Ölrettich im Winter: Was bei Frost passiert und wie du den Mulch nutzt
- Ölrettich ist nicht winterhart, stirbt über Winter aber weniger zuverlässig ab als Senf.
- Abgefrorener Aufwuchs bleibt als Mulch liegen und schützt den Boden vor Verschlämmung, Verkrustung und Erosion.
- Der Mulch gibt gespeicherte Nährstoffe beim Verrotten wieder frei, der Stickstoff kommt aber nicht vollständig bei der Folgekultur an.
- Im Frühjahr rechst du die Reste ab oder arbeitest sie flach ein. Nach dem Einarbeiten wartest du meist etwa 2–3 Wochen bis zur Aussaat oder Pflanzung.
- Nach Ölrettich kommen keine Kohlgewächse, Rettiche oder Radieschen ins Beet.
Du hast im Spätsommer Ölrettich gesät und rechnest damit, dass der Frost den Bestand über Winter abtötet. Im Frühjahr stehen dann doch grüne Büschel im Beet, und dazwischen stecken dicke Rettichkörper im Boden. Ich gehe deshalb nach jeder längeren Frostphase durchs Beet und schaue nach, was wirklich zusammengefallen ist. Davon hängt ab, ob du im Frühjahr eine fertige Mulchschicht vorfindest oder Handarbeit einplanen musst.
Was ist Ölrettich, kurz gesagt?
Ölrettich (Raphanus sativus var. oleiformis) ist ein einjähriger KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen., der als Gründüngungs- und Ölpflanze angebaut wird. Er wurzelt tief, bildet viel Grünmasse und wird je nach Sorte und Standort 40 bis über 120 cm hoch. Winterhart ist er nicht, und genau das nutzt du bei der Winterbegrünung: Der Bestand soll abfrieren und als Mulch liegen bleiben.
Was die Pflanze sonst für den Boden leistet und wie sie sich von der Keimung bis zur Blüte entwickelt, liest du im Beitrag dazu, wie Ölrettich als Gründünger gepflegt wird und den Gartenboden verbessert. Hier geht es um Frost, Winter und die Mulchschicht im Frühjahr.
Friert Ölrettich im Winter sicher ab?
Nein, darauf kannst du dich nicht verlassen. Ob ein Bestand abfriert, hängt von der Sorte, von der Entwicklung der Pflanzen und von Stärke und Dauer der Frostphasen ab. Einzelne Frostnächte, auf die wieder mildes Wetter folgt, genügen nicht zuverlässig. Eine feste Gradzahl als Frostgrenze lässt sich deshalb nicht nennen.
Kräftige Pflanzen mit dicken Stängeln und großen Rettichkörpern frieren bei unzureichendem Frost schlechter ab. Verglichen mit Senf stirbt Ölrettich über Winter weniger zuverlässig ab. Was überlebt, kann als Durchwuchs die FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. beeinträchtigen.
Für deine Planung folgt daraus: Ein abgefrorener Bestand bleibt als Mulch liegen, ein überlebender muss vor der nächsten Kultur aktiv beendet werden. Weil Ölrettich weniger zuverlässig abstirbt als Senf, hältst du dir im Frühjahr Zeit für beide Fälle frei.
„Ölrettich ist frostfest“ stimmt ebenso wenig wie „Ölrettich friert immer ab“. Die Pflanze ist nicht winterhart, sie braucht zum Absterben aber Frost, der stark genug ist und lange genug anhält.
Wenn dir ein sicher abfrierender Bestand wichtiger ist als die tiefe Wurzel, hilft dir der Vergleich, auf welchen Böden und gegenüber welchen Alternativen sich Ölrettich lohnt.
Woran erkennst du, ob der Bestand abgefroren ist?
Schau nach einer längeren Frostphase nicht nur auf das Laub, sondern auf die ganze Pflanze. Ich ziehe dafür an mehreren Stellen im Beet eine Pflanze heraus und sehe mir Stängel und Rettichkörper an. Treibt eine Pflanze bei mildem Wetter wieder aus, lebt sie noch und zählt nicht zum Mulch.
Was leistet die abgefrorene Mulchschicht über den Winter?
