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Geschichte der Kartoffel in Deutschland: Wie die Knolle aus den Anden zu uns kam

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 4 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Ihre Heimat ist Südamerika, vor allem das Gebiet des heutigen Peru und Bolivien.
  • Über den spanischen Hafen Sevilla kam sie nach Europa und wurde dort zunächst auch als Zierpflanze gehalten.
  • Weil die ersten Andenkartoffeln an kurze Tage angepasst waren, setzten sie in Europa erst im Spätherbst Knollen an.
  • Friedrich II. ließ Pflanzknollen verteilen und gab Anbaubefehle mit praktischen Gebrauchsanweisungen heraus.
  • Im deutschen Raum entwickelte sich die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel und bekam einen Platz im Fruchtwechsel mit Getreide.
Frisch geerntete Kartoffeln mit erdiger, hellbrauner Schale liegen dicht an dicht im Haufen
Foto: Pavlofox · Pixabay Content License · Quelle ↗

Du willst wissen, wie die Kartoffel nach Deutschland kam? Die kurze Antwort: Sie kam aus Südamerika über Spanien nach Europa, stand dort zuerst auch als Zierpflanze und wurde im deutschen Raum zum Grundnahrungsmittel.

Ich lege jedes Frühjahr selbst Pflanzknollen in die Furche, und genau dieser Handgriff spielt in der Geschichte eine Rolle. Welche, und was die Herkunft dir heute im Beet erklärt, zeige ich dir Station für Station.

Wie kam die Kartoffel nach Deutschland?

Die Heimat der Kartoffel liegt in Südamerika, vor allem im Gebiet des heutigen Peru und Bolivien. Nach Europa gelangte sie über den spanischen Hafen Sevilla. Von dort bis zum Grundnahrungsmittel im deutschen Raum führen diese Stationen:

Station Was dort geschah
Südamerika Herkunft, vor allem das Gebiet des heutigen Peru und Bolivien
Sevilla spanischer Hafen, über den die Kartoffel nach Europa kam
Europa zunächst auch als Zierpflanze gehalten; Einführungen erst aus den Anden, später aus Chile
Friedrich II. förderte den Anbau mit verteilten Pflanzknollen und Anbaubefehlen samt Gebrauchsanweisungen
Deutscher Raum Grundnahrungsmittel, Teil von Fruchtwechselkonzepten mit Getreide
Giftig für Haustiere?
Angaben für die Gattung Solanum
Hund
Giftig
Katze
Giftig
Pferd
Giftig
Ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Vergiftung sofort Tierarzt kontaktieren. Quelle: ASPCA Toxic Plants · Stand 2026-07-11

Empfehlungen für den Garten

Standort und Boden

Standort

Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.

Bodenart

Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.

Bodenreaktion

Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.

Substrat

Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.

Anbauort

Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.

Aussaat und Vermehrung

Vermehrung

Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.

Pflege

Pflege

In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.

Düngung

Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.

Lebensform und Verwendung

Lebensform

Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.

Verwendung

Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.

Aussaatkalender Kartoffel
GartenkalenderAussaat: Mai; Blüte: Juni, Juli, August; Ernte: Juni, Juli, August, September, Oktober; Pflanzung: März, April, MaiJFMAMJJASONDAussaatAussaat: MaiBlüteBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustErnteErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberErnte: OktoberPflanzungPflanzung: MärzPflanzung: AprilPflanzung: MaiAussaatBlüteErntePflanzung

Warum bildeten die ersten Kartoffeln in Europa so spät Knollen?

Die zuerst eingeführten Kartoffeln kamen aus den Anden und waren an kurze Tage angepasst. Unter europäischen Bedingungen setzten sie deshalb erst im Spätherbst Knollen an.

Kurz erklärt

Kurztagsanpassung heißt: Die Pflanze legt ihre Knollen erst an, wenn die Tage kurz genug sind.

Auf diese Andenpflanzen folgten später Einführungen aus Chile, und auf beide gehen die europäischen Kartoffeln zurück.

Welche Rolle spielte Friedrich II.?

Friedrich II. förderte den Kartoffelanbau mit zwei Maßnahmen: Er ließ Knollen zum Pflanzen verteilen, und seine Anbaubefehle enthielten praktische Gebrauchsanweisungen.

Da Kartoffeln über Pflanzknollen und nicht über botanische Samen vermehrt werden, braucht jeder neue Anbau zuerst Knollen, und genau die ließ er verteilen.

Im Garten ist das bis heute so. Ich lege zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln und lasse sie vorher an einem hellen, frostfreien Platz vorkeimen, damit sie früher loswachsen. Vorkeimen ist dabei kein Muss. Wie du gutes Pflanzgut auswählst und richtig vorkeimst, erkläre ich ausführlich im Kartoffel-Ratgeber. Den Pflanztermin behalte ich mit dem Aussaatkalender für Kartoffeln zum Ausdrucken im Blick.

