Nützlinge im Rosenkohl: Gegenspieler von Raupen und Läusen
- Raupen am Rosenkohl bestimmst du an Farbe und Größe: Kleiner Kohlweißling grün und samtig, Großer gelb mit schwarzen Flecken, Kohlmotte grünlich-grau.
- Gelbe Kokonhaufen neben toten Kohlweißlingsraupen können von der Brackwespe Cotesia glomerata stammen, deshalb bleiben sie beim Absammeln hängen.
- Zu den Gegenspielern der Mehligen Kohlblattlaus gehören die Brackwespe Diaeretiella rapae und Larven von Gallmücken, Schwebfliegen und Marienkäfern.
- Harte, kugelige, hellbraune Blattlaus-Mumien sind von der Kohlblattlausschlupfwespe parasitierte Läuse.
- Ein geschlossenes Kulturschutznetz kann auch Gegenspielern den Weg versperren, darunter kontrollierst du selbst.
- Im Freiland förderst du die vorhandenen Nützlinge, gekaufte Nützlinge kommen vor allem in geschützten Anbauräumen zum Einsatz.

Fraßlöcher im Rosenkohl und grüne oder braune Kotkrümel auf den Blättern sind der Anlass, die Pflanze nach Raupen und Eigelegen abzusuchen. Dabei lohnt ein genauer Blick, denn neben den Schädlingen können schon ihre natürlichen Gegenspieler an der Pflanze sitzen. Ich drehe beim Kontrollgang jedes angefressene Blatt um und sortiere, was dort sitzt: Raupe, Eigelege, Läusekolonie oder ein Helfer, den ich in Ruhe lasse. Welcher Nützling zu welchem Rosenkohl-Schädling gehört und wie du ihn im Anbau schonst, zeigt dieser Ratgeber.
Welcher Nützling gehört zu welchem Schädling am Rosenkohl?
Die Tabelle ordnet die Schädlinge am Rosenkohl ihren natürlichen Gegenspielern zu.
| Schädling | Typische Hinweise | Natürliche Gegenspieler |
|---|---|---|
| Raupen des Kohlweißlings | Lochfraß bis auf die Blattrippen, grüne oder braune Kotkrümel | Brackwespe Cotesia glomerata: gelbe Kokonhaufen neben toten Raupen können von ihr stammen |
| Kohlmotte | erst Minen, dann Loch- oder Fensterfraß, oft feines weißes Gespinst an den Herzblättern | die parasitoiden Wespen Diadegma semiclausum und Cotesia plutellae |
| Mehlige Kohlblattlaus | blaugraue, wachsbepuderte Kolonien unter den Blättern, fleckige und buckelige Blätter | Brackwespe Diaeretiella rapae, Larven von Gallmücken, Schwebfliegen und Marienkäfern |
| Kohlmottenschildlaus (Weiße Fliege) | Tiere und Larven unter den Blättern, fliegen bei Berührung auf, HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. mit schwarzem Rußtau | Marienkäfer Clitostethus arcuatus, Erzwespe Encarsia tricolor |
Gegen KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. und ErdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. setze ich am Rosenkohl nicht auf Gegenspieler, sondern auf Vorbeugung mit Netz und passender Fläche. Wie das aussieht, steht weiter unten.
Raupen auf dem Rosenkohl: erst bestimmen, dann absammeln
Welche Raupe an deinem Rosenkohl frisst, erkennst du an Farbe und Größe.
| Raupe | Farbe | Länge |
|---|---|---|
| Kleiner Kohlweißling | grün, samtartig behaart | bis 3 cm |
| Großer Kohlweißling | gelb mit schwarzen Flecken | bis 4 cm |
| Kohlmotte | grünlich-grau | bis 1 cm |
| Kohleule | grün bis braun | bis 4 cm |
Kohlweißlingsraupen fressen Löcher bis auf die freigelegten Blattrippen. Kohlmottenlarven verursachen zunächst Minen und später Loch- oder Fensterfraß, an den Herzblättern hängt dann oft ein feines weißes Gespinst.
Bei beginnendem oder geringem Befall kann das Absammeln schon ausreichen. Am Rosenkohl begrenzt es den Schaden, wenn du die Raupen einsammelst und geschädigte Pflanzenteile entfernst. Bei wenigen Pflanzen suchst du auch die Eigelege ab und nimmst sie gleich mit. Ich nehme dafür Blatt für Blatt in die Hand und schaue auf Ober- und Unterseite.
