Wilde Rauke anbauen: mehrjährige Rucola säen, schneiden und überwintern
- Wilde Rauke (Diplotaxis tenuifolia) ist mehrjährig und winterhart, die Salatrauke (Eruca sativa) wird einjährig kultiviert.
- Aussaat von März bis September, 0 bis 1 cm tief; die Samen keimen bei 14 bis 20 °C nach 7 bis 21 Tagen.
- In der Reihe 5 bis 10 cm, zwischen den Reihen 15 bis 20 cm, im Topf nur eine Pflanze je Gefäß.
- Blätter von April bis Oktober einzeln abschneiden und im Sommer die Blütentriebe entfernen.
- Als kurzlebige Staude ersetzt du die Pflanzen alle 2 bis 3 Jahre.
Wer Rucola sät, holt sich je nach Samentüte eine von zwei Pflanzen ins Beet. Die Salatrauke ist nach einer Saison vorbei, die Wilde Rauke bleibt stehen. Sie übersteht den Winter, treibt nach dem Schnitt neu aus und liefert dir zwei bis drei Jahre lang Blätter. Dafür braucht sie einen festen Platz, einen Schnitt Blatt für Blatt und im Sommer einen Blick auf die Blütentriebe. Bei mir hat die Wilde Rauke deshalb eine eigene Ecke im Beet, die ich beim Neubestellen auslasse.
Botanisch heißt die Wilde Rauke Diplotaxis tenuifolia. Als Synonym findest du auch den Namen Schmalblättriger Doppelsame.
Wilde Rauke und Salatrauke: der Unterschied
Im Handel heißen beide Rucola. Eindeutig wird es erst mit dem botanischen Namen auf der Samentüte. Eruca sativa ist die Salatrauke, auch Gartenrauke genannt. Diplotaxis tenuifolia ist die Wilde Rauke.
Die Salatrauke wird einjährig kultiviert und bildet schnell eine Rosette mit breiteren, gebuchteten Blättern. Die Wilde Rauke ist mehrjährig und wächst langsamer. Ihre Blätter sind schmal, stark gezähnt und fiederteilig. Auch Blüte und Geschmack trennen die beiden: Die Salatrauke blüht weiß bis rötlich und schmeckt milder, die Wilde Rauke blüht gelb und schmeckt scharf-würzig.
| Merkmal | Salatrauke (Eruca sativa) | Wilde Rauke (Diplotaxis tenuifolia) |
|---|---|---|
| Lebensdauer | einjährig kultiviert | mehrjährig, kurzlebige Staude |
| Wuchs | schnell, Rosette bis etwa 25 cm hoch | langsamer, Rosette 10 bis 30 cm hoch, ungeschnitten bis 75 cm |
| Blätter | breiter, gebuchtet | schmal, stark gezähnt, fiederteilig |
| Blüte | weiß bis rötlich | gelb |
| Geschmack | milder | scharf-würzig |
| Kulturdauer | 42 Tage | 42 bis 112 Tage |
| Ernte | Rosette nicht zu dicht über dem Boden abschneiden | Blätter einzeln an der Pflanze abschneiden |
Beim Kauf nur auf das Wort Rucola achten. Steht auf der Tüte Eruca sativa, hast du die einjährig kultivierte Salatrauke in der Hand. Für einen Dauerplatz im Beet suchst du Diplotaxis tenuifolia.
Aussaat
Wilde Rauke säst du von März bis September. Sie gedeiht im Gartenbeet ebenso wie im HochbeetEin Hochbeet ist ein erhöhtes, stabil eingefasstes Beet, das mit Erde gefüllt wird, etwa aus Holz, Stein, Beton, Metall oder Kunststoff. Es erlaubt rückenschonendes Gärtnern auf wenig Grundfläche., im Kübel oder im Topf. Die Samen keimen bei 14 bis 20 °C. Bis die Keimlinge erscheinen, vergehen 7 bis 21 Tage.
