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Rindenmulch und Pinienrinde im Gemüsegarten: Wege ja, Tomatenbeet nein

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Unkompostierter Rindenmulch enthält wachstumshemmende Gerbstoffe und gehört nicht aufs Gemüsebeet, auch nicht unter Tomaten.
  • Unter Tomaten, Zucchini und Zuckermais eignet sich Stroh; wärmeliebendes Gemüse mulchst du erst ab Mai oder Juni.
  • Im Gemüsebeet ist eine organische Mulchschicht von etwa 2 bis 3 cm üblich, gemulcht wird ab ungefähr 10 cm Pflanzenhöhe.
  • Gewöhnlicher Rindenmulch bindet beim Abbau Stickstoff, Pinienrinde meist nur wenig; Kalk gibt es nur nach Bodenprobe.
  • Ins Beet darf kompostierter Rindenhumus, eingearbeitet höchstens 2 bis 3 l je m² und Jahr.
Grober Rindenmulch aus Rindenstücken als Mulchmaterial
Foto: Mike Bird · Pexels License · Quelle ↗

Rindenmulch unter Tomaten sieht aufgeräumt aus, doch aufs Gemüsebeet gehört unkompostierte Rinde nicht. Sie enthält wachstumshemmende Gerbstoffe und kann beim Abbau Stickstoff im Boden binden. Ich trenne in meinem Gemüsegarten deshalb klar: Rinde liegt auf den Wegen und unter den Beerensträuchern, unter die Tomaten kommt Stroh. Hier erfährst du, welche Rinde wo hingehört, welches Gemüse welche Decke bekommt und wie du Stickstoff und pH-Wert im Blick behältst.

Was eine Mulchdecke im Gemüsebeet leistet

Eine Mulchdecke bremst die Verdunstung, dämpft die sommerliche Erwärmung des Bodens und schützt die Oberfläche vor Verschlämmung und Erosion. Samenunkräuter hält sie zurück, Wurzelunkräuter beseitigt sie nicht zuverlässig; wie du Unkraut mit Rinde dauerhaft in Schach hältst, steht in einem eigenen Ratgeber. Wie das Mulchen mit anderen Methoden der Bodenpflege zusammenspielt, ordnet der Überblick zu Mulchen, Gründüngung und natürlichen Düngemethoden ein.

Auf Dauer bauen Bodenorganismen organischen Mulch ab, setzen dabei Nährstoffe frei und fördern die Krümelstruktur, sodass der Humusgehalt langfristig steigen kann. Was Rindenmulch und Pinienrinden als Bodenverbesserer leisten und welche Nebenwirkungen sie haben, behandelt ein eigener Ratgeber.

Rindenmulch, Rindenhumus, Pinienrinde: was im Sack steckt

Rindenmulch ist Rinde, die nicht kompostiert wurde. Er ist als Abdeckmaterial gedacht und nicht als Bestandteil von Erde. Rindenhumus dagegen ist kompostierte, zerkleinerte und nach Korngrößen sortierte Rinde. Beim Kompostieren werden wachstumshemmende Phenole und Gerbstoffe der Rinde abgebaut. Weil genau diese Gerbstoffe Rindenmulch für Gemüsebeete ungeeignet machen, ist Rindenhumus die Rinde, die du ins Gemüsebeet einarbeiten kannst.

Pinienrinde stammt in der Regel von Aleppo- oder Strandkiefern aus dem Mittelmeerraum. Sie ist härter und strukturstabiler als heimische Nadelholzrinde. Optisch fällt sie stärker rötlich aus, während Fichtenrinde dunkel und Kiefernrinde rotbraun wirkt. Als Mulch bindet Pinienrinde meist nur wenig Stickstoff, kostet aber im Allgemeinen mehr als heimische Rinde. Welche der beiden Rinden in ein Zierbeet passt, ist eine eigene Abwägung. Im Gemüsegarten zählt vor allem, wo die Rinde liegt.

Kurz erklärt

Rindenmulch bleibt als Abdeckung obenauf liegen. Rindenhumus wird eingearbeitet und dient der Bodenverbesserung. Achte beim Kauf deshalb auf das genaue Wort auf dem Sack.

Rindenmulch bei Tomaten: Stroh statt Rinde

Tomaten sind Gemüse, und für Gemüse wird Rindenmulch nicht empfohlen. Die Wege zwischen den Beeten sind dagegen ein guter Platz für Rinde. Direkt unter die Tomaten gehört eine andere Decke: Stroh eignet sich für höher wachsende Kulturen wie Tomaten, Zucchini und Zuckermais.