Die Kohlmotte hat die parasitoiden Wespen Diadegma semiclausum und Cotesia plutellae als natürliche Gegenspieler. Gelbe Kokonhaufen neben abgestorbenen Kohlweißlingsraupen können von der Brackwespe Cotesia glomerata stammen und sollten erhalten bleiben. Weil bei geringem Befall schon das Absammeln reichen kann und diese Kokons geschützt bleiben sollen, sammelst du gezielt: Lebende Raupen und Eigelege kommen weg, Kokonhaufen bleiben hängen.
Bevor ich eine Raupe abnehme, schaue ich neben sie. Hängt dort ein gelbes Kokonhäufchen an einer toten Raupe, bleibt das Blatt am Strunk, und ich merke mir die Stelle für den nächsten Kontrollgang.
Blattläuse am Rosenkohl: Wer frisst die Mehlige Kohlblattlaus?
Die Mehlige Kohlblattlaus wirkt durch ihren Wachsbelag blaugrau und sitzt überwiegend auf den Blattunterseiten. Am Rosenkohl macht sie die Blätter fleckig und buckelig. Weißlich-graue Kolonien mit eingerollten Blättern können ebenfalls auf sie hindeuten.
Zu ihren natürlichen Gegenspielern am Rosenkohl gehören die Brackwespe Diaeretiella rapae und die Larven von Gallmücken, Schwebfliegen und Marienkäfern. Beim Siebenpunkt-Marienkäfer fressen auch die erwachsenen Käfer Blattläuse, seine Larven sind dunkel und gelb gefleckt. Beim Gemeinen Goldauge, einer Florfliege, schlüpfen die blattlausfressenden Larven aus gestielten Eiern.
Blattlaus-Mumien sind Läuse, die von der Kohlblattlausschlupfwespe parasitiert wurden. Diese Läuse werden hart, kugelig und hellbraun. Siehst du solche Mumien zwischen den blaugrauen Läusen, hat ein Gegenspieler die Kolonie bereits gefunden.
Zu Befallsbeginn entfernst du die Kolonien mitsamt dem befallenen Blatt. Bevor ich eine Kolonie abzupfe, suche ich sie nach Marienkäferlarven ab und setze die Larven auf ein Blatt, das stehen bleibt. Sitzen Läuse an Blättern, die du nicht abnehmen willst, spülst du sie mit einem kräftigen kalten Wasserstrahl ab. Gegen Falschen Mehltau an Kohl gilt, längere BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. zu vermeiden und nötiges Wasser früh am Tag zu geben. Deshalb spüle ich Läuse morgens ab, damit die Blätter tagsüber abtrocknen können.
Weiße Fliege am Rosenkohl: die Kohlmottenschildlaus und ihre Gegenspieler
Kohlmottenschildläuse sitzen mit ihren Larven überwiegend auf den Blattunterseiten und fliegen bei Berührung auf. Der klebrige Honigtau der Tiere kann einen schwarzen Rußtaubelag begünstigen. Zu ihren natürlichen Gegenspielern gehören der Marienkäfer Clitostethus arcuatus und die Erzwespe Encarsia tricolor.
Rosenkohl erntest du von Oktober bis in den Februar. Befallene Kohlpflanzen sollten aber nicht bis zum nächsten Frühjahr im Beet stehen, weil sie der Kohlmottenschildlaus als Winterquartier dienen. Deshalb ziehe ich befallene Strünke gleich nach der letzten Ernte heraus, statt sie bis zum Frühjahr stehen zu lassen.
Kohlfliege und Erdflöhe: Warum ich hier auf Vorbeugung setze
Welkt ein Rosenkohl und findest du beim Herausziehen weißliche Maden im Wurzelbereich, spricht das für die Kohlfliege. Die Maden fressen am Rosenkohl vorwiegend im Strunk und im Wurzelbereich und können Welke bis zum Absterben auslösen. Die erste Generation der Kleinen Kohlfliege tritt witterungsabhängig im April oder Anfang Mai auf. Ungefähr 8 bis 10 Tage danach beginnt die Eiablage. Pflanzt du Rosenkohl für die Winterernte von Mai bis Anfang Juni, kann die Pflanzung also in diese Eiablage fallen. Saat- und Pflanztermine für Rosenkohl findest du im Kohl-Aussaatkalender zum Ausdrucken.
Kohlerdflöhe sind etwa 2,5 bis 3 mm große, springende Käfer. Der Fraß der Käfer hinterlässt zahlreiche kleine Löcher in den Blättern. Überwinterte Käfer erscheinen meist ab April, die neue Generation ab Juli. Den Boden feucht zu halten, ist allein keine verlässliche Bekämpfung.
