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Kamille im Garten gegen Schädlinge: Tee ansetzen, Grenzen kennen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.de Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Kamille ist kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz, auf eine Wirkung gegen Blattläuse oder Mehltau verlässt du dich besser nicht.
  • Für Kamillentee zur Pflanzenpflege nimmst du je Liter kochendes Wasser 5 g getrocknete Blüten.
  • Selbst angesetzte Kräuterzubereitungen wirken nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge beeinflussen.
  • Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren.
  • Echte Kamille säst du von März bis Juli direkt an Ort und Stelle und drückst die Samen als Lichtkeimer nur an.
Echte Kamille mit weißen Zungenblüten um gewölbte gelbe Körbchen über fein gefiedertem Laub
Foto: Hans · Pixabay Content License · Quelle ↗

Die ersten Blattläuse sitzen an den Triebspitzen, und am Beetrand blüht die Kamille. Da liegt der Gedanke nahe, aus den Blüten einen Tee aufzugießen und ihn über die befallenen Pflanzen zu sprühen. Vorher solltest du zwei Dinge wissen: Kamille ist kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz, und selbst angesetzte Kräuterzubereitungen können auch Nützlinge beeinflussen.

Ich ziehe Echte Kamille jedes Jahr im Gemüsegarten, vor allem als Teekraut. Botanisch heißt sie Matricaria chamomilla und gehört als einjährige Art zu den Korbblütlern. Ihre Blüten und ihr Kraut werden zu Tee verarbeitet. Aus den Blüten setze ich auch einen Kamillentee zur Pflanzenpflege an.

Hilft Kamille gegen Blattläuse und Mehltau?

Der Kamille wird nachgesagt, Blattläuse abzuschrecken und Pilzkrankheiten wie Mehltau zu bremsen. Begründet wird das meist mit ihrem Duft und ihrem ätherischen Öl. Deshalb landet Kamillentee in vielen Gärten in der Sprühflasche oder in der Gießkanne.

Kamille ist aber kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz. Bei genehmigten Grundstoffen sind Anwendungsgebiete, Anwendungsbedingungen und gegebenenfalls Wartezeiten festgelegt und einzuhalten. Für Kamille fehlt dieser Rahmen: Es gibt keine festgelegte Vorgabe, gegen welche Schädlinge oder Krankheiten, in welcher Stärke und wie oft du sie einsetzt.

Mythos-Check

„Kamillentee ist pflanzlich, also schont er die Nützlinge.“ Darauf kannst du dich nicht verlassen. Selbst hergestellte Kräuterzubereitungen wirken nicht grundsätzlich selektiv und können auch Nützlinge beeinflussen.

Aussaatkalender Kamille
GartenkalenderVorkultur: März, April, September; Aussaat: März, April, Mai, Juni, Juli, September, Oktober, November; Blüte: Mai, Juni, Juli, August, September; Ernte: Juni, Juli, August, SeptemberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MärzVorkultur: AprilVorkultur: SeptemberAussaatAussaat: MärzAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: SeptemberAussaat: OktoberAussaat: NovemberBlüteBlüte: MaiBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustBlüte: SeptemberErnteErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberVorkulturAussaatBlüteErnte

Wie setzt du Kamillentee für Pflanzen an?

Für einen Kamillentee zur Pflanzenpflege halte ich mich an diese Werte:

Was Wert
Wasser, kochend 1 l
getrocknete Kamillenblüten 5 g
alternativ frische Kamillenblüten 50 bis 100 g
Ziehzeit 15 bis 20 Minuten

Ich wiege die Blüten auf der Küchenwaage ab und übergieße sie in einem hitzefesten Gefäß mit dem kochenden Wasser. Nach der Ziehzeit gieße ich den Tee durch ein feines Sieb und lasse ihn vollständig abkühlen. Erst dann kommt er in Sprühflasche oder Gießkanne.

Frische Blüten pflücke ich direkt im Beet. Außerhalb der Erntezeit von Juni bis September nehme ich getrocknete Blüten aus dem Vorrat. Den Tee setze ich für jeden Einsatz neu an.

Und was ist mit Kamillensud oder Kamillenjauche?

Kurz erklärt

Für einen Tee übergießt du die Blüten mit kochendem Wasser und lässt sie ziehen. Für einen Sud oder Extrakt wird das Pflanzenmaterial im Wasser gekocht. Bei einer Jauche gärt zerkleinertes Pflanzenmaterial in Wasser.