Abgefrorener Ölrettich ist kein Verlust, er bleibt über Winter als Mulch auf dem Beet. Die Decke schützt den Boden vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion. Organischer Mulch hemmt außerdem die Verdunstung und hält die Oberfläche offen für eindringendes Wasser. An kalten Wintertagen kann er den Boden wärmer halten, ein fester Temperatureffekt ist damit nicht garantiert.
Im Boden verrotten währenddessen die Wurzeln und hinterlassen feine Kanäle, durch die Wasser und Luft eindringen können. Leichte Verdichtungen kann Ölrettich aufbrechen, bei stärkeren ergänzt er nur die mechanische Lockerung. Die Grundlagen dazu stehen im Überblick, was Gründüngung im Boden leistet.
Wie viel Nährstoff steckt im Mulch?
Ölrettich bildet rasch Grünmasse und kann überschüssige Nährstoffe in seiner Biomasse speichern. Zusätzlichen Stickstoff bringt er nicht ins Beet, das können nur LeguminosenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft.. Er nimmt auf, was im Boden vorhanden ist, und kann so die Gefahr verringern, dass Nitrat über Winter ausgewaschen wird. Beim Verrotten werden Stickstoff, Phosphor und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft. schrittweise wieder pflanzenverfügbar.
Verlustfrei ist dieser Speicher nicht. Frost und mechanisches Zerkleinern können den Abbau beschleunigen, sodass gebundener Stickstoff schon vor der Folgekultur frei und teilweise verlagert werden kann. Winterharte Zwischenfrüchte, die bis zum Frühjahr wachsen, schützen den aufgenommenen Stickstoff besser als früh beendete Bestände. Ich zerkleinere abgefrorenen Ölrettich im Winter deshalb nicht, sondern lasse ihn so liegen, wie er gefallen ist.
Wie rechnest du den Mulch bei der Düngung an?
Für die Düngung der Folgekultur gibt es eine pauschale Rechenhilfe. Sie richtet sich nach der Aufwuchshöhe des Bestands:
| Aufwuchshöhe des Bestands | Anrechenbarer Stickstoff |
|---|---|
| unter 5 cm | 1 g/m² |
| 5–14 cm | 2 g/m² |
| 15–30 cm | 4 g/m² |
| über 30 cm | 6 g/m² |
Je nach Sorte und Standort wird Ölrettich 40 bis über 120 cm hoch, ein ausgewachsener Bestand fällt also in die oberste Stufe. Miss trotzdem nach, denn die Rechenhilfe gilt für die Höhe, die dein Bestand tatsächlich erreicht hat.
Ich messe die Höhe im Spätherbst, solange der Bestand noch steht, und schreibe sie mir auf. Liegt der Ölrettich erst abgefroren am Boden, lässt sich die Aufwuchshöhe nicht mehr ablesen.
Nimm den Wert als grobe Orientierung. Der Stickstoff aus der Biomasse steht der Folgekultur je nach Boden, Witterung und Umbruch nicht vollständig zur Verfügung. Eine Gründüngung ersetzt zusätzliche Düngung deshalb nicht automatisch.
Stehen lassen oder umgraben: Was machst du im Winter?
Im Frühherbst arbeitest du Ölrettich nicht ein, weil frei werdende Nährstoffe sonst vor der Folgekultur ausgewaschen werden können. Danach entscheidet die Bodenart.
| Boden | Im Winter | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Sandiger Boden | Bestand liegen lassen, erst im Frühjahr einarbeiten | Beim Abbau frei werdender Stickstoff wird sonst schon im Winter ausgewaschen |
| Schwerer Boden | Bestand bis zum Frühjahr stehen lassen; wer umgraben will, wartet bis Dezember kurz vor dem Durchfrieren | Nur bei passender Witterung, denn feucht bearbeiteter Tonboden verdichtet besonders leicht |
Ich lasse den Bestand in meinen Beeten bis zum Frühjahr liegen. So bleibt der Boden den ganzen Winter bedeckt, und die Entscheidung über das Einarbeiten fällt erst, wenn die Folgekultur feststeht.
Was tun, wenn der Ölrettich nicht abgefroren ist?
Überlebende Pflanzen beendest du aktiv, bevor die nächste Kultur ins Beet kommt. Warte damit nicht lange, denn weiterwachsende Bestände verbrauchen auch im Frühjahr Wasser. Spätestens vor der Samenbildung muss der Bestand beendet sein, damit er sich nicht selbst aussät.
