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Nachtschattengewächse: Was die Familie verbindet und was für Solanin gilt

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika, Chili, Tabak und Physalis gehören zu den Nachtschattengewächsen.
  • Typisch sind fünfzählige Blüten mit verwachsenen Kronblättern, aus denen je nach Gattung Beeren oder Kapseln entstehen.
  • Die Familie liebt Wärme: Tomaten pflanzt du erst, wenn der Boden mindestens 15 °C warm ist.
  • Die Alkaloide unterscheiden sich innerhalb der Familie, von Steroidalkaloiden bei der Kartoffel bis zu Pyridinalkaloiden beim Tabak.
  • Grüne oder stark keimende Kartoffeln isst du nicht, denn Solanin wird durch Erhitzen nicht zerstört.
  • In der Fruchtfolge zählen die Arten als eine Familie, im Beet stehen Tomaten trotzdem möglichst weit von Kartoffeln entfernt.

Tomaten neben Kartoffeln, im Jahr darauf Paprika auf dasselbe Beet: Das sieht nach Abwechslung aus, und doch steht dreimal dieselbe Familie im Plan. Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika, Tabak und Physalis sind Nachtschattengewächse. Ich schreibe deshalb in meine Beetskizze zu jeder Kultur die Familie dazu, bevor ich die Beete verteile.

Die Verwandtschaft erklärt drei Dinge, die du im Garten brauchst: den hohen Wärmebedarf, die Regel für die Fruchtfolge und den Umgang mit Solanin.

Welche Pflanzen gehören zu den Nachtschattengewächsen?

Im Gemüsegarten gehören Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika und Chili zu den Nachtschattengewächsen, dazu kommen Tabak und Physalis. Botanisch heißt die Familie Solanaceae. Genutzt werden ganz verschiedene Pflanzenteile, deshalb fällt die Verwandtschaft im Beet kaum auf.

Kultur Botanischer Name Was du nutzt
Kartoffel Solanum tuberosum Knolle
Tomate Solanum lycopersicum Frucht
Aubergine Solanum melongena Frucht
Paprika und Chili Capsicum annuum Frucht
Tabak Gattung Nicotiana Blatt, im Ziergarten die duftende Blüte
Physalis Gattung Physalis Frucht, bei der Lampionblume der Schmuck

Zur selben Familie zählen Wildkräuter und Giftpflanzen wie Schwarzer Nachtschatten, Tollkirsche, Bilsenkraut und Stechapfel.

Kurz erklärt

Der botanische Name einer Art hat zwei Teile: vorn den großgeschriebenen Gattungsnamen, dahinter das kleingeschriebene Artepithet. Verwandte Arten bilden eine Gattung, verwandte Gattungen eine Familie. Kartoffel, Tomate und Aubergine tragen alle den Gattungsnamen Solanum und stehen sich damit näher als Tomate und Paprika.

Woran erkennst du ein Nachtschattengewächs?

Schau zuerst auf die Blüte. Typisch sind fünfzählige Blüten, deren Kronblätter miteinander verwachsen sind. Aus ihnen entstehen je nach Gattung Beeren oder Kapseln.

Weitere Merkmale der Familie:

  • Wuchs: meist krautig, selten verholzend
  • Blätter: wechselständig, ohne Nebenblätter
  • Blüten: bis auf eine Ausnahme zwittrig und radiär gebaut
  • Fruchtknoten: oberständig, dazu meist fünf Staubblätter

Ich halte im Sommer eine Kartoffelblüte neben eine Tomatenblüte und zähle die Zipfel der Krone. Den Blütenbau der Familie findest du auch am Schwarzen Nachtschatten wieder, der als Unkraut im Gemüsebeet auftaucht.

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Warum brauchen Nachtschattengewächse so viel Wärme?

Die meisten Arten der Familie kommen in den Subtropen vor, und warm und sonnig mögen es auch ihre Vertreter im Garten. Für dich heißt das: im Haus vorziehen, abhärten und spät auspflanzen. Die Werte dazu stehen in der Übersicht.

