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Klimawandel im Gemüsegarten: Sorten, Saattermine und Schutz vor Frost und Starkregen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 9 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Lies Sortenangaben einzeln: Kopfsalat 'Analena' gilt als hitzebeständig und schossfest, aber nicht als trockenheitstolerant.
  • Frühe Erbsen und Puffbohnen haben ihren größten Wasserbedarf im Mai und Juni und weichen so sommerlicher Trockenheit teilweise aus.
  • Tomaten pflanzt du erst, wenn der Boden mindestens 15 °C warm ist und keine Kälte mehr droht.
  • In herbstlichen Frostnächten schützt Vlies Tomaten, Kürbisse und Zucchini meist nicht zuverlässig.
  • Grünkohl und Rosenkohl vertragen häufig Temperaturen bis etwa −10 °C; Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung beeinflussen das.
  • Eine Mulchdecke oder dauerhafte Pflanzenbedeckung schützt den Boden vor Verschlämmung durch Starkregen.

Salat, der im Juni in die Höhe schießt, Erbsen, die in einer Trockenphase schlappmachen, ein Gewitterguss auf frisch gesätem Boden: Mit solchen Wetterlagen rechne ich in jedem Gartenjahr. Drei Dinge kann ich dabei selbst steuern. Ich wähle Sorten mit passenden Eigenschaften, lege Saat- und Pflanztermine nach Boden und Wetter fest und schütze die Kulturen vor Frost, Starkregen und Hitze.

Wasser, Boden und Pflanzenschutz gehören ebenfalls dazu. Diese Themen reiße ich hier nur an, denn wie du Boden, Gießen, Fruchtfolge und Pflanzenschutz im Gemüsegarten grundsätzlich planst, bündelt der Ratgeber zur Gartenplanung. Ausführlich geht es hier um Sorten, Termine und den Schutz deiner Beete.

Welche Gemüsesorten kommen mit Hitze und Trockenheit zurecht?

Auf Saatgutpackungen stehen oft mehrere Sorteneigenschaften, und die liest du am besten einzeln. Hitzebeständig, schossfest und trockenheitstolerant beschreiben verschiedene Dinge. Der Kopfsalat ‘Analena’ zeigt den Unterschied: Er gilt als hitzebeständig und schossfest, wird aber nicht als trockenheitstolerant eingestuft.

Gartensalat kann bei Hitze, bei Trockenheit und bei zu enger Pflanzung vorzeitig schossen. Die Sorteneigenschaften von ‘Analena’ betreffen also Hitze und Schossen, nicht aber Trockenheit. Gleichmäßiges Gießen und genug Abstand bleiben deshalb deine Aufgabe. Vorziehen kannst du die Sorte von März bis Juli, direkt ins Beet säst du sie von April bis Juli.

Ich trage bei jeder neuen Sorte in meine Beetskizze ein, welche Eigenschaften die Packung ausweist. Am Ende der Saison schreibe ich daneben, was ich im Beet beobachtet habe.

Willst du von deinen Sorten eigenes Saatgut gewinnen, wählst du samenfeste Sorten. Bei ihnen bleiben die Sortenmerkmale im Nachbau erhalten, während die Nachkommen von F1-Hybriden in ihren Eigenschaften aufspalten können. Wie du robuste samenfeste Sorten auswählst und Saatgut selbst gewinnst, zeigt der Ratgeber zum krisenfesten Gemüsegarten.

Wie verschiebe ich Aussaat- und Pflanztermine?

Bei den Terminen schaue ich auf drei Zeitfenster: das zeitige Frühjahr, den Übergang zum Sommer und den Herbst. In jedem davon entscheidet der Zustand des Bodens mit, nicht nur das Datum.

Früh säen und der Sommertrockenheit ausweichen

Frühe Erbsen und Puffbohnen verlagern ihren größten Wasserbedarf in den Mai und Juni. Damit können sie sommerlicher Trockenheit teilweise ausweichen. Unter den Erbsen haben Schalerbsen das früheste Aussaatfenster, je nach Sorte von Anfang März bis Anfang April.

Puffbohnen kannst du bei geeigneten Bodenbedingungen schon ab Februar unter einer Folien- oder Vliesabdeckung säen. Für jede frühe Aussaat unter Vlies muss der Boden ausreichend abgetrocknet und schon etwas erwärmt sein. Bevor ich im Spätwinter säe, steche ich deshalb mit dem Spaten ein und prüfe, ob die Erde krümelt oder noch schmiert.

