Kokardenblumen im Naturgarten: Wie bienenfreundlich sind sie wirklich?
- Kokardenblumen gehören zur Auswahl sommerblühender Bienenpflanzen der Bayerischen Gartenakademie.
- Für Bienen zählen offene, ungefüllte Blüten; bei gefüllten können Staub- und Fruchtblätter ihre Funktion verlieren.
- Kokardenblumen blühen typischerweise von Juni bis September, wiederholtes Ausputzen verlängert die Blühdauer.
- Krokusse und Lungenkraut im Frühjahr sowie ungefüllte Dahlien und Astern im Spätsommer und Herbst schließen die Lücken.
- Wildbienen brauchen zusätzlich Nistplätze wie offene Bodenstellen, Hohlräume oder Pflanzenstängel.

Du möchtest ein Beet, an dem Bienen und Hummeln im Sommer etwas finden, und die Kokardenblume steht auf deiner Liste. Das passt, denn sie gehört zu den sommerblühenden Bienenpflanzen. Wie viel sie im Naturgarten leistet, hängt aber an der Blütenform, an der Sorte und an dem, was um sie herum wächst.
Ich setze meine Kokardenblumen an die heißeste Stelle im Garten und schaue im Sommer immer wieder nach, wer an den Blüten landet. Hier findest du, was über Insekten an Kokardenblumen bekannt ist und wie du rund um die Staude mehr für Insekten tust.
Ist die Kokardenblume bienenfreundlich?
Ja, wenn du auf die Blütenform achtest. Die Bayerische Gartenakademie führt Kokardenblumen in ihrer Auswahl sommerblühender Bienenpflanzen, zusammen mit Indianernesseln und Lavendel. Für bienenfreundliche Pflanzungen gelten offene, ungefüllte Blüten als wichtiges Auswahlmerkmal. Bei gefüllten Blüten können Staub- und Fruchtblätter nämlich ihre ursprüngliche Funktion verlieren.
Was du als eine Blüte wahrnimmst, ist bei Korbblütlern wie der Kokardenblume ein ganzer BlütenstandEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe.. In der Mitte sitzen zahlreiche RöhrenblütenRöhrenblüten sind die röhrenförmigen Einzelblüten im Blütenstand der Korbblütler. Sie bilden ihn allein, etwa bei Disteln, oder zusammen mit den Zungenblüten am Rand, etwa bei Astern., am Rand häufig zusätzlich Zungenblüten. Die Sorte ‘Arizona Sun’ etwa blüht orange-rot, und ihre Zungenblüten tragen leuchtend gelbe Spitzen.
Lies beim Kauf die Sortenbeschreibung genau. Steht dort „gefüllt“, lasse ich die Sorte für mein Bienenbeet im Regal und nehme eine Form mit offener Blütenmitte.
Die Kokardenblume in Kürze
Die Gattung Gaillardia stammt aus Nord- und Südamerika und umfasst einjährige Sommerblumen ebenso wie mehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Stauden. Gaillardia aristata der Großblumigen Prachtmischung ist eine kurzlebige Staude mit ihrem Optimum im zweiten und dritten Jahr. Lebensläufe von Stauden erklärt das Kurzporträt im Staudenratgeber, und wie du Kokardenblumen im Staudenbeet ziehst und pflanzt, liest du im eigenen Ratgeber.
Für dich zählt im Gartenalltag vor allem, dass eingewachsene Kokardenblumen Trockenheit vertragen. Für die kompakte Arizona-Serie liegen Höhenangaben von 20 bis 30 cm vor. Die Auswahl ‘Arizona Red Shades’ blüht rot und wird für Beete, Rabatten und Kübel angeboten.
