Rasen nach dem Vertikutieren nachsäen: So kombinierst du beides richtig
- Reihenfolge: kurz mähen, längs und quer vertikutieren, Filz abräumen, dann die kahlen Stellen nachsäen.
- Rasenfilz sollte spätestens ab einer Schichtdicke von 1 cm entfernt werden.
- Richtig eingestellte Vertikutiermesser ritzen den Boden nur etwa 1 bis 2 mm an.
- Nachgesäte Samen flach einarbeiten und leicht andrücken, damit sie direkten Bodenkontakt bekommen.
- Während ausgeprägter Trockenphasen nicht vertikutieren, braunen Rasen nach Regen erst beobachten.
- Keimende Nachsaat in den ersten drei Wochen feucht halten und alle 1 bis 2 Tage gießen.
Wer Grassamen auf einen verfilzten Rasen streut, legt sie auf abgestorbene Pflanzenreste statt auf Erde. Nachgesäte Samen brauchen aber direkten Kontakt zum Boden. Deshalb kombiniere ich VertikutierenVertikutieren ist ein Pflegeschritt für den Rasen: Scharfe Messer ritzen die Fläche leicht an und holen den Rasenfilz heraus. Rasenfilz ist eine Schicht aus liegen gebliebenem Schnittgut, abgestorbenen Pflanzenresten und Moos. und NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. immer in derselben Reihenfolge: kurz mähen, vertikutieren, Filz abräumen und erst dann säen. Wie tief die Messer dabei arbeiten, wann du besser wartest und woran die Kombination scheitern kann, zeige ich dir Schritt für Schritt.
Warum kommt die Nachsaat erst nach dem Vertikutieren?
Richtig eingestellte Vertikutiermesser durchtrennen den Rasenfilz und ritzen den Boden darunter nur an. Nachgesäte Samen müssen durch flaches Einarbeiten direkten Kontakt zum Boden bekommen. Erst wenn der Filz durchtrennt und abgeräumt ist, liegt also die angeritzte Erde frei, in die du die Samen einarbeiten kannst. Die Nachsaat ist deshalb der letzte Schritt der Kombination und nicht der erste.
Der Ablauf zur Regeneration steht damit fest: Du mähst den vorhandenen Aufwuchs, arbeitest den Filz längs und quer heraus, räumst ihn ab und säst danach die kahlen Stellen nach.
Rasenfilz ist die Schicht aus abgestorbenen Pflanzenteilen zwischen den Grashalmen und der Erdoberfläche. Vor einer Nachsaat befreist du die Fläche vollständig von Schnittgut und solchen abgestorbenen Resten.
Die Reihenfolge Schritt für Schritt
So läuft die Kombination bei mir ab, von der Vorbereitung bis zum ersten Gießen:
- Etwa 14 Tage vor dem Vertikutieren bedarfsgerecht düngen, falls nötig.
- Löwenzahn gezielt ausstechen.
- Den Altbestand kurz mähen und das Schnittgut vollständig abräumen.
- Längs vertikutieren, danach quer.
- Herausgearbeiteten Filz und abgestorbene Reste abrechen.
- Die kahlen Stellen nachsäen und die Saat längs und quer verteilen.
- Die Samen flach einarbeiten und leicht andrücken.
- Gießen und die Saat durchgehend feucht halten.
Vorbereitung: düngen, Unkraut ausstechen, mähen
Zur Vorbereitung kannst du den Rasen etwa 14 Tage vor dem Vertikutieren bedarfsgerecht düngen. Was dein Boden tatsächlich braucht, zeigt eine Bodenuntersuchung. Wie du den Bedarf bestimmst und in Teilgaben düngst, erklärt der Abschnitt Düngen in unserem Rasen-Ratgeber.
Löwenzahn stichst du vorher gezielt aus, weil Mähen seine tiefe PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche. nicht entfernt. Danach mähst du den Altbestand kurz und befreist die Fläche vollständig von Schnittgut. Ich reche nach dem Mähen noch einmal über die ganze Fläche, bevor der Vertikutierer startet.
Vertikutieren vor der Nachsaat: Filz, Messertiefe, Durchgänge
Wie dick ist der Filz?
Rasenfilz sollte spätestens ab einer Schichtdicke von 1 cm entfernt werden. Eine dünnere Auflage kann den Boden dagegen vor Verdunstung schützen. Ich ziehe an mehreren Stellen die Halme auseinander und messe die braune Schicht über der Erde mit dem Zollstock nach. Für die Nachsaat schaue ich außerdem, ob in den Lücken Erde frei liegt, denn genau dort brauchen die Samen Bodenkontakt.
Wie tief stelle ich die Messer ein?
Richtig eingestellte Messer durchtrennen den Filz und ritzen den Boden nur etwa 1 bis 2 mm an. Beim pflegenden Vertikutieren gilt höchstens 0,3 cm als Grenze. Eine gezielte Nachsaatvorbereitung kann einen gesonderten, tieferen Arbeitsgang erfordern. Wie tief der gehen darf, legst du nicht nach Gefühl fest: Stelle das Gerät nach seiner Anleitung ein und prüfe das Ergebnis an einer unauffälligen Stelle.
Die Messer werden tiefer gestellt, damit auf einmal mehr Filz herauskommt. Zu tief eingestellte Messer können die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. schädigen. Fahre bei dickem Filz lieber einen weiteren flachen Durchgang.
Ich stelle die Messer an einer Ecke ein, die vom Haus aus nicht zu sehen ist, und fahre dort eine kurze Bahn. Dann knie ich mich hin und schaue mir an, was der Vertikutierer herausgeholt hat. Reißt er ganze Grasbüschel samt Wurzeln mit, stelle ich die Messer flacher.
