Inkarnatklee als Zwischenfrucht: So bindet er Stickstoff für deinen Boden
- Inkarnatklee bindet über Rhizobien in seinen Wurzelknöllchen Stickstoff aus der Luft.
- Rötliche Knöllchen sind ein Zeichen dafür, dass die Symbiose aktiv ist.
- Hohe Stickstoffgaben können die Knöllchenbakterien hemmen, als Gründüngung braucht der Klee keine zusätzliche Düngung.
- Gesät wird von April bis August, als Nachkultur auch im September, im Hausgarten mit 3–6 g Saatgut/m².
- Der Stickstoff wird erst beim Verrotten frei und ersetzt die Düngeplanung für die Folgekultur nicht automatisch.

Du säst Inkarnatklee, weil er Stickstoff ins Beet bringen soll. Ob er das tut, entscheiden Bakterien an seinen Wurzeln. Ob dein Gemüse später etwas davon hat, hängt davon ab, wie du mit dem Bestand umgehst. Ich hebe deshalb im Frühjahr einige Kleepflanzen mit der Grabgabel aus der Erde. Erst wenn ich die Wurzeln gesehen habe, plane ich die Düngung für das Folgebeet.
Inkarnatklee (Trifolium incarnatum) ist ein einjähriger Schmetterlingsblütler aus der Familie der FabaceaeFabaceae ist der botanische Name der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler, die auch Leguminosen heißen. Dazu gehören etwa Erbsen, Bohnen, Linsen, Lupinen und Klee. Sie versorgen sich mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln selbst mit Stickstoff aus der Luft.. Er stammt ursprünglich von der Iberischen Halbinsel und wird 30–60 cm hoch. Wie er sich zwischen den anderen Gründüngern einordnet und was Gründüngung im Boden grundsätzlich leistet, steht im Überblick zu Gründünger und Bodenkur.
Wie bindet Inkarnatklee Stickstoff aus der Luft?
Den Stickstoff aus der Luft holt Inkarnatklee nicht allein. An seinen Wurzeln sitzen Knöllchen, in denen Rhizobien leben, die Knöllchenbakterien. Sie bilden aus Luftstickstoff Ammonium und versorgen den Klee damit. Der Klee gibt ihnen dafür unter anderem Zucker. Über diese Symbiose überführt Inkarnatklee Luftstickstoff in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können.
Darin liegt der Unterschied zu Gründüngern wie Senf oder Phacelia. Beide nehmen Stickstoff auf, der schon im Boden vorhanden ist, und halten ihn in ihrer Pflanzenmasse fest. Zusätzlichen Stickstoff bringen nur Leguminosen ein, also Klee, Wicken oder Lupinen. Wenn du mit einer Gründüngung Stickstoff gewinnen und nicht nur bewahren willst, gehört deshalb eine Leguminose ins Beet.
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen 0,5-1 cm tief säen.
Woran erkennst du, ob die Knöllchen arbeiten?
Ob die Symbiose läuft, siehst du an den Wurzeln. Hebe eine Pflanze mit der Grabgabel samt Wurzeln aus dem Boden und spüle die Erde vorsichtig ab. Sind die Knöllchen rötlich, ist das bei Inkarnatklee ein Zeichen dafür, dass die Symbiose mit den Rhizobien aktiv ist. Schneide zusätzlich ein Knöllchen auf: Ist es innen rötlich gefärbt, deutet das bei Leguminosen auf aktive Stickstofffixierung hin. Findest du keine rötlichen Knöllchen, verlass dich bei der Düngeplanung nicht auf den Klee.
Ich prüfe nie nur eine Pflanze. An mehreren Stellen des Beets hebe ich je einen Klee aus, spüle die Wurzeln im Eimer ab und schneide einzelne Knöllchen mit dem Fingernagel auf. Die Farbe notiere ich im Gartenbuch, zusammen mit der Höhe des Bestands.