Sud und Jauche aus Kamille gelten vielen als kräftigere Varianten des Tees. Bei Kamille setze ich nur den Tee an.

Zum Vergleich: Für die Spritzbrühe aus Ackerschachtelhalm gibt es ein festgelegtes Grundstoffverfahren mit genau beschriebener Krautmenge, Wassermenge, Einweich- und Kochzeit. Die fertige Brühe ist innerhalb von 24 Stunden zu verbrauchen. Wie du pflanzliche Mittel und Hausmittel insgesamt einordnest, erklärt der Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.

Sprühen oder gießen: Worauf achtest du?

Ob Sprühflasche oder Gießkanne: Diese Handgriffe gehören für mich immer dazu.

Auf die Blätter sprühen

Jeden neuen Ansatz probiere ich zuerst an einzelnen Blättern einer Pflanze aus und schaue mir diese Blätter danach genau an. Vor dem Sprühen prüfe ich, ob dort Larven blattlausfressender Marienkäfer- oder Schwebfliegenarten sitzen. Diese Larven leben von Blattläusen, deshalb lasse ich solche Stellen aus.

Als Gießmittel verwenden

Beim Gießen zählt Kamillentee als ganz normale Wassergabe. Bei Topf- und Wintergartenpflanzen können welke und gelbe Blätter durch übermäßiges Gießen und Sauerstoffmangel im Wurzelbereich entstehen. Feuchte Topferde ist außerdem ein Ort, an dem Larven von Trauermücken leben können. Wer den Tee zusätzlich zum üblichen Gießen in den Topf gibt, kann also beides begünstigen.

Ich gieße den Tee deshalb nur statt Wasser, nie obendrauf. Vorher hebe ich den Topf an und prüfe so sein Gewicht, weil torffreie Erde oben trocken und unten noch feucht sein kann.

Was hilft bei Blattläusen zuerst?

Bevor ich an Kamillentee denke, greife ich zum Gartenschlauch. Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren. Dabei halte ich den Trieb mit der freien Hand fest und spritze die Kolonie ab. Bei Gemüse lohnt das Eingreifen vor allem an jungen Pflanzen, denn ältere Pflanzen können einen Befall mitunter tolerieren.

Einen leichten Befall an älteren Pflanzen lasse ich stehen, denn natürliche Gegenspieler brauchen einen gewissen Schädlingsbefall als Nahrung. Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag. Weil auch eine Kräuterzubereitung Nützlinge beeinflussen kann, triffst du mit Kamillentee bei den ersten Läusen womöglich genau die Gegenspieler, die von ihnen leben.

Und wenn nichts davon reicht?

Ein Pflanzenschutzmittel kommt im Hausgarten erst infrage, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann darf es nur ein entsprechend gekennzeichnetes, für Pflanze und Schadorganismus zugelassenes Mittel sein, und auch dieses kann Nützlinge treffen. Du hältst dich an Gebrauchsanleitung und Wartezeit, trägst Schutzkleidung, hältst Kinder und Haustiere fern und bringst Reste zur Sondermüll-Sammelstelle. Welche Gegenspieler es gibt, wie du ihnen Lebensraum schaffst und in welcher Reihenfolge du eingreifst, zeigt der Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen.

Wie baust du Echte Kamille im Garten an?

Ich säe Kamille direkt an Ort und Stelle. Neben dem Beet eignen sich auch Hochbeet, Kübel und Topf. Kamille braucht einen sonnigen Platz und gut durchlässigen, frischen Boden. Auf nährstoffarmen Böden gedeiht sie ebenfalls. Staunasse und saure Standorte meidest du.

Ist der Boden ausreichend mit Phosphor, Kalium und Magnesium versorgt, braucht Kamille keine Grunddüngung. Bei durchschnittlichem mineralischem Bodenstickstoff können auch Stickstoffgaben entfallen, die vorhandene Versorgung berücksichtigst du dabei.

Gesät wird von März bis Juli. Das Saatgut ist sehr fein, das Tausendkorngewicht liegt bei 0,09 g. Ich mische die Samen vor dem Säen mit Sand, damit sie sich gleichmäßiger verteilen. Als Lichtkeimer braucht Kamille Licht zum Keimen, deshalb drücke ich die Samen nur an.

