Nachtschattengewächse: Was die Familie verbindet und was für Solanin gilt
- Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika, Chili, Tabak und Physalis gehören zu den Nachtschattengewächsen.
- Typisch sind fünfzählige Blüten mit verwachsenen Kronblättern, aus denen je nach Gattung Beeren oder Kapseln entstehen.
- Die Familie liebt Wärme: Tomaten pflanzt du erst, wenn der Boden mindestens 15 °C warm ist.
- Die Alkaloide unterscheiden sich innerhalb der Familie, von Steroidalkaloiden bei der Kartoffel bis zu Pyridinalkaloiden beim Tabak.
- Grüne oder stark keimende Kartoffeln isst du nicht, denn Solanin wird durch Erhitzen nicht zerstört.
- In der Fruchtfolge zählen die Arten als eine Familie, im Beet stehen Tomaten trotzdem möglichst weit von Kartoffeln entfernt.
Tomaten neben Kartoffeln, im Jahr darauf Paprika auf dasselbe Beet: Das sieht nach Abwechslung aus, und doch steht dreimal dieselbe Familie im Plan. Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika, Tabak und Physalis sind NachtschattengewächseNachtschattengewächse sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen gehören. Weil sie für dieselben Krankheiten anfällig sind, sollen sie nicht direkt nacheinander auf demselben Beet stehen.. Ich schreibe deshalb in meine Beetskizze zu jeder Kultur die Familie dazu, bevor ich die Beete verteile.
Die Verwandtschaft erklärt drei Dinge, die du im Garten brauchst: den hohen Wärmebedarf, die Regel für die Fruchtfolge und den Umgang mit Solanin.
Welche Pflanzen gehören zu den Nachtschattengewächsen?
Im Gemüsegarten gehören Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika und Chili zu den Nachtschattengewächsen, dazu kommen Tabak und Physalis. Botanisch heißt die Familie Solanaceae. Genutzt werden ganz verschiedene Pflanzenteile, deshalb fällt die Verwandtschaft im Beet kaum auf.
| Kultur | Botanischer Name | Was du nutzt |
|---|---|---|
| Kartoffel | Solanum tuberosum | Knolle |
| Tomate | Solanum lycopersicum | Frucht |
| Aubergine | Solanum melongena | Frucht |
| Paprika und Chili | Capsicum annuum | Frucht |
| Tabak | Gattung Nicotiana | Blatt, im Ziergarten die duftende Blüte |
| Physalis | Gattung Physalis | Frucht, bei der Lampionblume der Schmuck |
Zur selben Familie zählen Wildkräuter und Giftpflanzen wie Schwarzer Nachtschatten, Tollkirsche, Bilsenkraut und Stechapfel.
Der botanische Name einer Art hat zwei Teile: vorn den großgeschriebenen Gattungsnamen, dahinter das kleingeschriebene Artepithet. Verwandte Arten bilden eine Gattung, verwandte Gattungen eine Familie. Kartoffel, Tomate und Aubergine tragen alle den Gattungsnamen Solanum und stehen sich damit näher als Tomate und Paprika.
Woran erkennst du ein Nachtschattengewächs?
Schau zuerst auf die Blüte. Typisch sind fünfzählige Blüten, deren Kronblätter miteinander verwachsen sind. Aus ihnen entstehen je nach Gattung Beeren oder Kapseln.
Weitere Merkmale der Familie:
- Wuchs: meist krautig, selten verholzend
- Blätter: wechselständig, ohne Nebenblätter
- Blüten: bis auf eine Ausnahme zwittrig und radiär gebaut
- Fruchtknoten: oberständig, dazu meist fünf Staubblätter
Ich halte im Sommer eine Kartoffelblüte neben eine Tomatenblüte und zähle die Zipfel der Krone. Den Blütenbau der Familie findest du auch am Schwarzen Nachtschatten wieder, der als Unkraut im Gemüsebeet auftaucht.
Warum brauchen Nachtschattengewächse so viel Wärme?
Die meisten Arten der Familie kommen in den Subtropen vor, und warm und sonnig mögen es auch ihre Vertreter im Garten. Für dich heißt das: im Haus vorziehen, abhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. und spät auspflanzen. Die Werte dazu stehen in der Übersicht.
