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Urban Gardening: Fruchtgemüse in der Stadt vom Kübel bis zum Gemeinschaftsgarten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 11 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Fruchtgemüse braucht Licht: Ein halbschattiger Platz mit bis zu etwa 4 Stunden direkter Sonne ist für Tomaten ungeeignet.
  • Busch- und Hängetomaten eignen sich besonders für Gefäße, eine hochwachsende Stabtomate braucht bis zur Herbsternte 35 bis 40 l Substrat.
  • Im Gemeinschaftsgarten braucht ihr dauerhaft geklärte Zuständigkeiten für Bewässerung und Pflege, auch in den Ferien, und auf öffentlichen Flächen die Zustimmung des Grünflächenamts.
  • Die einfache hydroponische Tiefwasserkultur eignet sich besonders für Salate und Kräuter, Nährstoffkonzentration und pH-Wert werden etwa einmal pro Woche kontrolliert.
  • Vor dem Upcycling prüfst du das Material auf mögliche Schadstoffe, die HT-Kennzeichnung auf Paletten ersetzt keine Prüfung ihrer Nutzungsgeschichte.

Tomaten, Paprika und Zucchini wachsen auch zwischen Hauswänden, wenn die Anbaumethode zum Platz passt. Ein Kübel auf dem Balkon, ein Hochbeet im Hinterhof und ein Beet im Gemeinschaftsgarten verlangen jeweils andere Entscheidungen. Ich prüfe an jedem neuen Platz zuerst das Licht, dann das Gewicht und erst danach, was ich pflanze.

Urban Gardening meint das Gärtnern in der Stadt: auf Balkon und Dach, im Hof, an der Wand, auf gemeinsam genutzten Flächen und sogar ohne Erde in einer Nährlösung.

Welche Methode passt zu deinem Platz?

Die Methode richtet sich nach dem, was dein Platz hergibt: Licht, Tragfähigkeit, Wasser und die Zeit, die du für die Pflege hast.

Methode Passt zu Darauf achtest du
Kübel und Töpfe Busch- und Hängetomaten, Paprika, Kräuter freies Abzugsloch, genug Substrat
Hochbeet im Hof Tomaten und Gurken mit Vor- und Nachkulturen Beetplan, Düngung nach Bedarf
Wand- und Rinnensysteme Salat, Kohlrabi, Balkontomaten Befestigung trägt Gewicht und Wind
Dachgarten Fruchtgemüse in standfesten Kübeln Tragfähigkeit, Windschutz, Abdichtung
Gemeinschaftsgarten platzhungrige Kulturen wie Zucchini und Kürbis Zuständigkeiten, Flächenfreigabe
Hydroponik Salate und Kräuter Nährlösung, pH-Wert, Pumpe

Ich stelle mir vor jeder Entscheidung drei Fragen. Wie lange fällt direkte Sonne auf den Platz? Was trägt der Untergrund? Und wer gießt, wenn ich nicht da bin?

Welches Fruchtgemüse wächst in der Stadt?

Fruchtgemüse braucht viel Licht. Tomaten haben einen hohen Lichtbedarf, Zucchini wollen einen warmen und sonnigen Platz, Speisekürbisse einen vollsonnigen. Ein halbschattiger Platz bekommt als Orientierung bis zu etwa 4 Stunden direkte Sonne, für Tomaten ist er ungeeignet. Bevor ich einen Kübel aufstelle, beobachte ich, wie die Sonne über den Tag wandert und wann die Nachbarhäuser Schatten werfen.

Tomaten im Kübel

Busch- und Hängetomaten eignen sich besonders für Gefäße und müssen nicht wie Stabtomaten ausgegeizt werden. Weil Tomaten im Halbschatten ungeeignet sind und Buschtomaten sich besonders für Gefäße eignen, setzt du sie bei schattigem Beet lieber in einen Kübel an die hellste Stelle. Eine hochwachsende Stabtomate braucht bis zur Herbsternte 35 bis 40 l Substrat. Ihre Geiztriebe entferne ich vorzugsweise, wenn sie 5 bis 10 cm lang sind. Dafür gehe ich die Stabtomaten während des Wachstums alle 1 bis 2 Wochen durch.

Ins Freie kommen Tomaten gewöhnlich ab Mitte Mai, sobald keine Kälte mehr droht. An die Sonne gewöhne ich die Jungpflanzen zuerst an bewölkten Tagen. Zur Blüte rüttle ich die Pflanzen vorsichtig, weil das die Selbstbestäubung unterstützen kann.

