei Blumenerde keine geschützte Bezeichnung und garantiert keine Torffreiheit, auch ein Bio-Siegel allein belegt sie nicht. Weder torfreduziert noch Bio sagt also, dass kein Torf im Sack steckt; Klarheit bringen erst die Angabe torffrei und die Inhaltsstoffliste. Ich suche in der Liste nach Bestandteilen wie Holzfasern, Rindenhumus, Kompost oder Kokos und prüfe, ob irgendwo doch Torf auftaucht.
Was Gütezeichen und Umweltzeichen prüfen
Die Zeichen auf dem Sack prüfen Unterschiedliches, deshalb lese ich jedes einzeln:
| Zeichen oder Angabe | Worauf es sich bezieht |
|---|---|
| RAL-Gütezeichen für Substrate | regelmäßige, unabhängige Kontrolle der Kulturqualität, unter anderem von pH-Wert, Nährstoffversorgung, Unkrautsamenfreiheit, Struktur und pflanzenschädigenden Stoffen |
| HORTICERT | Nachhaltigkeit von Torfersatzstoffen und ihren Lieferketten |
| Blauer Engel DE-UZ 234 | torffreie organische Kultursubstrate und Blumenerden, mit Anforderungen an Gebrauchstauglichkeit und Schadstoffgehalte |
| Gütezeichen Rinde für Pflanzenbau | geprüfte Qualität von Rindenprodukten |
| RAL-gütegesicherter Kompost | Prüfzeugnis zur Untersuchung der jeweiligen Charge, wenn du Kompost zukaufst |
| „Bio“ | keine geschützte Bezeichnung bei Blumenerde, kein Beleg für Torffreiheit |
| „Kultursubstrat“ | Bezeichnung ohne Garantie für einen bestimmten Nährstoffgehalt |
Ein Qualitätszeichen ersetzt kein Nachhaltigkeitszeichen: Das RAL-Gütezeichen überwacht die Kulturqualität, HORTICERT die Nachhaltigkeit der Torfersatzstoffe und ihrer Lieferketten.
Steht torffrei oder ohne Torf auf dem Sack? Taucht in der Inhaltsstoffliste kein Torf auf? Weißt du, ob ein Zeichen die Kulturqualität oder die Nachhaltigkeit der Rohstoffe prüft? Passt die Erde zu deiner Pflanzengruppe? Kaufst du nur so viel, wie du bald verbrauchst?
Nachhaltig heißt noch nicht passend
Gute Blumenerde bleibt ausreichend belüftet und strukturstabil, und ihre Nährstoffversorgung und ihr pH-Wert passen zur vorgesehenen Pflanzengruppe. Für Heidelbeeren und Rhododendren muss auch torffreies Substrat einen niedrigen pH-Wert haben. Rindenhumus und gütegesicherter Kompost sind dafür keine Garantie, weil sie hohe pH-, Phosphor-, Kalium- und Salzgehalte mitbringen können. Welche Erde zu welcher Pflanze, welchem Standort und welchem Topf passt, liest du im Ratgeber, wie du Blumenerde passend zu Pflanze und Gefäß auswählst. Für Rosen gibt es einen eigenen Ratgeber zu torffreier Erde fürs Rosenbeet und ihrer Verwendung.
Was sich mit torffreier Erde im Topf ändert
Torffreie Erde verhält sich im Gefäß anders als torfhaltige. Die Oberfläche kann schon trocken sein, während das Substrat weiter unten noch nass ist. Ich hebe den Topf vor dem Gießen deshalb kurz an und prüfe mit dem Finger die Feuchte unterhalb der Oberfläche. Grobe, holzreiche Mischungen müssen oft häufiger in kleineren Portionen gegossen werden, und auch Rindenhumus speichert weniger Wasser als Torf. Mehr zum Gießen und Düngen steht im Ratgeber zur torffreien Blumenerde.
Torffreie Erde verändert sich außerdem im Lager. Verpilzung, NährstofffreisetzungNährstofffreisetzung ist die Abgabe von Nährstoffen aus Dünger, Kompost oder Humus in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können. Wie schnell sie abläuft, hängt von der Düngerart, vom Boden sowie von Feuchtigkeit und Temperatur ab. und Salzgehalt können zunehmen, auch Volumen und pH-Wert können sich verschieben. Kauf deshalb nur so viel, wie du bald verbrauchst, und lagere Reste kühl, trocken, lichtgeschützt und gut verschlossen.
Ein weißer Belag oder ein kräftiger Geruch beim Öffnen bedeutet nicht automatisch, dass die Erde verdorben ist. Viele Pilze in Blumenerde zersetzen organische Bestandteile und sind für die Pflanzen unbedenklich, der Geruch kann von mikrobieller Aktivität stammen. Bildet sich auf Zimmerpflanzenerde immer wieder flaumiger Schimmel, nimmst du die oberste Erdschicht ab und prüfst, ob du zu viel gießt oder die Belüftung fehlt.
Wie du Blumenerde im Kreislauf hältst
Krankheitsfreie Erde aus dem Vorjahr kannst du wiederverwenden. In Balkonkästen und Kübeln bis etwa 30 Liter Inhalt eignet sich aufbereitete alte Erde dafür gut. Du mischst sie mit etwa einem Drittel frischer Erde. Langjährig genutzte, zusammengesackte oder stark verfilzte Substrate ersetzt du besser. Erde aus Töpfen mit wurzelfaulen Pflanzen verwendest du nicht wieder. Länger gelagerte Sackerde mischst du frischer Erde bei, statt sie allein zu verwenden. Wie du alte Erde auffrischst, steht im Ratgeber dazu, wie du verbrauchte Blumenerde aufbesserst.
Eigener Kompost hält Nährstoffe im Gartenkreislauf und kann Ausgaben für Dünger und Blumenerde verringern. Für eine Topfmischung nimmst du nur reifen Kompost. Ich säe vorher Kresse in den Kompost und zum Vergleich in Gartenerde: Ist der Aufwuchs im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit. Danach siebe ich ihn auf etwa 10 bis 15 mm ab. In selbst gemischter Blumenerde sollte er höchstens etwa 30 % ausmachen. Bei Zimmerpflanzen gilt höchstens etwa 20 Volumenprozent, Orchideen und Farne bekommen keinen Kompost. Für Rhododendren, Azaleen und Heidelbeeren eignet sich Gartenkompost wegen seiner pH-erhöhenden Wirkung nicht, für Zitrusgewächse sind komposthaltige Eigenmischungen aus demselben Grund oft ungeeignet.
Gartenkompost tötet Krankheitserreger nicht zuverlässig ab, weil ausreichende RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend erreicht werden. Landet Erde von wurzelfaulen Pflanzen auf dem Kompost, kann sie Erreger also in deine nächste Topfmischung tragen.
Auf jeden angebrochenen Sack schreibe ich mit Filzstift, wann ich ihn geöffnet habe. Dann binde ich ihn fest zu und stelle ihn in den kühlen, dunklen Keller. Beim nächsten Umtopfen nehme ich zuerst den ältesten Sack.