Eine Bodenanalyse beantwortet diese Frage nicht. Die Standardanalyse des Hessischen Landeslabors zum Beispiel untersucht Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Über den verfügbaren Stickstoff erlaubt eine übliche Gartenbodenanalyse keine dauerhafte Aussage, weil sein Gehalt stark schwankt und häufig gar nicht mitgemessen wird. Was der Klee geleistet hat, liest du deshalb am Bestand selbst ab: an der Farbe der Knöllchen und an der Höhe des Aufwuchses.
Was fördert die Stickstoffbindung, und was bremst sie?
Keine Stickstoffgabe für den Klee
Dünge deinen Inkarnatklee nicht mit Stickstoff. Hohe Stickstoffgaben können die Knöllchenbakterien am Klee in ihrer Tätigkeit hemmen. Als Gründüngung im Garten braucht Inkarnatklee ohnehin keine zusätzliche Düngung.
Die Saat lässt auf sich warten, und das Beet bekommt eine hohe Stickstoffgabe zum Anschieben. Das kann genau die Bakterien hemmen, für die du den Klee gesät hast. Hab stattdessen Geduld, denn die Keimung dauert 14–21 Tage.
Phosphor, Kalium und Standort
Für Phosphor und Kalium entscheidet der Boden. Ihre Versorgung richtet sich bei Klee nach dem Vorrat im Boden und nach dem Nährstoffentzug, die eigene StickstoffbindungStickstoffbindung heißt, dass Knöllchenbakterien an den Wurzeln von Leguminosen wie Bohnen, Erbsen oder Klee Stickstoff aus der Luft aufnehmen und in eine Form umwandeln, die Pflanzen nutzen können. ändert daran nichts. Ob dein Beet gut versorgt ist, zeigt eine Bodenuntersuchung. Sinnvoll ist sie vor der Neuanlage und danach alle 3–5 Jahre.
Gib dem Klee einen sonnigen Platz, Halbschatten ist möglich. Als passende Bodenart gilt Lehm.
Mykorrhiza: die zweite Partnerschaft
Neben den Rhizobien kann Klee eine weitere Partnerschaft eingehen. Er gehört zu den Pflanzen, die arbuskuläre MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. bilden können. Diese Pilze können die Aufnahme von Phosphor und Wasser bei ihren WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter. verbessern und bekommen dafür Zucker. Zum Wachsen und Vermehren brauchen sie lebende Wirtspflanzen. Lupinen und Kreuzblütler wie Senf sind keine Wirte. Ein Beet mit Klee bietet diesen Pilzen also einen Wirt, ein Beet mit Senf bietet ihn nicht.
Muss das Saatgut geimpft werden?
Für Lupinen ist eine Impfung des Saatguts mit lupinenspezifischen Knöllchenbakterien beim Erstanbau und nach längeren Anbaupausen beschrieben. Bei Luzerne gilt sie auf landwirtschaftlichen Flächen als sinnvoll, auf denen bisher nicht häufiger Luzerne stand. Auf Inkarnatklee im Garten lässt sich das nicht einfach übertragen. Findest du bei der Kontrolle rötliche Knöllchen, sind passende Bakterien in deinem Boden vorhanden.
Inkarnatklee als Zwischenfrucht: Wann sammelt er am meisten?
Saatfenster und Standzeit
Als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. füllt Inkarnatklee die Zeit, in der dein Beet sonst leer stünde. Das SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. reicht von April bis August. Als Nachkultur nach der Gemüseernte eignet er sich auch noch für die Septembersaat. Die Saattermine der anderen Arten zeigt dir der Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.
Plane den Klee nicht für kurze Lücken ein, denn seine Kulturdauer liegt bei 90–120 Tagen. Für Senf im Hausgarten reichen die Angaben zur Entwicklungsdauer dagegen von 4–10 Wochen. Wer nur eine kurze Lücke zwischen zwei Kulturen überbrücken will, greift deshalb besser zu einer schnellen Art. Der Klee gehört auf Beete, die länger frei bleiben.