Ich ziehe überlebende Pflanzen von Hand samt Rettichkörper heraus. Rechne dabei mit Aufwand, denn ein Bestand, der den Winter überstanden hat, bringt viel Pflanzenmasse mit. Dickstängeliges Material zerkleinerst du, bevor es als Mulch aufs Beet kommt. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden.
Grabe den grünen Rest nicht tief unter. Frische Masse kann unter Luftabschluss faulen, deshalb arbeitest du sie nur flach ein oder lässt sie vorher anwelken.
Wie wird aus dem Mulch ein Beet für die Frühjahrsbestellung?
Warte, bis der Boden ausreichend abgetrocknet ist. Tonreicher Boden verdichtet besonders leicht, wenn du ihn feucht bearbeitest. Danach hast du drei Wege, und die Folgekultur entscheidet, welcher passt.
| Weg | Passt, wenn | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Abrechen und kompostieren | du für eine Aussaat ein feines Saatbett brauchst | Kranke Pflanzen gehören nicht auf den Gartenkompost |
| Flach einarbeiten | die Reste als organisches Material im Boden bleiben sollen | Danach meist etwa 2–3 Wochen bis zur Aussaat oder Pflanzung warten |
| Als Mulch liegen lassen | du später Jungpflanzen setzt | Saatrillen und Jungpflanzen bleiben frei von Mulch |
Für das flache Einarbeiten eignet sich ein Sauzahn. Die etwa 2–3 Wochen Wartezeit sind eine Orientierung für den Garten, entscheidend ist die tatsächliche Zersetzung der Reste. Junge Pflanzen haben ein engeres Verhältnis von KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. zu Stickstoff als ältere und werden deshalb schneller umgesetzt.
Wärmeliebendes Gemüse wird erst ab Mai oder Juni gemulcht. Für solche Kulturen räume ich den Mulch deshalb vor dem Pflanzen beiseite.
Zeigt eine Bodenuntersuchung erhöhte Vorräte an Phosphor und Kalium, nimmst du den Großteil der Masse vom Beet. Auf schwächer versorgten Beeten oder im Kompost lässt sie sich weiternutzen. Fallen dir beim Abräumen unregelmäßige, gefurchte Wucherungen an den Wurzeln auf, kann das auf KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. hindeuten. Solche Pflanzen gehören nicht auf den Gartenkompost.
Unter feuchtem Mulch finden Schnecken einen Lebensraum. Bei starken Schneckenschäden prüfst du, ob der Schaden den Nutzen der Mulchschicht übersteigt.
Was darf nach Ölrettich ins Beet?
Ölrettich ist ein Kreuzblütler und zählt in der Fruchtfolge wie Kohl, Rettich und Radieschen. Unmittelbar danach baust du deshalb keine Kohlgewächse an, und zu anderen Kreuzblütlern hält das Gemüsebeet mindestens 3–5 Jahre Abstand. Wähle die Folgekultur aus einer anderen Familie und berücksichtige ihren Stickstoffbedarf.
Wie du Vor- und Nachfrüchte planst, zeigt der Beitrag dazu, wie Ölrettich in den Fruchtwechsel passt. Die Grundregel, dass in der Fruchtfolge die Familie mitzählt, steht im Überblick zur Gründüngung. Für die Planung der nächsten Jahre hilft es, die Belegung deiner Beete im Beetplaner festzuhalten.
Was musst du zu Aussaat und Nematoden wissen?
Wie weit die Pflanzen bis zum Frost kommen, hängt auch am Saattermin. Als NachkulturEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen. im Garten passt Ölrettich noch zur Septembersaat, die Saatmengenangaben für den Hausgarten reichen von 2–5 g/m². Zeitpunkt und Saatmethode im Einzelnen erklärt der Beitrag dazu, wann und mit welcher Methode du Ölrettich aussäst. Die Saattermine der anderen Arten stehen im Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.
Als resistent eingestufte Ölrettichsorten werden auch gegen Rübennematoden gesät. Ob das in deinem Beet wirkt, hängt von der konkreten Sorte und der vorhandenen Nematodenart ab. Mehr dazu steht im Beitrag darüber, was Ölrettich gegen Nematoden leisten kann.


