Geranien umweltfreundlich düngen: Hornspäne, Kompost und Jauche
- Hornspäne sind ein langsam wirkender Stickstoffdünger und eignen sich als Grunddüngung in der Pflanzerde.
- Kompost verbessert den Boden, deckt den Stickstoffbedarf von Geranien allein aber nicht zuverlässig.
- Pflanzenjauche vor dem Gießen 1:10 mit Wasser verdünnen und nur auf feuchte Erde geben.
- Kompost im Spätwinter oder Frühjahr ausbringen statt im Herbst, um Nitratauswaschung zu vermindern.
- Im kühlen Winterquartier brauchen Geranien keinen Dünger.
Balkon-Geranien sind Starkzehrer und brauchen über den Sommer viele Nährstoffe. Umweltfreundlich düngen heißt deshalb nicht, weniger zu geben, sondern so zu düngen, dass keine Überschüsse ausgewaschen werden. Ich arbeite bei meinen Geranien mit drei Bausteinen: Hornspäne in der Pflanzerde, Kompost als Anteil im Substrat und selbst angesetzte Pflanzenjauche, die ich verdünnt auf feuchte Erde gieße. Dazu kommen ein paar Regeln, die Boden und Gewässer schonen: erst messen, Kompost zur richtigen Jahreszeit und eine echte Düngepause im Winter.
Die Balkon-Geranien aus dem Handel gehören botanisch zur Gattung Pelargonium. Von den Storchschnäbeln, die botanisch Geranium heißen, sind sie zu unterscheiden. Alles hier gilt für Pelargonien, vor allem für Hänge- und Zonalpelargonien.
Geranien mit Hornspänen düngen
Hornspäne sind ein organischer Stickstoffdünger, dessen Nährstoffe nur langsam verfügbar werden. Bodenlebewesen müssen sie erst aufschließen, deshalb wirken sie langsamer als mineralische Dünger mit leicht löslichen Nährstoffen. Für Geranien eignen sie sich damit als Grunddüngung, die du beim Pflanzen unter die Erde mischst.
Ein biologisches Pflegeschema für Geranien arbeitet mit einer Grunddüngung von 4 g Hornspänen je Liter Substrat. Mit dieser Grunddüngung ist in den ersten 2 bis 3 Wochen nach dem Pflanzen keine Zusatzdüngung vorgesehen.
Ich mische die Hornspäne beim Bepflanzen der Kästen gleichmäßig unter die Erde und notiere mir das Datum. So sehe ich später, ab wann eine Nachdüngung überhaupt infrage kommt.
Wie schnell die Hornspäne wirken, hängt vom Wetter ab. Bei Frost, Trockenheit und stauender Nässe ist die Freisetzung organischer Dünger gering. Feuchtwarme Bedingungen können dagegen starke Nährstoffschübe auslösen, und dann droht AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt.. Im Beet bringst du Hornspäne bereits im Frühjahr aus, möglichst auf feuchten Boden, damit die Nährstoffe gleich wirksam werden können.
Vorgedüngte und torffreie Erde
Pflanzt du in gekaufte, vorgedüngte Blumenerde, zählt deren Grunddüngung bei jeder weiteren Gabe mit. Auf der Verpackung prüfst du vor dem Nachdüngen, wie lange die enthaltene Versorgung reicht. Bei torffreier Erde kommt ein Punkt hinzu: Auch wenn sie vorgedüngt ist, können die Torfersatzstoffe dazu führen, dass zu wenig Stickstoff verfügbar ist. Weil Hornspäne genau diesen Nährstoff langsam nachliefern, kann eine Hornspan-Grunddüngung in torffreier Erde eine sinnvolle Ergänzung sein.
Kompost: guter Boden, aber zu wenig Stickstoff
Kompost ist mein Baustein für die Bodenstruktur. Er lockert schwere Böden und verbessert in leichten Böden die Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Den Stickstoffbedarf von Geranien deckt Kompost allein aber nicht zuverlässig, sodass eine ergänzende Stickstoffdüngung nötig sein kann. Daraus ergibt sich eine Arbeitsteilung: Kompost verbessert den Boden, und die langsam verfügbaren Hornspäne liefern den Stickstoff.
Im Kasten und im Kübel gehört Kompost nur als Anteil in die Erde. Für Geranien, die im Regen stehen, wird ein leichtes Substrat mit höchstens 30 % Kompost und einem höheren Anteil faseriger Bestandteile empfohlen. Wie du die Erde auch torffrei oder selbst gemischt zusammenstellst, erklärt der Ratgeber darüber, welche Erde Geranien in jeder Lebensphase brauchen.
