Gemüse · Kohl · Anbau

Fruchtwechsel für Blattkohl: was vor und nach Grünkohl ins Beet passt

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Grünkohl für Herbst und Winter wird von Anfang Juni bis Anfang August gepflanzt, davor hat eine frühe Kultur ohne Kreuzblütler Platz.
  • Nach Kohl passen weniger nährstoffbedürftige Kulturen aus anderen Familien, etwa Möhren, Kopfsalat und Spinat.
  • Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse, Senf, Ölrettich und Raps sind Kreuzblütler und zählen zur Kohlpause.
  • Kreuzblütler kommen vorbeugend nur alle 3 bis 5 Jahre auf dasselbe Beet zurück.
  • Nach Kohlherniebefall braucht das Beet eine langjährige Kohlpause, denn Dauersporen können bis zu 20 Jahre überdauern.
Hand liegt auf großen blaugrünen Kohlblättern mit violetten Blattrippen und feinen Wassertropfen
Foto: Marina Leonova · Pexels License · Quelle ↗

Grünkohl kommt erst im Sommer ins Beet und wird je nach Sorte bis März geerntet. Damit bestimmt er, was davor noch wachsen kann und wann die nächste Kultur starten darf. Wer danach Radieschen oder Senf auf das frei gewordene Beet sät, holt sich ungewollt den nächsten Kreuzblütler auf die Fläche. Das ist ein Risiko, weil die Dauersporen der Kohlhernie lange im Boden überdauern können. Ich trage den Blattkohl deshalb als Erstes in meinen Beetplan ein und ordne die übrigen Kulturen davor und danach um ihn herum.

Kurz erklärt

Mit Blattkohl sind hier Grünkohl und Palmkohl gemeint, also Kohl, den du Blatt für Blatt erntest. Für die Fruchtfolge gelten für beide dieselben Regeln wie für Kopfkohl, Brokkoli oder Kohlrabi: Alle sind Kreuzblütler.

Das Pflanzfenster: Blattkohl kommt spät und bleibt lange

Grünkohl für die Herbst- und Winterernte pflanzt du von Anfang Juni bis Anfang August. Palmkohl liefert dagegen schon ab dem Sommer Blätter, seine Ernte reicht bis zum Spätherbst. Diese Termine bestimmen deinen Fruchtwechsel:

Kultur Schritt Zeitfenster
Grünkohl Aussaat Mai bis Juli
Grünkohl Vorkultur in Schalen oder Töpfen Anfang Mai bis Mitte Juni, für eine Pflanzung Anfang Juni bis Mitte Juli
Grünkohl Pflanzreife nach etwa 6 Wochen Vorkultur, mit höchstens 4 Laubblättern
Grünkohl Pflanzung für Herbst- und Winterernte Anfang Juni bis Anfang August
Grünkohl Ernte je nach Sorte Oktober bis März
Palmkohl ‘Nero di Toscana’ Aussaat ab März warm vorziehen oder im Mai und Juni ins Freiland säen
Palmkohl Ernte Blätter vom Sommer bis zum Spätherbst

Grünkohl kommt frühestens Anfang Juni ins Beet, und wer ihn im Topf vorzieht, kann das Beet länger mit der ersten Kultur belegt lassen. Im Frühjahr hat auf dem künftigen Grünkohlbeet also eine kurze Kultur Platz, die bis zum Pflanztermin geräumt ist. Nimm dafür keinen Kreuzblütler, sonst verlängerst du die Kohlzeit auf dem Beet. Ich säe den Grünkohl in Töpfe, solange draußen noch die Frühjahrskultur steht, und pflanze direkt nach dem Abräumen.

Weil Palmkohl nur bis zum Spätherbst Blätter liefert, wird sein Beet früher frei als ein Grünkohlbeet. Ist es schon im Oktober leer, kann noch Winterroggen als Gründüngung folgen, sofern du das Beet erst ab Ende April wieder brauchst. Die Saattermine der übrigen Kohlarten legst du dir mit dem Aussaatkalender für Kohl zum Ausdrucken neben den Beetplan.

