Fingerhut ist giftig: So schützt du ihn vor Krankheiten, Schädlingen und Winterschäden
- Roter Fingerhut ist in Blättern, Blüten und Samen giftig und wird nicht gegessen; bei Arbeiten an ihm trägst du Handschuhe.
- Fingerhut kann an Falschem Mehltau erkranken: nicht abwischbarer Belag unten, gelbe bis braune Flecken oben.
- Morgens an die Wurzeln gießen, Staunässe meiden und übermäßigen Stickstoff vermeiden kann das Krankheitsrisiko senken.
- Blattläuse spritzt du bei schwachem Befall mit dem Wasserstrahl ab, Schnecken sammelst du auch innerhalb eines Zauns weiter ab.
- Roter Fingerhut ist winterhart; vorgezogene Pflanzen kommen ab dem Spätsommer ins Beet und bekommen dann keinen Stickstoff mehr.
- Gesundes Laub darf über Winter stehen bleiben, pilzbefallene Blätter entfernst du schon im Herbst.

Gelbe Flecken auf den Blättern, ein Belag auf der Unterseite oder eine Pflanze, die plötzlich schlapp macht: Am Fingerhut lohnt sich ein genauer Blick, bevor du eingreifst. Ich ziehe zuerst Handschuhe an, drehe ein paar untere Blätter um und fühle mit dem Finger in den Boden. Erst dann entscheide ich, ob ich Blätter abnehme, anders gieße oder weiter beobachte. Hier erfährst du, wie du Krankheiten und Schädlinge am Roten Fingerhut (Digitalis purpurea) einordnest, ihnen vorbeugst und die Pflanzen gut durch den Winter bringst.
Wie giftig ist Fingerhut?
Roter Fingerhut ist in Blättern, Blüten und Samen giftig, weil er herzwirksame Glykoside wie Digitoxin enthält; auch für Tiere ist er stark giftig, und gegessen wird nichts davon. Bei Vergiftungsverdacht rufst du ein Giftinformationszentrum an oder holst ärztliche Hilfe, ohne Erbrechen auszulösen, für ein Tier sofort tierärztliche Hilfe. Wie du Kinder und Haustiere schützt, steht im Ratgeber darüber, wie giftig Fingerhut ist und wie du im Garten sicher mit ihm umgehst.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Humusreicher Boden bevorzugt; sehr nasse und sehr trockene Standorte vermeiden. Halbschatten bevorzugt, volle Sonne möglich.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Humusreicher Boden bevorzugt; sehr nasse und sehr trockene Standorte vermeiden.
- Anbauort
Die Pflanze eignet sich für Blumenbeete und Rabatten, Bauerngärten, naturnahe Gärten und Wildblumenwiesen.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Direkt am endgültigen Standort säen.
Direktsaat oder alternativ Vorkultur in Aussaatschalen mit anschließendem Auspflanzen.
Pflege
- Pflege
Nach der Blüte zurückschneiden; falls keine Samen gewünscht sind, abgeblühte Blüten regelmäßig entfernen.
- Düngung
Roten Fingerhut im Freiland im April mit organischem Volldünger versorgen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist zweijährig oder kurzlebig mehrjährig.
- Verwendung
Je nach Sorte: Die Pflanze eignet sich als Schnittblume. Die Pflanze dient Nützlingen und Insekten als Nahrungsquelle.
Welche Krankheiten am Fingerhut auftreten können
Bei Blattkrankheiten zeigen sich die Unterschiede oft erst, wenn du Ober- und Unterseite getrennt ansiehst. Was du dabei erkennst, sind Hinweise und noch keine sichere Diagnose.
Falscher oder Echter Mehltau?
Fingerhüte der Gattung Digitalis können an Falschem Mehltau erkranken. Er bildet häufig einen weißlichen bis grauvioletten Belag auf der Blattunterseite, der sich nicht abwischen lässt. Oben erscheinen dazu gelbe bis braune Flecken. Echter Mehltau sitzt dagegen meist als weißer, mehlartiger Belag auf der Blattoberseite und lässt sich abwischen.
| Merkmal | Echter Mehltau | Falscher Mehltau |
|---|---|---|
| Wo sitzt der Belag? | vor allem auf der Blattoberseite | häufig auf der Blattunterseite |
| Wie sieht er aus? | weiß und mehlartig | weißlich bis grauviolett |
| Lässt er sich abwischen? | ja | nein |
| Was zeigt die Oberseite? | den Belag selbst | gelbe bis braune Flecken |
Der Belag des Falschen Mehltaus liegt häufig unten, und oben siehst du nur Flecken: Wer nur von oben auf die Pflanze schaut, übersieht ihn deshalb leicht. Ich drehe bei jedem Fleck ein paar Blätter um und streiche mit dem Handschuh über den Belag.
„Bei trockenem Wetter gibt es keinen Mehltau.“ Für den Echten Mehltau stimmt das nicht, denn seine Pilze können schon bei einer relativen Luftfeuchte von 70 % keimen. Trockenes Wetter schließt einen Befall anfälliger Stauden deshalb nicht aus.