Lege die Samen in Rillen und bedecke sie 0 bis 1 cm hoch mit Erde. Die Angaben auf den einzelnen Samentüten liegen innerhalb dieser Spanne unterschiedlich, deshalb folgst du bei der Tiefe deiner Packung. Ich ziehe die Rillen mit dem Harkenstiel und drücke die Erde nach dem Säen mit dem Handrücken an. Danach hältst du die Saat mäßig feucht und gießt mit feinem Strahl, damit die Samen nicht weggeschwemmt werden. Wenn du ein Erdflohnetz nutzt, legst du es gleich nach der Aussaat auf.
Abstände im Beet und im Topf
Sind die Keimlinge aufgelaufen, vereinzelst du sie in der Reihe auf 5 bis 10 cm. Zwischen den Reihen lässt du 15 bis 20 cm Platz. Im Topf bleibt nach dem VereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. nur eine Pflanze je Gefäß stehen. Das Gefäß braucht Abzugslöcher, damit sich kein Wasser staut. Als Erde eignet sich ein faserreiches, möglichst torffreies Kompostsubstrat.
Aussaat von März bis September, 0 bis 1 cm tief. Keimung bei 14 bis 20 °C nach 7 bis 21 Tagen. In der Reihe 5 bis 10 cm, zwischen den Reihen 15 bis 20 cm, im Topf eine Pflanze je Gefäß. Von der Aussaat bis zur Ernte vergehen 42 bis 112 Tage.
Die Saattermine der übrigen Salate holst du dir als Aussaatkalender zum Ausdrucken.
Standort und Pflege
Wilde Rauke steht sonnig bis halbschattig. Der Boden sollte mäßig nährstoffreich, feucht und gut durchlässig sein. Sand-, Lehm-, Ton- und Kalkböden kommen für sie infrage, saure ebenso wie neutrale und alkalische. Weil die Pflanzen zwei bis drei Jahre am selben Platz bleiben, suchst du ihnen eine Stelle, die du beim Umgraben und Neubestellen nicht störst. Den festen Platz kannst du im Beetplaner gleich mit einzeichnen. Passende Nachbarn prüfst du im Mischkultur-Planer, verlassen solltest du dich auf eine MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. aber nicht.
Gießen
Wilde Rauke wurzelt flach und braucht eine gute Wasserversorgung, aber keine Staunässe. Ich prüfe vor dem Gießen mit dem Finger, ob die Erde unter der Oberfläche noch feucht ist. Gegossen wird am besten morgens direkt am Boden, damit wenig verdunstet und die Blätter trocken bleiben. Eine MulchdeckeEine Mulchschicht ist eine Abdeckung des Bodens, meist aus organischem Material wie Laub, Stroh oder Rasenschnitt. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht, verringert Erosion und hemmt Unkraut. hält die Feuchte länger im Boden, frische Saatrillen lässt du dabei frei. Mehr zu Wassergaben, Mulch und Pflege findest du im Überblick zum Gießen und Pflegen von Salaten und Blattgemüse.
Düngen
In einem dauerhaft genutzten Salatbeet kommt Wilde Rauke in der Regel ohne zusätzliche Düngung aus. Bei einem nachgewiesenen NährstoffmangelNährstoffmangel heißt, dass eine Pflanze von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig bekommt oder aufnehmen kann. Sie bleibt dann im Wachstum zurück und zeigt Verfärbungen, etwa hellgrünes oder vergilbendes Laub. verzichtest du trotzdem nicht aufs Düngen. Werden die Blätter heller oder rötlich, kann das darauf hindeuten, dass die Pflanzen Nährstoffe brauchen. Dann passt ein gut dosierbarer Flüssigdünger, sparsam eingesetzt, weil Rauke flach wurzelt und meist auf kleiner Fläche wächst. Im Topf lohnt der Blick auf die Blattfarbe besonders, denn torffreie und torfreduzierte Erden können Stickstoff binden.