Tomaten lieben Wärme, deshalb lege ich das Stroh erst ab Mai oder Juni aus. Bis dahin soll sich der Boden erwärmen, denn eine früh aufgebrachte Mulchschicht verzögert im Frühjahr Erwärmung und Abtrocknung. Im Gemüsebeet ist eine organische Mulchschicht von etwa 2 bis 3 cm üblich. Mehr lege ich auch unter Tomaten nicht auf.

Mulch vermindert die Verdunstung aus dem Boden. Ungleichmäßige Wasserversorgung kann bei Tomaten den Kalziumtransport in die Früchte stören und Blütenendfäule begünstigen. Eine Strohdecke kann also helfen, die Feuchte im Wurzelbereich gleichmäßiger zu halten. Gießen musst du trotzdem: Ich schiebe das Stroh am Stammgrund zur Seite, prüfe die Erde mit dem Finger und gieße morgens direkt in den Wurzelbereich.

Stroh ist wie Rinde stickstoffarm und kann beim Abbau Stickstoff binden. Tomaten gelten als Starkzehrer, deshalb plane ich ihren Stickstoff ein, bevor das Stroh liegt.

Mythos-Check

Pinienrinde gilt manchmal als passende Decke für Tomaten, weil Tomaten angeblich sauren Boden mögen. Für Gemüse richtet sich der pH-Zielbereich aber nach der Bodenart: auf Sand 5,4 bis 5,8, auf Lehm 6,6 bis 7,0. Eine Rinde nach dem pH-Wunsch der Tomate auszusuchen, führt deshalb nicht weiter, zumal Rindenmulch ohnehin nicht aufs Gemüsebeet gehört.

Welches Gemüse welche Mulchdecke bekommt

Von Rindenmulch profitiert im Gemüsebeet keine Kultur direkt. Eine passende organische Decke fördert dagegen die Humusbildung und schützt den Boden vor Austrocknung. Unter Beerensträuchern am Beetrand darf Rindenmulch liegen, denn er eignet sich für Flächen unter Obstgehölzen.

Kultur oder Fläche Passende Decke Worauf du achtest
Tomaten Stroh erst ab Mai oder Juni mulchen, damit sich der Boden vorher erwärmt
Zucchini, Zuckermais Stroh Pflanzen vor dem Mulchen ungefähr 10 cm hoch
Kürbis, Bohnen organische Mulchschicht von etwa 2 bis 3 cm erst ab Mai oder Juni mulchen
Direktsaaten wie Möhren vorerst keine Saatrillen bleiben frei, bis die Pflanzen ungefähr 10 cm hoch sind
freie Gemüsebeete Herbstlaub in dünnen Lagen im Gemüsebeet dünner als unter Gehölzen
Beerensträucher am Rand Rindenmulch 5 bis 8 cm unter Sträuchern, Stickstoff vorher ausgleichen
Wege zwischen den Beeten Rindenmulch Rinde nicht ins Beet einarbeiten

Angewelkter Grasschnitt ist eine weitere Beetdecke. Du bringst ihn in dünnen Schichten aus und ergänzt bei Bedarf, damit er nicht zu einer faulenden Masse verklebt. Anders als Rinde liefert er beim Abbau Stickstoff nach, den du bei weiteren Düngergaben einrechnest. Eine feuchte Mulchdecke kann außerdem Nacktschnecken begünstigen, deshalb hebe ich sie an den Beeträndern immer wieder an und schaue nach.

Welche deiner Kulturen als Starkzehrer gilt, kannst du bei der Beetplanung über die Zehrer-Einstufung berücksichtigen. Mineralischer Mulch bildet keinen Humus und legt durch eigenen Abbau keinen Stickstoff fest. Wie Rinde im Vergleich zu anderen organischen und mineralischen Mulchmaterialien abschneidet, vertieft ein eigener Ratgeber.

Marias Erfahrung

Ich notiere für jedes Beet, welche Decke ich wann aufgelegt habe und ob ich vorher Stickstoff gegeben habe. Im nächsten Frühjahr sehe ich so auf einen Blick, wo Stroh lag und wo Laub.

Stickstoffbindung: der Ausgleich kommt vor die Decke

Wenn Mikroorganismen strohigen oder holzigen Mulch abbauen, binden sie vorübergehend Stickstoff aus dem Boden. Das betrifft Rindenmulch ebenso wie Holzhäcksel, Holzfasern und Stroh. Die ergänzende Stickstoffgabe gehört deshalb vor das Mulchen.