Paprika, Zucchini, Gurken und Kürbis

Paprika ziehst du früh im Jahr vor und stellst die Sämlinge nach der Keimung an einen sehr hellen Platz. Eine Zucchini belegt im Beet etwa 2 m², diese Fläche hältst du im Plan von Anfang an frei. Freilandgurken ziehe ich am Rankgitter, weil sie dort nach Nässe schneller abtrocknen und sich leichter ernten lassen. Viele Treibgurkensorten können durch Parthenokarpie Früchte ohne Bestäubung bilden.

Kultur Anzucht und Pflanzung Platz Gut zu wissen
Tomate Aussaat Mitte bis Ende März auf der Fensterbank; Pflanzung, wenn der Boden mindestens 15 °C warm ist Stabtomate: 35–40 l Substrat bis zur Herbsternte Busch- und Hängetomaten nicht ausgeizen
Paprika Aussaat je nach Anzuchtbedingungen Februar bis Anfang März; Keimung bei ungefähr 25 °C im Beet 40–50 cm in der Reihe, 40–60 cm zwischen den Reihen nach der Keimung sehr hell stellen
Zucchini Vorkultur etwa vier Wochen vor dem Auspflanzen 90–100 cm in der Reihe, 200 cm zwischen den Reihen, etwa 2 m² je Pflanze erste Ernte etwa 4–6 Wochen nach der Pflanzung
Speisekürbis Vorkultur etwa vier Wochen vor dem Auspflanzen; Pflanzung im Mai nach den Eisheiligen Sorte ‘Amazonka’: etwa 100 cm Reihenabstand, 80 cm zwischen den Pflanzen vollsonniger, nährstoffreicher Platz, gleichmäßige Wasserversorgung

Welche Arbeiten im Gemüsejahr wann anstehen, zeigt dir der Überblick, was du in welcher Jahreszeit säst, pflanzt und erntest.

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Wie gewinnst du Platz mit Gefäßen und Wänden?

Gefäße: Jedes Pflanzgefäß braucht einen Wasserabzug, und bei einem dauerhaft bepflanzten Kübel bleibt das Abzugsloch frei, damit keine Staunässe entsteht. Ton- und Keramikgefäße sind in der Regel nicht oder nur bedingt frostfest, Gefäße aus dünnem Weichholz verrotten vergleichsweise schnell. Welche Gefäße und Hilfsmittel auf Balkon und Terrasse Platz sparen, auch zum Bewässern, liest du im eigenen Ratgeber dazu.

Wände: An der Wand eignen sich Rinnen- oder Balkonkastensysteme für Gemüse, das du regelmäßig austauschst, etwa Salat, Kohlrabi und Balkontomaten. Befestigung und Fassade müssen das Gewicht von System und Pflanzen tragen, dazu Wind-, Nässe-, Schnee- und Eislasten. Wie du Platz planst und Gemüse in die Höhe ziehst, erklärt der Ratgeber zur Gartenplanung im Abschnitt zum Anbau in die Höhe.

Gießen: Gemüse gießt du direkt im Wurzelbereich, damit die Blätter möglichst trocken bleiben. Bei torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während das Substrat weiter unten noch nass ist, deshalb prüfst du die Feuchte vor dem Gießen tiefer. Wie du durchdringend statt oberflächlich gießt, steht im selben Ratgeber im Abschnitt Gießen.

Wie planst du ein Hochbeet im Hof?

Ein Hochbeet hebt das Beet auf Arbeitshöhe und steht auch dort, wo Pflaster statt Gartenboden liegt. Ob du es fertig kaufst oder selbst baust, wichtig sind ein durchlässiger Boden und Abzugslöcher.

Vor-, Haupt- und Nachkultur

Die Standzeit der Hauptkultur bestimmt, welche Vor-, Nach- und Zwischenkulturen in den Zeitplan passen. In einem Hochbeet-Beispiel folgen Mitte Mai auf Salat Tomaten und Gurken. Zwischenkulturen erntest du, bevor sie die Hauptkultur bedrängen, deren endgültige Größe du schon bei der Aussaat einplanst. Zwischen zwei Erbsenreihen lässt sich zum Beispiel eine Reihe Radieschen als kurzlebige Zwischenkultur einplanen.