Wärmebedürftiges Gemüse nach der Bodentemperatur setzen

Bei Kartoffeln, Buschbohnen und Tomaten bestimmt der Boden den Termin mehr als das Kalenderblatt. Die Monate in der Tabelle sind übliche Zeitfenster, die Bodentemperatur gibt den Ausschlag.

Kultur Bodentemperatur Übliches Zeitfenster
Kartoffeln pflanzen ab 8 °C Mitte April bis Anfang Mai
Buschbohnen säen ab etwa 10 °C ab Mitte Mai bis Anfang Juli
Tomaten pflanzen mindestens 15 °C gewöhnlich ab Mitte Mai, sobald keine Kälte mehr droht

Tomaten reagieren auch nach dem Pflanzen auf Kälte. Anhaltende Temperaturen unter 12 °C können dazu führen, dass die Blüten abfallen. Ein ausreichend warmer Boden ist also nur die eine Bedingung, beständig warmes Wetter die andere.

Wärmebedürftige Jungpflanzen gewöhnst du zuerst an einem schattigen Platz an Freilandbedingungen. Sinken die Nachttemperaturen unter 10 °C, holst du sie wieder herein. Tomaten bringst du danach an bewölkten Tagen oder unter schattierendem Vlies an die Sonne. Vorgezogene Kürbisse pflanzt du im Mai nach den Eisheiligen aus.

Vor dem Pflanzen stecke ich ein Bodenthermometer ins Beet und lese es ab, bevor die Tomaten hinauskommen.

Herbst und Winter als zweite Anbauzeit

Wird ein Beet nach der Sommerernte frei, kann es noch eine Herbstkultur tragen. Spinat und Feldsalat säst du dafür von Anfang August bis Mitte September direkt. Im August gesäter Feldsalat kann ab November geerntet werden. Endivien, Zuckerhut, Grünkohl und Chinakohl pflanzt du ab August besser, weil die Zeit für eine Aussaat dann zu knapp wird.

Chinakohl lässt sich im Juli noch direkt säen, von Anfang bis Ende des Monats. Buschbohnen für eine Ernte im September säst du bis Anfang Juli.

Winterportulak säst du von August bis Oktober direkt und hältst ihn gleichmäßig feucht. Für die Keimung sind Bodentemperaturen bis höchstens 12 °C optimal. Zeigt das Bodenthermometer im August mehr, nutzt du besser das spätere Ende des Aussaatfensters.

Für Ernten in der kalten Jahreszeit beginnt die Planung schon im Frühjahr und Sommer. Diese Kulturen und Sorten haben feste Zeitfenster:

Kultur oder Sorte Termine Ernte
Rosenkohl pflanzen Ende April bis Anfang Juni Oktober bis Februar
Wirsing ‘Winterfürst 2’ säen Mitte April bis Mitte Mai, pflanzen Ende Juni bis Anfang Juli im Freiland November bis Februar
Grünkohl pflanzen Anfang Juni bis Anfang August ab Ende Oktober
Winterporree ‘Blaugrüner Winter’ früh pflanzen im Fenster Anfang Mai bis Anfang August November bis März
Asia-Salat ‘Grün im Schnee’, geschützte Winterkultur säen im Oktober, pflanzen Mitte Oktober bis Mitte November November bis März
Kopfsalat ‘Larissa’, geschützte Frühjahrsernte säen Ende September bis Anfang Oktober, pflanzen Mitte Oktober bis Anfang November Februar und März
Mythos-Check

Grünkohl braucht Frost, damit er milder schmeckt? Nein. Auch eine längere Reifezeit bei niedrigen Temperaturen begünstigt die Zuckeranreicherung. Mit der Ernte musst du also nicht auf die erste Frostnacht warten.

Einen Überblick, was du im Gemüsegarten in welcher Jahreszeit säst, pflanzt und erntest, gibt der Saisonkalender. Damit du siehst, wann ein Beet frei wird, kannst du Haupt- und Nachkulturen mit ihren Belegungszeiten im Beetplaner eintragen.

Marias Erfahrung

Ich führe für jedes Beet eine Skizze mit gleichbleibender Beet- und Wegeeinteilung. Darin notiere ich Sorte, Saattag, Pflanztag und auffälliges Wetter. Wenn ich einen Termin verschiebe, schaue ich zuerst in diese Notizen und erst dann in den Kalender.

Wie schütze ich Gemüse vor Frost?