Erdflöhe
Bei trockener Witterung können ErdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. an Wilder Rauke auftreten. Am besten wirkt ein feinmaschiges Erdflohnetz, das du gleich nach der Aussaat mit dichtem Abschluss zum Boden auflegst. Ich beschwere die Netzränder dafür rundum mit Brettern. Im Hochsommer lüftest du das Netz kontrolliert, damit es darunter nicht zu heiß wird. Den Boden zu lockern und feucht zu halten, kann zusätzlich helfen, als alleiniger Schutz reicht das nicht verlässlich.
Schneiden und Ernten
Geerntet wird von April bis Oktober, und zwar vor der Blüte. Bei der Wilden Rauke schneidest du die Blätter einzeln an der Pflanze ab, weil sie höher wächst als die Salatrauke. So lässt sie sich wiederholt schneiden und wächst nach. Ich nehme dafür eine kleine Schere und schneide Blatt für Blatt.
Blütentriebe im Sommer
Wilde Rauke blüht von Juni bis August. Für einen regelmäßigen Blattertrag entfernst du im Sommer die Blütentriebe. Weil du Rauke vor der Blüte erntest und die Wilde Rauke von Juni bis August blüht, kommt es im Sommer auf das Entfernen der Blütentriebe an. Ich knipse sie ab, sobald ich sie beim Ernten entdecke.
Im Erwerbsanbau gilt Wilde Rauke als Langtagspflanze, die im Sommer schnell schosst. Trockenheit oder Hitze beschleunigen das SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. dort zusätzlich. Blühende Bestände samen sich im Erwerbsanbau außerdem schnell aus und können in nachfolgenden Kulturen zum lästigen Unkraut werden.
Sortiere beim Ernten alles aus, was du nicht sicher als Wilde Rauke erkennst. Mitgeerntetes Kreuzkraut kann Pyrrolizidinalkaloide in den Salat eintragen.
Frisch halten und in der Küche
In feuchtes Küchenpapier gewickelt bleibt Rauke im Gemüsefach etwa 2 bis 3 Tage frisch. Zu heißen Gerichten gibst du sie erst kurz vor dem Servieren, auf Pizza erst nach dem Backen, damit ihr Aroma erhalten bleibt. Für ein Pesto zerkleinerst du die Blätter mit Parmesan, Pinienkernen, Knoblauch, Olivenöl und Zitronensaft. Im Salat passt Rauke zu Kopf- oder Eissalat, Tomaten und Möhren.
Rucola kann wie Spinat und andere Blattsalate viel Nitrat enthalten. Lagerst du die Blätter unsachgemäß, können Mikroorganismen daraus Nitrit bilden. Bewahre die Ernte deshalb gekühlt und sauber auf. In der Küche kann es die Nitrataufnahme verringern, lange Blattstiele zu entfernen. Empfohlen bleibt eine abwechslungsreiche Gemüseernährung.
Überwinterung und mehrjährige Kultur
Wilde Rauke ist winterhart und mehrjährig, du lässt sie im Herbst also stehen. Die Wilde-Rauke-Sorte ‘Rucola’ hat eine sehr gute WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. und lässt sich im Gewächshaus wie im Freiland anbauen. Im Erwerbsanbau übersteht Wilde Rauke den Winter meist gut. Bestände, die dort im Spätherbst zum ersten Mal geschnitten wurden, lassen sich im April oft noch einmal ernten. Ende April blüht die überwinterte Rauke dann auf, ausgelöst durch die Kälte des Winters.
Ich stecke im Herbst einen Stab an die Rauke-Ecke, damit ich sie beim Aufräumen des Beets nicht versehentlich mit abräume.
Nach zwei bis drei Jahren ersetzen
Wilde Rauke ist eine kurzlebige Staude. Für einen regelmäßigen Ertrag ersetzt du die Pflanzen alle 2 bis 3 Jahre. Eine Folgesaat bringt dir weiteren Blattnachschub, sodass junge Pflanzen nachrücken. Weil die Pflanzen kurzlebig sind und eine neue Saat bis zur Ernte 42 bis 112 Tage braucht, säst du die neue Reihe, bevor du die alten Pflanzen entfernst. Ich lege sie direkt neben die alte Reihe und nehme die alten Pflanzen erst heraus, wenn die jungen beerntbar sind.