Ich führe für jedes Hochbeet eine Skizze, in der Kulturen und Belegungszeiten samt Vor- und Nachkulturen stehen. Am Bildschirm kannst du die Beetbelegung über die Saison planen und die Kulturfolge fürs nächste Jahr festhalten. Dabei gilt: Kulturen derselben Pflanzenfamilie folgen nicht direkt aufeinander.

Mischkultur auf engem Raum

Mischkultur heißt, verschiedene Kulturen auf demselben Beet nebeneinander zu planen. Sie kann einen gesunden Garten unterstützen, garantiert aber nichts. Kapuzinerkresse setze ich an den Rand des Hochbeets, weil ihre Blätter, Blüten und Knospen essbar sind und in die Küche wandern. Um Nachbarschaften durchzuspielen, nutze ich das Werkzeug zur Mischkultur-Planung.

Mythos-Check

„Die richtigen Nachbarn schützen sich gegenseitig.“ Dass einzelne Gemüse-Nachbarschaften sich pauschal schützen oder fördern, ist häufig nicht ausreichend belegt. Eine passende Kulturführung ersetzen sie nicht. Plane Nachbarn deshalb vor allem nach Platz und Standzeit.

Wer nach Permakultur-Prinzipien plant, nimmt natürliche Kreisläufe zum Vorbild und verbindet langfristige Nutzung mit Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt. Soll das Hochbeet im Hof zugleich schmücken, setzt der Stielmangold ‘Rhubarb Chard’ mit roten Blattstielen einen essbaren Farbakzent. Mehr dazu, wie du Gemüse und Kräuter als Gestaltungselemente einsetzt, steht im Ratgeber zu essbaren Landschaften.

Düngen nach Bedarf

Wie viel du düngst, richtet sich nach der Bodenuntersuchung und nach dem Bedarf der Kultur. Tomaten gehören beim Stickstoff zur hohen Gruppe, Gurken je nach Beet- oder Treibkultur zur mittleren bis hohen. Gemüsebeete können im Frühjahr bei passendem Bodenbefund 3 l Kompost je m² erhalten. Tiermist wird vor dem Einsatz kompostiert. Weil Kompost und Mist bei weiteren Düngergaben als Nährstoffquelle mitzählen, rechnest du die Frühjahrsgabe bei den stickstoffhungrigen Tomaten mit ein, bevor du nachdüngst. Eine einzelne Stickstoffgabe soll 10 g N/m² nicht überschreiten, einen höheren Bedarf verteilst du auf mehrere Gaben.

Zahl im Blick

Pflanzenjauche als Dünger setzt du mit 1 kg frischem Kraut auf 10 l Wasser an. Bei Wärme vergärt sie etwa 14 Tage. Vor dem Gießen an die Wurzeln verdünnst du sie im Verhältnis 1:10 mit Wasser.

Was klärst du vor dem Dachgarten oder Balkon?

Auf Dach und Balkon kommt vor der Pflanzenwahl die Frage nach dem Gewicht. Nasse Erde und volle Kübel sind schwer, deshalb lässt du die Tragfähigkeit von einer Fachperson prüfen, bevor du ein Dach bepflanzt. Die Abdichtung darf beim Aufstellen nicht beschädigt werden. Plane einen Windschutz ein und wähle standfeste Gefäße mit Wasserabzug. Ich hänge volle Ampeln nur an Haken, deren Belastbarkeit ich kenne.

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Wie organisiert ihr einen Gemeinschaftsgarten?

In einem Gemeinschaftsgarten bewirtschaftet eine Gruppe eine Fläche gemeinsam, organisiert als Verein oder als lose Gruppe. Bevor ihr Beete verteilt, klärt ihr, wofür der Garten da sein soll: Erholung, Spiel, Gemüseanbau oder Geselligkeit. Dazu gehören die bevorzugte Tageszeit der Nutzung und die Pflegezeit, die alle aufbringen können.

