Inkawurzel düngen: so versorgst du Yacon natürlich, ohne zu überdüngen
- Die Düngermenge leitest du aus einer Bodenprobe und der Versorgungsstufe ab, nicht aus einer Pauschale.
- Mehr Stickstoff brachte in Feldversuchen mehr Knollenertrag, aber eine geringere Gesamtzuckermenge und einen geringeren FOS-Anteil.
- Kompost verbessert auf leichten Böden die Wasser- und Nährstoffspeicherung; bei stark erhöhten Phosphor- oder Kaliumwerten schränkst du ihn ein.
- Hornmehl wirkt schneller als grobe Hornspäne, die mehrere Monate für die Umsetzung brauchen.
- Organische Dünger setzen bei Trockenheit kaum Nährstoffe frei, im trockenen Sommer gießt du deshalb zuerst.
- Stroh und Holzhäcksel als Mulch können Stickstoff binden, Rindenmulch ist für Gemüsebeete ungeeignet.

Beim Düngen der Inkawurzel geht es nicht nur um die Menge der Knollen, sondern auch um ihren Zucker. Stickstoff wirkt auf beides, aber nicht in dieselbe Richtung. Deshalb dünge ich meine Yacon-Pflanzen nicht nach Gefühl: Erst kommt die Bodenprobe, dann kommen Kompost und Horn nach Plan.
Die Inkawurzel, botanisch Smallanthus sonchifolius, gehört zu den Korbblütlern und ist in unseren Breiten nicht winterhart. Geerntet werden ihre großen Speicherwurzeln; die treiben allein nicht wieder aus, das übernehmen die knospentragenden Rhizomteile am WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt.. Wo die Art unter den Exoten steht und woher die Pflanzen dieses Bereichs stammen, fasst die Übersicht zu Herkunft und Botanik der Exoten und Gemüse-Raritäten zusammen.
Was braucht die Inkawurzel an Nährstoffen?
Die Inkawurzel bildet eine große Blattmasse. Für sie wird deshalb ein nährstoffreicher Standort mit ausreichender, gleichmäßiger Wasserversorgung empfohlen. Nährstoffe und Wasser denkst du bei ihr also immer zusammen.
Beim Stickstoff wägst du ab, und zwar zwischen Ertrag und Zucker.
„Viel Stickstoff, und die Inkawurzel macht nur Blätter statt Knollen.“ In Feldversuchen an braun- und rotschaligem Yacon stieg der Knollenertrag mit höherer Stickstoffdüngung. Abgenommen haben dabei die Gesamtzuckermenge und der FOS-Anteil. Mehr Stickstoff bedeutete dort also mehr Knollenertrag mit weniger Zucker, nicht Laub statt Knollen.
Ein nährstoffreicher Standort heißt deshalb nicht: möglichst viel Stickstoff. Die große Blattmasse will versorgt sein, doch wer Wert auf Zucker in den Knollen legt, rechnet jede Stickstoffquelle mit. Dazu zählen Horn, der Humus im Boden und eine vorausgegangene Gründüngung mit Leguminosen. Was in den Knollen steckt und wofür du sie nutzen kannst, beschreibt der Ratgeber zur Inkawurzel als Nahrungs- und Futterpflanze.
Bevor du düngst: Boden und Bodenprobe
Die Inkawurzel bevorzugt einen vollsonnigen, windgeschützten Standort mit leichtem, sandigem Boden. Wie du das Beet vorbereitest und pflanzt, zeigt der Ratgeber, wie du Inkawurzeln im Hobbygarten anbaust. Die Grundlagen zu Standort und Boden aller Exoten stehen in der Übersicht im Abschnitt Standort und Boden.