Längs, quer, abräumen
Vertikutiert wird erst längs und danach quer über die Fläche. Den herausgearbeiteten Filz räumst du anschließend vollständig ab, sonst liegt die Saat wieder auf Pflanzenresten. Nach dem Abräumen gehe ich einmal über die Fläche und schaue, ob in den Lücken Erde zu sehen ist. Wo noch Filz liegt, reche ich nach. Wann und wie oft du vertikutieren solltest, erklärt ein eigener Ratgeber.
Wenn der Boden verdichtet ist
Der Vertikutierer arbeitet an der Oberfläche, die Belüftungslöcher beim AerifizierenAerifizieren heißt, den Boden unter dem Rasen mit Zinken zu durchlöchern. Die Hohlräume verbessern den Luftaustausch im verdichteten Boden und fördern so Wurzelwachstum und Bodenleben. verdichteter Böden reichen dagegen bis etwa 10 cm tief. Aerifizieren mit anschließendem Besanden kann verdichtete Flächen verbessern, eine tiefgründige BodenverdichtungBodenverdichtung bedeutet, dass der Boden zusammengedrückt ist und seine lockere Struktur verloren hat, vor allem durch Betreten oder Befahren in feuchtem Zustand. Wurzeln dringen dann kaum ein, und Regenwasser bleibt oft in Pfützen stehen. beseitigt es aber nicht. Was Vertikutieren von Aerifizieren unterscheidet und wie du beides kombinierst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Rasen nach dem Vertikutieren nachsäen
Ist der Filz abgeräumt, säst du die kahlen Stellen nach. Ich lege Saatgut und Rechen schon bereit, bevor ich den Vertikutierer starte, damit beides in einem Ablauf passiert. Die Saat verteilst du gleichmäßig in Längs- und Querrichtung, kleine Stellen besäst du bei Windstille von Hand. Danach arbeitest du die Samen flach ein und drückst sie leicht an, damit sie direkten Kontakt zum Boden bekommen. Gegen Vogelfraß kannst du kleine nachgesäte Stellen mit Vlies abdecken.
Wie viel Saat brauchst du?
Als allgemeine Orientierung für die Reparatur beschädigter Stellen gelten etwa 20 g Nachsaat je m². Halte dabei die empfohlene Aufwandmenge deiner Mischung ein, denn eine Überdosierung kann die Konkurrenz zwischen den Keimlingen und Pilzkrankheiten begünstigen. SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. und Keimung erklärt der Abschnitt Rasen säen im Rasen-Ratgeber.
Welches Saatgut, welcher Zeitpunkt?
Für schnellen Lückenschluss eignet sich Ausdauerndes Weidelgras wegen seiner schnellen Regeneration. Es läuft innerhalb eines Orientierungsbereichs von 7 bis 15 Tagen auf. Nachsäen kannst du bei feuchtwarmer Witterung von April bis September; wann und wie du einen Gebrauchsrasen fachgerecht nachsäst, mit Zeitfenstern und Mischungswahl, steht in einem eigenen Ratgeber.
Nach der Saat: feucht halten und schonen
Die keimende Nachsaat gießt du wie jede keimende Rasensaat alle 1 bis 2 Tage, weil Austrocknung den Keimling absterben lassen kann. Eine Herstelleranleitung nennt für eine erfolgreich gepflegte Nachsaat etwa 4 bis 6 Wochen, bis die Fläche wieder belastbar ist. Wassermengen, den ersten Schnitt und die Pflege im weiteren Jahr beschreibt der Rasen-Ratgeber in den Abschnitten Gießen, Mähen und Pflege im Jahreslauf.
Typische Fehler beim Kombinieren
Vertikutieren mitten in der Trockenheit
Während ausgeprägter Trockenphasen vertikutierst du nicht. Ein brauner, etablierter Rasen kann nach ausreichendem Regen wieder austreiben, deshalb beobachtest du ihn zuerst. Nachgesät wird nur dort, wo Pflanzen tatsächlich abgestorben sind und größere Lücken bleiben. Vertrockneten Gräserfilz entfernst du dann mit einem Eisenrechen schonender als mit einem Motorvertikutierer. Die verbleibenden Lücken kannst du im September oder Oktober nachsäen und dabei eine Mischung wählen, die besser zum Standort passt.
Ausbessern, wo eine Neuanlage sinnvoller wäre
Besteht die Fläche zu großen Teilen aus unerwünschtem Moos und Unkraut, kann eine Neuanlage zweckmäßiger sein als wiederholtes Ausbessern. Eine Herstellerfaustregel empfiehlt die Neuanlage, wenn bei mindestens einem Kriterium mehr als 50 % der Fläche betroffen sind. Kriterien sind etwa Unkraut, Kahlstellen, eine unerwünschte Gräserzusammensetzung und Unebenheiten. Entscheidest du dich für die Neuanlage, vertikutierst du den neu angesäten Rasen im ersten Jahr noch nicht.
Viel Moos im Vertikutiergut heißt nicht automatisch, dass du kalken musst. Moos kann durch Schatten, Verdichtung, NährstoffmangelNährstoffmangel heißt, dass eine Pflanze von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig bekommt oder aufnehmen kann. Sie bleibt dann im Wachstum zurück und zeigt Verfärbungen, etwa hellgrünes oder vergilbendes Laub. oder zu tiefen Schnitt gefördert werden und beweist für sich allein keinen Kalkbedarf. Ob Kalk oder Nährstoffe fehlen, zeigt eine Bodenuntersuchung.
Gehen die Lücken auf eine Rasenkrankheit zurück, lies, wie du die Nachsaat an Rasenkrankheiten anpasst. Den Termin für deine Nachsaat planst du mit dem Aussaatkalender für Rasen zum Ausdrucken.






