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Natürliche Schädlingsbekämpfung im Gemüsegarten: So schützt du Kohl, Kartoffeln und Möhren

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.de Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Erst bestimmen, dann handeln: Kohlweißling, Kartoffelkäfer und Möhrenfliege verlangen unterschiedliche Handgriffe.
  • Kulturschutznetze mit weniger als 1 mm Maschenweite kommen unmittelbar nach Saat oder Pflanzung über Kohl und Möhren, der Rand wird dicht befestigt.
  • Über Möhren bleibt das Netz bis kurz vor der Ernte, weil ab August eine zweite Generation der Möhrenfliege schädigt.
  • Kartoffelkäfer und ihre Larven sammelst du ab, sicher erkannte Eigelege an den Blattunterseiten zerdrückst du.
  • Pflanzenschutzmittel kommen erst in Frage, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen.
Nahaufnahme einer Kolonie gruener Blattlaeuse an einer gelben Bluetenknospe. Die Tiere sitzen dicht an Kelchblaettern und Knospenansatz, dazwischen liegen weisse Haeutungsreste.
Foto: Marian Florinel Condruz · Pexels License · Quelle ↗

Fraßlöcher im Kohl, rot-schwarze Larven auf dem Kartoffellaub, rostbraune Gänge in der Möhre: Jeder dieser Schäden hat einen anderen Verursacher, und jeder verlangt einen anderen Handgriff. Ich fange deshalb nicht mit einem Mittel an, sondern mit dem Bestimmen. Wer weiß, wer frisst, kann gezielt abdecken oder absammeln, statt auf Verdacht zu spritzen.

Hier bekommst du Steckbriefe zu Kohlweißling, Kartoffelkäfer und Möhrenfliege, dazu kürzere zu Blattläusen, Weißer Fliege, Maiszünsler und Schnecken. Die Grundlagen zu Boden, Nützlingen und Hausmitteln fasse ich am Ende knapp zusammen.

Welcher Schädling frisst an deinem Gemüse?

Die Tabelle hilft beim ersten Bestimmen. Die Merkmale sind Hinweise, keine Diagnose: Schau dir im Zweifel die Tiere selbst an, nicht nur das Fraßbild.

Schädling Typische Hinweise Erster Schritt
Großer Kohlweißling Raupen gelbschwarz, Maximallänge 4 bis 4,5 cm Kulturschutznetz ab der Pflanzung, Raupen absammeln
Kleiner Kohlweißling Raupen grün und samtartig behaart, Maximallänge 3 bis 3,5 cm wie beim Großen Kohlweißling
Kartoffelkäfer Käfer mit zehn gelbschwarzen Streifen, Larven rot und schwarz gezeichnet Käfer und Larven absammeln, sicher erkannte Gelege zerdrücken
Möhrenfliege rostbraune Fraßgänge im Möhrenkörper, darin weiße Maden von 6 bis 8 mm Kulturschutznetz ab der Saat bis kurz vor der Ernte
Blattläuse befallen auch Kräuter wie Basilikum und Dill vor allem Jungpflanzen mit kräftigem Wasserstrahl abspritzen
Gewächshaus-Weiße-Fliege Erwachsene mit vier weißen Flügeln, flache ungeflügelte Larven, vor allem auf Blattunterseiten Gelbtafel zur Früherkennung, bei Sonne rechtzeitig lüften
Maiszünsler Löcher mit austretendem Bohrmehl und Kot, abgeknickte Pflanzenteile Schadbild früh erkennen; Trichogramma-Wespen parasitieren die Eier
Nacktschnecken Spanische Wegschnecke gestreckt etwa 7 bis 14 cm; Genetzte Ackerschnecke etwa 35 bis 60 mm, bei Reizung kalkmilchartiger Schleim morgens gezielt gießen, Verstecke auslegen und absammeln

Kohlweißling: Wie schützt du Kohl vor den Raupen?

Raupenbefall an Kohl kann sich durch Fraß am Blattrand, Löcher im Blatt und zurückbleibenden Raupenkot zeigen. Auch Bohrgänge ins Kopfinnere gehören zum Schadbild. Die Raupen des Großen Kohlweißlings sind gelbschwarz, die des Kleinen Kohlweißlings grün und samtartig behaart.