Flecken, die du nicht sicher einordnen kannst
Nicht jeder Fleck geht auf Mehltau zurück. Pilzliche und bakterielle Blattflecken an Stauden können sich äußerlich so ähneln, dass erst eine Laboruntersuchung die Ursache unterscheidet. Kommt dir ein Schadbild virusverdächtig vor, kann eine Pflanzenschutzdienststelle es abklären. Spritzen hilft dann nicht, denn chemische Pflanzenschutzmittel können Viruskrankheiten nicht bekämpfen. Ich fotografiere auffällige Blätter von oben und von unten, bevor ich sie abnehme.
Wenn der Fingerhut welkt
Welkende Triebe können auf eine Wurzel- oder Stängelgrundfäule hindeuten. Deren Erreger finden in anhaltend feuchtem, schlecht durchlüftetem Boden gute Bedingungen. Länger anhaltende Staunässe führt zu Sauerstoffmangel an den Wurzeln und begünstigt solche Fäulen. Für Roten Fingerhut gilt ohnehin: Sehr nasse und sehr trockene Standorte meidest du.
Im Topf kann eine Pflanze auch durch Hitze schlapp werden oder weil Dauernässe die Wurzeln geschädigt hat. Bevor ich bei einer welken Pflanze nachgieße, stecke ich deshalb einen Finger tief ins Substrat.
Welche Schädlinge du am Fingerhut findest
Roter Fingerhut dient Nützlingen und Insekten als Nahrungsquelle. Entdeckst du an ihm Schädlinge, hilft dir das Schadbild beim Einordnen.
Blattläuse
Blattläuse saugen an Blättern und jungen Trieben. Dabei hinterlassen sie klebrigen HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn., auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln können. Bei schwachem Befall genügt es häufig, die Läuse mit einem Wasserstrahl abzuspritzen.
Spinnmilben
Erwachsene SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. sind nur etwa 0,5 bis 0,7 mm groß. Im Freiland werden sie vor allem in trockenen, warmen Sommerperioden zum Problem. Sie sitzen überwiegend auf den Blattunterseiten und können zunächst weißlich gelbe Sprenkel verursachen, später bronzefarbene Blätter und feine Gespinste. Weil die Tiere so winzig sind und unten sitzen, fallen dir meist zuerst die Sprenkel auf. Für die Kontrolle nehme ich eine Lupe mit und schaue gezielt unter die Blätter.
Schnecken
Fressen Schnecken an jungen Fingerhüten, sammelst du sie ab. Ein Schneckenzaun hilft, verlass dich aber nicht allein darauf: Auch innerhalb des Zauns sammelst du weiter regelmäßig ab. Weinbergschnecken lässt du in Ruhe, denn sie stehen unter Schutz und dürfen nicht gezielt bekämpft werden.
So gehst du bei Befall vor
Beim Pflanzenschutz kommt zuerst die Vorbeugung, dann die Kontrolle und erst danach der mechanische Eingriff. Bei jeder Arbeit am Fingerhut trägst du Handschuhe, denn beim Umgang mit ihm sind auch Hautallergien möglich.
Befallene Pflanzenteile nimmst du ab, sobald du sie entdeckst. Bei beginnendem Echtem Mehltau schneidest du befallene Triebe bis ins gesunde Gewebe zurück. Ich lege abgenommene Blätter direkt in einen Eimer, statt sie zwischen den Pflanzen liegen zu lassen. Werkzeug, Schuhe und Pflanzstäbe, an denen Erde kranker Pflanzen klebt, reinigst du danach. Das begrenzt die Verschleppung von Erregern.
Ein chemisches Mittel ist höchstens die letzte Stufe. Kommt es für dich infrage, wählst du nur ein Mittel mit Zulassung für Haus- und Kleingarten und hältst dich genau an die Gebrauchsanweisung. Dazu gehören Schutzkleidung, die angegebene Wartezeit und eine sachgerechte Entsorgung der Reste. Solche Mittel können auch die Nützlinge treffen, die am Fingerhut Nahrung finden.
So beugst du Krankheiten vor
Ausreichende Abstände, gute Belichtung und Durchlüftung lassen die Blätter schneller abtrocknen und gehören zur Vorbeugung gegen Echten Mehltau. Roter Fingerhut wächst sonnig bis halbschattig, am liebsten im Halbschatten.
Roter Fingerhut wächst straff aufrecht und wird 80 bis 150 cm hoch. In der Reihe setzt du die Pflanzen 30 bis 40 cm auseinander, zwischen den Reihen lässt du 40 bis 50 cm.
Gieß morgens und direkt an die Wurzeln, ohne die Blätter zu benetzen. So trocknet das Laub schneller ab, und die Gefahr von Blattkrankheiten sinkt gegenüber abendlicher Blattnässe. Ich prüfe vorher mit dem Finger, ob der Boden unter der Oberfläche noch feucht ist.