Schritt Kultur Wert
Vorkultur Paprika und Chili im Februar, Paprika je nach Anzuchtbedingungen auch Anfang März
Keimung Paprika und Chili zügig bei 25 °C
Aussaat auf der Fensterbank Tomate Mitte bis Ende März
Weiterkultur Tomate 8 bis 10 cm große Anzuchttöpfe, danach 16 bis 18 °C
Vorkultur Andenbeere im März, geschützt
Abhärten wärmebedürftige Gemüsejungpflanzen zunächst schattig, bei Nachttemperaturen unter 10 °C wieder hereinholen
Auspflanzen Tomate und Paprika nach den letzten Nachtfrösten, gewöhnlich ab Mitte Mai
Auspflanzen Andenbeere ab Mitte Mai
Pflanzung Tomate Boden mindestens 15 °C warm
Pflanzung Kartoffel ab 8 °C Bodentemperatur, gewöhnlich von Mitte April bis Anfang Mai
Blüte Tomate anhaltend unter 12 °C können Blüten abfallen

Kartoffel und Tomate gehören zur selben Gattung, trotzdem darf die Kartoffel schon ab 8 °C Bodentemperatur ins Beet. Die Tomate wartet, bis der Boden mindestens 15 °C warm ist. Den Pflanztermin liest du also am Bodenthermometer ab, nicht am Familiennamen. Ich stecke deshalb vor jeder Pflanzung ein Thermometer in das Beet.

Zur Wärme kommt das Licht: Lichtarme Gartenplätze scheiden für Tomaten und Auberginen aus, weil ihr Lichtbedarf hoch ist. Rechne außerdem mit deiner Lage, denn die Termine verschieben sich mit der Witterung und können im Weinbauklima früher liegen als in ungünstigeren Lagen. Am Saisonende ist Vlies für Tomaten meist kein zuverlässiger Schutz gegen herbstliche Frostnächte.

Wie gefährlich ist Solanin wirklich?

Solanin ist giftig. Für Garten und Küche brauchst du keine Mengenrechnung, sondern eine feste Regel: Grüne oder stark keimende Kartoffeln isst du nicht.

Achtung

Solanin wird durch Erhitzen nicht zerstört. Auf das Kochen kannst du dich bei belasteten Kartoffeln deshalb nicht verlassen.

Beides zusammen heißt: Aussortieren lässt sich nicht durch längeres Garen ersetzen.

Nicht jedes Nachtschattengewächs bildet dieselben Stoffe

Solanin gilt oft als das Gift der ganzen Familie. Einheitlich sind die Inhaltsstoffe aber nicht, denn die Alkaloide unterscheiden sich innerhalb der Nachtschattengewächse.

Pflanze Inhaltsstoffe
Kartoffel Steroidalkaloide; bekannt ist das Solanin
Tomate Tomatin, besonders in grünen, unreifen Früchten und in vegetativen Pflanzenteilen
Tabak Pyridinalkaloide
Tollkirsche Tropanalkaloide

Bei der Tomate wird das Tomatin während der Fruchtreife weitgehend abgebaut. Ich ernte Tomaten deshalb ausgefärbt, und Blätter oder Stängel kommen bei mir nicht in die Küche.

Der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum) wird als giftig eingeordnet. Eine Naschpflanze für den Garten ist er damit nicht. Ich jäte ihn aus dem Gemüsebeet, bevor er Beeren trägt. Mit Kindern im Garten gilt ohnehin: erst eine erwachsene Person fragen, dann essen.

Wie du grüne Kartoffeln vermeidest

Kartoffelknollen werden grün, wenn sie nicht von Erde bedeckt sind. Vorbeugen beginnt deshalb im Beet und endet im Lager.

Mini-Checkliste

Reihen handhoch anhäufeln, sobald die ersten Blätter erscheinen. Nach drei bis vier Wochen erneut anhäufeln. Kartoffeln kühl, dunkel und trocken lagern. Grüne oder stark keimende Knollen aussortieren.

Beim Einlagern nehme ich jede Knolle einmal in die Hand und lege grüne zur Seite.