Die Bodenprobe bestimmt die Menge
Wie viel du düngst, richtet sich nach dem Bedarf der Pflanze und nach einer Düngeempfehlung auf Grundlage einer Bodenprobe. Die Standarduntersuchung erfasst gewöhnlich Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Humus, Stickstoff und weitere Werte beauftragst du gesondert. Eine Probe für pflanzenverfügbaren Stickstoff muss bis zur Abgabe gekühlt bleiben. Den Dünger wählst du dann nach der Versorgung mit Phosphor, Kalium, Magnesium und Spurennährstoffen, die der Prüfbericht ausweist.
Ich ziehe die Probe nach der Ernte, wenn das Beet leer ist, und gebe vorher keinen Dünger darauf.
So ziehst du die Probe fürs Inkawurzel-Beet
- Gemüsebeet getrennt von Rasen-, Obst-, Blumen- und Moorbeetflächen beproben.
- Auf der einheitlich genutzten Fläche 10 bis 15 Einstiche nehmen und mischen.
- Rund 500 g der Mischprobe einsenden.
- Zwischen Herbst und Frühjahr ziehen, nach der Ernte und vor jeder Düngung.
- Vor der Neuanlage untersuchen, danach alle 3 bis 5 Jahre wiederholen.
Versorgungsstufen lesen
Der Prüfbericht ordnet die Nährstoffe Versorgungsstufen zu. Die allgemeine Hausgartenempfehlung passt die Düngerzufuhr mit diesen Faktoren an den Bodenvorrat an:
| VersorgungsstufeDie Versorgungsstufe zeigt im Prüfbericht einer Bodenuntersuchung, wie gut dein Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Die Stufen reichen von A (sehr niedrig) über C (anzustreben) bis E (sehr hoch) oder F (überhöht). | Faktor für die Düngerzufuhr |
|---|---|
| A | 2 |
| B | 1,5 |
| C | 1 |
| D | 0,5 |
| E | 0 |
Bei Stufe E kann die Düngung mit dem betreffenden Nährstoff vorübergehend ohne Ertragsminderung unterbleiben. Zeigt der Bericht gegensätzliche Stufen, ergänzt du nur die fehlenden Nährstoffe mit Einzelnährstoffdüngern statt mit einem weiteren Mehrnährstoffdünger.
Kalk gibst du nur nach Messung. Die Kalkversorgung wird nach dem gemessenen pH-Wert sowie nach Boden- und Kulturart beurteilt, und oberhalb des jeweiligen Zielbereichs wird nicht gekalkt.
Womit düngen? Kompost, Horn und Pflanzenjauche
Kompost als Grundlage
Kompost lockert schwere Gartenböden und verbessert auf leichten Böden die Wasser- und Nährstoffspeicherung. Die Inkawurzel mag leichten, sandigen Boden und braucht zugleich eine gleichmäßige Wasserversorgung. Auf ihrem bevorzugten Sandboden setzt Kompost also genau bei der Speicherung an, die sie für diese gleichmäßige Versorgung braucht.
Seinen Stickstoff gibt Kompost nicht sofort ab, denn der muss erst durch BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben. verfügbar werden. Für schwere Gemüsebeetböden gilt zur Humusverbesserung eine Frühjahrsgabe von 3 Litern Kompost je Quadratmeter als allgemeine Empfehlung. Zeigt die Bodenprobe stark erhöhte Phosphor- oder Kaliumwerte, schränkst du die Kompostgabe ein. Ich verteile den Kompost erst, wenn das Beet abgetrocknet ist, weil nasser Boden beim Betreten verdichtet.
Hornmehl und Hornspäne für den Stickstoff
HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. liefern Stickstoff. Fein vermahlenes Hornmehl setzt ihn schneller frei als grobe Hornspäne, die mehrere Monate für die Umsetzung brauchen. Hornspäne gehören deshalb zur Pflanzung, wenn die Saison noch vor dir liegt; soll im Sommer etwas nachkommen, ist Hornmehl die schnellere Wahl.
Bevor du Horn ausbringst, rechnest du an, was der Boden schon liefert. Stickstoff aus dem Abbau von Humus zählt zur Versorgung, sodass du die zusätzliche Stickstoffdüngung verringern oder aussetzen kannst.