Merkmal Echte Kamille
Aussaat März bis Juli, direkt an Ort und Stelle
Saattiefe 0 bis 0,5 cm, Lichtkeimer
Keimdauer 7 bis 14 Tage
Abstand 10 bis 15 cm in der Reihe, 30 cm zwischen den Reihen
Wuchshöhe 20 bis 50 cm
Kulturdauer 56 bis 112 Tage
Blütezeit Mai bis September
Erntezeit Juni bis September
Winterhart nein, einjährig

Kamille ist einjährig und nicht winterhart. An einem passenden Standort sät sie sich aber gewöhnlich reichlich selbst aus, sodass sie im Folgejahr aus eigenen Samen wiederkommen kann.

Mischkultur kann Gartenfläche und Bodenbedeckung verbessern. Eine zuverlässige Schädlingsabwehr durch beliebige Pflanzenkombinationen ist aber nicht belegt; mehr dazu findest du im Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen. Du kannst im Mischkultur-Planer nachsehen, welche Nachbarn zur Kamille passen, und deine Kamillenreihen im Beetplaner einzeichnen.

Wann und wie erntest du die Blüten?

Kamille blüht von Mai bis September, geerntet wird von Juni bis September. Ich pflücke die Köpfchen 3 bis 5 Tage nach dem Aufblühen. Zum Trocknen breite ich sie auf einem Tuch aus und wende sie zwischendurch. Erst wenn sie rascheln, fülle ich sie in ein Schraubglas.

Tipp

Schneide vor der Ernte ein Blütenköpfchen längs durch. Echte Kamille erkennst du am hohlen Köpfchenboden ohne Spreublätter.

Marias Erfahrung

Ich lasse am Beetrand einige Pflanzen unbeerntet abblühen. Sobald die Sämlinge zu dicht stehen, verziehe ich sie.

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Häufige Fragen

Wie setzt du Kamillentee für Pflanzen an?
Für einen Kamillentee zur Pflanzenpflege nimmst du je Liter kochendes Wasser 5 g getrocknete Blüten. Mit frischen Blüten brauchst du 50 bis 100 g je Liter. Lass den Aufguss 15 bis 20 Minuten ziehen, seihe ihn ab und verwende ihn erst, wenn er abgekühlt ist.
Hilft Kamille gegen Blattläuse und Mehltau?
Kamille ist kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz. Nachgesagt wird ihr, Blattläuse abzuschrecken und Pilze wie Mehltau zu bremsen, meist begründet mit Duft und ätherischem Öl. Blattläuse lassen sich häufig schon mit einem kräftigen Wasserstrahl ausreichend reduzieren.
Was unterscheidet Kamille von Brennnessel im Pflanzenschutz?
Für einen Brennnesselauszug gibt es eine genehmigte Anwendung als Grundstoff gegen Schwarze Bohnenläuse an Freilandbohnen. Danach gilt bis zur Ernte eine Wartezeit von 7 Tagen. Vorbeugend gegen diese Laus eingesetzt ist der Auszug wirkungslos. Kamille ist dagegen kein genehmigter Grundstoff, für sie gibt es also weder festgelegte Anwendungsgebiete noch Anwendungsbedingungen.
Kann Kamille Pflanzenschutzmittel ersetzen?
Verlass dich nicht darauf: Kamille ist kein genehmigter Grundstoff für den Pflanzenschutz, und selbst angesetzte Kräuterzubereitungen können auch Nützlinge beeinflussen. Im integrierten Pflanzenschutz schöpfst du zuerst geeignete Kulturmaßnahmen aus und bevorzugst bei weiterem Bedarf biologische oder biotechnische Verfahren. Ein Pflanzenschutzmittel kommt erst infrage, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann verwendest du nur ein für Pflanze und Schadorganismus zugelassenes Mittel, hältst dich an die Gebrauchsanleitung und hältst Kinder und Haustiere fern.
Woran erkennst du Echte Kamille?
Echte Kamille hat einen hohlen Köpfchenboden ohne Spreublätter. Schneide ein Blütenköpfchen längs durch, dann siehst du den Hohlraum. Die einjährige Pflanze wird 20 bis 50 cm hoch und blüht von Mai bis September.
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