Ölrettich gegen Nematoden: Was resistente Sorten und Biofumigation leisten
- Ölrettich ist ein einjähriger, tief wurzelnder Kreuzblütler, der als Gründüngung gesät wird.
- Gegen Rübennematoden zählen resistente Sorten mit den Anfälligkeitsnoten 1–3, niedrigere Noten sind günstiger.
- Resistente Sorten wirken in der lebenden Wurzel, Biofumigation über frisch zerkleinertes, sofort eingearbeitetes Kraut.
- Bei Kartoffelzystennematoden gilt Ölrettich als Zwischenfrucht ohne aktive Bekämpfungswirkung.
- Im Gemüsebeet braucht Ölrettich mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern.
- Eine gezielte Nematodendiagnose liefert die Grundlage für die passende Sorte und Maßnahme.
Du willst Ölrettich säen, weil er NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt. im Beet zurückdrängen soll. Das kann gelingen, aber nur, wenn die Sorte zur Nematodenart in deinem Boden passt. Ein beliebiger Ölrettich begrünt die Fläche, eine Wirkung gegen die Fadenwürmer bringt er damit noch nicht mit. Ich lese deshalb zuerst die Sortenbeschreibung, bevor ich Saatgut für diesen Zweck kaufe.
Was ist Ölrettich?
Ölrettich (Raphanus sativus var. oleiformis) ist ein einjähriger KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen., der als Gründüngungs- und Ölpflanze angebaut wird. Er wurzelt tief, bildet viel Grünmasse und gilt als schwachzehrend. Je nach Sorte und Standort wird er 40 bis über 120 cm hoch. Im Garten steht er als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. auf Beetflächen, die nach der Ernte frei sind.
Dem Boden nützt er auf zwei Wegen: Die rasche Grünmasse bedeckt die Fläche und kann Unkraut unterdrücken, die Wurzeln können leichte Verdichtungen aufbrechen. Was Gründüngung im Boden leistet, erklärt der Grundlagen-Ratgeber für alle Arten. Auf welchen Böden sich Ölrettich dafür lohnt, zeigt der Beitrag dazu, wie Ölrettich den Gartenboden verbessert.
Wie wirkt Ölrettich gegen Nematoden?
Hinter dem Ruf als Nematodenbekämpfer stehen zwei verschiedene Verfahren. Das eine läuft in der lebenden Wurzel ab, das andere erst, wenn der Bestand zerkleinert im Boden liegt. Wer beide verwechselt, wählt leicht die falsche Sorte oder den falschen Zeitpunkt.
Resistente Sorten: Wirkung in der lebenden Wurzel
Rübenzystennematoden, oft kurz Rübennematoden genannt, können bei resistenten Ölrettichsorten zwar in die Wurzeln eindringen. Neue Zysten bilden sie dort aber kaum. Die Nematoden besiedeln also die Wurzel, vermehren sich darin aber kaum. Daher kommt der Name Fangpflanze.
Im Feldanbau kommt es außerdem auf die Temperatur an: Längere Phasen mit Tagesmitteltemperaturen ab 8 °C begünstigen die Wirkung resistenter Sorten gegen Rübennematoden. Gesät wird dort dicht, damit die Wurzeln den Boden intensiv durchziehen. Die Wirkung entsteht also in der Wurzel, und im Feld sät man dafür dicht: Ein lückiger Bestand lässt Boden aus, den keine Wurzel erreicht.
Im Feldanbau werden gegen Rübennematoden bis zu 250 Körner resistenter Ölrettichsorten/m² eingesetzt, damit der Boden intensiv durchwurzelt wird. Für die GründüngungGründüngung ist eine Bodenpflegemaßnahme: Auf freie Beete säst du Pflanzen, die den Boden schützen und verbessern sollen. Sie werden meist nicht geerntet, sondern abgemäht, als Mulch liegen gelassen oder flach eingearbeitet. im Hausgarten reichen die Saatmengenangaben von 2–5 g/m². Ausgangspunkt bleibt die Angabe auf der Tüte deiner Sorte.
Biofumigation: Wirkung aus dem zerkleinerten Kraut
Biofumigation nutzt nicht die lebende Wurzel, sondern Inhaltsstoffe der Pflanze. Werden glucosinolatreiche Kreuzblütler zerkleinert, entstehen enzymatisch Isothiocyanate. Diese Stoffe können bestimmte pflanzenparasitäre Nematoden schädigen.