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Die sechs Kulturen im Kurzporträt

Kartoffel (Solanum tuberosum)

Die Knollen dienen als Nahrungsmittel, Tierfutter und Industrierohstoff. Pflanzkartoffeln keimst du hell, aber ohne volle Sonne vor. Der Pflanztermin liegt je nach Lage und Witterung zwischen März und Mai, im März aber nur in milden Gegenden. Für das Lager wartest du nach dem Absterben des Laubes noch etwa zwei Wochen und erntest dann schonend bei trockenem Wetter. Eine späte Sorte ist ‘Linda’.

Tomate (Solanum lycopersicum)

Stabtomaten geizt du während des Wachstums alle 1 bis 2 Wochen aus, indem du die Seitentriebe aus den Blattachseln entfernst. Vorzugsweise greifst du zu, wenn die Geiztriebe 5 bis 10 cm lang sind. Buschtomaten lässt du ohne Ausgeizen wachsen. Tomaten bestäuben sich selbst, und vorsichtiges Rütteln der Pflanze kann das unterstützen, weil dabei Pollen auf die Narbe gelangt. ‘San Marzano 2’ ist eine Flaschentomate, deren Früchte in Italien traditionell zu Tomatensauce verarbeitet werden.

Aubergine (Solanum melongena)

Die Aubergine heißt auch Melanzani oder Eierfrucht und ist besonders wärmeliebend. Im Hausgarten wächst sie am zuverlässigsten im Gewächshaus oder in einem Kübel, der warm und geschützt steht. Für den Kübel gibt es die kleine Zieraubergine ‘Eierbaum’ mit weißen, eiförmigen Früchten.

Paprika und Chili (Capsicum annuum)

Gemüsepaprika und kleine scharfe Chilis gehören zur selben Art und lassen sich im Hausgarten anbauen. Daneben gibt es Capsicum chinense und Capsicum baccatum, zu denen Chilis wie Habanero und Lemon Drop zählen. Zeigen die Sämlinge die ersten echten Laubblätter, vereinzelst du sie. Bei der Sortenwahl hilft der Typ: Snackpaprika liefern den Sommer über kleine Früchte, bei Blockpaprika dauert es länger bis zur Ernte. Padron-Paprika werden grün geerntet, ihre Schärfe reicht von mild bis feurig.

Tabak (Nicotiana)

Beim Tabak denkst du vielleicht an subtropische Gegenden, doch früher gab es auch in Deutschland bekannte Anbaugebiete. Du kannst ihn wegen der Blüte pflanzen, denn Ziertabak duftet besonders am Abend. Echter Rauchtabak (Nicotiana tabacum) wird ausladend, trägt rosa Blüten in dichten Trauben und bevorzugt einen sonnigen, warmen Standort.

Mythos-Check

Häufig heißt es, bis zu 99 Tabakpflanzen seien steuerfrei. Die Befreiung von der Tabaksteuer ist bei Erzeugnissen aus selbst angebautem Rohtabak an den eigenen Bedarf geknüpft. Eine Grenze von 99 Pflanzen steht in dieser Regelung nicht.

Physalis (Physalis)

Die Gattung heißt auf Deutsch Blasenkirsche. Die Lampionblume wird zur Dekoration angebaut, die Andenbeere, auch Kapstachelbeere genannt, wegen ihrer Früchte. Andenbeeren ziehst du im März geschützt vor und pflanzt sie ab Mitte Mai aus. Die Ananaskirsche ‘Goldmurmel’ (Physalis pruinosa) ist eine kleine Art mit vielen kleinen, süßen Früchten, die du im Sommer laufend erntest.

Was bedeutet die Verwandtschaft für deinen Beetplan?

In der Fruchtfolge zählen Kartoffel, Tomate, Aubergine und Paprika als eine Familie. Arten derselben Familie sollten auf einem Beet nicht unmittelbar aufeinander folgen. Räumlich trennst du trotzdem: Tomaten wachsen möglichst weit von Kartoffeln entfernt und unter einem Regendach, damit du der Kraut- und Braunfäule vorbeugst. Wer nur nach Familien sortiert und alle Nachtschattengewächse zusammen pflanzt, stellt also genau diese beiden nebeneinander. Wie du Fruchtfolge und Mischkultur für den ganzen Garten planst, erklärt der Ratgeber zur Gartenplanung.