Im Beet gilt als allgemeine Garten-Faustzahl etwa 3 l Kompost je m² und Jahr. Eine artspezifische Düngeberechnung ersetzt dieser Richtwert nicht. Zeigt die Bodenprobe stark überhöhte Phosphor- oder Kaliumwerte, bringst du weniger Kompost aus. Den Zeitpunkt wählst du so, dass möglichst wenig Nitrat ausgewaschen wird: Kompost kommt im Spätwinter oder Frühjahr aufs Beet, nicht als pauschale Herbstgabe. Ich verteile ihn im Frühjahr auf dem abgetrockneten Beet und arbeite ihn nur leicht ein.
Pflanzenjauche selbst ansetzen
Pflanzenjauche ist ein Flüssigdünger, den du aus frischem Kraut selbst herstellst, zum Beispiel aus Brennnesseln. Du übergießt das Kraut mit Wasser und lässt den Ansatz gären, bis sich kein Schaum mehr bildet. Das Ende der Schaumbildung ist dein Zeichen, dass die Jauche fertig ist.
Setze 1 kg frisches Kraut mit 10 l Wasser an. Lass den Ansatz gären, bis sich kein Schaum mehr bildet. Verdünne die fertige Jauche vor dem Gießen 1:10 mit Wasser. Feuchte trockene Erde vorher mit reinem Wasser an. Gieße die verdünnte Jauche in den Wurzelbereich und nicht über die Blätter.
Wie viele Nährstoffe in deiner Jauche stecken, lässt sich nicht genau sagen. Der Gehalt schwankt mit der Pflanzenart, ihrem Zustand und dem Erntezeitpunkt. Deshalb gibt es für Pflanzenjauchen weder eine allgemein gültige Ausbringmenge noch eine feste Anwendungshäufigkeit. Entscheidend sind der Bedarf der Pflanze und die Nährstoffe, die schon im Boden vorhanden sind.
Ohne Langzeitdünger bekommen eingewurzelte, wachsende Geranien alle 10 bis 14 Tage einen flüssigen VolldüngerEin Volldünger, auch NPK-Dünger genannt, enthält die drei Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium in einem Produkt. Häufig sind zusätzlich Magnesium, Kalzium oder Schwefel beigemischt.. Eine Jauche mit schwankendem Gehalt ersetzt diesen Rhythmus nicht eins zu eins, deshalb richtest du dich bei ihr nach der Pflanze. Kräftig grüne Blätter und zügiges Wachstum zeigen eine gute Nährstoffversorgung an.
Ist die Erde trocken, gieße ich zuerst mit reinem Wasser an und gebe die verdünnte Jauche erst danach. Düngerlösung gehört bei Topfpflanzen nur auf feuchte Erde, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen. Bei großer Hitze und Trockenheit kommt Flüssigdünger ausschließlich auf vorher angefeuchtete Erde und nie über das Laub.
Und die Blattdüngung?
Über die Blätter dünge ich Geranien nicht. Hohe Luftfeuchtigkeit und lange nasse Pflanzenteile begünstigen bei Pelargonien Pilzkrankheiten, und eine BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. macht das Laub zwangsläufig nass. Wie Sommerblumen allgemein gegossen und gedüngt werden, auch über das Blatt, beschreibt der Überblick zum Gießen und Düngen von Sommerblumen.
Boden und Gewässer schonen
Erst messen, dann düngen
Im Beet beginnt umweltfreundliches Düngen mit einer Bodenuntersuchung. Die Untersuchung zeigt, ob der Boden mit Kalk und Nährstoffen unter- oder überversorgt ist. Eine Standarduntersuchung erfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Ist ein Nährstoff bereits sehr hoch versorgt, setzt du die Grunddüngung mit ihm aus.
Die Probe nimmst du nach der Saison und vor der nächsten Düngung, also zwischen Herbst und Frühjahr. Vor der Probenahme düngst du nicht. Du stichst an mehreren gleichmäßig verteilten Stellen Erde ab, gewöhnlich bis 30 cm tief, und beprobst unterschiedlich genutzte Flächen getrennt. Aus 10 bis 15 Einzelproben entsteht die Mischprobe für das Labor. Nach der Neuanlage ist eine Untersuchung alle 3 bis 5 Jahre vorgesehen.
