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Phacelia im Naturgarten: Nützlinge fördern auf Beet, Brache und Blühstreifen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Phacelia bekämpft keine Schädlinge, sie füttert erwachsene Nützlinge mit Pollen und Nektar.
  • Bei der Hainschwebfliege fressen erst die Larven Blattläuse, deshalb gehört die Blüte direkt ans Gemüse.
  • Für einen blühenden Bestand säst du im Mai bis Juni, spätere Saaten begrünen vorwiegend.
  • Phacelia ist kein Lichtkeimer: Die Samen kommen 1–2 cm tief in den Boden.
  • Mähe nach der Blüte, aber vor der Samenreife, sonst sät sich Phacelia selbst aus.
  • Die untersuchten Nützlingsblühstreifen bestehen aus 13–16 Arten und belegen deshalb keine Wirkung von Phacelia allein.
Eine Hummel sammelt Nektar und Pollen von den lila Blüten des Büschelschöns (Phacelia tanacetifolia).
Foto: Wolfgang Vrede · Pexels License · Quelle ↗

Wenn Blattläuse am Gemüse sitzen, kommt es auch darauf an, wo in deinem Garten gerade etwas blüht. Blüten direkt neben dem Gemüse unterstützen erwachsene Nützlinge, und deren Nachwuchs ernährt sich von den Blattläusen an genau diesen Kulturen. Phacelia liefert diese Nahrung, denn ihre blauen Blüten bieten reichlich Pollen und Nektar. Ich säe sie deshalb gezielt an die Beetränder und lege den Saattermin so, dass sie blüht, solange das Gemüse steht.

Phacelia tanacetifolia heißt auf Deutsch Büschelschön, ist einjährig und gehört zur Familie Boraginaceae, den Raublattgewächsen. Meist wird sie als Gründüngung gesät, und der Gründünger-Ratgeber erklärt, was Gründüngung im Boden leistet. Hier geht es um die Nützlinge und um die Flächen, auf denen Phacelia für sie blüht.

Wie Phacelia Nützlinge fördert

Phacelia frisst keine Blattlaus, und die Schwebfliege an ihrer Blüte tut es auch nicht. Bei der Hainschwebfliege sind es die Larven, die Blattläuse fressen. Die erwachsenen Tiere nehmen Nektar auf, die Weibchen zusätzlich Pollen. Die Blüte versorgt also die Elterntiere, und den Schädling frisst erst ihr Nachwuchs. Deshalb gehört Phacelia so nah wie möglich an die Kultur, an der die Läuse sitzen.

Mythos-Check

„Phacelia hält Blattläuse fern.“ Das stimmt so nicht. Die Pflanze vertreibt und bekämpft nichts, sie füttert erwachsene Nützlinge. Ob daraus weniger Läuse werden, hängt von den Tieren in deinem Garten ab und davon, wie du dein Beet sonst pflegst.

Was Nützlinge außer Blüten brauchen

Blüten allein reichen nicht, denn Nützlinge brauchen auch Beute. Du musst also dulden, dass in begrenztem Umfang Blattläuse im Beet bleiben. Ich lasse die ersten Läuse an einzelnen Trieben deshalb in Ruhe und schaue nach, ob zwischen ihnen Schwebfliegenlarven sitzen.

Genauso wichtig ist ein Pflanzenschutz, der die Nützlinge schont. Wer spritzt, kann auch die Tiere treffen, für die er Phacelia gesät hat.

Zahl im Blick

Die untersuchten einjährigen Nützlingsblühstreifen bestehen aus 13–16 Wild- und Kulturpflanzenarten. Einen Wirkungsnachweis für Phacelia allein liefern sie deshalb nicht. Plane sie als eine Art unter mehreren, nicht als Ersatz für eine Mischung.

Der Saattermin entscheidet über die Blüte

Für Nützlinge zählt die Blüte, und die hängt am Saattermin. Einen blühenden Bestand bekommst du mit einer Saat im Mai bis Juni, während Saaten von Juli bis September vorwiegend der Begrünung dienen. Wer Phacelia erst nach der Sommerernte als Zwischenfrucht sät, bekommt also vor allem eine Bodendecke und kann nicht fest mit Blüten rechnen.

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. Plane für den Bestand im Hausgarten 6–10 Wochen Entwicklungszeit ein.

Mähen: nach der Blüte, vor den Samen

Eine Gründüngung wird im Hausgarten gewöhnlich kurz vor der Blüte geschnitten, für Nützlinge wäre das zu früh. Einen Bestand, der für Insekten blühen soll, beendest du nach der Blüte, aber vor der Samenreife. Sonst sät sich Phacelia selbst aus, denn sie kann verwildern.

