Geschichte der Kartoffel in Deutschland: Wie die Knolle aus den Anden zu uns kam
- Ihre Heimat ist Südamerika, vor allem das Gebiet des heutigen Peru und Bolivien.
- Über den spanischen Hafen Sevilla kam sie nach Europa und wurde dort zunächst auch als Zierpflanze gehalten.
- Weil die ersten Andenkartoffeln an kurze Tage angepasst waren, setzten sie in Europa erst im Spätherbst Knollen an.
- Friedrich II. ließ Pflanzknollen verteilen und gab Anbaubefehle mit praktischen Gebrauchsanweisungen heraus.
- Im deutschen Raum entwickelte sich die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel und bekam einen Platz im Fruchtwechsel mit Getreide.

Du willst wissen, wie die Kartoffel nach Deutschland kam? Die kurze Antwort: Sie kam aus Südamerika über Spanien nach Europa, stand dort zuerst auch als Zierpflanze und wurde im deutschen Raum zum Grundnahrungsmittel.
Ich lege jedes Frühjahr selbst Pflanzknollen in die Furche, und genau dieser Handgriff spielt in der Geschichte eine Rolle. Welche, und was die Herkunft dir heute im Beet erklärt, zeige ich dir Station für Station.
Wie kam die Kartoffel nach Deutschland?
Die Heimat der Kartoffel liegt in Südamerika, vor allem im Gebiet des heutigen Peru und Bolivien. Nach Europa gelangte sie über den spanischen Hafen Sevilla. Von dort bis zum Grundnahrungsmittel im deutschen Raum führen diese Stationen:
| Station | Was dort geschah |
|---|---|
| Südamerika | Herkunft, vor allem das Gebiet des heutigen Peru und Bolivien |
| Sevilla | spanischer Hafen, über den die Kartoffel nach Europa kam |
| Europa | zunächst auch als Zierpflanze gehalten; Einführungen erst aus den Anden, später aus Chile |
| Friedrich II. | förderte den Anbau mit verteilten Pflanzknollen und Anbaubefehlen samt Gebrauchsanweisungen |
| Deutscher Raum | Grundnahrungsmittel, Teil von Fruchtwechselkonzepten mit Getreide |
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Warum bildeten die ersten Kartoffeln in Europa so spät Knollen?
Die zuerst eingeführten Kartoffeln kamen aus den Anden und waren an kurze Tage angepasst. Unter europäischen Bedingungen setzten sie deshalb erst im Spätherbst Knollen an.
Kurztagsanpassung heißt: Die Pflanze legt ihre Knollen erst an, wenn die Tage kurz genug sind.
Auf diese Andenpflanzen folgten später Einführungen aus Chile, und auf beide gehen die europäischen Kartoffeln zurück.
Welche Rolle spielte Friedrich II.?
Friedrich II. förderte den Kartoffelanbau mit zwei Maßnahmen: Er ließ Knollen zum Pflanzen verteilen, und seine Anbaubefehle enthielten praktische Gebrauchsanweisungen.
Da Kartoffeln über Pflanzknollen und nicht über botanische Samen vermehrt werden, braucht jeder neue Anbau zuerst Knollen, und genau die ließ er verteilen.
Im Garten ist das bis heute so. Ich lege zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln und lasse sie vorher an einem hellen, frostfreien Platz vorkeimen, damit sie früher loswachsen. Vorkeimen ist dabei kein Muss. Wie du gutes Pflanzgut auswählst und richtig vorkeimst, erkläre ich ausführlich im Kartoffel-Ratgeber. Den Pflanztermin behalte ich mit dem Aussaatkalender für Kartoffeln zum Ausdrucken im Blick.
Wie wurde die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel?
Im deutschen Raum entwickelte sich die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel. Auf den Äckern wechselte sie sich in Fruchtwechselkonzepten mit Getreide ab.
Den Wechsel der Kulturen hältst du auch im Garten ein. Kartoffeln gelten als StarkzehrerStarkzehrer sind Gemüsearten mit hohem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff, etwa Kohl, Kürbis, Tomaten und Zucchini. In der Fruchtfolge kommen sie zuerst auf ein frisch versorgtes Beet, zum Beispiel nach einer Kompostgabe., und auf ein Beet, das sie schon getragen hat, kommen sie erst nach 4 bis 6 Jahren Pause zurück. Damit ich die Pause nicht aus den Augen verliere, trage ich jedes Kartoffelbeet in den Beetplaner für die Fruchtfolge ein.
Nachtschattengewächs: Was die Verwandtschaft für dein Beet bedeutet
Botanisch heißt die Kartoffel Solanum tuberosum und gehört zur Familie der NachtschattengewächseNachtschattengewächse sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen gehören. Weil sie für dieselben Krankheiten anfällig sind, sollen sie nicht direkt nacheinander auf demselben Beet stehen.. Die neuen Knollen wachsen an den Spitzen unterirdischer Seitentriebe, der sogenannten Stolonen. Ich häufle jede Reihe an, weil der Erddamm die wachsenden Knollen vor Licht schützt, das sie ergrünen lässt.
Mit Tomaten, Paprika, Auberginen, Physalis und Birnenmelonen ist die Kartoffel verwandt, und sie teilt mit ihnen Krankheiten wie die Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen.. Deshalb pflanze ich keine dieser Arten neben meine Kartoffeln. Welche Nachbarn besser passen, zeigt dir die Übersicht guter und schlechter Nachbarn im Mischkultur-Werkzeug.
In der Küche gilt ein Sicherheitshinweis. Glykoalkaloide wie Solanin und Chaconin sitzen vor allem in den Keimen und Augen der Knolle. Färbt sich die Knolle grünlich, deutet das auf einen erhöhten Gehalt hin. Knollen, die grün sind, stark keimen oder bitter schmecken, isst du nicht. Keime und grüne Stellen schneidest du großzügig heraus. Meine Vorräte liegen deshalb in einem dunklen, kühlen Raum, denn unter Licht werden die Knollen grün.
Alte Sorten: Kartoffelgeschichte im eigenen Beet
Alte Sorten und Landsorten kannst du auch im eigenen Garten anbauen. Drei Beispiele:
| Sorte | Einordnung |
|---|---|
| Vitelotte | alte, mittelfrühe Sorte mit blauviolettem Fleisch; mehligkochend, dennoch schnittfest; auch für den Kartoffeleimer genannt |
| Bamberger Hörnchen | längliche, festkochende Landsorte; wird mal als mittelfrüh, mal als spät eingeordnet |
| Blauer Schwede | mittelfrüh, mit blauem bis violettem Fleisch; der Kochtyp wird von festkochend bis mehligkochend angegeben |
In der Genbank bleiben solche Sorten erhalten, indem man sie über Knollen vegetativ weitervermehrt und im Feld auf Sortenreinheit prüft. Gerade bei alten Sorten achte ich auf zertifiziert virusfreies Pflanzgut, weil sie für neue Virusstämme anfällig sein können.
Die Vitelotte ziehe ich im Kartoffeleimer auf der Terrasse. Ich pflanze sie wegen ihres blauvioletten Fleischs und rechne dabei nicht mit großen Mengen, denn ihre Erträge sind eher gering.
Wie sich Reifegruppen und Kochtypen allgemein unterscheiden, steht im Kartoffel-Ratgeber im Abschnitt zu den Sorten.