Welche Insekten profitieren und was Untersuchungen zeigen
Drei Befunde zeigen, welche Insekten die Kokardenblume nutzen. Sie messen Verschiedenes, deshalb lohnt der Blick auf jeden einzeln.
| Befund | Was er für Kokardenblumen zeigt |
|---|---|
| Bienenpflanzen-Auswahl der Bayerischen Gartenakademie | Kokardenblumen stehen neben Indianernesseln und Lavendel unter den sommerblühenden Bienenpflanzen. |
| LWG-Leistungsprüfung | Die Gaillardia-aristata-Serien ‘Gusto’ und ‘SpinTop’ fielen als besonders attraktiv für Insekten auf. |
| Würzburger Untersuchung | Hummelbesuche an Gaillardia aristata sind dokumentiert, in den standardisierten Beobachtungszeiten wurden aber keine Blütenbesuche erfasst. |
Am klarsten benannt sind damit Bienen und Hummeln, dazu kommt der allgemeine Insektenbeflug aus der Leistungsprüfung.
Hummeln: belegt, aber nicht in jedem Zählfenster
Eine Würzburger Untersuchung dokumentiert Hummelbesuche an Gaillardia aristata. In ihren standardisierten Beobachtungszeiten wurden an dieser Art allerdings keine Blütenbesuche erfasst. Beides zusammen heißt: Hummeln kommen an die Kokardenblume, aber nicht zwingend in jedem festen Beobachtungsfenster. Ein leerer Blick ins Beet ist deshalb noch kein Urteil über die Pflanze.
Zwei Serien mit besonders viel Insektenbeflug
In einer LWG-Leistungsprüfung fielen die Gaillardia-aristata-Serien ‘Gusto’ und ‘SpinTop’ als besonders attraktive Pflanzen für Insekten auf. Bei Indianernesseln hob eine LWG-Leistungsprüfung ebenfalls einzelne Sorten hervor. Die Monarda-didyma-Sorten ‘Pardon My Rose’ und ‘Electric Neon Pink’ zeigten dort besonders intensiven Insektenbeflug. In beiden Gattungen stachen also bestimmte Sorten heraus, der Gattungsname allein sagt dir noch nicht alles über den Wert für Insekten. Wenn du gezielt für Insekten pflanzt, frag in der Gärtnerei nach diesen geprüften Serien.
So beobachtest du selbst
Ich setze mich an warmen Sommertagen mit einem Notizbuch ans Beet, vormittags und nachmittags. Dort notiere ich Datum, Uhrzeit, Wetter und jede Insektengruppe, die ich erkenne. Auch die Termine ohne Besuch schreibe ich auf, weil eine einzelne Zählung wenig aussagt.
Leg dir für den nächsten Sommer eine einfache Tabelle an: Datum, Uhrzeit, Wetter, Besucher. Trag jede Beobachtung ein, auch die ohne Insekt, und vergleiche erst am Ende der Saison.
Blütezeit: Sommerfutter von Juni bis September
Ausputzen verlängert das Angebot
Kokardenblumen blühen typischerweise von Juni bis September. Für ‘Arizona Sun’ ist dasselbe Blütefenster angegeben. Wenn du verblühte Köpfe wiederholt entfernst, verlängert sich die Blühdauer. Da die Kokardenblume zu den Bienenpflanzen zählt, finden Bienen dadurch auch länger Blüten an ihr. Ich knipse welke Köpfe bei meinem Rundgang durchs Beet ab.
Der Rückschnitt im September
Mehrjährige Kokardenblumen schneidest du Anfang bis Mitte September bis auf die grundständigen Blätter zurück, um Erneuerungsknospen und ihre weitere Lebensdauer zu fördern. Weil die Blüte typischerweise bis in den September reicht, kann mit dem Schnitt auch ihr Blütenangebot etwas früher enden. Ich schneide deshalb gestaffelt und nehme die letzten blühenden Pflanzen erst Mitte September zurück.
Blütenfolge: Partner für das ganze Bienenjahr
Frühjahr und Herbst ergänzen
Die Kokardenblume deckt mit ihrer Blüte den Sommer ab. Krokusse und Lungenkraut im Frühjahr sowie ungefüllte Dahlien und Astern im Spätsommer und Herbst ergänzen das sommerliche Nahrungsangebot für Bienen. Zusammen mit Kokardenblumen, Indianernesseln und Lavendel entsteht so eine Folge, die vor und nach der Kokardenblüte Futter bietet. Die Abfolge kannst du mit dem Beetplaner über das Gartenjahr skizzieren.