Mini-Checkliste

Vor dem ersten Spatenstich klärt ihr:

  • die Zustimmung des zuständigen Grünflächenamts, wenn ihr auf einer öffentlichen Fläche gärtnert
  • bei Verdacht auf Schadstoffe im Boden den Kontakt zur unteren Bodenschutzbehörde
  • dauerhafte Zuständigkeiten für Bewässerung und Pflege, auch für die Ferienzeiten
  • eine Beetskizze mit gleichbleibender Beet- und Wegeeinteilung

Die feste Einteilung erleichtert euch die jährliche Anbau- und Fruchtfolgeplanung. Verschiebt ihr die Kulturfolgen eines Fünfbeeteplans jährlich um ein Beet, ergibt sich ein Fruchtwechsel im fünfjährigen Rhythmus. Hat euer Garten Fläche, passen dort auch platzhungrige Kulturen: Für eine Mischkultur aus Mais, Stangenbohnen und Kürbis plant ihr mindestens 4 m² ein, und der Kürbis kann darüber hinauswachsen.

Auch im Mehrfamilienhaus lässt sich gemeinsam gärtnern. Nachbarn vertreten sich beim Gießen im Urlaub, tauschen Setzlinge oder bestellen Erde zusammen.

Saatgut tauschen

Bei samenfesten Sorten bleiben die Sortenmerkmale im Nachbau erhalten. Die Nachkommen von F1-Hybriden können dagegen in ihren Eigenschaften aufspalten und geben die Ausgangssorte nicht zuverlässig wieder. Ich beschrifte deshalb jedes Tütchen für die Tauschkiste mit Sorte, Erntejahr und dem Vermerk, ob die Sorte samenfest ist. Vollständig getrocknetes Saatgut lagerst du in geschlossenen Gefäßen dunkel bei möglichst gleichmäßigen 4 bis 15 °C.

Achtung

Säst du Kürbissamen aus eigener Ernte aus, kann eine Einkreuzung von Zierkürbissen in dieser nächsten Generation bittere, giftige Früchte bringen. Schmeckt ein Kürbis oder eine Zucchini bitter, spuckst du den Bissen aus und entsorgst die Frucht. Die giftigen Cucurbitacine werden auch beim Erhitzen nicht zerstört.

Kinder im Gemeinschaftsgarten

Kinder übernehmen unter Aufsicht einfache Aufgaben wie Laubrechen oder Gießen mit kleinen Kannen. Vor dem Naschen fragen sie eine erwachsene Person und waschen die Ernte mit Trinkwasser ab. Nach der Gartenarbeit und vor dem Essen waschen alle gründlich die Hände. Eine Regentonne im Kinderbereich steht kippsicher und hat einen Deckel gegen Hineinfallen. Blauer Eisenhut ist stark giftig, gehört nicht in einen kinderfreundlichen Garten und wird bei nötigen Arbeiten nur mit Handschuhen angefasst.

Wofür taugen Hydroponik, Aquaponik und Indoor-Anbau?

In der hydroponischen Tiefwasserkultur wachsen Pflanzen ohne Erdsubstrat in einer belüfteten Nährlösung. Eine Pumpe durchmischt das nährstoffangereicherte Wasser und versorgt es mit Sauerstoff. Das einfache System eignet sich besonders für kurzlebige Kulturen wie Salate und Kräuter. Nährstoffkonzentration und pH-Wert werden dabei etwa einmal pro Woche kontrolliert. In meiner Nährlösung ziehe ich deshalb Salat und Kräuter, meine Tomaten stehen weiter in Erde.

Marias Erfahrung

Neben meinem Becken liegt ein Heft, in das ich jede Messung von pH-Wert und Nährstoffkonzentration mit Datum eintrage. So sehe ich, ob sich ein Wert von Woche zu Woche verschiebt.

Aquaponik verbindet Fischhaltung und erdlosen Pflanzenanbau in einem gemeinsamen Wasser- und Nährstoffkreislauf. Wer so ein System plant, übernimmt mit den Fischen auch eine Tierhaltung.

Für Gemüse drinnen ohne natürliches Sonnenlicht brauchst du Pflanzenlampen, und die benötigen zusätzliche Energie. Beim Vergleich von Lampen ist die photosynthetische Photonenflussdichte in µmol/m²s aussagekräftiger als eine reine Luxangabe.

Wie bringst du Stadtgemüse gesund bis zur Ernte?

Krankheiten und Schädlinge

Auf engem Raum liegt dichtes Pflanzen nahe, doch ausreichender Abstand lässt feuchte Blätter schneller abtrocknen und erschwert die Übertragung von Krankheitserregern. Tomaten stellst du möglichst weit entfernt von Kartoffeln und unter ein Regendach, um Kraut- und Braunfäule vorzubeugen. Wie du vorbeugst, kontrollierst und mechanisch eingreifst, steht im Ratgeber zur Gartenplanung im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.

