Winterportulak oder Sommerportulak? Anbau, Ernte und sicheres Erkennen
- Winterportulak (Claytonia perfoliata) und Sommerportulak (Portulaca oleracea) sind zwei verschiedene Pflanzenarten.
- Winterportulak keimt erst unter 12 °C, Sommerportulak braucht deutlich mehr Wärme.
- Gesät wird Winterportulak meist von Ende August bis Oktober, Sommerportulak von April bis August.
- Winterportulak erntest du von Oktober bis März, Sommerportulak von Mai bis September.
- Winterportulak erkennst du an tellerförmig verwachsenen oberen Blättern und weißen Blüten, Sommerportulak blüht gelb.

Auf beiden Samentüten steht Portulak, und trotzdem säst du die eine ab April und die andere erst ab Ende August. Winterportulak keimt nämlich erst, wenn es kühler als 12 °C ist. Sommerportulak braucht zum Keimen dagegen mindestens 20 °C. Es gibt also keine Temperatur, bei der beide zugleich keimen. Ich bewahre die zwei Tüten deshalb getrennt auf und schreibe das SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. groß darauf.
Beim Ernten kommt ein zweites Risiko dazu: Sommerportulak kann mit der giftigen niederliegenden Wolfsmilch verwechselt werden. Deshalb findest du hier neben Botanik, Anbau, Ernte und Küche auch die Merkmale, an denen du beide Portulake sicher erkennst.
Winterportulak und Sommerportulak im Vergleich
Die Tabelle stellt die wichtigsten Unterschiede nebeneinander. Die Anbauwerte im Detail folgen weiter unten.
| Merkmal | Winterportulak | Sommerportulak |
|---|---|---|
| Botanischer Name | Claytonia perfoliata | Portulaca oleracea |
| Obere Blätter | tellerförmig verwachsen | keine Blattteller |
| Stiele und Blätter | längere, dünnere Stiele, zartere Blätter | kürzere, dickere Stiele, weniger zarte Blätter |
| Blüte | weiß | gelb, von Juni bis September |
| Keimung | erst unter 12 °C | mindestens 20 °C |
| Aussaat | meist Ende August bis Oktober | April bis August |
| Ernte | Oktober bis März | Mai bis September |
| Licht | sonnig bis halbschattig | sonnig |
| WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. | winterhart | nicht winterhart |
| Geschmack | frisch säuerlich bis leicht nussig | säuerlich, dazu leicht salzig |
Winterportulak ist nicht die kältefeste Form des Sommerportulaks. Hinter den beiden Namen stehen zwei unterschiedliche Pflanzenarten, Claytonia perfoliata und Portulaca oleracea.
Botanische Merkmale: zwei Arten, ein Name
Winterportulak heißt botanisch Claytonia perfoliata. Er ist auch unter den Namen Claytonie und Postelein bekannt. Sommerportulak ist Portulaca oleracea, eine einjährige Pflanze. Trotz des gemeinsamen Namensteils handelt es sich um zwei unterschiedliche Pflanzenarten.
Den Unterschied zeigen dir vor allem Blätter und Blüten. Winterportulak hat längere, dünnere Stiele und zartere Blätter als Sommerportulak. Seine oberen Blätter sind tellerförmig verwachsen, und er blüht weiß. Sommerportulak bildet keine solchen Blattteller und blüht von Juni bis September gelb. Er wird 20 bis 30 cm breit.
Beide Arten werden 10 bis 20 cm hoch. An der Wuchshöhe kannst du sie also nicht unterscheiden, an Blattform und Blütenfarbe schon.
Woran erkennst du Winter- und Sommerportulak sicher?
Bei Pflanzen, die in der Salatschüssel landen, reicht ein ungefährer Eindruck nicht. Ernte nur, was du sicher erkannt hast, und prüfe dafür mehrere Merkmale zusammen.
Winterportulak erkennen
Schau zuerst auf die oberen Blätter: Beim Winterportulak sind sie tellerförmig verwachsen. Dazu kommen weiße Blüten. Die Stiele sind länger und dünner als beim Sommerportulak, die Blätter zarter. Auch die Jahreszeit passt ins Bild: Gesät wird Winterportulak meist ab Ende August, geerntet von Oktober bis März.
Sommerportulak erkennen
Sommerportulak blüht gelb und trägt keine Blattteller. Er wächst in der warmen Jahreshälfte, gesät von April bis August und geerntet von Mai bis September. Siehst du Blüten, ist die beste Zeit für zarte Blätter vorbei, denn nach der Blüte kann er bitter werden.
Ich säe beide Portulake in markierten Reihen. Geerntet wird nur, was in der Reihe steht und die Merkmale seiner Art zeigt, alles dazwischen jäte ich vorher heraus.
Verwechslungen: Wolfsmilch, Portulakröschen und Kreuzkraut
Sommerportulak kann mit der niederliegenden Wolfsmilch verwechselt werden. Diese Wolfsmilch ist giftig, und ihr weißer Milchsaft reizt außerdem die Haut.
Tritt an einer Schnittstelle weißer Milchsaft aus, gehört die Pflanze nicht in die Küche. Weißer Milchsaft ist ein Hinweis auf Wolfsmilch, und der Saft reizt die Haut.