Für den Plan selbst kannst du deine Beete im Beetplaner einteilen. Suchst du Nachbarn für Tomate oder Paprika, kannst du passende Mischkultur-Partner nachschlagen. Solche Nachbarschaften können unterstützen, eine passende Kulturführung ersetzen sie nicht.

Passt dazu

Wie eine andere Gemüsefamilie aufgebaut ist, zeigt das Porträt der Gänsefußgewächse mit Mangold, Roter Bete und Spinat.

Häufige Fragen

Was sind die charakteristischen Merkmale der Nachtschattengewächse?
Nachtschattengewächse wachsen meist krautig und tragen wechselständige Blätter ohne Nebenblätter. Typisch sind fünfzählige Blüten mit verwachsenen Kronblättern, aus denen je nach Gattung Beeren oder Kapseln entstehen. Im Garten fällt außerdem auf, dass die Familie warmes, sonniges Klima bevorzugt.
Warum bevorzugen die meisten Nachtschattengewächse warmes und sonniges Klima?
Die meisten Arten der Familie kommen in den Subtropen vor, und entsprechend warm und sonnig mögen es ihre Vertreter im Garten. Tomaten pflanzt du deshalb erst, wenn der Boden mindestens 15 °C warm ist. Anhaltende Temperaturen unter 12 °C können bei ihnen zum Abfallen der Blüten führen.
Stimmt es, dass alle Teile der Nachtschattengewächse gleich giftig sind?
Nein, die Alkaloide unterscheiden sich schon innerhalb der Familie: Steroidalkaloide bei der Kartoffel, Pyridinalkaloide beim Tabak, Tropanalkaloide bei der Tollkirsche. Bei Tomaten kommt Tomatin besonders in grünen, unreifen Früchten und in vegetativen Pflanzenteilen vor und wird während der Fruchtreife weitgehend abgebaut. Grüne oder stark keimende Kartoffeln isst du nicht. Kochen ist keine verlässliche Entgiftung, weil Solanin durch Erhitzen nicht zerstört wird.
Wie gelingt die erfolgreiche Vorzucht von wärmeliebenden Nachtschattengewächsen?
Paprika und Chili ziehst du im Februar vor, sie keimen bei 25 °C zügig. Tomaten säst du Mitte bis Ende März auf der Fensterbank aus, Andenbeeren im März an einem geschützten Platz. Vor dem Auspflanzen gewöhnst du die Jungpflanzen zunächst im Schatten an das Freiland und holst sie bei Nachttemperaturen unter 10 °C wieder herein. Ins Freie kommen Tomaten und Paprika erst nach den letzten Nachtfrösten, gewöhnlich ab Mitte Mai.
Worin unterscheiden sich Auberginen von anderen Nachtschattengewächsen wie Tomaten?
Auberginen sind besonders wärmeliebend. Im Hausgarten wachsen sie am zuverlässigsten im Gewächshaus oder in einem Kübel, der warm und geschützt steht. Botanisch stehen sie der Tomate nah, denn beide gehören zur Gattung Solanum. Gemeinsam ist beiden der hohe Lichtbedarf, weshalb lichtarme Gartenplätze für sie ausscheiden.
Was unterscheidet Blasenkirschen von anderen Physalis-Arten innerhalb der Nachtschattengewächse?
Blasenkirsche ist der deutsche Name der Gattung Physalis, zu der mehrere Gartenarten gehören. Die Lampionblume wird zur Dekoration angebaut, die Andenbeere wegen ihrer Früchte. Die Ananaskirsche Physalis pruinosa ist eine kleine Art mit vielen kleinen, süßen Früchten. Andenbeeren ziehst du im März geschützt vor und pflanzt sie ab Mitte Mai aus.
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