Urban Gardening mit Blumensamen: Blühflächen für Initiativen, Schulen und Firmen
- Eine öffentliche Fläche bepflanzt du erst, wenn das zuständige Grünflächenamt zugestimmt hat.
- Wasserzugang und Zuständigkeiten fürs Gießen, Jäten und Aufräumen stehen vor dem Start fest.
- Einjährige Sommerblumen blühen schnell, brauchen aber jedes Jahr eine neue Einsaat.
- Für eine heimische Wiese prüfst du Artenliste und Ursprungsgebiet der Mischung.
- Schulprojekte brauchen eine Betreuung auch an Wochenenden und in den Ferien.

Eine Tüte Blumensamen ist schnell gekauft. Ob daraus auf der Brache, am Schulhof oder vor dem Firmengebäude eine Blühfläche wird, hängt an drei Fragen. Darfst du dort säen, woher kommt das Wasser, und wer kümmert sich in den ersten Wochen? Wenn mich eine Initiative nach der passenden Mischung fragt, kläre ich deshalb erst Fläche und Gießdienst und danach die Samen.
Wem gehört die Fläche?
Eine öffentliche Fläche bepflanzt du erst, wenn das zuständige Grünflächenamt eingebunden ist und zugestimmt hat. Bei privaten Flächen entscheidet der Eigentümer. Grundsätzlich darf er andere von Einwirkungen auf sein Grundstück ausschließen, sofern weder Gesetze noch Rechte Dritter etwas anderes vorsehen. Für Brachen, Hinterhöfe und Firmenrasen klärst du deshalb zuerst, wem die Fläche gehört.
Manche Städte bieten dafür einen festen Rahmen. Die Stadt Köln etwa vergibt abgestimmte Patenschaften für Baumbeete und öffentliche Grünflächen. Frag bei deiner Stadtverwaltung nach, ob es dort ein ähnliches Angebot gibt.
Bei Baumbeeten prüfst du, wie dicht der Boden durchwurzelt ist. Die Veitshöchheimer Schattenmischungen eignen sich weder für stark durchwurzelte Baumscheiben noch als Unterpflanzung flach wurzelnder Bäume. Unter dicht stehenden Bäumen passt statt einer gewöhnlichen Blumenwiese eine Zusammenstellung, die eigens für Gehölzsäume gedacht ist.
Wer gießt, wer jätet? Zuständigkeiten vor dem Start
Bevor die Gruppe sät, legt sie fest, woher das Wasser kommt und wer auf Dauer gießt, jätet und den Müll wegräumt. Anwohner, Kindergärten und andere örtliche Partner bindest du ebenfalls vor dem Start ein. Ich notiere bei jeder Gemeinschaftsfläche als Erstes, wo der nächste Wasseranschluss liegt und wer ihn öffnen darf.
Bei neu angelegten Blühmischungen gehört die Wasserversorgung zur Etablierungspflege, und zwar bis zum Bestandsschluss, also bis die Pflanzendecke geschlossen ist. Eine frisch gesäte Blumenwiese hältst du etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht. Gesät wird möglichst vor feuchter Witterung. Gesammeltes Regenwasser kannst du zum Gießen nutzen, das schont die Trinkwasservorräte.
Ist eine Blumenwiese etabliert, kommt sie im Sommer normalerweise ohne zusätzliches Gießen aus; das gilt auch für kräuterreiche, extensiv gepflegte Gartenflächen. Der Gießdienst ist damit eine Aufgabe für die Anwachszeit, und genau so kannst du ihn bei Freiwilligen auch ankündigen.
Vor dem Säen geklärt?
- Die Zustimmung von Grünflächenamt oder Eigentümer liegt vor.
- Der Wasserzugang ist gesichert.
- Gießen, Jäten und Müll haben feste Zuständige.
- Anwohner und örtliche Partner sind eingebunden.
- Bei Schulprojekten sind Wochenenden und Ferien abgedeckt.
Einjährig oder mehrjährig: welche Mischung passt zur Gruppe?
Die erste Entscheidung betrifft die Lebensdauer der Fläche. EinjährigeEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten. Sommerblumen blühen schon im Jahr der Aussaat und werden jedes Jahr neu gesät. Eine mehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Garten-Blühmischung bleibt dagegen über viele Jahre stehen.
| Merkmal | Einjährige Sommerblumenmischung | Mehrjährige Garten-Blühmischung |
|---|---|---|
| Blühbeginn | etwa 6 bis 8 Wochen nach einer Aussaat ab Mitte April | bei heimischen Blumenwiesen Hauptblüte häufig im Frühsommer, etwa Mai und Juni |
| Im Jahreslauf | einzelne Arten blühen bis zum ersten Frost | bei mehrjährigen Wiesen wechseln kurzer Frühjahrsbewuchs, Sommerblüte, gemähte Fläche und Herbstaufwuchs |
| Neuansaat | jedes Jahr: im Spätherbst gemäht, im Frühjahr neu angelegt | nicht jährlich, der Bestand kann 10 Jahre und länger halten |
| Pflegezeit | etwa 5 bis 8 Minuten je m² und Jahr | etwa 1 bis 2 Minuten je m² und Jahr |
Für die schnelle Blüte der einjährigen Fläche säst du also jedes Jahr neu und planst mehr Pflegezeit je Quadratmeter ein als bei der mehrjährigen Mischung. Mit jeder Gruppe bespreche ich deshalb vorab, ob sie die Fläche in jedem Frühjahr neu einsäen will.