Stickstoff brauchen Pflanzen vor allem für Triebe und Blätter. Hellgrünes Laub, schwacher Wuchs und vergilbende ältere Blätter können auf Stickstoffmangel hindeuten, sind aber kein eindeutiges Zeichen. Wie Stickstoff, Phosphor und Kalium zusammenwirken, erklärt der Nährstoff-Abschnitt im Überblick zu Düngen, Boden und Kompost.

Zahl im Blick

Zum Ausgleich der Stickstoffbindung durch gewöhnlichen Rindenmulch werden etwa 70 g Hornspäne oder Hornmehl je m² empfohlen. Pinienrinde bindet als Mulch meist nur wenig Stickstoff, ein Ausgleich allein wegen dieser Auflage ist dort gewöhnlich nicht nötig.

Hornspäne setzen ihren Stickstoff langsamer frei als Hornmehl. Im Gemüsegarten bringst du Horndünger auch für Herbstkulturen nicht später als Ende August aus. Ich streue den Ausgleich auf feuchten Boden, harke ihn flach ein und lege erst danach die Decke auf. Bei Stroh im Beet richtest du die Gabe nach dem Bedarf der Kultur und rechnest an, was Boden, Kompost und Mist schon liefern.

Häufiger Fehler

Rindenmulch beim Pflanzen oder Umgraben unter die Erde mischen. Mulchauflage und Pflanzerde sollten möglichst wenig vermischt werden. Soll Rinde in den Boden, nimmst du kompostierten Rindenhumus.

pH-Wert: was Nadelholzrinde an der Oberfläche verändert

Mulch aus Nadelholzrinde kann den pH-Wert in der Bodenschicht senken, die direkt mit ihm in Kontakt steht. Ob das stört, hängt von Bodenart und Kultur ab, denn danach richtet sich der passende pH-Wert. Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen und ihre Verfügbarkeit einschränken. Für Gemüse liegt der Zielbereich auf Sand bei 5,4 bis 5,8. Auf Lehm sind es 6,6 bis 7,0.

Kalk gibst du nur, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu deiner Bodenart passt. Eine Kalkgabe auf Verdacht, nur weil Rinde in der Nähe liegt, ersetzt keine Messung. Ich schicke deshalb eine Bodenprobe ins Labor, bevor ich über Kalk nachdenke.

Für die Mischprobe im Gemüsebeet erfasst du den Oberboden bis in 25 bis 30 cm Tiefe. Wie du die Probe ziehst und den Befund liest, steht im Boden-Abschnitt desselben Überblicks zu Düngen, Boden und Kompost.

Rindenhumus: die Rinde, die ins Gemüsebeet darf

Rindenhumus kannst du in Gemüsebeete einarbeiten, besonders schwere Böden lockert er. Für die wiederholte Bodenverbesserung gilt dieselbe Obergrenze wie für Kompost. Das sind höchstens 2 bis 3 l je m² und Jahr im mehrjährigen Durchschnitt. Ich fülle den Rindenhumus in einen Eimer mit Literskala und verteile ihn Beet für Beet.

Gegenüber Grüngutkompost enthält Rindenhumus meist weniger Nährstoffe und kann Stickstoff leichter festlegen. Ausgereifter, substratfähiger Rindenhumus bindet bei weiterer Umsetzung dagegen nur noch wenig. Wie stark ein Produkt Stickstoff festlegt, beurteilst du deshalb produktbezogen, etwa anhand eines Gütezeichens. Durchgehend sauer ist Rindenhumus übrigens nicht: Sein pH-Wert hängt von der verwendeten Baumart ab.

Tipp

Bei RAL-gütegesichertem Rindenhumus werden unter anderem Körnung, Fremdstoffe, Stickstoffstabilisierung, pH-Wert, Salzgehalt, Nährstoffe und Schwermetalle kontrolliert. Auch das Gütezeichen Rinde für Pflanzenbau kennzeichnet geprüfte Qualität von Rindenprodukten.

Wege und Beerensträucher: hier liegt Rinde richtig

Auf den Wegen zwischen deinen Beeten ist Rindenmulch gut aufgehoben. Unter Zier- und Obstgehölzen eignet er sich ebenfalls, im Gemüsegarten also unter den Beerensträuchern am Rand. Für Rindenmulch aus heimischen Nadelhölzern werden unter Sträuchern 5 bis 8 cm Schichtdicke empfohlen. Bewuchsfreie Baumscheiben und Flächen unter Hecken kannst du schon gegen Ende des Winters mulchen.

Bevor die Rinde liegt, entferne ich Wildkräuter und lockere den Boden. Danach gleiche ich die Stickstoffbindung aus und verteile die Rinde gleichmäßig. Organischer Mulch verrottet, deshalb kontrollierst du die Decke und ergänzt sie bei Bedarf. Gröbere Körnungen zersetzen sich langsamer, sonnige und warme Plätze beschleunigen den Abbau.