Wie wurde die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel?

Im deutschen Raum entwickelte sich die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel. Auf den Äckern wechselte sie sich in Fruchtwechselkonzepten mit Getreide ab.

Den Wechsel der Kulturen hältst du auch im Garten ein. Kartoffeln gelten als Starkzehrer, und auf ein Beet, das sie schon getragen hat, kommen sie erst nach 4 bis 6 Jahren Pause zurück. Damit ich die Pause nicht aus den Augen verliere, trage ich jedes Kartoffelbeet in den Beetplaner für die Fruchtfolge ein.

Nachtschattengewächs: Was die Verwandtschaft für dein Beet bedeutet

Botanisch heißt die Kartoffel Solanum tuberosum und gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Die neuen Knollen wachsen an den Spitzen unterirdischer Seitentriebe, der sogenannten Stolonen. Ich häufle jede Reihe an, weil der Erddamm die wachsenden Knollen vor Licht schützt, das sie ergrünen lässt.

Mit Tomaten, Paprika, Auberginen, Physalis und Birnenmelonen ist die Kartoffel verwandt, und sie teilt mit ihnen Krankheiten wie die Kraut- und Knollenfäule. Deshalb pflanze ich keine dieser Arten neben meine Kartoffeln. Welche Nachbarn besser passen, zeigt dir die Übersicht guter und schlechter Nachbarn im Mischkultur-Werkzeug.

In der Küche gilt ein Sicherheitshinweis. Glykoalkaloide wie Solanin und Chaconin sitzen vor allem in den Keimen und Augen der Knolle. Färbt sich die Knolle grünlich, deutet das auf einen erhöhten Gehalt hin. Knollen, die grün sind, stark keimen oder bitter schmecken, isst du nicht. Keime und grüne Stellen schneidest du großzügig heraus. Meine Vorräte liegen deshalb in einem dunklen, kühlen Raum, denn unter Licht werden die Knollen grün.

Alte Sorten: Kartoffelgeschichte im eigenen Beet

Alte Sorten und Landsorten kannst du auch im eigenen Garten anbauen. Drei Beispiele:

Sorte Einordnung
Vitelotte alte, mittelfrühe Sorte mit blauviolettem Fleisch; mehligkochend, dennoch schnittfest; auch für den Kartoffeleimer genannt
Bamberger Hörnchen längliche, festkochende Landsorte; wird mal als mittelfrüh, mal als spät eingeordnet
Blauer Schwede mittelfrüh, mit blauem bis violettem Fleisch; der Kochtyp wird von festkochend bis mehligkochend angegeben

In der Genbank bleiben solche Sorten erhalten, indem man sie über Knollen vegetativ weitervermehrt und im Feld auf Sortenreinheit prüft. Gerade bei alten Sorten achte ich auf zertifiziert virusfreies Pflanzgut, weil sie für neue Virusstämme anfällig sein können.

Marias Erfahrung

Die Vitelotte ziehe ich im Kartoffeleimer auf der Terrasse. Ich pflanze sie wegen ihres blauvioletten Fleischs und rechne dabei nicht mit großen Mengen, denn ihre Erträge sind eher gering.

Wie sich Reifegruppen und Kochtypen allgemein unterscheiden, steht im Kartoffel-Ratgeber im Abschnitt zu den Sorten.

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Häufige Fragen

Wie kam die Kartoffel ursprünglich nach Deutschland und Europa?
Ihre Heimat ist Südamerika, vor allem das Gebiet des heutigen Peru und Bolivien. Über den spanischen Hafen Sevilla gelangte sie nach Europa, wo man sie zunächst auch als Zierpflanze hielt. Auf erste Einführungen aus den Anden folgten später solche aus Chile. Im deutschen Raum förderte Friedrich II. den Anbau, und hier entwickelte sich die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel.
Welche Rolle spielte Friedrich II. bei der Verbreitung der Kartoffel in Deutschland?
Friedrich II. setzte auf zwei Mittel: Er ließ Pflanzknollen verteilen, und seine Anbaubefehle enthielten praktische Gebrauchsanweisungen. Die Knollen waren dabei der Ausgangspunkt, weil Kartoffeln über Pflanzknollen und nicht über botanische Samen vermehrt werden.
Worin unterscheidet sich die Kartoffel von anderen Nachtschattengewächsen?
Die Kartoffel, botanisch Solanum tuberosum, bildet ihre neuen Knollen unter der Erde an den Spitzen von Seitentrieben, den Stolonen. Mit Tomaten, Paprika, Auberginen und Physalis teilt sie Krankheiten wie die Kraut- und Knollenfäule, deshalb setzt du diese Arten nicht neben sie. Solanin und verwandte Glykoalkaloide stecken vor allem in Keimen und Augen, und grüne Stellen deuten auf einen höheren Gehalt hin. Knollen, die grün sind, stark keimen oder bitter schmecken, isst du nicht.
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