Aussaat in Kürze
Inkarnatklee braucht ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett und wird flach gesät, 0,5–1 cm tief. Im Hausgarten reichen die Angaben zur Saatmenge von 3–6 g/m²; halte die Saat feucht, bis sie aufläuft. Alle Schritte von der Saat über die Pflege bis zur FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. zeigt der Ratgeber dazu, wie Inkarnatklee als Gründünger deinen Gartenboden verbessert.
Überwintern: Nutzen und Grenze
Inkarnatklee wird als überwinternde Zwischenfrucht genutzt, sicher winterhart ist er aber nicht. Harte, lange, kalte und schneereiche Winter übersteht er schlecht. Friert der Bestand ab, bleibt er über Winter als Mulch auf dem Boden liegen. Kommt er durch, musst du ihn vor der nächsten Kultur aktiv beenden.
Für landwirtschaftlich angebauten Inkarnatklee werden vor dem Winter 10–12 dt (Dezitonnen) Wurzelrückstände als TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist. je Hektar angegeben, nach dem Winter 20–25 dt. Die Werte stammen vom Acker und sind keine Zusage für dein Beet.
Auch für den Stickstoff lohnt sich das Stehenlassen. Ein Bestand, der bis zum Frühjahr weiterwächst, schützt den aufgenommenen Stickstoff besser vor der Auswaschung im Winter als einer, der früh beendet wird. Mehr Wurzelmasse und besser geschützter Stickstoff sprechen dafür, einen gesunden Bestand bis ins Frühjahr stehen zu lassen.
Wie kommt der Stickstoff bei der Folgekultur an?
Der gebundene Stickstoff steckt zunächst in der Pflanze. Für die Nachkultur wird er erst verfügbar, wenn Wurzeln und Grünmasse verrotten. Bakterien, Pilze und Regenwürmer zersetzen die Reste und tragen dabei zur Humusbildung bei.
Achte deshalb auf den Zeitpunkt. Wie viel Stickstoff im Aufwuchs steckt, entscheidet nicht allein über die Versorgung der Folgekultur. Er muss auch dann frei werden, wenn das Gemüse ihn braucht. Arbeitest du den Klee zum unpassenden Zeitpunkt ein, kann das die Nitratfreisetzung und die Auswaschung von Stickstoff verstärken. Im Frühherbst bleibt der Bestand deshalb stehen.
Plane den Schnitt als Abschluss des Bestands. Nach dem Schnitt treibt Inkarnatklee nur wenig nach, im Feldfutterbau zählt deshalb vor allem der erste Schnitt. Warte mit dem Mähen aber nicht zu lange, denn junge Pflanzen werden schneller umgesetzt als ältere. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Je später du mähst, desto später kommt der Stickstoff also bei deinem Gemüse an.
Als Folgekultur passt stark zehrendes Gemüse, denn dafür eignet sich Leguminosen-Gründüngung als Vorfrucht. Welche Kultur als Starkzehrer gilt, schlägst du im Beetplaner mit seinen Zehrer-Einstufungen nach.
Einarbeiten in Kürze
Die Grünmasse arbeitest du nur flach ein, weil sie tief vergraben unter Luftabschluss faulen kann. Danach wartest du meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Saat oder Pflanzung. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit erklärt der Überblick zu Gründünger und Bodenkur im Abschnitt zum Mähen und Einarbeiten, die Schritte speziell für Inkarnatklee stehen im Garten-Ratgeber zu dieser Art.
Wie viel Stickstoff darfst du anrechnen?