Vorbeugend deckst du den Kohl mit einem Kulturschutznetz ab, dessen Maschenweite unter 1 mm liegt. Es kommt unmittelbar nach der Pflanzung locker über die Pflanzen, und der Rand wird rundum befestigt. Gewöhnlich bleibt es bis kurz vor der Ernte liegen. Ab dem Frühsommer nimmst du ein Netz statt eines Vlieses, weil Vlies Wärme zurückhält. Bei mir kommt das Netz direkt nach dem Pflanzen über die Kohlreihe, und den Rand beschwere ich rundum, bis kein Spalt mehr offen ist.

Findest du trotzdem Raupen, sammelst du sie ab; bei beginnendem oder leichtem Befall kann das ausreichen. Weil Absammeln vor allem am Anfang reicht und die Raupen bis ins Kopfinnere bohren können, schaust du früh unter die äußeren Blätter und nicht erst am fertigen Kopf.

Marias Erfahrung

Wenn ich unter das Netz schaue, hebe ich die äußeren Kohlblätter an und suche nach Fraßlöchern und Kot. Was ich an Raupen finde, sammle ich ab, danach befestige ich den Netzrand wieder rundum.

Insektenfressende Vögel, räuberische Wanzen und Wespen fressen Raupen und können so zur Begrenzung des Befalls beitragen. Viele Gartenvögel brauchen während der Brutzeit eiweißreiche Nahrung wie Raupen. Für die Kohlfliege gibt es eigene Gegenspieler: Die Larven der Kurzflügler Aleochara bipustulata und Aleochara bilineata parasitieren die Puppen von Kohl- und Zwiebelfliegen.

Als Nachbarn für Kopfkohl passen Tomaten und Sellerie, die den Befall durch den Kohlweißling mindern können. Verlass dich aber nicht darauf, denn solche Effekte treten nicht unter allen Standort-, Licht-, Boden- und Pflegebedingungen gleich auf.

Was tun gegen Kartoffelkäfer und ihre Larven?

Der Kartoffelkäfer trägt zehn gelbschwarze Streifen. Seine Larven sind rot und schwarz gezeichnet und fressen an den Kartoffelblättern. Käfer wie Larven lassen sich im Hausgarten durch Absammeln unmittelbar entfernen.

Jetzt dran

Nimm einen Eimer mit in die Kartoffelreihen, sammle Käfer und Larven ab und dreh dabei die Blätter um. Eigelege an den Blattunterseiten zerdrückst du nur, wenn du sie sicher als Kartoffelkäfer-Gelege erkannt hast.

Bleibt der Befall trotz Absammeln hoch und drohen erhebliche Ernteverluste, findest du bei den Grundlagen am Ende, was dann für Pflanzenschutzmittel gilt.

Möhrenfliege: Wie bleiben die Möhren ohne Maden?

Den Schaden der Möhrenfliege siehst du an der Wurzel: Im Möhrenkörper findest du rostbraune Fraßgänge, in denen weiße Maden von 6 bis 8 mm Länge stecken können. Weil die Maden in der Möhre fressen, kannst du sie nicht wie Kartoffelkäfer absammeln; der Schutz setzt deshalb vor dem Befall an.

Ein Kulturschutznetz mit weniger als 1 mm Maschenweite kommt unmittelbar nach der Saat über das Möhrenbeet, an den Rändern geschlossen. Ich lege das Netz direkt nach dem Säen auf.

Achtung

Die Möhrenfliege kommt in einer zweiten Generation wieder, die ab August schädigt. Nimm das Netz deshalb nicht im Hochsommer ab, sondern lass es bis kurz vor der Ernte über den Möhren.

Zwiebeln oder Lauch zwischen den Möhren sollen die Fliege mit ihrem Geruch verwirren. Ich setze solche Reihen gern, verlasse mich gegen die Möhrenfliege aber nicht darauf. Dass beliebige Pflanzenpaare sich zuverlässig gegenseitig vor Schädlingen schützen, ist nicht nachgewiesen.

Weitere Gemüseschädlinge: Was tun gegen Läuse, Weiße Fliege, Maiszünsler und Schnecken?