Aussaatkalender Blattkohl
GartenkalenderVorkultur: Mai, Juni; Aussaat: März, April, Mai, Juni, Juli, August; Blüte: Mai, Juni; Ernte: Januar, Oktober, November, Dezember; Pflanzung: Juni, JuliJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MaiVorkultur: JuniAussaatAussaat: MärzAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustBlüteBlüte: MaiBlüte: JuniErnteErnte: JanuarErnte: OktoberErnte: NovemberErnte: DezemberPflanzungPflanzung: JuniPflanzung: JuliVorkulturAussaatBlüteErntePflanzung

Vor dem Blattkohl: Vorfrucht und Düngung kurz gefasst

Im ökologischen Kohlanbau gelten Leguminosengemenge oder Leguminosen-Zwischenfrüchte als Vorfrüchte, die den Kohl mit Stickstoff versorgen. Grünkohl bekommt vor dem Auspflanzen reifen Kompost und wird während der Kultur regelmäßig nachgedüngt. Stickstoff, den die Vorfrucht hinterlassen hat, rechnest du dabei mit ein. Warum der Wechsel der Pflanzenfamilien wirkt und wie du Kohl nach Art und Verwendungszweck düngst, steht im Kohl-Ratgeber in den Abschnitten Fruchtfolge und Düngen. Wie du beim Blattkohl Wasser und Nährstoffe zusammen gibst, zeigt der Beitrag darüber, wie du Blattkohl gießt und düngst.

Nach dem Blattkohl: was im Folgejahr aufs Beet kommt

Weil Grünkohl je nach Sorte bis März geerntet wird, ist seine Nachkultur meist keine Folgesaat im selben Jahr. Sie ist die erste Kultur des nächsten Frühjahrs. Passend sind Kulturen, die weniger Nährstoffe brauchen als Kohl und zu anderen Pflanzenfamilien gehören: Möhren, Kopfsalat und Spinat.

Kultur Nach Blattkohl? Grund
Möhren, Kopfsalat, Spinat ja weniger nährstoffbedürftig, andere Pflanzenfamilien
Phacelia ja, als Gründüngung mit keiner gängigen Gemüseart verwandt
Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse nein Kreuzblütler, zählen zur Kohlpause
Gelbsenf, Ölrettich, Raps als Gründüngung nein Kreuzblütler, vor Kohl zu meiden
Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl und andere Kohlarten nein Kohl, dieselbe Pause
Häufiger Fehler

Radieschen oder Rucola als schnelle Nachkultur auf das abgeräumte Kohlbeet säen. Beide sind Kreuzblütler, und ihre Verwandtschaft mit dem Kohl kann die Kohlhernie begünstigen. Im Beetplan gehören sie deshalb zum Kohl.

Gründüngung, wenn das Beet frei ist

Soll ein Beet zwischen zwei Hauptkulturen grün bleiben, säe Phacelia. Sie ist mit keiner gängigen Gemüseart verwandt und passt deshalb gut in eine Kohlfruchtfolge. Direkt vor dem nächsten Kohl eignet sich auch Buchweizen. Eine Gründüngung kann leichte Böden wasserspeichernder und schwere Böden durchlässiger machen. Im Herbst durchwurzelt eine Begrünung den Boden und schützt ihn vor Auswaschung.

Mythos-Check

„Senf ist die richtige Gründüngung für das abgeräumte Kohlbeet.“ Senf ist selbst ein Kreuzblütler, genau wie Ölrettich und Raps. Vor Kohl sollen diese Gründüngungen gemieden werden, und in der Kohlfruchtfolge zählen sie zur Pause.

Wie lange Kreuzblütler Pause brauchen

Für die Pause gibt es keine einzelne Zahl, die Empfehlungen überschneiden sich. Die Spannen mit ihrem jeweiligen Bezug:

Bezug Empfehlung
Grünkohl und Kohl Anbaupause von 3–4 bis 4–5 Jahren, verwandte Kreuzblütler wie Senf eingerechnet
Kreuzblütler, vorbeugend nur alle 3–5 Jahre wieder am selben Platz
Kreuzblütler, weiteste genannte Spanne Wiederkehrabstand von 3–6 Jahren; ein schon befallener Boden gilt damit nicht als saniert
Nach Kohlherniebefall langjährige Kohl-Anbaupause

Zur Pause zählt jeder Kreuzblütler auf dem Beet, auch ein einzelner Satz Radieschen oder Senf als Gründüngung. Wie lang deine Pause wird, hängt an der Zahl deiner Beete: Jedes kohlfreie Jahr braucht ein eigenes Beet im Umlauf.