Im Frühjahr schützt du wärmebedürftige Kulturen vor allem über den Pflanztermin. Für frühe Saaten und für Wintergemüse lege ich Vlies bereit. Ein leichtes Vlies zur Gemüseverfrühung kann beispielsweise 17 g/m² wiegen und ist wasser- und luftdurchlässig. Du legst es nach der Saat oder Pflanzung locker auf und sicherst die Ränder mit Erde, Steinen oder Brettern.

Im Winter schützt Vlies das Gemüse gegen Kälte und Wintersonne. Arbeitest du mit Folientunneln, lässt du die Enden offen, damit Luft ausgetauscht wird.

Wo Vlies an seine Grenze kommt

Tomaten, Kürbisse und Zucchini lassen sich in herbstlichen Frostnächten mit Vlies meist nicht zuverlässig schützen. Grünkohl und Rosenkohl vertragen dagegen häufig Temperaturen bis etwa −10 °C. Für die Herbstbeete plane ich deshalb eher frostharte Kohlkulturen ein, statt die Saison der Fruchtgemüse unter Vlies zu verlängern.

Kultur Verhalten bei Frost, als Orientierung
Endivien, Chinakohl Richtwert: bis etwa −4 °C
Grünkohl, Rosenkohl häufig bis etwa −10 °C
Möhren, Knollensellerie vertragen leichte Fröste
Pastinaken, Schwarzwurzeln können im Winter im Beet bleiben
Rote Bete wird vor Frost geerntet
Tomaten, Kürbisse, Zucchini mit Vlies meist nicht zuverlässig zu schützen

Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung beeinflussen diese Werte. Nimm sie als Orientierung für deine Planung, nicht als feste Grenze. Weitere Kältegrenzen für den Saisonplan stehen im Abschnitt zu Klima und Wetter im Ratgeber zur Gartenplanung.

Gefrorene Salatblätter fasst du nicht an und erntest sie nicht. Du schneidest sie erst, wenn sie vollständig aufgetaut sind.

Mini-Checkliste

Vor der ersten Frostnacht im Herbst gehe ich diese Punkte durch:

  • Rote Bete ernten, bevor Frost kommt.
  • Bei Tomaten, Kürbissen und Zucchini nicht auf Vlies verlassen.
  • Vlies über Wintergemüse locker auflegen und die Ränder sichern.
  • Pastinaken und Schwarzwurzeln im Beet lassen.
  • Gefrorene Salatblätter erst nach dem vollständigen Auftauen schneiden.

Nach der Saison säubere ich Vliese und Folien, lasse sie trocknen und lagere sie dunkel und mäusesicher.

Was schützt Beete und Kulturen vor Starkregen?

Ein Guss auf offenen Boden kann die Oberfläche verschlämmen. Eine Mulchdecke oder eine dauerhafte Pflanzenbedeckung schützt die Bodenoberfläche davor. Ich mulche dafür mit angewelktem Grasschnitt und bringe ihn wiederholt so dünn aus, dass der Boden noch leicht durchscheint. Dicke Schichten aus Rasenschnitt können zusammenkleben. Abgeräumte Beete dürfen über den Winter mit Herbstlaub in dünnen Lagen bedeckt bleiben.

Tomaten und Gurken trockener halten

Ein Regendach und gute Durchlüftung halten Tomatenlaub trockener und helfen, der Kraut- und Braunfäule vorzubeugen. Der Erreger braucht für Sporenbildung und Sporenkeimung an Tomaten Luftfeuchten über 90 % oder tropfnasse Blätter. Wer das Laub trocken hält, nimmt ihm damit eine seiner Bedingungen. Pflanze Tomaten außerdem möglichst weit entfernt von Kartoffeln.

Ausreichender Pflanzenabstand lässt feuchte Blätter schneller abtrocknen und erschwert die Übertragung von Krankheitserregern. Freilandgurken ziehst du an einem Rankgitter, dann trocknen sie nach Nässe schneller ab und lassen sich leichter ernten.

Nach dem Guss erst prüfen, dann handeln

Häufiger Fehler

Nach einem Unwetter hängende Pflanzen sofort gießen. Welke kann durch Trockenheit entstehen, aber ebenso durch Staunässe. Prüfe deshalb erst die Bodenfeuchte, bevor du zur Gießkanne greifst.

Mangelähnliche Blattverfärbungen können entstehen, wenn Nährstoffe bei Kälte, ungünstigem pH-Wert, Trockenheit oder Vernässung eingeschränkt verfügbar sind. Nach einer nassen Phase kann eine Verfärbung also auf die Witterung hindeuten und nicht auf fehlenden Dünger. Ich beobachte dann zuerst die neuen Blätter, bevor ich nachdünge.

