Inkarnatklee als Gründüngung: Bodenwirkung, Einarbeiten und Wartezeit
- Inkarnatklee ist eine einjährige Leguminose, wurzelt tief und wird 30–60 cm hoch.
- Gemäht wird gewöhnlich kurz vor der Blüte, spätestens vor der Samenreife; danach wächst nur wenig nach.
- Frische Masse nur flach einarbeiten oder als Mulch nutzen, tief vergraben kann sie unter Luftabschluss faulen.
- Nach dem Einarbeiten meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Saat oder Pflanzung warten.
- Im Frühherbst nicht einarbeiten, ein überwinternder Bestand bleibt bis zum Frühjahr stehen.

Ein Beet, das nach der Ernte offen liegt, ist Sonne und Starkregen ungeschützt ausgesetzt und kann verschlämmen und verkrusten. Inkarnatklee deckt die Fläche ab, durchwurzelt sie tief und bringt als Leguminose zusätzlichen Stickstoff ins Beet. Ob dein Gemüse davon etwas hat, hängt auch vom Mähen und Einarbeiten ab: Tief vergrabene frische Masse kann faulen, und zwischen Einarbeiten und nächster Saat braucht der Boden Zeit. Ich lege deshalb schon bei der Aussaat fest, wann der Bestand enden soll und was danach auf das Beet kommt.
Inkarnatklee (Trifolium incarnatum) ist eine einjährige Kleeart aus der Familie der FabaceaeFabaceae ist der botanische Name der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler, die auch Leguminosen heißen. Dazu gehören etwa Erbsen, Bohnen, Linsen, Lupinen und Klee. Sie versorgen sich mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln selbst mit Stickstoff aus der Luft.. Er stammt ursprünglich von der Iberischen Halbinsel, wird 30–60 cm hoch und gilt als schwachzehrend.
Was Inkarnatklee als Gründüngung im Boden bewirkt
Im Boden passieren drei Dinge: Die Wurzeln durchziehen ihn, die Pflanzendecke schützt die Oberfläche, und die eingearbeitete Masse versorgt das Bodenleben mit organischem Material. Dazu kommt der Stickstoff, denn als Leguminose kann Inkarnatklee über die Symbiose mit Rhizobien Luftstickstoff in eine pflanzenverfügbare Form überführen. Rötliche Wurzelknöllchen sind ein Zeichen dafür, dass diese Symbiose aktiv ist; wie du die Stickstoffbindung des Inkarnatklees nutzt und steigerst, ist ein eigenes Thema. Die Grundlagen dazu gehören zu dem, was Gründüngung im Boden leistet.
Tiefe Wurzeln hinterlassen Kanäle
Inkarnatklee wurzelt tief. Wenn seine Wurzeln verrotten, bleiben Kanäle zurück, durch die Wasser und Luft in den Boden gelangen können. Durchgehende Wurm- und Wurzelröhren sind ein gutes Zeichen: Sie zeigen, dass der Boden Wasser leitet, durchlüftet ist und sich durchwurzeln lässt. Ich steche dafür im Frühjahr einen Spatenblock aus und schaue mir Gefüge, Wurzelverlauf und Hohlräume an.
Für Inkarnatklee vom Acker werden vor dem Winter 10–12 dt Wurzelrückstände je Hektar angegeben, gerechnet als TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist.. Nach dem Winter sind es 20–25 dt. Auf ein Gartenbeet lassen sich Ackerwerte nicht ohne Weiteres übertragen.
Vor dem Winter stecken also weniger Wurzelrückstände im Boden als danach. Der Bestand legt über den Winter zu, und wer einen überwinternden Klee schon im Herbst umbricht, verzichtet auf diesen Zuwachs.
Die Pflanzendecke schützt, die Reste werden zu Humus
Solange der Klee steht, beschattet und bedeckt er den Boden. Das schützt die Oberfläche vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion. Nach dem Einarbeiten zersetzen Bakterien, Pilze und Regenwürmer die Reste und tragen so zur Humusbildung bei. Dabei werden die Nährstoffe wieder frei, die der Klee vorher aufgenommen hat. Organische Substanz verbessert außerdem die Wasserspeicherung leichter Böden und die Durchlässigkeit schwerer Böden.