Was in einer Sommerblumenmischung steckt
In der einjährigen LWG-Mischung Veitshöchheimer Sommertöne wächst Schmuckkörbchen zusammen mit Schleierkraut, Kornblume, Ringelblume, Schleifenblume, rotem Lein, Sonnenflügel, Mandelröschen und Duft-Tagetes. Am Straßenrand zählt außerdem die Höhe. Sommertöne, Gelbtöne und Pastelltöne aus Veitshöchheim bleiben unter 1 m Wuchshöhe. So stören sie Sichtachsen im innerstädtischen Straßenraum weniger.
Steht im Gemeinschaftsgarten Gemüse zwischen den Blumen, prüfst du im Planer, welche Pflanzen als Nachbarn zueinander passen.
Heimisch und regional: die Herkunft prüfen
Steht „Wildblumen“ auf der Packung, sind die enthaltenen Arten damit nicht garantiert heimisch. Für eine dauerhafte heimische Wiese prüfst du deshalb Artenliste, Lebensdauer und Standortangaben. Eine geeignete Mischung hat eine einsehbare Artenliste und weist heimische Pflanzen und mehrjährige Nutzung ausdrücklich aus.
Deutschland ist für gebietseigenes Saat- und Pflanzgut krautiger Arten in 22 Ursprungsgebiete gegliedert. Frag beim Kauf, aus welchem Ursprungsgebiet die Mischung stammt, und gleiche es mit deiner Region ab. Als Herkunftsnachweis für gebietseigenes Wildpflanzensaatgut dienen die Zertifikate VWW Regiosaaten und Regiozert. Ich lese vor jedem Kauf die Artenliste und lasse Mischungen ohne einsehbare Liste im Regal.
Rechtlich spielt auch die Lage der Fläche eine Rolle. Gärten, die zu einem Gebäude gehören, zählen grundsätzlich nicht zur freien Natur im Sinne von § 40 BNatSchG. Maßgeblich bleibt aber, wie die Fläche im Einzelfall tatsächlich zugeordnet ist. Freie Natur kann unter Umständen sogar innerhalb einer Ortschaft liegen. Bei Brachen und öffentlichen Flächen sprichst du die Herkunft der Mischung deshalb gleich bei der Abstimmung mit dem Grünflächenamt an.
Wie wird gesät und gemäht?
Feines Kräutersaatgut für eine Blumenwiese streust du auf die Bodenoberfläche und walzt es an, statt es einzuarbeiten. Sollen einjährige Sommerblumen auf eine flächige Mulchauflage, bekommt der MulchMulch ist eine Schicht, mit der du offenen Gartenboden bedeckst, meist aus organischem Material wie Rasenschnitt, Stroh oder Laub. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht und hemmt Unkraut. eine 3 cm starke Schicht unkrautfreier Anzucht- oder Kulturerde als SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind.. Zeitfenster, Saatmengen und Saattiefen findest du im Wildblumen-Ratgeber im Abschnitt Aussaat und Pflanzung.
Etablierte Garten-Blumenwiesen mähst du je nach Wüchsigkeit und Standort ein- bis dreimal im Jahr. Das Mähgut räumst du ab, denn liegen gelassen würde es als MulchschichtEine Mulchschicht ist eine Abdeckung des Bodens, meist aus organischem Material wie Laub, Stroh oder Rasenschnitt. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht, verringert Erosion und hemmt Unkraut. düngen. Den Ablauf übers Jahr beschreibt der Wildblumen-Ratgeber im Abschnitt Mähen und Pflege.
Schulen und Kitas: Beete, Kisten und der Gießplan für die Ferien
Schulbeete werden höchstens 80 cm breit angelegt, zwischen den Beeten bleiben mindestens 60 cm Abstand.
Wie die Beete auf die Schulfläche passen, kannst du vorab im Beetplaner durchspielen. Wo kein Beet möglich ist, ermöglichen Pflanzkisten und Töpfe ein Schulprojekt auf kleinem Raum. Je nach Gefäßgröße brauchen sie aber mehr Aufmerksamkeit beim Gießen.
Die Betreuung eines Schulgartens muss auch an Wochenenden und in den Ferien organisiert sein. Eine frisch gesäte Blumenwiese soll etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht bleiben. Liegt die Aussaat kurz vor den Ferien, braucht der Gießplan deshalb auch für die Ferienwochen Namen.
Beobachten, zählen, ernten
Phänologische Beobachtungen halten fest, wann wiederkehrende Stadien wie Austrieb, Blüte und Fruchtreife eintreten. Mit Schulklassen führe ich dazu ein Blühtagebuch, in das die Kinder jedes Stadium mit Datum eintragen. Ältere Schülerinnen und Schüler können sich am Tagfalter-Monitoring orientieren. Dort werden feste Zählstrecken von April bis September mindestens zehnmal begangen, besser wöchentlich.