Pinienrinde behandle ich im Gemüsegarten wie Rindenmulch und lege sie auf Wege und unter Sträucher, nicht ins Gemüsebeet. Dass sie wenig Stickstoff bindet, macht sie für mich noch nicht zur Decke für Gemüse. Beim Kauf hilft ein Gütezeichen. Bei RAL-gütegesichertem Rindenmulch werden unter anderem Körnung, Holz- und Fremdstoffanteile und Schwermetalle geprüft, außerdem pflanzenschädigende flüchtige Stoffe und Insektizidrückstände. Wann du Rindenmulch und Pinienrinde im Jahreslauf aufträgst und nachfüllst, zeigt der Ratgeber zum Jahreszyklus.

Häufige Fragen

Was ist Rindenmulch und wie unterscheidet er sich von Pinienrinde?
Rindenmulch besteht aus Rinde, die nicht kompostiert wurde, etwa von Fichte oder Kiefer, und dient als Abdeckmaterial. Pinienrinde stammt in der Regel von Aleppo- oder Strandkiefern aus dem Mittelmeerraum, ist härter und strukturstabiler als heimische Nadelholzrinde und wirkt stärker rötlich. Als Mulch bindet Pinienrinde meist nur wenig Stickstoff, sie ist aber im Allgemeinen teurer als heimische Rinde.
Schadet Rindenmulch allen Gemüsepflanzen oder nur bestimmten Arten?
Rindenmulch wird für Gemüse generell nicht empfohlen, ebenso wenig für Einjahresblumen und junge Staudenpflanzungen. Der Grund sind wachstumshemmende Gerbstoffe in der unkompostierten Rinde, außerdem kann Rindenmulch beim Abbau Stickstoff binden. Im Gemüsegarten passt er auf Wege und unter Obstgehölze wie Beerensträucher. Soll Rinde ins Beet, nimmst du kompostierten Rindenhumus, denn beim Kompostieren werden die Gerbstoffe abgebaut.
Was sind die Unterschiede zwischen Stroh und Rindenmulch als Mulchmaterial?
Stroh eignet sich als Mulch für höher wachsende Gemüsekulturen wie Tomaten, Zucchini und Zuckermais, während Rindenmulch wegen seiner wachstumshemmenden Gerbstoffe nicht auf Gemüsebeete gehört. Beide Materialien sind stickstoffarm und können beim Abbau Stickstoff binden, deshalb sicherst du vor dem Mulchen die Stickstoffversorgung. Rindenmulch hat seinen Platz auf Gartenwegen und unter Gehölzen.
Was bedeutet Stickstoffbindung bei der Verwendung von Mulchmaterial?
Beim Abbau stickstoffarmer, holziger oder strohiger Mulchmaterialien binden Mikroorganismen vorübergehend Stickstoff aus dem Boden, der den Pflanzen dann fehlen kann. Betroffen sind etwa Rindenmulch, Holzhäcksel, Holzfasern und Stroh. Zum Ausgleich bei gewöhnlichem Rindenmulch werden etwa 70 g Hornspäne oder Hornmehl je m² empfohlen, ausgebracht vor dem Mulchen. Pinienrinde bindet meist nur wenig Stickstoff, sodass allein wegen dieser Auflage gewöhnlich kein Ausgleich nötig ist.
Warum können pH-Wert-Veränderungen durch Rindenmulch problematisch werden?
Mulch aus Nadelholzrinde kann den pH-Wert in der Bodenschicht senken, die direkt mit ihm in Kontakt steht. Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen und so ihre Verfügbarkeit einschränken. Welcher Bereich passt, hängt von Bodenart und Kultur ab, für Gemüse auf Lehm liegt er bei 6,6 bis 7,0. Kalk gibst du nur, wenn eine Bodenprobe einen zu niedrigen pH-Wert zeigt.
Wie trägt man Rindenmulch richtig im Gemüsebeet auf?
Direkt aufs Gemüsebeet gehört Rindenmulch nicht, weil unkompostierte Rinde wachstumshemmende Gerbstoffe enthält; im Gemüsegarten passt er auf Wege und unter Obstgehölze. Vor dem Mulchen entfernst du Wildkräuter, lockerst den Boden und gleichst die Stickstoffbindung aus. Unter Sträuchern werden für Rindenmulch aus heimischen Nadelhölzern 5 bis 8 cm Schichtdicke empfohlen. Im Beet selbst ist eine organische Mulchschicht von etwa 2 bis 3 cm üblich, unter Tomaten zum Beispiel aus Stroh.
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