Eich deinen Dünge-Messbecher einmal mit einer abgewogenen Menge. Für Dünger mit unterschiedlichem Schüttgewicht nimmst du getrennte Becher, denn dasselbe Volumen wiegt bei ihnen unterschiedlich viel.
Pflanzenjauche als schnelle Ergänzung
Pflanzenjauche ergänzt Kompost durch Nährstoffe, die die Pflanze unmittelbar aufnehmen kann. Für eine allgemeine Garten-Pflanzenjauche gelten diese Eckwerte:
| Schritt | Eckwert |
|---|---|
| Ansetzen | 1 kg frisches oder 100 bis 200 g getrocknetes Kraut auf 10 l Wasser |
| Reifen lassen | täglich rühren; bei warmer Witterung nach etwa 14 Tagen dunkel und nicht mehr schäumend |
| Ausbringen | für die Bodendüngung üblicherweise 1:10 mit Wasser verdünnt um die Pflanzen an die Wurzeln gießen |
Nährstoffgehalt, Ausbringmenge und Wiederholungsabstand sind dabei nicht standardisiert. Die Werte hängen von den Ausgangspflanzen, ihrer Erntezeit, dem Pflanzenbedarf und dem Bodenvorrat ab. Ich gieße Jauche deshalb nur nach einem Blick in den Prüfbericht und auf die Pflanzen, nicht nach festem Rhythmus.
Wann düngen? Die Inkawurzel durchs Jahr
Die Düngung folgt dem Kulturverlauf, vom leeren Beet im Herbst bis zur nächsten Ernte.
| Zeitpunkt | Was ansteht |
|---|---|
| Herbst nach der Ernte bis Frühjahr | Bodenprobe ziehen, bevor gedüngt wird |
| meist etwa 2 bis 3 Wochen vor dem Pflanzen | Gründüngung flach einarbeiten, damit die Zersetzung beginnt |
| nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr., wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind | auspflanzen, Kompost und Hornspäne nach Prüfbericht einarbeiten |
| sobald der Boden erwärmt ist, bei wärmeliebendem Gemüse ab Mai oder Juni | organisch mulchen |
| Sommer | nur nach Bedarf nachdüngen, bei Trockenheit zuerst gießen |
| nach dem ersten Frost, wenn das Laub abstirbt | Knollen vorsichtig ausgraben, weil sie leicht abbrechen |
Ob im Sommer etwas nachkommt, entscheidest du am Beet. Organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe kaum Nährstoffe frei, feucht-warme Witterung kann dagegen größere Nährstoffschübe auslösen. Die Inkawurzel braucht während der Kultur ohnehin eine gute Wasserversorgung. In einem trockenen Sommer ist deshalb Gießen die erste Maßnahme, denn nachgelegter Dünger setzt im trockenen Boden kaum etwas frei.
Dünger gibst du auf feuchten Boden und nicht auf feuchte Pflanzenteile, damit er wirken kann und keine Ätzschäden entstehen. Gieß lieber gründlich und seltener als ständig oberflächlich, am besten sehr früh morgens. Wie du nach dem ersten Frost erntest und die Knollen danach lagerst, zeigt der Ratgeber, wann und wie du Inkawurzeln erntest und lagerst.
Mulchen: Feuchtigkeit halten, Stickstoff im Blick
Organischer Mulch hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten, und passt damit zu einer Pflanze, die eine gute Wasserversorgung braucht. Im Gemüsegarten bringst du organisches Mulchmaterial etwa 2 bis 3 cm dick aus. Ich mulche erst, wenn der Boden warm ist; bei wärmeliebendem Gemüse ist das ab Mai oder Juni der Fall. Rasenschnitt lasse ich anwelken und trage ihn wiederholt dünn auf, sodass der Boden noch leicht durchscheint.