Wie bringe ich Gemüse durch heiße Tage?

Vlies, das im Frühjahr die Kulturen verfrüht, nimmst du ab, sobald es anhaltend warm wird. Wann es so weit ist, hängt von der Kultur ab.

Zahl im Blick

Bei Salat entfernst du das Vlies, wenn die Temperaturen anhaltend bei 20 bis 22 °C liegen. Bei wärmeliebendem Gemüse entfernst du es bei anhaltend 25 °C oder mehr.

Tipp

Nimm Vlies und Lochfolie möglichst bei windstillem, trübem oder regnerischem Wetter ab. Das soll Sonnenbrand an den Pflanzen vermeiden, die bis dahin geschützt standen.

Bei Bodenfolien zählt die Farbe. Schwarze Mulchfolien fördern die Bodenerwärmung. Weiße Bodenfolien reflektieren dagegen Sonnenwärme und begrenzen eine übermäßige Erwärmung von Dämmen.

Weißen Blumenkohl, dessen Blätter die Blume nicht ausreichend selbst decken, schützt du vor Sonne und Verfärbung. Dazu knickst du die Blätter über der Blume ein oder bindest sie zusammen.

Schatten für Gemüse plane ich mit Blick auf den Lichtbedarf. Ein halbschattiger Platz bekommt als Orientierung bis zu etwa 4 Stunden direkte Sonne, und Tomaten sind dort wegen ihres hohen Lichtbedarfs ungeeignet. Wie du Schattenbauten, Windschutz und Wettersensoren für den Garten im Klimawandel auswählst, steht in einem eigenen Ratgeber.

Feldsonnenblumen erreichen ungefähr 150 bis 200 cm Höhe. Als tiefwurzelnde Gründüngung können sie zur Lockerung unterer Bodenschichten beitragen. Wie du Feldsonnenblumen im Gemüsegarten als Schattenspender und Gründünger nutzt, erklärt ein eigener Ratgeber.

Wasser, Boden, Schädlinge und Fruchtfolge im Klimagarten

Gießen. Gieße durchdringend und direkt in den Wurzelbereich, damit die Blätter möglichst trocken bleiben. Für ein Gemüsebeet sind je Gießgang etwa 20 bis 25 l/m² vorgesehen, solange der Unterboden noch leicht feucht ist. Wie du Regenwasser, Mulch, Kompost und Gründüngung für einen klimaresilienten Garten nutzt, zeigt ein eigener Ratgeber, die Gießgrundlagen stehen im Ratgeber zur Gartenplanung.

Boden. Eine Bodenuntersuchung zeigt dir, ob dein Beet Kalk, Dünger oder nur Kompost braucht. Den gemessenen pH-Wert ordnest du nach der Bodenart ein, weil Sand und Lehm verschiedene Zielbereiche haben. Wie du dabei vorgehst, steht im Abschnitt zum Boden im Ratgeber zur Gartenplanung.

Schädlinge. Bei warmem, trockenem Wetter kann ein Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite Erdflöhe etwa vom Asiasalat fernhalten, eine Garantie ist das aber nicht. Kohlfliegen können ab Anfang bis Mitte April auftreten, deshalb deckst du frühe Kohlkulturen vorbeugend mit Vlies ab. Wie du Nützlinge förderst und Schädlingen vorbeugst, steht im Abschnitt zu Krankheiten und Schädlingen im Ratgeber zur Gartenplanung.

Fruchtfolge und Mischkultur. Kulturen derselben Familie folgen auch bei verschobenen Anbauzeiten nicht direkt aufeinander, und wie du die Fruchtfolge im Gemüsegarten planst, erklärt ein eigener Ratgeber. Mischkultur kann einen gesunden Garten unterstützen, pauschale Schutzwirkungen einzelner Nachbarschaften sind aber häufig nicht ausreichend belegt. Welche Gemüse als Beetnachbarn zueinander passen, prüfst du im Mischkultur-Werkzeug.

Anbau in die Höhe. Wo der Platz knapp ist, ziehst du Gurken am Rankgitter und Stangenbohnen an einer Rankhilfe, die du beim Anlegen des Beets gleich mitplanst. Für Balkon, Hochbeet und Dachgarten zeigt ein eigener Ratgeber, wie du Fruchtgemüse in der Stadt anbaust.

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