Blattläuse: Wann lohnt sich das Eingreifen?

Gegen Blattläuse an Gemüse lohnt sich das Eingreifen vor allem an jungen Pflanzen, ältere Pflanzen tolerieren einen Befall mitunter. Häufig reicht es, die befallenen Pflanzen mit einem kräftigen Wasserstrahl abzuspritzen. Auch Kräuter wie Basilikum und Dill können befallen werden. Vorbeugend gespritzt, ist ein Brennnesselauszug gegen die Schwarze Bohnenlaus an Bohnen wirkungslos. Mehr Handgriffe findest du im Ratgeber dazu, wie du Schädlinge mit Absammeln, Wasserstrahl und Früherkennung aus dem Gemüsebeet fernhältst.

Weiße Fliege: Was hilft im Kleingewächshaus?

Bei der Gewächshaus-Weißen-Fliege sitzen die Erwachsenen mit ihren vier weißen Flügeln und die flachen, ungeflügelten Larven vor allem auf den Blattunterseiten. Hohe Temperaturen begünstigen ihre Vermehrung, deshalb lüftest du das Kleingewächshaus bei Sonne rechtzeitig und beschattest die Kulturen bei Bedarf. Gelbtafeln dienen unter Glas der Früherkennung: Ihre Farbe lockt an, und auf der Leimfläche bleiben anfliegende Insekten hängen. Häng sie auf Höhe der Kultur und nicht direkt neben Nützlingsträger.

Gegen die Gewächshaus-Weiße-Fliege lässt sich auch im Kleingewächshaus die Schlupfwespe Encarsia formosa einsetzen. Ob das gelingt, hängt wie bei vielen eingesetzten Nützlingen von Tageslänge, Lichtstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Wo der biologische Pflanzenschutz im Gemüsegarten an Grenzen stößt, erklärt ein eigener Ratgeber.

Tipp

Befallene Beet- und Balkonpflanzen können die Weiße Fliege ins Gewächshaus einschleppen. Dreh neue Pflanzen deshalb um und schau dir die Blattunterseiten an, bevor sie unter Glas kommen.

Maiszünsler: Woran erkennst du den Befall am Zuckermais?

Löcher, aus denen Bohrmehl und Kot austreten, und abgeknickte Pflanzenteile können auf den Maiszünsler hindeuten. Als Gegenspieler parasitieren Trichogramma-Wespen seine Eier, sodass aus ihnen Wespen statt Raupen schlüpfen. In historischen Versuchen schwankte die Wirkung deutlich, ein sicherer Schutz ist das also nicht. Welche Gegenspieler im Mais sonst mitarbeiten, steht im Ratgeber darüber, wie du Nützlinge im Maisbeet förderst.

Schnecken: Was hilft im Gemüsebeet?

Spanische Wegschnecken sind bei Trockenheit vor allem morgens, abends und nachts unterwegs, bei feuchtem Wetter auch tagsüber. Von Roten Wegschnecken lassen sich erwachsene Tiere äußerlich nicht sicher unterscheiden. Ich gieße bei Schneckenproblemen morgens gezielt an die Kulturpflanzen und lasse die Wege, über die Schnecken zuwandern, trocken. Zwischen die Reihen lege ich Bretter als Verstecke, die ich regelmäßig anhebe, um die Schnecken darunter abzusammeln.

Ein Schneckenzaun braucht einen breiten, nach außen gebogenen Überhang und lückenlose Verbindungen, und überhängende Pflanzen hältst du davon fern. Schnecken, die schon im umzäunten Beet leben, hält er allerdings nicht vom Fressen ab. Bierfallen sehe ich kritisch, weil sie zusätzliche Schnecken aus der Umgebung anlocken und auch andere Tiere töten können. Kaffeesatz wird nachgesagt, Schnecken abzuhalten; verlassen würde ich mich darauf nicht. Bei Kräuterbarrieren ist die Wirkung nicht gesichert, und trinkfertiger Kaffee gilt als unwirksam.

