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Rasennachsaat: 9 Irrtümer im Faktencheck

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Nachsaat gelingt bei feuchtwarmer Witterung von April bis September, nicht nur im Frühjahr.
  • Brauner Rasen ist nach Trockenheit nicht automatisch tot; nachgesät wird erst, wo Pflanzen abgestorben sind.
  • Samen brauchen direkten Bodenkontakt: flach einarbeiten und andrücken statt nur streuen.
  • Zu viel Saat verstärkt die Konkurrenz der Keimlinge und kann Pilzkrankheiten begünstigen.
  • Nachgesäte Stellen etwa vier Wochen gleichmäßig feucht halten, auch wenn schon erstes Grün sichtbar ist.
  • Moos beweist für sich allein keinen Kalkbedarf; ob Kalk fehlt, klärt eine Bodenprobe.

Rund um die Rasennachsaat halten sich Faustregeln, die dich Saatgut, Wasser und Arbeit kosten können. Bevor ich nachsäe, gehe ich über die Fläche und schaue mir jede Lücke einzeln an: Wie groß ist sie, liegt sie im Schatten, steht dort nach Regen Wasser?

Hier prüfe ich neun verbreitete Irrtümer und sage dir, was fachlich dahintersteckt. Wann eine Lücke grundsätzlich nachgesät wird und in welchen Zeitfenstern, steht im Abschnitt zur Nachsaat im Rasen-Ratgeber.

Klappt Nachsaat nur im Frühjahr?

Nein. Bei feuchtwarmer Witterung ist Nachsaat von April bis September möglich. Im Herbst geht es etwa bis Mitte Oktober weiter, solange der Boden noch ungefähr 8 bis 10 °C hat und ausreichend feucht ist. Eine Herbstsaat nutzt die gespeicherte Bodenwärme, im Frühjahr kann dagegen der Unkrautdruck stärker sein.

Welcher Zeitpunkt zu deiner Fläche passt, mit Jahreszeiten und Bodentemperatur im Einzelnen, liest du im eigenen Ratgeber dazu.

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GartenkalenderAussaat: März, April, Mai, September, OktoberJFMAMJJASONDAussaatAussaat: MärzAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: SeptemberAussaat: OktoberAussaat

Ist brauner Rasen nach einem trockenen Sommer tot?

Nicht automatisch. Ein etablierter Rasen kann bei Trockenheit braun werden und sein Wachstum einstellen, ohne abgestorben zu sein. Nach ausreichendem Regen kann er wieder austreiben. Nachgesät wird deshalb erst dort, wo Pflanzen tatsächlich abgestorben sind und größere Lücken bleiben.

Marias Erfahrung

Bevor ich nach einem trockenen Sommer über Saatgut nachdenke, mache ich den Topftest. Ich steche an einer braunen Stelle eine Probe 5 bis 8 cm tief aus, setze sie in einen Topf und halte sie feucht. Zeigen sich nach etwa einer Woche neue grüne Spitzen, deutet das auf verbliebene Vitalität hin.

Mit der Reparatur vertrockneter Flächen beginnst du erst bei kühlerer, feuchterer Witterung, damit du die Nachsaat zuverlässig feucht halten kannst. Wer bis dahin wartet, verliert also keine Zeit und sieht in der Zwischenzeit, welche Stellen nach dem Regen wieder austreiben. Verbleibende Lücken kannst du nach sommerlicher Trockenheit im September oder Oktober nachsäen und dabei eine Mischung wählen, die besser zum Standort passt.

Bis dahin betrittst und mähst du die braune Fläche weniger und vertikutierst sie nicht. Wie du Rasen durch Hitze und Trockenphasen bringst, steht im Rasen-Ratgeber unter der Pflege im Jahreslauf.

Reicht es, die Samen einfach auszustreuen?

Nein. Nachgesäte Samen brauchen direkten Kontakt zum Boden, und den bekommen sie durch flaches Einarbeiten. Offen liegendes Saatgut erreichen Vögel außerdem leichter als eingearbeitetes und angedrücktes. Ich arbeite die Samen deshalb nach dem Streuen flach ein und drücke die Stelle an. Kleine nachgesäte Stellen kannst du zusätzlich mit Vlies gegen Vogelfraß schützen.

Vorher mähst du den Altbestand kurz, entfernst Schnittgut und abgestorbenes Material und ritzt die Oberfläche an. Wie du einen lückigen Rasen fachgerecht nachsäst, von der Vorbereitung bis zur Pflege danach, zeigt der Nachsaat-Ratgeber.

Rasenbaumaschinen können mehrere dieser Arbeitsgänge zusammenfassen und schaffen mehr Fläche als die Handsaat. Kleine Flächen lassen sich bei Windstille in zwei gekreuzten Gängen von Hand besäen. Eine Übersicht, welche Werkzeuge und Hilfsmittel du für die Nachsaat brauchst, findest du gesondert.

Hilft viel Saat viel?