Kohlhernie: Eine Pause saniert kein befallenes Beet

Der Erreger der Kohlhernie sitzt an den Wurzeln, und seine Dauersporen können bis zu 20 Jahre im Boden überdauern. Die Pausen aus der Tabelle sind vorbeugend gemeint. Ein Beet, auf dem Kohlhernie aufgetreten ist, gilt nach einer normalen Fruchtfolge deshalb nicht als saniert und braucht eine langjährige Kohlpause. Besonders begünstigt werden Infektionen durch 20 bis 25 °C und feuchte bis staunasse Böden. Staunässe zu vermeiden gehört darum genauso zur Vorbeugung wie die Pause.

Beim Abräumen ziehe ich jede Kohlpflanze samt Wurzel aus dem Boden und sehe mir die Wurzeln an. Wucherungen an den Wurzeln können auf Kohlhernie hinweisen, eine sichere Diagnose sind sie nicht. Kranke Pflanzen kommen mit den Wurzeln in den Restmüll und nicht auf den Kompost. Die Geräte, mit denen du den Boden bearbeitet hast, reinigst du danach gründlich.

Achtung

Bestand bei Blattkohl im Kübel Verdacht auf Kohlhernie, verwendest du das Substrat nicht wieder. Krankheitsfreie Erde, die erst im Vorjahr eingefüllt wurde, kannst du nach dem Entfernen der alten Wurzelballen aufbereiten und weiterverwenden.

Beispielplan: Blattkohl im Vier-Beete-Wechsel

Übersichtlich wird der Fruchtwechsel mit festen Beeten, auf denen die Kulturgruppen jedes Jahr ein Beet weiterziehen. Jedes Beet durchläuft nacheinander diese Stationen:

Station Was auf dem Beet steht Warum
Kohljahr im Frühjahr eine kurze Kultur ohne Kreuzblütler, ab Juni Grünkohl bis zur letzten Ernte Grünkohl kommt spät und bleibt lange
Folgejahr Möhren, Kopfsalat oder Spinat brauchen weniger Nährstoffe und gehören zu anderen Familien
Zwischenjahr Kulturen anderer Familien, im Herbst eine Begrünung hält Kreuzblütler ein weiteres Jahr vom Beet fern
Vorfruchtjahr Hülsenfrüchte, danach Phacelia oder Buchweizen als Gründüngung Hülsenfrüchte hinterlassen Stickstoff im Boden

Reicht dir die Pause nicht, schiebst du ein weiteres Beet mit einer anderen Familie oder einer Gründüngung ein. Andere Kohlarten gehören mit ins Kohljahr, denn sie teilen sich dieselbe Pause. Blumenkohl stellt dabei höhere Ansprüche als Grünkohl; wie du Standort und Fruchtfolge für Blumenkohl planst, steht in einem eigenen Ratgeber. Rosenkohl hat eigene Vor- und Nachfrüchte, die der Ratgeber zum Fruchtwechsel beim Rosenkohl zusammenfasst.

Den Umlauf trägst du im Beetplaner für deine Fruchtfolge ein. Dann siehst du auch Jahre später noch, wo Radieschen oder Senf standen.

Marias Erfahrung

Ich notiere für jedes Beet jede Kultur, auch Gründüngung und einen einzelnen Satz Radieschen. Kurze Kulturen fehlen im Plan sonst als Erstes, und gerade die Kreuzblütler darunter zählen zur Kohlpause.

Mischkultur im Blattkohlbeet

Mischkultur ergänzt den Fruchtwechsel, eine Garantie gegen Schädlinge oder Krankheiten ist sie nicht. Günstige Wirkungen zwischen Gemüsearten lassen sich schwer nachweisen, deshalb sind Nachbarlisten keine Wirkungsversprechen. Schnelle Zwischenkulturen erntest du, bevor sie den Grünkohl bedrängen. Welche Nachbarn als verträglich gelten, siehst du im Mischkultur-Planer für Beetnachbarn.