Bei Sommerblumen wie dem Schmuckkörbchen sammeln die Kinder Samen für die eigene Nachzucht, sobald diese braun und vollständig ausgereift sind. Geerntet wird bei trockenem Wetter, wenn sich die Samen leicht aus ihren Hüllen lösen. Danach trocknen sie vollständig nach und lagern in beschrifteten Tüten trocken, kühl und dunkel bis zur nächsten Aussaat.
Samenbomben nach Schulrezept
Für Samenbomben gibt es ein Schulrezept mit drei Zutaten.
Misch 5 Teile Blumenerde, 5 Teile Tonerde und 1 Teil Samen. Gib nach und nach Wasser dazu, bis sich die Masse formen lässt. Form ungefähr walnussgroße Kugeln und lass sie mehrere Tage auf Zeitungspapier trocknen. Fertig getrocknet halten sie sich mehrere Wochen kühl und trocken, aber nicht in Plastiktüten.
Ausgebracht werden die Kugeln nur auf Flächen mit Zustimmung: vom Grünflächenamt bei öffentlichen Flächen, vom Eigentümer bei privaten.
Blüten aus Beet oder Mischung kommen nur dann in Speisen, wenn die Art sicher bestimmt und ihre Eignung zum Verzehr geklärt ist. Als Zierpflanzen gekaufte Blumen verwendest du nicht als essbare Blüten, weil sie mit Pflanzenschutzmitteln behandelt sein können. Zu den heimischen Wildpflanzen, die Pyrrolizidinalkaloide bilden, zählen Jakobskreuzkraut, Gemeines Greiskraut und Natternkopf; bestimmte dieser Stoffe können die Leber schädigen.
Firmengelände: wie wird aus Rasen eine Blühfläche?
Auf einem Firmengelände muss eine Blühfläche neben Wegen, Sitzplätzen und Rasen funktionieren. In vorhandenen Rasen setzt du Blumeninseln und fasst sie mit regelmäßig gemähten Rändern ein. Wege, Sitz- und Spielbereiche in der Wiese bleiben frei, wenn du sie regelmäßig kurz mähst. Vor dem Start gehe ich mit dem Hausmeisterteam die Wege ab und markiere, welche Streifen kurz bleiben.
Neben hochwachsenden Blumenwiesen planst du entlang von Wegen und Beeten einen mindestens 50 cm breiten Rasenstreifen ein. Er fängt umfallende Halme auf.
Soll die Fläche begehbar bleiben, kommt ein Kräuterrasen von bis zu 20 cm Höhe infrage: Er blüht reich und lässt sich weiter betreten. Eine vorhandene Rasenfläche kannst du auch stellenweise öffnen und standortgerechte Wildblumen in die Lücken säen. Für eine Kräuternachsaat im Bestand braucht es allerdings einen Rasen ohne Obergräser, und Sportrasen scheidet aus. Danach hältst du das vorhandene Gras kurz, bis die neuen Kräuter RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. gebildet haben.
Für eine insektenfreundliche Pflanzung wählst du ungefüllte Blüten und staffelst das Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Spätherbst.
Wenig Platz: was geht in Kästen und Kübeln?
Auf Balkon, Fensterbank oder im Hinterhof wächst die Blühfläche im Gefäß. Bei Wildstauden gleicht ein größeres Gefäß Schwankungen von Wasser und Temperatur besser aus als ein kleiner Topf. Abflusslöcher müssen funktionieren, damit sich keine StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt. bildet. Das SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. richtest du nach dem natürlichen Standort der Pflanzen: Sand macht es magerer, Kompost nährstoffreicher.
Arten in einem gemeinsamen Gefäß sollten ähnliche Ansprüche an Licht, Substrat, Wasser und Nährstoffe und eine vergleichbare Konkurrenzkraft haben. Geländer begrünst du mit hängenden oder kletternden Wildpflanzen, Kletterpflanzen taugen außerdem als Raumteiler. Lies auch nach, wie du auf kleinen Stadtflächen eine Blumenwiese anlegst, selbst bei Schatten oder knappem Wasser.
Stadtplanung, Kosten und Artenvielfalt
Wie Wildblumenflächen in die Planung einer ganzen Stadt kommen, von der Flächenauswahl über Akzeptanz und Recht bis zu den Kosten, reicht über ein einzelnes Projekt hinaus. Mehr dazu liest du im Beitrag darüber, wie sich Wildblumenflächen in die Stadtplanung einfügen.
Auch spezialisierte Insekten finden an heimischen Wiesenpflanzen Nahrung: Einzelne Scherenbienenarten sammeln ihren Pollen nur an Glockenblumen. Ein insektenfreundlicher Garten braucht neben Blüten aber auch Nistplätze, Überwinterungsräume und Nahrungspflanzen für die Entwicklungsstadien. Warum das zählt, erklären der Beitrag über den Wert von Blumenwiesen für Artenvielfalt und Naturschutz und der Wildblumen-Ratgeber im Abschnitt Nutzen für Insekten.