Nein. Zu viel Saat verstärkt die Konkurrenz der Keimlinge untereinander und kann Pilzkrankheiten begünstigen. Halte dich deshalb an die Aufwandmenge, die für deine Mischung empfohlen ist.

Für eine hochwertige Nachsaatmischung werden zum Ausbessern kahler Stellen 15 bis 30 g Saatgut je m² angegeben. Der Regelwert von 25 g je m² gehört dagegen zur Ansaat einer Fläche mit passender Regelsaatgutmischung. Wie Saatmenge, Saattiefe und Keimung bei der Aussaat zusammenspielen, steht im Rasen-Ratgeber unter „Rasen säen“.

Hattest du auf der Fläche schon Pilzkrankheiten, lies nach, wie du die Nachsaat an Rasenkrankheiten anpasst.

Taugt jede Rasenmischung für die Nachsaat?

Beliebig ist die Wahl nicht, eine eigene Nachsaatmischung ist aber auch keine Pflicht. Lücken nach einer Einsaat kannst du mit der ursprünglich verwendeten Mischung nachsäen, und grundsätzlich richtet sich die Wahl nach der Nutzung der Fläche. Für schnellen Lückenschluss eignen sich Mischungen mit hohem Anteil an Deutschem Weidelgras, weil es schnell keimt und Lücken rasch schließt.

Welche Eigenschaften die einzelnen Gräser haben, steht im Rasen-Ratgeber bei den Rasengräsern. Wie sich die Nachsaat bei Zier-, Spiel- und Schattenrasen unterscheidet, liest du im Ratgeber zu den Rasentypen.

Ist die Arbeit getan, sobald die ersten Halme stehen?

Nein. Bei einer günstigen Nachsaat können frühe Gräser schon nach 4 bis 7 Tagen sichtbar werden. Spät keimende Bestandteile der Mischung brauchen aber etwa vier Wochen. So lange hältst du die nachgesäten Stellen gleichmäßig feucht, denn trocknet ein keimender Samen aus, kann der Keimling absterben.

Die Wiesenrispe keimt erst nach 14 bis 21 Tagen. Sie ist das Gras, das mit unterirdischen Ausläufern die Narbe festigt und Lücken schließen kann. Wer beim ersten Grün mit dem Gießen aufhört, riskiert also gerade diesen Teil der Mischung.

Bei erfolgreicher Etablierung kann nachgesäter Rasen nach etwa 4 bis 6 Wochen wieder belastbar sein. Ich gieße frische Nachsaat mit einem Schwachregner an, damit die Oberfläche nicht verschlämmt. Wie viel Wasser die Keimphase braucht, steht im Rasen-Ratgeber unter Gießen, die weiteren Arbeitsschritte bis zum ersten Schnitt im Nachsaat-Ratgeber. Für eine Spiel- und Liegefläche findest du gesondert, wie du einen Gebrauchsrasen fachgerecht nachsäst.

Heißt Moos im Rasen, dass du vor der Nachsaat kalken musst?

Nein. Moos kann durch Schatten, Verdichtung, Nährstoffmangel oder zu tiefen Schnitt gefördert werden, ein Beweis für Kalkbedarf ist es für sich allein nicht. Moosarten wachsen auch auf alkalischen Böden. Ob Kalk fehlt, klärt eine Bodenprobe, und liegt der pH-Wert schon über dem Zielbereich deiner Bodenart, wird nicht gekalkt.

Auch das Entfernen des Mooses beseitigt weder Lichtmangel noch Bodenverdichtung. Welcher pH-Bereich zu welcher Bodenart gehört, steht im Rasen-Ratgeber unter Standort und Boden. Wie Nachsaat, pH-Korrektur und angepasste Pflege gegen Moos zusammenwirken, zeigt der Ratgeber zur Nachsaat gegen Moos.

Drückt eine Nachsaat das Unkraut von allein weg?

Nur zum Teil. Lücken sind Keimplätze: Hirsearten können bei Bodentemperaturen über 20 °C in lückigen Rasenflächen keimen. Viele Samenunkräuter verschwinden nach wenigen Rasenschnitten. Rosettenpflanzen wie Löwenzahn beseitigt Mähen allein dagegen nicht.

Löwenzahn stichst du deshalb gezielt aus, weil Mähen seine tiefe Pfahlwurzel nicht entfernt. Ich steche ihn aus, bevor ich die Lücken daneben nachsäe.

Häufiger Fehler

Wurzelunkräuter nur abreißen. Zieh oder grab sie möglichst vollständig heraus, denn aus verbliebenen Teilstücken können neue Pflanzen entstehen.

Lässt sich jeder lückige Rasen mit Nachsaat retten?

Nicht jeder. Nachsaat eignet sich für Teilschäden und für Flächen, die noch nicht zu stark geschädigt sind. Die Saatmenge richtet sich dann nach dem, was vom Altbestand noch steht. Ist der Rasen weitgehend abgestorben, kann eine Neuanlage erforderlich werden.