Gekalkt wird nur, wenn der gemessene pH-Wert für die Bodenart zu niedrig liegt. Liegt er oberhalb des passenden Bereichs, kommen weder Kalk noch kalkhaltige Düngemittel aufs Beet. Das gilt auch für AlgenkalkAlgenkalk ist ein Kalkdünger auf Grundlage von Rotalgen. Er besteht überwiegend aus kohlensaurem Kalk mit vielen Spurenelementen, wirkt langsam und hebt einen zu sauren Gartenboden in den leicht sauren oder neutralen Bereich., der gern als natürlicher Dünger empfohlen wird.
Mehr Phosphat bringt mehr Blüten? Ein phosphatbetonter Blütendünger ist keine fachlich sinnvolle Pauschalstrategie, um die Blüte zu fördern. Ob dein Beet Phosphat braucht, zeigt die Bodenprobe.
Holzasche gehört weder auf den Kompost noch direkt ins Beet, auch wenn sie aus naturbelassenem Holz stammt.
Mulchen im Geranienbeet
Eine Mulchdecke vermindert die Verdunstung aus dem Boden und seine Aufheizung. Organisches Mulchen baut wie Kompost und Gründüngung Humus auf und verbessert so die Wasseraufnahme und Wasserspeicherung des Bodens. Gesunden, unkrautsamenfreien Rasenschnitt bringst du angewelkt und in dünnen Schichten aus, damit er nicht verklebt oder schimmelt. Bei feuchtem Wetter und Schneckengefahr bleibt jede Mulchschicht dünn.
Rindenmulch zwischen Geranien. Stickstoffarme Mulchstoffe wie Stroh, Holz und Rinde können bei ihrer Zersetzung Stickstoff im Boden binden. Für Starkzehrer wie Geranien ist angewelkter Rasenschnitt deshalb die passendere Mulchauflage.
Winterpause und Grüneinsaat
Im Winterquartier bekommen Geranien keinen Dünger. Kühl, frostfrei und mit etwas Licht überwintert, brauchen sie während der Überwinterung keine Düngergaben. Hornspäne und mineralische DepotdüngerDepotdünger ist ein mineralischer Dünger, dessen Nährstoffe von einer Hüllschicht ummantelt sind. Durch diese Hülle werden sie nicht auf einmal, sondern langsam nach und nach freigesetzt. gibst du auch im Herbst nicht mehr, weil sie ihre Nährstoffe verzögert freisetzen.
Ziehen die Geranien im Herbst aus dem Beet ins Winterquartier, bleibt die Fläche über Winter leer. Eine GrüneinsaatGrüneinsaat ist die Aussaat einer Gründüngung, etwa Gelbsenf, Phacelia oder Ackerbohne, auf einem abgeernteten Beet. Die Pflanzen halten den Boden über Herbst und Winter bedeckt, schützen ihn und verbessern seine Struktur. schützt solche geräumten Beete vor Abschwemmung und Nährstoffauswaschung und hält den Boden mit ihren Wurzeln locker.
Zwischen Herbst und Frühjahr, nach der Saison und vor der nächsten Düngung, ist die Zeit für die Bodenprobe im Geranienbeet. Die Geranien im Winterquartier bekommen ab jetzt keinen Dünger mehr.
Mit Regenwasser gießen
Gesammeltes Regenwasser ist weich und salzarm und eignet sich als umwelt- und pflanzenverträgliches Gießwasser. Ich gieße meine Geranienkästen mit Regenwasser aus der Tonne. Für Pelargonien ist das wichtig, weil salzbelastetes Gießwasser bei ihnen zunächst Welke und später braune Blätter und Wurzelschäden verursachen kann.
Hartes Wasser mit hoher CarbonathärteDie Carbonathärte ist der Teil der Gesamthärte des Wassers, der auf Calcium- und Magnesiumcarbonat zurückgeht. Sie wirkt alkalisch und beeinflusst deshalb den pH-Wert der Topferde, wenn du mit diesem Wasser gießt. kann den pH-Wert im Substrat anheben und damit die Festlegung von Eisen begünstigen. Vergilben dann junge Blätter bei zunächst grünen Adern, kann das auf Eisenmangel hinweisen, obwohl Eisen vorhanden ist. In diesem Fall lohnt der Blick aufs Gießwasser mehr als zusätzlicher Dünger. Für die professionelle biologische Geranienkultur wird ein Substrat-pH von 5,8 bis 6,2 empfohlen.