Zahl im Blick

Grünkohl steht je nach Sorte im Pflanzraster 40 × 40 bis 40 × 60 cm. Eine Zwischenkultur muss in diese Lücken passen und geräumt sein, bevor der Kohl den Platz braucht.

Boden vorbereiten: kurz gefasst

Grünkohl bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige Böden, die Wasser gut halten. Ob du kalkst, richtet sich nach Bodenart und Bodenuntersuchung. Wie du das Beet nach der Vorkultur Schritt für Schritt vorbereitest, steht in der Anleitung zur Bodenvorbereitung für Blattkohl.

Dein Fruchtwechsel mit Blattkohl auf einen Blick

Mini-Checkliste

  • Im Winter den Beetplan fortschreiben und alle Kreuzblütler des Vorjahres eintragen.
  • Im Frühjahr auf das künftige Grünkohlbeet eine kurze Kultur ohne Kreuzblütler setzen.
  • Von Anfang Mai bis Mitte Juni den Grünkohl in Töpfen vorziehen.
  • Pflanzen, sobald die Vorkultur geräumt ist, spätestens Anfang August.
  • Beim Abräumen die Wurzeln ansehen und kranke Pflanzen in den Restmüll geben.
  • Im Folgejahr Möhren, Kopfsalat oder Spinat auf das Kohlbeet bringen.

Was im Rest des Jahres von der Pflege bis zur Ernte ansteht, findest du bei den Arbeiten am Blattkohl im Jahreslauf.

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Häufige Fragen

Was ist Fruchtwechsel und warum ist er beim Anbau von Blattkohl so wichtig?
Beim Fruchtwechsel wechseln auf einem Beet von Jahr zu Jahr die Pflanzenfamilien. Grünkohl und Palmkohl sind Kreuzblütler, und diese Verwandtschaft kann die Kohlhernie begünstigen, deren Dauersporen bis zu 20 Jahre im Boden überdauern können. Eine Anbaupause senkt dieses Risiko, eine Garantie gegen Befall ist sie nicht.
Wie wirkt sich die Pflanzenfamilie der Brassicaceae auf die Fruchtfolge-Planung aus?
Brassicaceae ist der Fachname der Kreuzblütler, und zu ihnen gehört jeder Kohl. Zur Kohlpause zählen deshalb auch Radieschen, Rettich, Rucola und Kresse sowie die Gründüngungen Gelbsenf, Ölrettich und Raps. Trag sie im Beetplan genauso ein wie Grünkohl und Palmkohl.
Worin unterscheidet sich Blattkohl von anderen Kohlarten wie Brokkoli und Blumenkohl?
Für den Fruchtwechsel gibt es keinen Unterschied: Alle drei sind Kreuzblütler und teilen sich dieselbe Pause. Anders ist die Ernte, denn Blattkohl erntest du Blatt für Blatt. Grünkohl wird je nach Sorte von Oktober bis März geerntet, sein Beet bleibt deshalb bis ins Frühjahr belegt.
Ist es ein Mythos, dass Blattkohl nur im Winter gut wächst?
Ja. Blattkohl wächst über Sommer und Herbst heran, und Palmkohl liefert schon vom Sommer bis zum Spätherbst Blätter. Grünkohl erntest du je nach Sorte von Oktober bis März. Bei vielen Grünkohlsorten steigt der Zuckergehalt schon bei Kälte, Frost ist dafür keine Voraussetzung.
Wie plane ich ein Mischkulturbeet mit Blattkohl?
Plane zuerst den Platz für den Grünkohl, denn er steht bis zur letzten Ernte im Winter oder Frühjahr. Schnelle Zwischenkulturen erntest du, bevor sie den Kohl bedrängen. Nachbarlisten helfen bei der Auswahl, sind aber keine Wirkungsversprechen, weil sich günstige Wirkungen zwischen Gemüsearten schwer nachweisen lassen.
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