Weinbergschnecken sind geschützt und dürfen im Garten nicht gezielt bekämpft werden. Schneckennematoden der Art Phasmarhabditis hermaphrodita lassen sich gegen die Genetzte Ackerschnecke einsetzen, die Spanische Wegschnecke parasitieren sie nicht. Weil das so ist und sich die Ackerschnecke bei Reizung durch kalkmilchartigen Schleim zu erkennen gibt, lohnt vor einem Einsatz der Blick darauf, welche Schnecke bei dir frisst.

Mythos-Check

Der Igel räumt die Schnecken weg? Schnecken machen bei ihm nur etwa 5 % der Nahrung aus. Igel sind vor allem Insektenfresser und fressen Schnecken besonders dann, wenn besser geeignete Nahrung fehlt.

Grundlagen kurz: Was gilt für alle Beete?

Die Steckbriefe bauen auf Grundlagen auf, die für jedes Gemüsebeet gelten. Ausführlich erklärt sie der Ratgeber Nützlinge & Schädlinge, angefangen damit, wie du einen Befall erst einordnest und dann der Reihe nach handelst. Hier nur das Nötigste.

Erst einordnen, dann handeln. Im integrierten Pflanzenschutz schöpfst du zuerst Kulturmaßnahmen aus, bei weiterem Bedarf haben biologische oder biotechnische Verfahren Vorrang. Dazu gehört, dass du hinschaust und bestimmst, bevor du eingreifst.

Boden und Düngung. Beim Boden beginnst du mit einer Untersuchung, und gedüngt wird mit Maß: Übermäßige Stickstoffgaben machen Kopfkohl anfälliger für Krankheiten. Wie du eine Bodenprobe nimmst, steht im Ratgeber unter Standort, Boden und Düngung.

Fruchtfolge und Mischkultur. Kohl und andere Kreuzblütler stehen zur Krankheitsvorbeugung höchstens alle 4 bis 5 Jahre auf demselben Beet; deine Beetfolge über mehrere Jahre planst du im Beetplaner. Tomaten und Gurken gelten als ungünstige Nachbarn, und welche Partner sich im Beet vertragen, zeigt dir das Mischkultur-Werkzeug. Duftenden Kräutern wird nachgesagt, Schädlinge zu verwirren, eine verlässliche Abwehr ist aber nicht nachgewiesen.

Nützlinge. Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag, und auch die Larven von Florfliegen und blattlausfressenden Schwebfliegen leben von Blattläusen. Damit Gegenspieler bleiben, tolerierst du einen gewissen Befall als ihre Nahrungsgrundlage; das gehört zur biologischen Schädlingsbekämpfung mit natürlichen Gegenspielern. Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend im Gewächshaus zum Einsatz, im Freiland ist ihr Einsatz vergleichsweise teurer und weniger effizient.

Lebensräume und Aufräumen. Laubhaufen, Totholz und unaufgeräumte Ecken bieten vielen Tieren Nahrung und Rückzug, und Staudenstängel bleiben über Winter stehen, weil Insekten daran oder darin überwintern können. Freie Stellen auf abgeernteten Beeten nutzt du für blühende Lückenfüller wie Ringelblumen, Zinnien, Schmuckkörbchen und Tagetes. Mit welchen Pflanzen und Nisthilfen du Nützlinge dauerhaft ins Gemüsebeet holst, beschreibt der Nützlings-Ratgeber.

Barrieren und Fallen. Klebetafeln und Leimringe können Nützlinge, kleine Vögel und Fledermäuse töten; setzt du sie überhaupt ein, begrenzt du sie auf die Aktivitätsphase des Zielschädlings. Pheromonfallen gegen Schadschmetterlinge dienen vor allem dazu, den Falterflug zu überwachen. Netze, Zäune und Fallen im Überblick findest du im Ratgeber unter Barrieren, Netze und Fallen.

Hausmittel und Jauchen. Brennnessel- oder Schachtelhalmbrühen und Seifenlauge wird nachgesagt, Pflanzen zu stärken oder Schädlinge zu vertreiben. Selbst angesetzte Kräuterzubereitungen wirken aber nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge treffen, und Schmierseife wie Kernseife sind keine genehmigten Grundstoffe für den Pflanzenschutz. Wie du Hausmittel herstellst und sicher anwendest, beschreibt der Hausmittel-Ratgeber.