Zwei Grenzen gehören dazu. Ein lebender Bestand vermindert zwar die Verdunstung aus dem Boden, verbraucht beim Wachsen aber selbst Wasser. Die zusätzliche Humusspeicherung durch regelmäßigen Zwischenfruchtanbau ist außerdem begrenzt und kann wieder verloren gehen, wenn du ihn aufgibst. Wo Inkarnatklee beim Klimaschutz hilft und wo seine Grenzen liegen, ist gesondert eingeordnet.
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen 0,5-1 cm tief säen.
Standort, Aussaat und Pflege in Kürze
Inkarnatklee steht sonnig und braucht als Gründüngung im Garten keine zusätzliche Düngung. Bei trockener Witterung kann die Saat vor allem während der Keimphase wiederholtes Gießen brauchen. Welche Art zu welchem Boden passt und wie wenig Aufwand nach dem Auflaufen bleibt, steht im Überblick zur Gründüngung in den Abschnitten zu Standort und Pflege.
Gesät wird von April bis August, als Nachkultur auch noch im September. Für den Hausgarten reichen die Saatmengenangaben von 3–6 g/m². Wann und mit welcher Methode du Inkarnatklee aussäst, ist ausführlich beschrieben, und die SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. der Gründünger findest du im Aussaatkalender zum Ausdrucken.
Wann du Inkarnatklee mähst
Gemäht wird gewöhnlich kurz vor der Blüte. Jüngere Pflanzen werden im Boden schneller umgesetzt als ältere. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Wer den Schnitt hinauszögert, bekommt also eine langsamere Rotte, und der Folgekultur kann zunächst Stickstoff fehlen. Ich kontrolliere den Bestand, sobald sich Knospen zeigen, und mähe, bevor sie aufgehen.
Lässt du den Klee für Insekten blühen, mähst du nach der Blüte, aber vor der Samenreife. So sät er sich nicht selbst aus. Honigbienen nutzen den Nektar des Inkarnatklees; was ihn als Bienenweide und Zierpflanze wertvoll macht, zeigt ein eigener Ratgeber.
Mit einem zweiten Aufwuchs rechnest du besser nicht, denn Inkarnatklee bildet nach dem Schnitt nur wenig Nachwuchs. Ich plane den Schnitt deshalb als Abschluss der Gründüngung und nicht als Zwischenschnitt.
Im Herbst bleibt der Klee stehen
Fällt das Ende der Kultur in den Frühherbst, bleibt der Klee auf dem Beet stehen.
Im Frühherbst arbeitest du Gründüngung nicht ein. Bei der Rotte werden Nährstoffe frei und können ausgewaschen werden, bevor eine Folgekultur sie aufnimmt. Bei Leguminosen kann zeitlich unpassendes Einarbeiten die Nitratfreisetzung und die Stickstoffauswaschung verstärken.
Inkarnatklee kann überwintern, verträgt harte, lange, kalte und schneereiche Winter aber schlecht. Wächst eine ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. bis zum Frühjahr weiter, schützt sie den aufgenommenen Stickstoff besser vor winterlicher Auswaschung als ein früh beendeter Bestand. Im Frühjahr triffst du deshalb einen von zwei Fällen an:
| So kommt der Bestand aus dem Winter | Das machst du im Frühjahr |
|---|---|
| Er ist grün und wächst weiter | Du beendest ihn aktiv vor der nächsten Kultur. Rechne mit Handarbeit, weil viel Pflanzenmasse auf dem Beet steht. |
| Er ist abgefroren | Die Reste sind über Winter als Mulch liegen geblieben. Du arbeitest sie flach ein. |
So arbeitest du Inkarnatklee ein
Frische Gründüngungsmasse kommt nur flach in den Boden. So gehst du vor:
- Mähen: Mähe den Bestand oder schneide ihn ab.
- Zerkleinern: Zerkleinere das Schnittgut und verteile es gleichmäßig auf dem Beet.
- Anwelken: Lass das Schnittgut anwelken.
- Flach einarbeiten: Lockere den abgetrockneten Boden mit dem Krail und mische das Schnittgut nur oberflächlich unter.
- Warten: Gib dem Boden meist etwa 2–3 Wochen, bevor du säst oder pflanzt.