Das Fenster dafür ist eng. Phacelia reift ungleichmäßig, im feldbaulichen Samenanbau wird die Ernte deshalb schon mit beginnendem Samenausfall geplant. Warte also nicht auf die letzte Blüte. Ich gehe gegen Ende der Blüte durch den Bestand, reibe verblühte Blütenstände zwischen den Fingern und mähe, bevor sich feste Samen bilden.

Das Schnittgut lasse ich als Mulch liegen. Arbeitest du es stattdessen flach ein, wartest du meist etwa 2–3 Wochen mit der nächsten Saat oder Pflanzung.

Empfehlungen für den Garten

Aussaat und Vermehrung

Saattiefe

Die Samen 1-2 cm tief säen.

Aussaatkalender Phacelia
GartenkalenderAussaat: April, Mai, Juni, Juli, August, September; Blüte: Juni, Juli, August, SeptemberJFMAMJJASONDAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustAussaat: SeptemberBlüteBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustBlüte: SeptemberAussaatBlüte

Wo du Phacelia für Nützlinge einsetzt

Vier Flächen kommen im Naturgarten infrage: das Gemüsebeet, die Brache, der Blühstreifen und die Obstanlage. Die Tabelle zeigt, was Phacelia dort leistet und worauf du achtest.

Fläche Was Phacelia dort leistet Worauf du achtest
Gemüsegarten Blüten direkt neben der Kultur Wuchshöhe 60–100 cm, Wasserkonkurrenz bei Trockenheit
Brachfläche Bodendecke gegen Erosion, Verschlämmung und Verkrustung zögerliche Jugend, Mähtermin vor der Samenreife
Blühstreifen und Wildblumenwiese kurzlebige Beimischung für schnelle Blüte Anschluss an Hecken, extensive Wiesen oder Blühbrachen
Obstanlage Blühstreifen zwischen den Baumreihen Baumscheibe geschwächter Bäume frei halten, Radius 0,5–2 m

Als Zwischenfrucht im Gemüsegarten

Im Gemüsegarten steht Phacelia am nächsten an den Läusen. Sie passt in viele Fruchtfolgen, weil sie mit keiner gängigen Gemüseart verwandt ist. Als Gründünger eignet sie sich unter anderem für Möhren, Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln, Kürbis und Mais, nur Boretsch gilt als unverträglicher Nachbar. Im Mischkultur-Planer schlägst du nach, welche Nachbarn sich im Beet vertragen.

Für Nützlinge empfehle ich den Randstreifen mit Saat im Mai bis Juni, weil er blüht, während das Gemüse wächst. Die Zwischenfrucht nach der Ernte im August oder September deckt dagegen vor allem den Boden, auch im Hochbeet, wenn es mehrere Wochen oder über Winter ungenutzt bleibt. Beides zusammen kannst du mit dem Beetplaner Beet für Beet durchplanen.

Zwei Grenzen solltest du kennen. Eine lebende Gründüngung verbraucht selbst Wasser und kann bei Trockenheit mit dem Gemüse konkurrieren, schneide den Streifen deshalb, sobald er die Kultur beeinträchtigt. Phacelia wird außerdem 60–100 cm hoch, ich säe sie also dorthin, wo sie dem Gemüse kein Licht nimmt.

Als Untersaat zwischen den Reihen ist sie kein verlässlicher Unkrautschutz. In Feldversuchen mit Kartoffeln verringerte Phacelia die Spätverunkrautung nicht in allen untersuchten Situationen signifikant.

Marias Erfahrung

Ich säe Phacelia als schmalen Streifen an den Beetrand und nicht quer durchs Beet. So komme ich beim Hacken und Ernten weiter an das Gemüse, und der Streifen lässt sich in einem Zug mähen.

Auf Brachflächen

Offener Boden kann verschlämmen und verkrusten. Eine Decke aus Phacelia beschattet ihn und schützt ihn so vor Erosion, Verschlämmung und Verkrustung. Sie kommt für schwere oder verdichtete Standorte infrage und eignet sich auch auf humusarmen leichten Böden, weil sie reichlich Grünmasse bildet.

Plane die ersten Wochen ein, denn Phacelia entwickelt sich zunächst zögerlich und steht erst ab dem dritten Blattpaar dicht. Grab Wurzelunkräuter vorher möglichst vollständig aus, weil zerteilte Wurzelstücke wieder austreiben können. Bis zum Auflaufen hältst du die Saat feucht. Eine Mischung kann die langsame Jugend ausgleichen: In Feldversuchen glichen Zwischenfruchtmischungen mit unterschiedlichen Wuchsformen Bestandslücken aus und unterdrückten Unkraut besser als die einzelnen Arten allein. Phacelia lässt sich dafür zum Beispiel mit Buchweizen kombinieren.