Pflanzenschutzmittel nur zuletzt. Pflanzenschutzmittel erwägst du erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann nimmst du nur Mittel, die für den Haus- und Kleingarten gekennzeichnet und für Pflanze und Schädling zugelassen sind, und hältst dich an Gebrauchsanleitung, Schutzkleidung und Wartezeit. Kinder und Haustiere bleiben fern, Reste gehören zur Sondermüll-Sammelstelle, und auch solche Mittel können Nützlinge treffen.

Häufige Fragen

Was versteht man unter natürlicher Schädlingsbekämpfung im Gemüsegarten?
Gemeint ist ein Vorgehen in Stufen: Zuerst schöpfst du Kulturmaßnahmen aus, bei weiterem Bedarf haben biologische oder biotechnische Verfahren Vorrang. Im Gemüsebeet heißt das zum Beispiel, Kohl und Möhren unter einem feinmaschigen Kulturschutznetz zu ziehen und Kartoffelkäfer abzusammeln. Einen gewissen Befall tolerierst du, weil er natürlichen Gegenspielern als Nahrung dient. Pflanzenschutzmittel erwägst du erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen.
Was unterscheidet Schädlingsbekämpfung von Schädlingsprävention in der Praxis?
Prävention setzt an, bevor der Schädling an die Pflanze kommt: Das Kulturschutznetz liegt unmittelbar nach Saat oder Pflanzung über Kohl und Möhren. Bekämpfung reagiert auf einen vorhandenen Befall, etwa durch das Absammeln von Raupen und Kartoffelkäfern oder einen kräftigen Wasserstrahl gegen Blattläuse. Bei beginnendem oder leichtem Raupenbefall an Kohl kann Absammeln schon ausreichen. Pflanzenschutzmittel sind erst dann ein Thema, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen.
Welche physikalischen Barrieren haben sich gegen Kohlweißling und Möhrenfliege bewährt?
Für beide wird ein möglichst feinmaschiges Kulturschutznetz mit weniger als 1 mm Maschenweite empfohlen. Es kommt unmittelbar nach Saat oder Pflanzung locker über die Kultur, und der Rand wird dicht am Boden befestigt. Über Möhren bleibt das Netz bis kurz vor der Ernte, weil ab August eine zweite Generation der Möhrenfliege schädigt. Ab dem Frühsommer nimmst du Netz statt Vlies.
Welche Rolle spielen Nützlinge bei der biologischen Schädlingsbekämpfung?
Nützlinge sind natürliche Gegenspieler, die Schädlinge fressen oder parasitieren und einen Befall dadurch begrenzen können. Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag. Eine Larve der Grünen Florfliege vertilgt während ihrer Entwicklung etwa 400 Blattläuse. Damit die Gegenspieler bleiben, tolerierst du einen gewissen Schädlingsbefall als ihre Nahrungsgrundlage.
Wie legt man Mischkulturen für optimalen natürlichen Pflanzenschutz an?
Mischkultur kann die Flächennutzung und die Bodenbedeckung im Beet verbessern. Eine zuverlässige gegenseitige Schädlingsabwehr durch beliebige Pflanzenkombinationen ist aber nicht nachgewiesen. Für Kopfkohl eignen sich Tomaten und Sellerie als Partner, die den Kohlweißlingsbefall mindern können, während Tomaten und Gurken als ungünstige Nachbarn gelten. Plane die Nachbarn deshalb bewusst, aber schütze Kohl und Möhren zusätzlich mit einem Kulturschutznetz.
Stimmt es, dass ein perfekt sauberer Garten weniger Schädlingsprobleme hat?
Nicht unbedingt, denn mit dem Aufräumen verschwinden auch Verstecke der Gegenspieler. Laubhaufen, Totholz, Steinhaufen und unaufgeräumte Ecken bieten zahlreichen Tieren Nahrung und Rückzugsräume. Staudenstängel bleiben über Winter stehen, weil Insekten und Entwicklungsstadien von Schmetterlingen daran oder darin überwintern können. Einen gewissen Schädlingsbefall tolerierst du als Nahrungsgrundlage für natürliche Gegenspieler.
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