Partner im selben Beet
Pflanzgemeinschaften werden stabiler und pflegeleichter, wenn ihre Arten ähnliche Ansprüche an Boden, Feuchtigkeit, Nährstoffe und Licht haben. Lavendel braucht wie die Kokardenblume einen sonnigen Platz mit gutem Wasserabzug. Er passt deshalb ins selbe Beet, während die Goldmelisse Monarda didyma feuchten, gut durchlässigen Boden will. Wer trotzdem eine Indianernessel daneben möchte: ‘Mohikaner’ aus Monarda fistulosa var. menthifolia ist an Trockenheit angepasst, bleibt aber nicht vollständig mehltaufrei. Für die Koreanische Minze Agastache rugosa ist ebenfalls ein sonniger Standort angegeben, und ihre Blüten werden von Bienen und Schmetterlingen besucht.
Wie du Kokardenblumen farblich mit anderen Pflanzen kombinierst, zeigt ein Ratgeber mit Gestaltungsideen.
Lebensraum über die Blüte hinaus
Nistplätze neben dem Futter
Wildbienen brauchen neben Blütennahrung auch Nistplätze. Je nach Art sind das offene oder spärlich bewachsene Bodenstellen, geeignete Hohlräume oder Pflanzenstängel. Die Großblumige Prachtmischung von Gaillardia aristata eignet sich für offene, sonnige und auch trockene Lagen. Im Kokardenbeet kannst du also Futter und Nistplatz nebeneinander anbieten, wenn du einige Bodenstellen unbewachsen lässt. Ich halte am Beetrand ein paar Flecken frei und hacke dort nicht.
Stängel und Samenstände
Ein Teil der dürren Staudenstängel kann das ganze Jahr über stehen bleiben und Insekten Unterschlupf bieten. Bei den Kokardenblumen selbst nimmt der RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. im September die Stängel meist weg. Bei mir bleiben deshalb die Stängel der Nachbarstauden in einem Streifen am Beetrand stehen.
Wenn du Samen ernten willst, lässt du ausgewählte Blütenstände bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen und erntest bei trockenem Wetter. Danach trocknest du die Samen nach und lagerst sie kühl, dunkel und trocken. Stammen deine Pflanzen aus einer Hybridsorte, können die Nachkommen deutlich von der Mutterpflanze abweichen. Bedenke auch, dass rechtzeitiges AusputzenAusputzen heißt, verblühte Blüten regelmäßig von der Pflanze zu entfernen. So steckt sie keine Kraft in die Fruchtbildung. bei vielen Stauden die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. verhindern kann. Ich lasse für die Samenernte eine Pflanze ohne Septemberschnitt stehen, und wann Stauden gesät werden, sehe ich im Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser.
Standort, Pflege und Krankheiten in Kürze
Kokardenblumen brauchen einen vollsonnigen Platz mit gutem Wasserabzug, bei der Arizona-Serie sollen nasse Erde und Staunässe ausdrücklich vermieden werden. Typische Fehler bei Standort, Boden und Düngung zeigt der Ratgeber zu den häufigsten Pflegefehlern bei Kokardenblumen, und wie du sie in heißen Sommern gießt, erklärt ein eigener Ratgeber. Rückschnitt, Winterschutz und Mulch für alle Stauden findest du im Staudenratgeber unter Pflege im Jahreslauf.
Gegen Echten MehltauMehltau ist die Bezeichnung für Pilzkrankheiten, die einen weißlichen oder grauen Belag auf den Blättern bilden. Man unterscheidet Echten Mehltau, der bei Trockenheit und Hitze auftritt, und Falschen Mehltau, der bei kühlem, feuchtem Wetter auftritt. können ausreichende Pflanzabstände, gute Belichtung und eine ausgewogene Nährstoffversorgung vorbeugen. Schwachen Blattlausbefall spritzt du häufig schon mit einem Wasserstrahl ab. Woran du Schäden an Kokardenblumen erkennst und was du dagegen tust, beschreibt ein eigener Ratgeber, die Stufenfolge aus Vorbeugen, Kontrollieren und Absammeln der Staudenratgeber im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.