Phacelia ist einjährig und nicht winterhart, eine Brache begrünt sie also nur für eine Saison. Bleibt die Fläche länger liegen, wechsle ich danach die Art, denn für Phacelia ist eine Anbaupause von 2 Jahren angesetzt.

Blüten für Nützlinge bringt die Brache bei Saat im Mai bis Juni. In wintermilden Gebieten mit warmem Boden kannst du noch bis Anfang Oktober säen, dann geht es nur um Bodenbedeckung bis zum Frost. Friert der Bestand ab, bleibt er über Winter als Mulch liegen.

In Blühstreifen und Wildblumenwiesen

In dauerhaft angelegten Blühflächen für den Naturschutz kann Phacelia als kurzlebige Beimischung schnell für Blüten sorgen. Auf Dauer tragen andere Arten die Fläche. Bei fertigen Mischungen richtest du dich nach der Saatmenge auf der Packung.

Ein einjähriger Blühstreifen für Nützlinge wirkt besser, wenn er in mehrjährige Lebensräume eingebunden ist. Gemeint sind Hecken, extensive Wiesen und Blühbrachen. Leg den Streifen deshalb so an, dass er an eine solche Fläche anschließt.

Phacelia blüht von Juni bis September. Ein bienenfreundlicher Nutzgarten braucht aber ein vielfältiges Blütenangebot vom Frühjahr bis zum Herbst, das Frühjahr müssen also andere Pflanzen abdecken.

Im Ziergarten steht Büschelschön auch zwischen Stauden. Wie du es mit Begleitstauden ins Staudenbeet einbindest, ist ein eigenes Thema.

In Obstanlagen

In Obstanlagen stimmst du zwei Dinge auf den Blühstreifen ab: den Schnittzeitpunkt und den Pflanzenschutz. Das Ziel ist ein möglichst langes Blütenangebot, und der Pflanzenschutz soll dabei die Tiere schonen, auf die er nicht zielt.

Ich säe Phacelia in den Streifen zwischen den Bäumen und lasse die Baumscheiben frei. Offenen Boden im Obstgarten kannst du noch im Juli mit Gründüngung einsäen, um die Bodengare zu verbessern. Für die Blüte bleibt es beim Termin im Mai bis Juni.

Häufiger Fehler

Phacelia bis an den Stamm säen. Dichter Unterbewuchs konkurriert mit dem Obstbaum um Wasser und Nährstoffe. Geschwächte Bäume entlastest du mit einer bewuchsfreien, gemulchten Baumscheibe, deren Radius je nach Baumgröße 0,5–2 m betragen kann.

Ist Phacelia ein Lichtkeimer?

Nein, Phacelia ist kein Lichtkeimer: Die Samen kommen 1–2 cm tief in den Boden und werden mit Erde bedeckt. Verteile im Hausgarten 1–3 g Saatgut/m² breitwürfig, reche es ein und drücke es an. Die Termine aller Arten findest du im druckbaren Kalender mit den Saatzeiten der Gründünger.

Bienen, Boden, Pflege: die Nachbarthemen in Kürze

Bienen und Blütenbesucher. Von Pollen und Nektar leben auch Bienen und andere Blütenbesucher. Wildbienen sind allerdings häufig auf wenige oder einzelne Nahrungspflanzen spezialisiert und brauchen ungestörte Nistplätze, Phacelia allein versorgt deshalb nicht alle Arten.

Boden. Phacelia nimmt vorhandenen Bodenstickstoff in ihre Biomasse auf und kann so dessen Auswaschung vermindern. Eine besondere Tiefenwirkung wird für sie im Hausgarten nicht angesetzt. Der Ratgeber zur Bodenverbesserung zeigt, wie Phacelia als Mulch und Gründüngung den Gartenboden verbessert.

Standort. Phacelia wächst an sonnigen bis halbschattigen Plätzen. Welche Gründüngerart zu welchem Boden passt, steht im Gründünger-Ratgeber im Abschnitt zu Standort und Boden.

Pflege und Krankheiten. Zur Keimung und im Jugendstadium muss die Wasserversorgung gesichert sein, bei anhaltender Trockenheit gießt du. Die Stickstoffvorräte im Boden reichen häufig aus, pauschal nachdüngen musst du nicht. Im Pflege-Ratgeber liest du, wie du Phacelia für eine lange, üppige Blüte pflegst.