| Schritt | Kultur | Wert |
|---|---|---|
| Vorkultur | Paprika und Chili | im Februar, Paprika je nach Anzuchtbedingungen auch Anfang März |
| Keimung | Paprika und Chili | zügig bei 25 °C |
| Aussaat auf der Fensterbank | Tomate | Mitte bis Ende März |
| Weiterkultur | Tomate | 8 bis 10 cm große Anzuchttöpfe, danach 16 bis 18 °C |
| Vorkultur | Andenbeere | im März, geschützt |
| Abhärten | wärmebedürftige Gemüsejungpflanzen | zunächst schattig, bei Nachttemperaturen unter 10 °C wieder hereinholen |
| Auspflanzen | Tomate und Paprika | nach den letzten Nachtfrösten, gewöhnlich ab Mitte Mai |
| Auspflanzen | Andenbeere | ab Mitte Mai |
| Pflanzung | Tomate | Boden mindestens 15 °C warm |
| Pflanzung | Kartoffel | ab 8 °C Bodentemperatur, gewöhnlich von Mitte April bis Anfang Mai |
| Blüte | Tomate | anhaltend unter 12 °C können Blüten abfallen |
Kartoffel und Tomate gehören zur selben Gattung, trotzdem darf die Kartoffel schon ab 8 °C Bodentemperatur ins Beet. Die Tomate wartet, bis der Boden mindestens 15 °C warm ist. Den Pflanztermin liest du also am Bodenthermometer ab, nicht am Familiennamen. Ich stecke deshalb vor jeder Pflanzung ein Thermometer in das Beet.
Zur Wärme kommt das Licht: Lichtarme Gartenplätze scheiden für Tomaten und Auberginen aus, weil ihr Lichtbedarf hoch ist. Rechne außerdem mit deiner Lage, denn die Termine verschieben sich mit der Witterung und können im WeinbauklimaWeinbauklima meint das Klima von Gegenden, in denen Wein angebaut wird, etwa in Veitshöchheim, im Unterschied zu kühleren Regionen. Die Artischocke zum Beispiel gedeiht dort besonders gut und kann früher ausgesät werden. früher liegen als in ungünstigeren Lagen. Am Saisonende ist Vlies für Tomaten meist kein zuverlässiger Schutz gegen herbstliche Frostnächte.
Wie gefährlich ist Solanin wirklich?
Solanin ist giftig. Für Garten und Küche brauchst du keine Mengenrechnung, sondern eine feste Regel: Grüne oder stark keimende Kartoffeln isst du nicht.
Solanin wird durch Erhitzen nicht zerstört. Auf das Kochen kannst du dich bei belasteten Kartoffeln deshalb nicht verlassen.
Beides zusammen heißt: Aussortieren lässt sich nicht durch längeres Garen ersetzen.
Nicht jedes Nachtschattengewächs bildet dieselben Stoffe
Solanin gilt oft als das Gift der ganzen Familie. Einheitlich sind die Inhaltsstoffe aber nicht, denn die Alkaloide unterscheiden sich innerhalb der Nachtschattengewächse.
| Pflanze | Inhaltsstoffe |
|---|---|
| Kartoffel | Steroidalkaloide; bekannt ist das Solanin |
| Tomate | Tomatin, besonders in grünen, unreifen Früchten und in vegetativen Pflanzenteilen |
| Tabak | Pyridinalkaloide |
| Tollkirsche | Tropanalkaloide |
Bei der Tomate wird das Tomatin während der Fruchtreife weitgehend abgebaut. Ich ernte Tomaten deshalb ausgefärbt, und Blätter oder Stängel kommen bei mir nicht in die Küche.
Der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum) wird als giftig eingeordnet. Eine Naschpflanze für den Garten ist er damit nicht. Ich jäte ihn aus dem Gemüsebeet, bevor er Beeren trägt. Mit Kindern im Garten gilt ohnehin: erst eine erwachsene Person fragen, dann essen.
Wie du grüne Kartoffeln vermeidest
Kartoffelknollen werden grün, wenn sie nicht von Erde bedeckt sind. Vorbeugen beginnt deshalb im Beet und endet im Lager.
Reihen handhoch anhäufeln, sobald die ersten Blätter erscheinen. Nach drei bis vier Wochen erneut anhäufeln. Kartoffeln kühl, dunkel und trocken lagern. Grüne oder stark keimende Knollen aussortieren.
Beim Einlagern nehme ich jede Knolle einmal in die Hand und lege grüne zur Seite.
Die sechs Kulturen im Kurzporträt
Kartoffel (Solanum tuberosum)
Die Knollen dienen als Nahrungsmittel, Tierfutter und Industrierohstoff. Pflanzkartoffeln keimst du hell, aber ohne volle Sonne vor. Der Pflanztermin liegt je nach Lage und Witterung zwischen März und Mai, im März aber nur in milden Gegenden. Für das Lager wartest du nach dem Absterben des Laubes noch etwa zwei Wochen und erntest dann schonend bei trockenem Wetter. Eine späte Sorte ist ‘Linda’.