Die Rechenhilfe nach Aufwuchshöhe
Für die Gartendüngung gibt es eine pauschale Rechenhilfe, die sich an der Höhe des Gründüngungsbestands orientiert. Miss den Aufwuchs vor dem Mähen und lies den Wert ab.
| Aufwuchshöhe des Bestands | Anrechenbarer Stickstoff |
|---|---|
| unter 5 cm | 1 g/m² |
| 5–14 cm | 2 g/m² |
| 15–30 cm | 4 g/m² |
| über 30 cm | 6 g/m² |
Inkarnatklee wird 30–60 cm hoch. Ein voll entwickelter Bestand, der die 30 cm überschreitet, fällt damit in die oberste Stufe. Ein spät gesäter Bestand, der niedrig bleibt, landet entsprechend tiefer.
Warum die Zahl nur ein Anhalt ist
Nimm die Tabelle als Orientierung und nicht als Messwert. Der Stickstoff aus der Pflanzenmasse steht der Folgekultur je nach Boden, Witterung und Umbruch nicht vollständig zur Verfügung. Wie viel nachgeliefert wird, hängt außerdem von Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab.
Anrechnen solltest du den Klee trotzdem. Auch gebundener Luftstickstoff zählt zur Stickstoffzufuhr, und Überschüsse können Verluste als Nitrat, Ammoniak und Lachgas begünstigen. Wer den Klee nicht anrechnet und das Folgebeet trotzdem voll düngt, riskiert genau solche Überschüsse.
„Nach Klee muss ich nicht mehr düngen.“ Das stimmt so nicht. Die Nährstoffwirkung einer Gründüngung ersetzt die bedarfsgerechte Düngeplanung für die Folgekultur nicht automatisch. Rechne den Klee an und prüfe dann, was dem Gemüse noch fehlt.
Was solltest du rund um den Klee noch einplanen?
Wo passt Inkarnatklee in Fruchtfolge und Mischungen?
Inkarnatklee zählt in der Fruchtfolge zu den Hülsenfrüchten, braucht 4 Jahre Anbaupause und steht nicht direkt vor oder nach Bohnen und Erbsen. In Gemengen ist er konkurrenzschwach und kann mit der Zeit von seinen Mischungspartnern verdrängt werden. Die Planung im Beet zeigt der Ratgeber dazu, wie du Inkarnatklee in den Fruchtwechsel deines Gemüsegartens einbindest; die Grundregeln für alle Gründünger stehen im Überblick unter Fruchtfolge und Mischkultur.
Wie unterscheidet er sich von Rotklee und Weißklee?
Weißklee bleibt mit 20–30 cm niedrig und wurzelt flach, Inkarnatklee und Rotklee wurzeln tief. Für Rotklee ist mit 7 Jahren eine längere Anbaupause angesetzt als für Inkarnatklee. Den Blick auf die Art im Beet bietet der Garten-Ratgeber zum Inkarnatklee, die Familien und Wuchsformen aller Gründünger stehen im Überblick.
Was bringt die Blüte den Insekten?
Inkarnatklee blüht von Juni bis September, und Honigbienen nutzen seinen Nektar als Nahrungsquelle. Beende einen blühenden Bestand nach der Blüte, aber vor der Samenreife, damit er sich nicht selbst aussät. Mehr dazu steht im Ratgeber darüber, was Inkarnatklee als Bienenweide und Zierpflanze im Garten leistet, und für alle Gründünger im Überblick.
Was ist mit Klima und Züchtung?
In der Züchtung zählen bei Inkarnatklee bessere Winterhärte und höhere Widerstandsfähigkeit gegen Kleekrebs zu den wichtigen Zielen. Für den Humus gilt eine Grenze: Regelmäßiger Zwischenfruchtanbau speichert nur begrenzt zusätzlichen Humus, und dieser Gewinn kann wieder verloren gehen, wenn der Anbau endet. Wie das mit Klimaschutz und Klimaanpassung zusammenhängt, ordnet der Ratgeber dazu ein, wie Inkarnatklee dem Klima hilft und wo seine Grenzen liegen; Krankheiten und Grenzen der Bodenkur behandelt der Gründünger-Überblick.