Mini-Checkliste

Eine Neuanlage kann zweckmäßiger sein als wiederholtes Ausbessern, wenn

  • der Rasen weitgehend abgestorben ist,
  • die Fläche zu großen Teilen aus Moos und Unkraut besteht,
  • nach einer Herstellerfaustregel bei mindestens einem Kriterium wie Unkraut, Kahlstellen, unerwünschter Gräserzusammensetzung oder Unebenheiten mehr als 50 % der Fläche betroffen sind.

Bleiben nach einer Einsaat Lücken, können Austrocknung, ungleichmäßig verteilte Saat, zu tiefes Einarbeiten oder Wasser in Senken dahinterstecken. Ich notiere mir nach jeder Nachsaat, welche Stellen lückig bleiben, und prüfe dort zuerst, ob nach Regen Wasser steht. Bei einer tieferen Mulde mit intakter Grasnarbe hebst du die Soden an, füllst Erde nach und setzt sie wieder ein.

Im tiefen Schatten von Gehölzen oder Gebäuden lässt sich auch mit Schattenmischungen langfristig kein zufriedenstellender Rasen erhalten. Bei Lichtmangel bilden Rasengräser weniger Ausläufer und wachsen stärker in die Länge. Im Schatten fehlt den Gräsern damit ein Teil des Wachstums, mit dem sie Lücken von selbst schließen.

Für dauerhaft schattige Bereiche kommen Schattenstauden wie Elfenblumen, Farne und Funkien infrage. Welche Alternativen zum Rasen es sonst gibt, zeigt ein eigener Ratgeber.

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Häufige Fragen

Stimmt es, dass Nachsaat nur bei kahlen Stellen notwendig ist?
Nicht ganz. Nachsaat schließt kahle Stellen, eignet sich aber auch zur Regeneration einer geschädigten Rasenfläche, etwa nach einer Trockenperiode, solange sie noch nicht zu stark geschädigt ist. Die Saatmenge richtet sich dann nach dem verbleibenden Altbestand. Nachgesät wird dort, wo Pflanzen tatsächlich abgestorben sind und Lücken bleiben.
Wie unterscheiden sich Nachsaatmischungen von normalen Rasensamen?
Reparatur- und Regenerationsmischungen mit hohem Anteil an Deutschem Weidelgras eignen sich zur Nachsaat, weil dieses Gras schnell keimt und Lücken rasch schließt. Eine eigene Nachsaatmischung ist trotzdem keine Pflicht: Lücken nach einer Einsaat lassen sich mit der ursprünglich verwendeten Mischung nachsäen. Grundsätzlich richtet sich die Wahl nach der Nutzung der Fläche, und die empfohlene Aufwandmenge der Mischung wird eingehalten.
Warum eignet sich Deutsches Weidelgras für die Nachsaat?
Deutsches Weidelgras keimt je nach Bedingungen innerhalb von 7 bis 15 Tagen und schließt Lücken durch schnelle Keimung und Bestockung zügig. Zusammen mit der Wiesenrispe gehört es zu den besonders trittfesten Hauptgräsern klassischer Sportplatzrasenmischungen. Die Wiesenrispe entwickelt sich anfangs langsamer und kann von raschwüchsigen Mischungspartnern verdrängt werden.
Wie wirkt sich die Rasendichte auf die Unkrautunterdrückung aus?
Ein lückiger Rasen bietet Unkraut Keimplätze: Hirsearten etwa können bei Bodentemperaturen über 20 °C in lückigen Rasenflächen keimen. Auch zu kurzer Schnitt begünstigt die Ausbreitung von Moos und unerwünschten Kräutern. Bereits vorhandene Rosettenpflanzen wie Löwenzahn beseitigt Mähen allein nicht, sie werden gezielt ausgestochen.
Wie unterscheidet sich Rasenreparatur von einer kompletten Neuanlage?
Bei der Reparatur bleibt der vorhandene Rasen erhalten, nachgesät werden Teilschäden oder eine noch nicht zu stark geschädigte Fläche. Ist der Rasen weitgehend abgestorben, kann eine Neuanlage erforderlich werden. Eine Herstellerfaustregel rät dazu, wenn bei mindestens einem Kriterium wie Unkraut, Kahlstellen, unerwünschter Gräserzusammensetzung oder Unebenheiten mehr als 50 % der Fläche betroffen sind. Besteht die Fläche zu großen Teilen aus Moos und Unkraut, kann eine Neuanlage zweckmäßiger sein als wiederholtes Ausbessern.
Welche Bodenbearbeitung ist vor der Nachsaat erforderlich?
Der Altbestand wird kurz gemäht, Schnittgut und abgestorbenes Material werden entfernt, und die Oberfläche wird angeritzt, damit die Samen direkten Bodenkontakt bekommen. Rasenfilz sollte spätestens ab einer Schichtdicke von 1 cm entfernt werden. Nach dem Streuen werden die Samen flach eingearbeitet und angedrückt. Ob Kalk nötig ist, klärt eine Bodenprobe, denn Moos allein beweist keinen Kalkbedarf.
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