Tropfbewässerung versorgt Pflanzen gezielt im Wurzelbereich und kann Wasser sparen. Feuchteabhängige Tropfsysteme arbeiten auch in herkömmlichen Balkonkästen und Kübeln nach der Substratfeuchte. Die Tropfer brauchen allerdings Schutz vor Verstopfen und Verkalken.
Überdüngung: was sie für die Umwelt bedeutet
Auch organische Dünger können bei übermäßiger Anwendung überdüngen. Was die Pflanze nicht aufnimmt, kann bei feuchtwarmem Wetter mit Nährstoffschüben ausgewaschen werden, und bei Pelargonien kann zu viel Dünger dieselben Schäden auslösen wie salzhaltiges Gießwasser. Wie viel Dünger Geranien brauchen und wie du eine Überdüngung erkennst und behebst, zeigt der Ratgeber darüber, wie viel Dünger Geranien vertragen.
Bedarf, Zeitpunkt und Mangelzeichen in Kürze
Im Kasten und im Kübel sind Wurzelraum und Erdvorrat begrenzt, deshalb wird die Erde mit dem Wachstum durchwurzelt und ausgelaugt. Woran du einen Mangel erkennst und welche Dünger Geranien für eine üppige Blüte versorgen, beschreibt ein eigener Ratgeber. Die Zeitpunkte im Jahreslauf findest du im Ratgeber darüber, wann du Geranien düngst.
Schwache Blüten allein belegen noch keinen Nährstoffmangel und rechtfertigen keine sofortige Düngergabe. Bei länger anhaltenden Temperaturen unter 10 °C legen Pelargonien keine neuen Blüten an, und Lichtmangel kann ihre Blütenknospen absterben lassen.
Bokashi, Wurmhumus und Pflanzenkohle
Neben Hornspänen, Kompost und Jauche begegnen dir weitere Methoden: Bokashi aus fermentierten Küchenabfällen, Wurmhumus aus der Wurmkiste, Pflanzenkohle und Terra-Preta-Mischungen, Mykorrhiza-Präparate oder Effektive Mikroorganismen. In meinen Kästen setze ich sie deshalb nicht ein.
Wenn du eine davon ausprobierst, gelten die Grundregeln organischer Düngung weiter. Bodenlebewesen müssen die Nährstoffe erst aufschließen, die Freisetzung hängt von der Witterung ab, und auch organisches Material kann überdüngen. Fang mit einem einzelnen Kasten an und notiere Datum, Menge und BlattbildDas Blattbild ist das sichtbare Erscheinungsbild der Blätter: Farbe, Flecken und das Muster von Verfärbungen. Es hilft dir einzuschätzen, ob einer Pflanze Nährstoffe fehlen oder ob eher eine Krankheit dahintersteckt., dann kannst du ihn mit den übrigen Kästen vergleichen.
Erdlose Kulturen wie Hydroponik oder Aquaponik gehören nicht zu meiner Geranienpflege. Alles hier bezieht sich auf Erde im Kasten, im Kübel oder im Beet.
Alle Werte auf einen Blick
| Maßnahme | Wert | Gilt für |
|---|---|---|
| Hornspäne als Grunddüngung | 4 g je Liter Substrat | biologisches Pflegeschema für Geranien |
| Zeit ohne Zusatzdüngung | 2–3 Wochen nach dem Pflanzen | nach dieser Hornspan-Grunddüngung |
| Vorgedüngte Blumenerde | im Regelfall 4–6 Wochen ohne Zusatzdünger | frisch eingetopfte Kübelpflanzen in ausreichend vorgedüngter Erde |
| Flüssiger Volldünger | alle 10–14 Tage | eingewurzelte, wachsende Geranien ohne Langzeitdünger |
| Pflanzenjauche ansetzen | 1 kg frisches Kraut auf 10 l Wasser | allgemeine Garten-Pflanzenjauche |
| Pflanzenjauche ausbringen | 1:10 mit Wasser verdünnt | Wurzelbereich |
| Kompost im Substrat | höchstens 30 % | leichtes Substrat für Geranien im Regen |
| Substrat-pH | 5,8–6,2 | professionelle biologische Geranienkultur |
| Kompost im Beet | etwa 3 l/m² pro Jahr | allgemeine Faustzahl, weniger bei stark überhöhten Phosphor- oder Kaliumwerten |
| Bodenprobe | 10–15 Einzelproben, rund 500 g | je Nutzungsbereich, gewöhnlich bis 30 cm Tiefe |
| Bodenuntersuchung | alle 3–5 Jahre | nach der Neuanlage |