Das Kulturschutznetz legst du deshalb unmittelbar nach dem Pflanzen auf und schließt die Ränder dicht mit dem Boden ab. Welche Maschenweite gegen welchen Schädling passt, steht im Kohl-Ratgeber unter Schädlinge und Pflanzenschutz. Ein Netz verhindert allerdings keinen Befall durch Kohlfliegenpuppen, die schon im Beet überwintern. Für Rosenkohl wählst du deshalb zusätzlich eine Fläche ohne Kohlfliegenpuppen.
Netz und Nützlinge: Was sich unter dem Netz ändert
Ein geschlossenes Kulturschutznetz hält nicht nur Schädlinge fern. Es kann auch den natürlichen Gegenspielern den Weg zum Rosenkohl versperren. Sitzen schon Läuse oder Raupen unter dem Netz, regulieren angelockte Nützlinge sie deshalb nicht automatisch.
Rosenkohl steht von der Pflanzung bis zur Winterernte viele Monate im Beet, und das Netz bleibt bis zur Ernte geschlossen. Unter dem Netz übernimmst du die Kontrolle deshalb die ganze Standzeit über selbst. Zum Nachsehen hebe ich das Netz an einer Seite an, drehe die Blätter um und beschwere den Rand danach wieder rundum.
Nützlinge kaufen oder fördern: Was im Freiland zählt
Im Freiland beruht biologischer Pflanzenschutz vor allem darauf, die vorhandenen Nützlinge zu fördern. Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend in geschützten Anbauräumen wie dem Kleingewächshaus zum Einsatz. Rosenkohl wächst im sonnigen Freilandbeet, also liegt der Schwerpunkt bei ihm darauf, die Gegenspieler vor Ort zu schonen und ihnen Futter und Verstecke zu bieten.
Blühender Dill, Fenchel und ungefüllte Ringelblumen bieten erwachsenen Schwebfliegen und parasitoiden Wespen gut zugänglichen Pollen und Nektar. Laubschichten und PolsterstaudenPolsterstauden sind niedrige, winterharte Stauden, die flach in die Breite wachsen und dabei dichte Polster oder Teppiche bilden. Sie werden vor allem im Steingarten und als Bodendecker verwendet. dienen Marienkäfern als Winterquartier, und die überwiegend nachts jagenden Hain-Laufkäfer verstecken sich unter Steinen und im Laub. Wie du solche Plätze anlegst, zeigt der Ratgeber, wie du Nützlinge im Wirsing-Beet gezielt förderst.
Brennnesseljauche und Spritzmittel: Was die Gegenspieler schont
BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. soll Rosenkohl widerstandsfähig gegen Schädlinge machen, heißt es. Vergorene Brennnesseljauche dient im Garten als stickstoffhaltiger Dünger. Beim Rosenkohl beeinträchtigt zu intensive Stickstoffdüngung die Röschenbildung, deshalb gieße ich Jauche nicht zusätzlich als Schutzmaßnahme.
Nützlinge sind ein Teil der Reihenfolge aus Vorbeugen, Kontrollieren und Eingreifen, die der Ratgeber zum Methodenmix gegen Kohlschädlinge im Hausgarten beschreibt. Ein Pflanzenschutzmittel kommt erst als letztes Mittel infrage: zugelassen für Rosenkohl im Haus- und Kleingarten, angewendet nach Gebrauchsanleitung, mit Schutzkleidung, eingehaltener Wartezeit und sachgerechter Entsorgung. Ein solcher Einsatz kann auch die Gegenspieler treffen, die du bis dahin geschont hast.
Helfen Mischkultur und Sortenwahl zusätzlich?
Schnittsellerie gilt als traditioneller Mischkulturpartner von Kohl, seine beschriebene Abwehr gegen Erdflöhe und Raupen wird aber nicht an jedem Standort beobachtet. Radieschen, Rettich, Gelbsenf und andere Kreuzblütler setzt du nicht als direkte Nachbarn neben den Rosenkohl. Passende Beetnachbarn findest du mit dem Mischkultur-Planer, die Grundlagen stehen im Kohl-Ratgeber unter Fruchtfolge und Mischkultur. Wo in den Vorjahren Kohl und andere Kreuzblütler standen, hältst du im Beetplaner für deine Fruchtfolge fest.
Die Rosenkohlsorten Crispus F1 und Cronus F1 besitzen eine ResistenzResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. gegen KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen., weitere Sortengruppen findest du im Kohl-Ratgeber unter Sorten und Jahreszeiten. Wie du Rosenkohl vorbeugend auch vor Krankheiten schützt, zeigt der Ratgeber zum Schutz von Rosenkohl vor Krankheiten und Schädlingen.