Klima und Wetter

Bei anhaltenden Temperaturen unter 12 °C können Tomaten ihre Blüten abwerfen. In herbstlichen Frostnächten lassen sich Tomaten, Kürbisse und Zucchini mit Vlies meist nicht zuverlässig schützen. Welche Kältegrenzen du einplanst, erklärt der Abschnitt Klima und Wetter im Ratgeber zur Gartenplanung, und wie du Sortenwahl, Anbauzeiten und Kulturschutz an den Klimawandel anpasst, zeigt ein eigener Ratgeber.

Ernten und lagern

Längliche Zucchini erntest du üblicherweise bei etwa 20 bis 25 cm Fruchtlänge. Reife Tomaten lagerst du außerhalb des Kühlschranks bei 12 bis 16 °C und getrennt von anderen Früchten. So halten sie sich etwa 4 bis 5 Tage. Überschüsse koche ich zu Sugo und friere ihn portionsweise ein.

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Was bringen Stadtgärten für Umwelt und Nachbarschaft?

Was auf dem Balkon wächst, kommt ohne Transportweg und Verpackung in die Küche. Wie nachhaltig dein Stadtgarten ist, entscheidet sich aber auch bei Erde, Material und Blüten.

Torffreie Erde

Für Kübel und Hochbeete nimmst du torffreie Erde. Torffreie Substrate ersetzen Torf durch Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost und Kokosprodukte, die zu Mischungen mit abgestimmten Eigenschaften kombiniert werden. Das RAL-Gütezeichen steht für regelmäßige unabhängige Qualitätskontrollen, auf Torffreiheit achtest du zusätzlich anhand der eindeutigen Kennzeichnung. Ein hoher Holzfaseranteil kann eine zusätzliche Stickstoffdüngung erforderlich machen. Angebrochene Säcke verwendest du möglichst bald und lagerst sie bis dahin gut verschlossen, kühl, trocken und lichtgeschützt.

Upcycling mit Prüfung

Alte Eimer, Kisten oder Paletten lassen sich zu Pflanzgefäßen umbauen. Vorher prüfst du, ob das Material Schadstoffe enthalten kann. Die Kennzeichnung HT auf Paletten bezeichnet eine Hitzebehandlung und ersetzt keine Prüfung ihrer Nutzungsgeschichte. Biobasierte Kunststoffe sind nicht automatisch biologisch abbaubar, und industrielle Kompostierbarkeit heißt nicht, dass sie sich für den Gartenkompost eignen. Ausgediente Kunststofftöpfe verwendest du wieder, und für Reparaturen gibt es Repaircafés, die teils auch Werkzeug zur Mitbenutzung bieten.

Blüten, Nisthilfen und Licht

Ungefüllte Blüten sowie Früh- und Spätblüher verlängern das Nahrungsangebot für Insekten. Ungefüllte Korb- und Doldenblüten bieten erwachsenen Schwebfliegen zugängliche Pollen und Nektar. Ihre Larven kannst du an Blattlauskolonien beim Fressen beobachten. Ich lasse am Beetrand deshalb Doldenblütler wie Dill zur Blüte kommen.

Zahl im Blick

Bei Wildbienen-Nisthilfen aus Hartholz liegen die Bohrdurchmesser je nach Ausführung bei 2 bis 10 mm. Die Bohrtiefen reichen von 5 bis 15 cm. Die Gänge sind glatt und liegen im Längsholz, nicht im Stirnholz.

Brauchst du draußen Licht, richtest du es nach unten und schaltest es nur bei Bedarf ein. Die Farbtemperatur überschreitet dabei möglichst nicht 3000 Kelvin.

Stadtklima

Bäume kühlen ihre Umgebung durch Schatten und durch Wasserverdunstung über die Blätter. Was begrünte Wände und Fassaden zu Stadtklima und Artenvielfalt beitragen, vertieft der Ratgeber zu vertikalen Gärten.

Jetzt dran

Beobachte an deinem Platz, wann über den Tag direkte Sonne fällt und was der Untergrund trägt. Danach entscheidest du zwischen Kübel, Hochbeet, Gemeinschaftsbeet und Nährlösung.