Tomate (Solanum lycopersicum)
Stabtomaten geizt du während des Wachstums alle 1 bis 2 Wochen aus, indem du die Seitentriebe aus den BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. entfernst. Vorzugsweise greifst du zu, wenn die GeiztriebeAls Geiztriebe bezeichnet man bei Tomaten die Seitentriebe. Bei Stabtomaten, deren Haupttrieb immer weiter wächst, brichst du sie beim Ausgeizen regelmäßig aus. 5 bis 10 cm lang sind. Buschtomaten lässt du ohne AusgeizenAusgeizen ist das Entfernen der Geiztriebe, also der Seitentriebe, die bei Tomaten in den Blattachseln wachsen. Ohne Ausgeizen bildet die Pflanze sehr viel Blattmasse und trägt später Früchte. wachsen. Tomaten bestäuben sich selbst, und vorsichtiges Rütteln der Pflanze kann das unterstützen, weil dabei Pollen auf die Narbe gelangt. ‘San Marzano 2’ ist eine Flaschentomate, deren Früchte in Italien traditionell zu Tomatensauce verarbeitet werden.
Aubergine (Solanum melongena)
Die Aubergine heißt auch Melanzani oder Eierfrucht und ist besonders wärmeliebend. Im Hausgarten wächst sie am zuverlässigsten im Gewächshaus oder in einem Kübel, der warm und geschützt steht. Für den Kübel gibt es die kleine Zieraubergine ‘Eierbaum’ mit weißen, eiförmigen Früchten.
Paprika und Chili (Capsicum annuum)
Gemüsepaprika und kleine scharfe Chilis gehören zur selben Art und lassen sich im Hausgarten anbauen. Daneben gibt es Capsicum chinense und Capsicum baccatum, zu denen Chilis wie Habanero und Lemon Drop zählen. Zeigen die Sämlinge die ersten echten Laubblätter, vereinzelst du sie. Bei der Sortenwahl hilft der Typ: Snackpaprika liefern den Sommer über kleine Früchte, bei Blockpaprika dauert es länger bis zur Ernte. Padron-Paprika werden grün geerntet, ihre Schärfe reicht von mild bis feurig.
Tabak (Nicotiana)
Beim Tabak denkst du vielleicht an subtropische Gegenden, doch früher gab es auch in Deutschland bekannte Anbaugebiete. Du kannst ihn wegen der Blüte pflanzen, denn Ziertabak duftet besonders am Abend. Echter Rauchtabak (Nicotiana tabacum) wird ausladend, trägt rosa Blüten in dichten Trauben und bevorzugt einen sonnigen, warmen Standort.
Häufig heißt es, bis zu 99 Tabakpflanzen seien steuerfrei. Die Befreiung von der Tabaksteuer ist bei Erzeugnissen aus selbst angebautem Rohtabak an den eigenen Bedarf geknüpft. Eine Grenze von 99 Pflanzen steht in dieser Regelung nicht.
Physalis (Physalis)
Die Gattung heißt auf Deutsch Blasenkirsche. Die Lampionblume wird zur Dekoration angebaut, die Andenbeere, auch Kapstachelbeere genannt, wegen ihrer Früchte. Andenbeeren ziehst du im März geschützt vor und pflanzt sie ab Mitte Mai aus. Die Ananaskirsche ‘Goldmurmel’ (Physalis pruinosa) ist eine kleine Art mit vielen kleinen, süßen Früchten, die du im Sommer laufend erntest.
Was bedeutet die Verwandtschaft für deinen Beetplan?
In der Fruchtfolge zählen Kartoffel, Tomate, Aubergine und Paprika als eine Familie. Arten derselben Familie sollten auf einem Beet nicht unmittelbar aufeinander folgen. Räumlich trennst du trotzdem: Tomaten wachsen möglichst weit von Kartoffeln entfernt und unter einem Regendach, damit du der Kraut- und BraunfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. vorbeugst. Wer nur nach Familien sortiert und alle Nachtschattengewächse zusammen pflanzt, stellt also genau diese beiden nebeneinander. Wie du Fruchtfolge und Mischkultur für den ganzen Garten planst, erklärt der Ratgeber zur Gartenplanung.
Für den Plan selbst kannst du deine Beete im Beetplaner einteilen. Suchst du Nachbarn für Tomate oder Paprika, kannst du passende Mischkultur-Partner nachschlagen. Solche Nachbarschaften können unterstützen, eine passende KulturführungKulturführung bezeichnet alle Pflegearbeiten, mit denen du angebaute Pflanzen während ihres Wachstums begleitest. Dazu gehören vor allem Bewässerung, eine an den Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung, Unkrautregulierung und vorbeugender Pflanzenschutz. ersetzen sie nicht.
Wie eine andere Gemüsefamilie aufgebaut ist, zeigt das Porträt der Gänsefußgewächse mit Mangold, Roter Bete und Spinat.