Samenernte. Der Mähtermin vor der Samenreife gilt nicht für den Teil des Bestands, von dem du Saatgut ernten willst. Vom Erntezeitpunkt bis zur Aufbewahrung erklärt ein eigener Ratgeber, wie du Phacelia-Saatgut selbst gewinnst.

Fruchtfolge und andere Gründünger. Gründünger zählen in der Fruchtfolge zu ihrer Pflanzenfamilie: Senf, Ölrettich und Raps gehören in die Kreuzblütlerpause, Klee, Wicken und Lupinen zu den Hülsenfrüchten. Wie sich die Arten unterscheiden und was das für deine Beetfolge heißt, steht im Gründünger-Ratgeber in den Abschnitten zu Familien und Wuchsformen sowie zu Fruchtfolge und Mischkultur.

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Häufige Fragen

Welche Rolle spielt Phacelia bei der natürlichen Schädlingsbekämpfung?
Phacelia bekämpft selbst keine Schädlinge, sie versorgt erwachsene Nützlinge mit Pollen und Nektar. Bei der Hainschwebfliege zum Beispiel leben die erwachsenen Tiere von Nektar, die Weibchen zusätzlich von Pollen, und erst ihre Larven fressen Blattläuse. Blüht Phacelia direkt neben dem Gemüse, unterstützt das diese erwachsenen Tiere, deren Nachwuchs sich von den Blattläusen dort ernährt. Eine Garantie ist das nicht: Die Nützlinge brauchen etwas Beute im Beet und einen Pflanzenschutz, der sie schont.
Warum gilt Phacelia als Lichtkeimer und was bedeutet das für die Aussaat?
Die Bezeichnung hält sich hartnäckig, sie trifft aber nicht zu: Phacelia ist kein Lichtkeimer. Für die Aussaat bedeutet das, dass die Samen 1–2 cm tief in den Boden kommen und mit Erde bedeckt werden. Verteile das Saatgut breitwürfig, reche es ein und drücke es an. Bis zum Auflaufen hältst du die Fläche feucht.
Wie wird Phacelia richtig in Wildblumenwiesen und Blühstreifen etabliert?
In dauerhaften Blühflächen für den Naturschutz kann Phacelia als kurzlebige Beimischung für einen schnellen Blüheffekt sorgen, auf Dauer tragen andere Arten die Fläche. Für einen blühenden Bestand säst du im Mai bis Juni direkt an Ort und Stelle in ein feinkrümeliges Saatbett und hältst die Saat bis zum Auflaufen feucht. Bei fertigen Mischungen richtest du dich nach der Saatmenge auf der Packung. Einjährige Blühstreifen für Nützlinge wirken besser, wenn sie in mehrjährige Lebensräume wie Hecken, extensive Wiesen oder Blühbrachen eingebunden sind.
Welche besonderen Eigenschaften hat Phacelia bezüglich Frosttoleranz?
Phacelia ist nicht winterhart, verträgt aber Frost bis etwa −8 °C. Rechne trotzdem damit, dass der Bestand im Winter abfriert. Die abgestorbenen Pflanzen bleiben dann über Winter als Mulch auf dem Boden liegen. Im Frühjahr rechst du die Reste bei Bedarf ab.
Ist es ein Mythos, dass Phacelia Stickstoff aus der Luft binden kann?
Ja, das ist ein Mythos. Luftstickstoff binden nur Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen, und zwar mithilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln. Phacelia nimmt Stickstoff auf, der schon im Boden vorhanden ist, und kann so dessen Auswaschung vermindern. Beim Verrotten wird er wieder frei, zusätzlichen Stickstoff bringt sie nicht ins Beet.
Worin unterscheiden sich Phacelia und andere Gründüngungspflanzen wie Senf oder Buchweizen?
Der wichtigste Unterschied ist die Pflanzenfamilie. Senf ist ein Kreuzblütler wie Kohl, Rettich und Radieschen und kann in deren Fruchtfolge Kohlhernie fördern, während Phacelia mit keiner gängigen Gemüseart verwandt ist. Buchweizen wurzelt flach und wird erst von Mai bis Juli gesät, Phacelia lässt sich von April bis September säen.
Wie grenzt sich Phacelia tanacetifolia von anderen Phacelia-Arten ab?
Als Gründüngung wird Phacelia tanacetifolia gesät, das Büschelschön. Sie ist einjährig, wird 60–100 cm hoch und blüht von Juni bis September. Die als Glocken-Phazelie angebotene Phacelia campanularia ist eine eigene Art und keine Zwergsorte davon. Achte beim Saatgutkauf deshalb auf den botanischen Namen.
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