Häufige Fragen

Was versteht man unter Urban Gardening und welche Formen gibt es?
Urban Gardening ist Gärtnern in der Stadt, also auf Balkon und Dachterrasse, im Hinterhof oder auf gemeinsam genutzten Flächen. Zu den Formen gehören Kübel und Hochbeete, Wand- und Rinnensysteme, Gemeinschaftsgärten sowie erdlose Verfahren wie Hydroponik und Aquaponik. Wer auf einer öffentlichen Fläche gärtnern will, holt vorher die Zustimmung des zuständigen Grünflächenamts ein.
Welches Fruchtgemüse eignet sich besonders gut für den städtischen Anbau?
Busch- und Hängetomaten eignen sich besonders für Gefäße und müssen nicht ausgegeizt werden. Eine hochwachsende Stabtomate braucht bis zur Herbsternte 35 bis 40 l Substrat. Freilandgurken lassen sich am Rankgitter ziehen, Zucchini brauchen einen warmen, sonnigen, windgeschützten Platz und im Beet etwa 2 m² je Pflanze. An einem halbschattigen Platz sind Tomaten wegen ihres hohen Lichtbedarfs ungeeignet.
Stimmt es, dass Urban Gardening nur bei viel Sonnenlicht funktioniert?
Für Fruchtgemüse stimmt es weitgehend. Ein halbschattiger Platz bekommt als Orientierung bis zu etwa 4 Stunden direkte Sonne und ist für Tomaten wegen ihres hohen Lichtbedarfs ungeeignet, während Petersilie sonnig bis halbschattig gedeiht. Drinnen ohne natürliches Sonnenlicht brauchen Pflanzenlampen zusätzliche Energie. Beim Vergleich von Lampen ist die photosynthetische Photonenflussdichte in µmol/m²s aussagekräftiger als eine Luxangabe.
Wie funktioniert vertikaler Anbau beim Urban Gardening?
Beim vertikalen Anbau nutzt du Wände, Gitter und Rankhilfen statt Grundfläche. Stangenbohnen erreichen als kletternde Kultur 2 bis 3 m und brauchen eine Rankhilfe, Freilandgurken trocknen am Rankgitter nach Nässe schneller ab. Für Salat, Kohlrabi und Balkontomaten, die du regelmäßig austauschst, eignen sich an der Wand Rinnen- oder Balkonkastensysteme. Befestigung und Fassade müssen das Gewicht von System und Pflanzen sowie Wind-, Nässe-, Schnee- und Eislasten tragen.
Was sind die Unterschiede zwischen Community Gardens und privaten Balkongärten?
Einen Community Garden bewirtschaftet eine Gruppe gemeinsam, einen Balkongarten pflegst du allein. Im Gemeinschaftsgarten braucht ihr dauerhaft geklärte Zuständigkeiten für Bewässerung und Pflege, auch für die Ferienzeiten. Liegt die Fläche im öffentlichen Raum, holt ihr vorher die Zustimmung des zuständigen Grünflächenamts ein. Auf dem eigenen Balkon entscheidest du allein, organisierst Gießen und Urlaubsvertretung aber auch selbst.
Welche Nährstoffversorgung benötigen Pflanzen in begrenzten urbanen Böden?
Wie viel du düngst, richtet sich nach Bodenuntersuchung und Kultur: Tomaten gehören beim Stickstoff zur hohen Gruppe, Radieschen und Bohnen zur niedrigen. Gemüsebeete können im Frühjahr bei passendem Bodenbefund 3 l Kompost je m² erhalten, Tiermist wird vorher kompostiert. Kompost und Mist zählen bei weiteren Düngergaben als Nährstoffquelle mit. Eine einzelne Stickstoffgabe soll 10 g N/m² nicht überschreiten, einen höheren Bedarf verteilst du auf mehrere Gaben.
Wie funktionieren Hydroponik und Aquaponik beim städtischen Gemüseanbau?
Bei der hydroponischen Tiefwasserkultur wachsen Pflanzen ohne Erdsubstrat in einer Nährlösung, die eine Pumpe durchmischt und mit Sauerstoff versorgt. Das einfache System eignet sich besonders für kurzlebige Kulturen wie Salate und Kräuter. Bei einer solchen Tiefwasserkultur werden Nährstoffkonzentration und pH-Wert etwa einmal pro Woche kontrolliert. Aquaponik verbindet Fischhaltung und erdlosen Pflanzenanbau in einem gemeinsamen Wasser- und Nährstoffkreislauf.
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