Bearbeite den Boden nur, wenn er ausreichend abgetrocknet ist. Auf Tonböden ist die Verdichtungsgefahr besonders hoch, wenn sie feucht bearbeitet werden. Eine Gartenfräse brauchst du für das flache Einarbeiten nicht. Stehen Wurzelunkräuter im Beet, kann sie deren Vermehrung sogar fördern.
Der frische Klee wird tief untergegraben. Unter Luftabschluss kann die Masse faulen, statt zu verrotten. Arbeite sie deshalb nur oberflächlich ein.
Drei Wege für das Schnittgut
Einarbeiten ist nicht die einzige Möglichkeit. Welcher Weg passt, hängt von der Folgekultur ab:
| Weg | Wann er passt | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Flach einarbeiten | vor der nächsten Saat oder Pflanzung, wenn Zeit für die Wartezeit bleibt | nur oberflächlich einmischen, danach meist etwa 2–3 Wochen warten |
| Als Mulch liegen lassen | wenn auf dem Beet nicht fein gesät wird | im Gemüsebeet etwa 2–3 cm Schicht, feines Material nur dünn, Saatrillen und Jungpflanzen bleiben frei |
| Abräumen und kompostieren | wenn die Folgekultur ein feines Saatbett braucht | feuchtes Grün mit trockenem, strukturreichem Material in dünnen Lagen abwechseln |
Zeigt eine Bodenuntersuchung erhöhte Phosphor- und Kaliumvorräte, nimmst du den Großteil der Masse von der Fläche. Auf geringer versorgten Beeten oder im Kompost kannst du sie weiter nutzen.
Wartezeit und Folgekultur
Nach dem Einarbeiten wartest du meist etwa 2–3 Wochen, bevor du säst oder pflanzt. Das ist eine Orientierung für den Garten und keine feste Frist, denn es zählt, wie weit die Reste tatsächlich zersetzt sind. Ich grabe nach dieser Zeit an einer Stelle nach und schaue, wie viel vom Klee noch zu erkennen ist.
Wie viel Stickstoff du anrechnen kannst
Für die Düngung der Folgekultur gibt es eine pauschale Rechenhilfe. Sie richtet sich nach der Aufwuchshöhe des Bestands:
| Aufwuchshöhe des Bestands | Anrechenbarer Stickstoff |
|---|---|
| unter 5 cm | 1 g/m² |
| 5–14 cm | 2 g/m² |
| 15–30 cm | 4 g/m² |
| über 30 cm | 6 g/m² |
Inkarnatklee wird 30–60 cm hoch, ein gut entwickelter Bestand kann also die oberste Stufe erreichen. Miss vor dem Schnitt nach, in welcher Stufe dein Bestand steht.
„Nach Klee muss ich nicht mehr düngen.“ So pauschal stimmt das nicht. Der Stickstoff aus der Pflanzenmasse steht der Folgekultur nicht vollständig zur Verfügung, und seine Freisetzung muss zeitlich zu ihrem Bedarf passen. Die Gründüngung ersetzt eine zusätzliche Düngung deshalb nicht automatisch.
Was nach Inkarnatklee aufs Beet kommt
Eine Leguminosen-Gründüngung eignet sich als Vorfrucht für stark zehrendes Gemüse. Bohnen und Erbsen folgen nicht direkt, und auf demselben Beet gilt für Inkarnatklee eine Anbaupause von 4 Jahren. Wie du Inkarnatklee als Vor- und Zwischenfrucht in den Fruchtwechsel einbaust, ist ausführlich beschrieben; die Pausen kannst du im Beetplaner für jedes Beet einplanen.
Inkarnatklee im Vergleich mit anderen Gründüngern
Eine Gründüngungsart wählst du passend zur Bodenart, zur Zeit, in der das Beet frei ist, und zu den Pflanzenfamilien deiner Gemüsefruchtfolge. Inkarnatklee bringt Stickstoff aus der Luft mit, braucht aber mehr Zeit als die schnellen Arten.