Untersucht wurde das im Feld mit glucosinolatreichen Senf- und Ölrettichbeständen, die zur Blüte zerkleinert und eingearbeitet werden. Dafür wird das Kraut möglichst fein zerkleinert und kommt sofort in ausreichend feuchten Boden. Günstig waren im beschriebenen Versuch Bodentemperaturen um 20 °C und eine hohe Bodenfeuchte.
Das Verfahren verlangt also blühendes, frisch zerkleinertes Kraut, das sofort in den Boden kommt. Ein Ölrettich, der über Winter abfriert und als Mulch liegen bleibt, entspricht diesem Ablauf nicht.
Beschrieben ist Biofumigation für den Feldanbau und als Vorbereitung für Baumschulkulturen. Dort wird eine Gründüngungsmischung gemäht und zerkleinert, wenn etwa 60–80 % der Pflanzen blühen. Ob das auf einem kleinen Gemüsebeet genauso funktioniert, ist nicht geklärt. Verlass dich im Hausgarten deshalb nicht auf diesen Effekt.
| Merkmal | Resistente Sorte als Fangpflanze | Biofumigation |
|---|---|---|
| Wo die Wirkung entsteht | in der lebenden Wurzel | beim Abbau zerkleinerter Pflanzen |
| Was beschrieben ist | Nematoden dringen ein, bilden aber kaum neue Zysten | Isothiocyanate können bestimmte pflanzenparasitäre Nematoden schädigen |
| Geprüft an | Rübenzystennematoden | Meloidogyne hapla, Pratylenchus penetrans |
| Begünstigt durch | längere Phasen mit Tagesmitteltemperaturen ab 8 °C | Bodentemperaturen um 20 °C und hohe Bodenfeuchte |
| Ablauf | dichter Bestand einer resistenten Sorte wächst | Bestand wird zur Blüte fein zerkleinert und sofort in feuchten Boden eingearbeitet |
| Rahmen der Befunde | Feldanbau | Feldversuch, Übertragung aufs Gemüsebeet offen |
Gegen welche Nematoden hilft Ölrettich, und gegen welche nicht?
Die Nematodenwirkung resistenter Sorten hängt von der konkreten Sorte und von der Nematodenart im Boden ab. Für Rübenzystennematoden ist die Wirkung als Fangpflanze beschrieben. Die Tests zur Biofumigation betreffen den Wurzelgallennematoden Meloidogyne hapla und den Wurzelläsionsnematoden Pratylenchus penetrans. Eine Wirkung gegen alle Bodenschädlinge belegen sie nicht.
Anders liegt es bei Kartoffelzystennematoden der Gattung Globodera. Unter Ölrettich nimmt ihr Besatz auf natürliche Weise ab, eine aktive Bekämpfungswirkung hat er dort aber nicht.
Bevor du säst, brauchst du deshalb einen Befund. Schwacher Wuchs allein sagt dir nicht, ob Nematoden die Ursache sind. Eine gezielte Nematodendiagnose kann Boden und geschädigte Pflanzen untersuchen und liefert die Grundlage für die passende Maßnahme. Die Wirkung hängt an Sorte und Nematodenart, und erst eine Diagnose zeigt, womit du es zu tun hast: Ohne Befund kaufst du die Sorte auf Verdacht.
Hat eine Bodenanalyse Pratylenchus bestätigt, kommt eine andere Pflanze infrage. Gegen Nematoden dieser Gattung lässt sich Tagetes patula gezielt als Feindpflanze einsetzen.
„Einmal Ölrettich, dann sind die Nematoden weg.“ Das stimmt so nicht. Auch nach einer biologischen Bekämpfung kann der Besatz mit Rübenzystennematoden wieder steigen, sobald erneut eine Wirtspflanze auf der Fläche wächst.
Welche Ölrettich-Sorten sind nematodenwirksam?
Über die Nematodenresistenz entscheidet beim Ölrettich die Sorte. Resistent heißt: Die Sorte trägt für Rübennematoden eine Anfälligkeitsnote von 1–3, und niedrigere Noten sind günstiger. Such in der Sortenbeschreibung nach dieser Note und nach den Nematodenarten, die dort genannt sind.
Wie genau solche Angaben ausfallen, zeigt ein Beispiel. Für die Ölrettichsorte TRIDENT sind ResistenzenResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. gegen Heterodera schachtii, Meloidogyne chitwoodi und Meloidogyne hapla beschrieben. Heterodera schachtii ist der Rübenzystennematode, Meloidogyne hapla ein Wurzelgallennematode. Eine Resistenz gilt also immer für bestimmte Arten, deshalb lässt sich keine Sorte pauschal als die beste nennen.