Bei Stroh und holzigem Material lohnt ein zweiter Blick. Holzhäcksel, Holzfasern, Stroh und Rindenmulch können Stickstoff im Boden binden, deshalb gehört ihr Einsatz in die Düngeplanung.
Rindenmulch auf das Inkawurzel-Beet geben. Rindenmulch ist für Gemüsebeete ungeeignet. Nimm dort lieber angewelkten Rasenschnitt.
Überdüngung vermeiden
Auch mit natürlichen Düngern lässt sich überdüngen, denn organische Dünger können im Hausgarten ebenfalls zu einer übermäßigen Nährstoffzufuhr führen. Ein Nährstoffüberschuss fördert die Verlagerung und Auswaschung von Kalium, Magnesium und Nitratstickstoff. Was du über den Bedarf hinaus gibst, kann so aus dem Wurzelraum verloren gehen.
Blattsymptome sind Hinweise, keine Diagnosen. Verfärbte oder welke Blätter können verschiedene Ursachen haben: Welke kann zum Beispiel von faulenden Wurzeln bei zu viel Wasser kommen. Bevor du nachdüngst oder nachgießt, prüfst du deshalb die Bodenfeuchte und schaust in den Prüfbericht.
Für jedes Beet führe ich einen Anbauplan, in dem jede Düngergabe mit Datum, Dünger und abgewogener Menge steht. Gründüngung und Mulchmaterial trage ich dort ebenfalls ein, weil beide den Stickstoff im Boden verändern können. Vor der nächsten Gabe lese ich nach, was schon im Beet steckt.
Inkawurzel im Kübel düngen
Im Kübel rechnest du zuerst mit, was die Erde schon mitbringt: Handelsübliche Pflanzerden für Balkongemüse sind meist bereits grundgedüngt. In kleinen Kübeln kann organische Düngung verzögert wirken, weil dort nur wenige Mikroorganismen die Nährstoffe freisetzen. Bei torffreier Bioerde kann organisch gebundener Stickstoff zu Kulturbeginn oder Kulturende nicht ausreichend verfügbar sein, deshalb passt du die Nachdüngung daran an. Als langsam wirkender organischer DepotdüngerDepotdünger ist ein mineralischer Dünger, dessen Nährstoffe von einer Hüllschicht ummantelt sind. Durch diese Hülle werden sie nicht auf einmal, sondern langsam nach und nach freigesetzt. eignen sich für Balkongemüse Schafwollpellets. Gefäß, Substrat und Überwinterung behandelt der Ratgeber, wie du Inkawurzeln im Kübel ziehst.
Gründüngung und Fruchtfolge
Vor der Pflanzung kann eine Gründüngung das Beet vorbereiten. Phacelia passt dafür gut, weil sie mit keiner gängigen Gemüseart verwandt ist. Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen binden mithilfe ihrer Knöllchenbakterien Luftstickstoff und können die Nährstoffversorgung der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. verbessern. Diesen zusätzlichen Stickstoff musst du bei der Düngung der Inkawurzel berücksichtigen. Weil mehr Stickstoff in den Feldversuchen die Gesamtzuckermenge senkte, ist eine Leguminosen-Vorfrucht ein Grund, beim Horn nachzurechnen.
Die Inkawurzel ist ein KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen., genau wie Artischocken, Topinambur, Schwarzwurzeln, Sonnenblumen und die meisten Salate. Auch in Mischkulturen hältst du Anbaupausen ein, bevor dieselbe Pflanzenfamilie wieder auf die Fläche kommt. Für den Fruchtwechsel führst du einen Anbauplan über mindestens vier Jahre mit Flächen, Kulturen sowie Saat- und Pflanzterminen. Deine Flächen kannst du dafür über mehrere Jahre im Beetplaner ordnen. Neben Artischocken gilt die Inkawurzel als unverträglicher Nachbar; welche Beetnachbarn sonst zusammenpassen, prüfst du im Mischkultur-Planer.