Mit Stickstoff überdüngte, mastig wachsende Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten, deshalb vermeidest du übermäßige Stickstoffgaben. Im Freiland versorgst du Roten Fingerhut im April mit organischem VolldüngerEin Volldünger, auch NPK-Dünger genannt, enthält die drei Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium in einem Produkt. Häufig sind zusätzlich Magnesium, Kalzium oder Schwefel beigemischt..
Vor der Pflanzung entfernst du Wurzelunkräuter und lockerst verdichteten Boden, bei Staunässe auch tiefer liegende Verdichtungen. Wie du den Boden für Fingerhut vorbereitest und die Pflanzen mit Mulch, Gießen, Düngung und Rückschnitt pflegst, zeigt der Anbau-Ratgeber.
So bringst du Fingerhut gut durch den Winter
Roter Fingerhut ist winterhart. Er wird zweijährig kultiviert und kann auch als kurzlebige mehrjährige Pflanze weiterwachsen. Vorgezogene Pflanzen kommen ab dem Spätsommer ins Beet; bei der Mischung ‚Excelsior‘ etwa werden die Sämlinge dafür einzeln in Töpfe pikiert. Die jungen Pflanzen stehen also den ganzen Winter draußen.
Im Spätsommer ohne Stickstoff pflanzen
Ab dem Spätsommer soll kein Stickstoff mehr gedüngt werden, damit die Pflanzen ausreichend aushärten. Zu späte oder zu reichliche Düngung erhöht bei Stauden die Gefährdung im Winter. Weil vorgezogene Fingerhüte genau in dieser Zeit ins Beet kommen, setzt du sie ohne Stickstoffdünger. Den Topfballen tauchst du vor dem Pflanzen in Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
Neben jeden jungen Fingerhut, den ich im Spätsommer setze, stecke ich einen Stab, damit ich die Pflanzen beim Herbstputz nicht übersehe.
Im Herbst krankes Laub entfernen, gesundes stehen lassen
Nach der Blüte schneidest du die verblühten Stängel zurück. Abgestorbene Blätter bilden einen natürlichen Winterschutz, gesundes altes Laub kann deshalb bis April oder Mai stehen bleiben. Pilzbefallene Blätter entfernst du dagegen schon im Herbst. Im naturnahen Staudenbeet lässt sich zusätzlich Herbstlaub als Mulch nutzen; um höhere Stauden ist eine gut 3 cm dicke Schicht vorgesehen.
Im Herbst bleiben auch Blätter mit Belag oder Pilzflecken stehen. Gesundes Laub darf als Winterschutz bleiben, pilzbefallene Blätter nimmst du aber schon im Herbst ab.
Fingerhut im Kübel überwintern
Auch eine im Garten winterharte Pflanze kann im Kübel erfrieren, wenn ihr WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt. durchfriert. Steht dein Fingerhut im Gefäß, umhüllst du den Topf deshalb isolierend, sodass Gießen und Wasserabzug weiter möglich bleiben.
Gefäß mit Wollvlies umhüllen. Untersetzer entfernen, damit sich kein Wasser staut, das beim Gefrieren Schäden verursacht. An frostfreien Tagen bei Bedarf gießen. Im Winter nicht düngen.
Porträt, Aussaat und Gestaltung in Kürze
Die Blüten des Roten Fingerhuts zeigen sich purpurrosa oder weiß, die Mischung ‚Excelsior‘ bringt Rosa-, Weiß- und Lilatöne. Wie sich ZweijährigeZweijährige sind Pflanzen, die im Jahr der Aussaat nur wachsen, oft zu einer Blattrosette, und erst im nächsten Jahr blühen. Dazu gehören etwa Stiefmütterchen, Goldlack, Bartnelken und Fingerhut. von Stauden und Gräsern abheben, zeigt das Kurzporträt der Stauden, Zweijährigen und Gräser.
Fingerhut ist ein Lichtkeimer mit sehr feinen Samen und lässt sich im März und April unter Glas vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus.. Wie du Fingerhut als Lichtkeimer säst und die Sämlinge bis zum Auspflanzen begleitest, steht im Aussaat-Ratgeber. Die Saattermine für Stauden siehst du im druckbaren Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser.
Möchtest du keine Sämlinge im Beet, entfernst du abgeblühte Blüten regelmäßig, bevor sich Samen bilden. Wann du säst und vorgezogene Pflanzen setzt, erklärt der Leitfaden zum richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Pflanzung von Fingerhut.
Für eine geschlossene Gruppenwirkung kannst du 10 bis 20 Rote Fingerhüte zusammen pflanzen; Ideen dazu sammelt der Ratgeber, wie du Fingerhut mit seinen Blütenkerzen im Garten gestaltest. In einem Beet, das du von einer Seite ansiehst, stehen höhere LeitstaudenLeitstauden sind die prägenden Stauden eines Beets: langlebige Arten mit mächtigem, auffälligem Wuchs und üppiger Blüte. Sie bilden das Gerüst der Pflanzung, auf das die Begleitstauden abgestimmt werden. hinten und niedrige BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. vorne. Wie du Fingerhut im Staudenbeet nach Wuchshöhe platzierst und mit Beetstauden kombinierst, zeigt der Staudenbeet-Ratgeber.