Namen wie Tiefenrettich oder Meliorationsrettich bezeichnen dagegen eine besondere Ölrettichform mit ausgeprägter, tiefreichender PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche.. Über die Resistenz sagt ein solcher Name nichts aus.
Ölrettich nach Preis oder Wurzeltiefe kaufen und eine Nematodenwirkung erwarten. Ohne beschriebene Resistenz gegen die Nematodenart in deinem Boden säst du eine Gründüngung, aber keine Fangpflanze.
Wie setze ich Ölrettich vor Kartoffeln ein?
Vor Kartoffeln ist Ölrettich zuerst eine Zwischenfrucht. Bei Kartoffelzystennematoden gilt er als Kultur ohne aktive Bekämpfungswirkung, das solltest du vor der Saat wissen. Eine Nematodenwirkung ist nur für die Arten beschrieben, gegen die deine Sorte resistent ist. Die Kreuzblütlerpause betrifft Kartoffeln nicht, weil sie zu einer anderen Pflanzenfamilie gehören.
Zeitlich passt Ölrettich in die Lücke nach der Vorkultur. Für eine Gründüngung nach der Gemüseernte eignen sich besonders August und September, und Ölrettich lässt sich noch im September säen. Rechne im Hausgarten mit 6–10 Wochen Entwicklungszeit. Die Saatmonate der Gründünger stehen im Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.
Im Frühherbst bleibt der Bestand stehen, weil beim Einarbeiten freigesetzte Nährstoffe sonst ausgewaschen werden können. Über Winter stirbt Ölrettich weniger verlässlich ab als Senf, und überlebende Pflanzen können als Durchwuchs die FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. stören. Was das für die Frühjahrsbestellung bedeutet, liest du im Beitrag über Ölrettich bei Frost und im Winter.
Ölrettich friert nicht verlässlich ab, und nach dem Einarbeiten sollten bis zur Pflanzung meist etwa 2–3 Wochen vergehen. Rechne deshalb vom Pflanztermin der Kartoffeln rückwärts und plane das Beenden des Bestands mit ein. Ich gehe das Beet im zeitigen Frühjahr ab und beende überlebende Pflanzen, bevor ich die Fläche vorbereite.
Die Reste arbeitest du nur flach ein, weil frische Masse tief vergraben unter Luftabschluss faulen kann. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit erklärt der Grundlagen-Ratgeber im Abschnitt zum Mähen und Einarbeiten. Die Pflege bis dahin beschreibt der Beitrag dazu, wie du Ölrettich als Bodenverbesserer pflegst und einarbeitest.
Wie setze ich Ölrettich im Gemüsegarten ein?
Im Gemüsegarten entscheidet zuerst die Fruchtfolge, denn Ölrettich ist ein Kreuzblütler wie Kohl, Rettich und Radieschen. Stehen diese Kulturen oft auf deinen Beeten, lässt du ihn möglichst weg, und sonst hält er mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern. Die Familienregel dahinter erklärt der Grundlagen-Ratgeber unter Fruchtfolge und Mischkultur. Die Planung im Einzelnen zeigt der Beitrag dazu, wie du Ölrettich mit Vor- und Nachfrüchten in den Fruchtwechsel einplanst. Wo Kreuzblütler standen, hältst du im Beetplaner für deine Beetbelegung fest.
Passt die Fruchtfolge, gehst du so vor:
- Lass klären, welche Nematodenart im Boden lebt.
- Wähle eine Sorte, die gegen genau diese Art als resistent beschrieben ist.
- Leg den Saattermin so, dass der Bestand noch eine längere milde Phase vor sich hat.
- Säe direkt ins Beet, breitwürfig und lückenlos, 1–2 cm tief.
- Halte die Saat bis zum AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. feucht, die Keimung dauert 7–14 Tage.
- Schneide die Blütenstiele nach der Blüte zurück, damit sich der Ölrettich nicht selbst aussät.
Saattermine und Methoden im Einzelnen zeigt der Beitrag dazu, wann und wie du Ölrettich aussäst.
Ich hebe die Saatguttüte auf und notiere darauf Beet und Saatdatum. Steht später wieder eine Entscheidung an, lese ich dort nach, welche Sorte mit welcher Resistenz auf der Fläche wuchs.