Gegenüber Senf, Ölrettich und Phacelia
| Merkmal | Inkarnatklee | Gelbsenf | Ölrettich | Phacelia |
|---|---|---|---|---|
| Familie | Fabaceae | Brassicaceae | Brassicaceae | Boraginaceae |
| Zusätzlicher Stickstoff aus der Luft | ja | nein | nein | nein |
| Keimdauer | 14–21 Tage | 3–14 Tage | 7–14 Tage | 7–14 Tage |
| Kultur- oder Entwicklungsdauer | 90–120 Tage | 4–10 Wochen | 6–10 Wochen | 6–10 Wochen |
| In der Fruchtfolge | zählt zu den Hülsenfrüchten | Kreuzblütler | Kreuzblütler | mit keiner gängigen Gemüseart verwandt |
Nur Leguminosen bringen über die Luftstickstoffbindung zusätzlichen Stickstoff ein. Senf und Phacelia nehmen vorhandenen Bodenstickstoff in ihre Biomasse auf und können so dessen Auswaschung vermindern.
Dafür sind sie schneller. Kurzzeitgründüngung reicht im Gemüsebau bis 3 Monate Vegetationszeit. Inkarnatklee braucht 90–120 Tage Kulturdauer und liegt damit an dieser Grenze oder darüber; in eine kurze Lücke zwischen zwei Kulturen passt er also nicht.
Für die kurze Lücke nimmst du eine schnelle Art. Stehen in deiner Fruchtfolge viel Kohl, Rettich oder Radieschen, ist das Phacelia, weil sie mit keiner gängigen Gemüseart verwandt ist. Senf und Ölrettich sind selbst Kreuzblütler, und Senf kann in dieser Fruchtfolge Kohlhernie fördern.
Schnell schließende Bestände von Senf oder Ölrettich unterdrücken auflaufende Unkräuter vor allem durch Lichtkonkurrenz. Inkarnatklee braucht schon für die Keimung länger.
Arbuskuläre Mykorrhizapilze können die Phosphor- und Wasseraufnahme ihrer WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter. verbessern und erhalten dafür Zucker. Klee kann arbuskuläre MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. bilden, Kreuzblütler wie Senf und Ölrettich gehören zu den Nichtwirten. Die Pilze benötigen lebende Wirtspflanzen.
Gegenüber anderen Kleearten
| Merkmal | Inkarnatklee | Weißklee | Rotklee | Perserklee |
|---|---|---|---|---|
| Wurzeltyp | tiefwurzelnd | flachwurzelnd | tiefwurzelnd | tiefwurzelnd |
| Wuchshöhe | 30–60 cm | 20–30 cm | 30–50 cm | 50–80 cm |
| Keimdauer | 14–21 Tage | 7–14 Tage | 3–14 Tage | 7–14 Tage |
| Bodenart | Lehm | Lehm | Lehm | Sand |
| Anbaupause | 4 Jahre | 3 Jahre | 7 Jahre | 3 Jahre |
Weißklee wurzelt flach und bleibt niedrig. Niedrig wachsende Weißkleearten lassen sich als UntersaatEine Untersaat ist eine zweite Pflanzenart, die du zusätzlich zwischen oder unter eine Hauptkultur säst. Sie wächst zunächst mit und entwickelt sich nach der Ernte der früher erntereifen Hauptkultur weiter. zwischen Gemüse oder Beerenkulturen verwenden, Inkarnatklee steht als Zwischenfrucht auf dem freien Beet. Bei Rotklee ist die Anbaupause mit 7 Jahren länger. Er wird außerdem später geschnitten: Zur Futterernte liegt der optimale Schnittzeitpunkt von Inkarnatklee etwa 10–14 Tage vor dem von Rotklee.
In der Züchtung zählen bei Inkarnatklee eine bessere Winterhärte und eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Kleekrebs zu den wichtigen Zielen.
In Mischungen
In Gemengen ist Inkarnatklee konkurrenzschwach und kann mit der Zeit von seinen Mischungspartnern verdrängt werden. Ein Beispiel aus der Landwirtschaft ist das Landsberger Gemenge aus Inkarnatklee, Welschem Weidelgras und Zottelwicke. Bei jeder Mischung müssen alle enthaltenen Pflanzenfamilien zu deiner bisherigen und geplanten Gemüsefruchtfolge passen. Ich säe Inkarnatklee als Reinsaat, wenn es mir auf den Klee ankommt.