Das Portulakröschen trägt Portulak im Namen, gehört aber als Zierblume ins Blumenbeet und nicht in den Salat. Beim Ernten sortierst du außerdem alles aus, was du nicht sicher als essbar erkannt hast. Gerät Kreuzkraut oder Greiskraut mit in die Ernte, kann es Pyrrolizidinalkaloide in den Salat bringen.
Stammt die Pflanze aus deiner eigenen Saatreihe? Zeigt sie die Merkmale ihrer Art, beim Winterportulak die Blattteller oder weißen Blüten, beim Sommerportulak gelbe Blüten ohne Blattteller? Tritt kein weißer Milchsaft aus? Liegt kein Kreuzkraut und kein fremdes Kraut im Erntekorb? Bleibt ein Zweifel, bleibt die Pflanze stehen.
Anbau im Vergleich: Saatzeit, Keimung und Standort
Die KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. legt fest, wann du säst. Die Tabelle zeigt die Anbauwerte beider Arten nebeneinander.
| Anbau | Winterportulak | Sommerportulak |
|---|---|---|
| Aussaat | meist Ende August bis Oktober | April bis August, DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. |
| Keimtemperatur | 8 bis 12 °C | mindestens 20 °C |
| Keimdauer | 7 bis 20 Tage | 7 bis 14 Tage |
| Saattiefe | 0,5 bis 1 cm | 0 bis 0,5 cm |
| Abstand in der Reihe (ReihensaatReihensaat ist eine Saatweise, bei der die Samen in flache, gerade Rillen gesät werden, sodass die Pflanzen später in Reihen stehen. Gegenüber der Breitsaat, bei der die Samen flächig ausgestreut werden, erleichtert sie die Pflege.) | 3 bis 5 cm | 8 bis 10 cm |
| Reihenabstand | 15 cm | 20 bis 30 cm |
| Düngung | keine zusätzliche, Restnährstoffe der Vorkultur genügen | keine zusätzliche bei kurzer Kultur zur Küchenernte |
| Kulturdauer | 56 bis 126 Tage | 28 bis 42 Tage |
| FruchtwechselpauseDie Fruchtwechselpause ist die Zeit, in der auf einem Beet weder dieselbe Gemüseart noch eine verwandte Art aus derselben Pflanzenfamilie wächst, damit sich Krankheitserreger und Schädlinge im Boden nicht so leicht vermehren. | 3 Jahre | 3 Jahre |
Winterportulak gilt als Kühlkeimer, seine Keimung setzt erst unter 12 °C ein. Gesät wird er meist von Ende August bis Oktober, an einen sonnigen bis halbschattigen Platz. Zusätzlich düngen musst du ihn nicht, ihm genügen die Restnährstoffe der Vorkultur.
Sommerportulak säst du von April bis August direkt ins Beet. Die Samen legst du höchstens 0,5 cm tief, drückst sie leicht an und hältst die Saat feucht. Er braucht einen sonnigen Platz mit feuchtem, leichtem, nährstoffreichem und gut durchlässigem Boden. Unter längerer Trockenheit kann die Blattqualität leiden. Auf nassen Standorten können dagegen Stängel- oder Wurzelfäulen auftreten. Sommerportulak mag es also feucht, aber nicht nass. Bei der kurzen Kultur zur Küchenernte braucht er keine zusätzliche Düngung.
Wenn sich Portulak ausbreitet
Wo Portulak dichte Bestände bildet, kann er Gemüse wie Kohlrabi verdrängen. Damit er nicht aussamt, entfernst du unerwünschte Pflanzen vor der SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen.. Ausgerissene Pflanzen können nach dem Gießen leicht wieder anwachsen.
Gejäteten Portulak auf dem Beet liegen lassen. Wird danach gegossen, können die Pflanzen wieder anwachsen, deshalb trage ich sie gleich vom Beet.
Aussaat, Standort, Pflege und Winterschutz des Winterportulaks vertieft ein eigener Ratgeber: wie du Winterportulak in der kalten Jahreszeit kultivierst und schützt. Für den Sommerportulak liest du nach, wie du Sommerportulak anbaust und als Bodendecker nutzt, auch auf dem Balkon und in der Mischkultur.
Ernte im Vergleich
Winterportulak erntest du von Oktober bis März. Er ist winterhart und lässt sich über den Winter mehrfach beernten. Sommerportulak ist deutlich schneller erntereif, seine Erntezeit reicht von Mai bis September. Du erntest ihn am besten jung und vor der Blüte, weil er danach bitter werden kann. Gekühlt im Gemüsefach bleibt er nur wenige Tage frisch.
Bis zur Ernte vergehen beim Sommerportulak 28 bis 42 Tage, beim Winterportulak 56 bis 126 Tage.
Sommerportulak liefert also schnell, doch die Zeit für zarte Blätter endet mit der Blüte. Winterportulak braucht länger bis zur ersten Ernte, lässt sich dafür aber den Winter über immer wieder beernten. Beim Sommerportulak schaue ich vor dem Ernten nach Knospen und nehme die jungen Triebe zuerst.
Wie du Winterportulak schonend erntest und möglichst lange frisch hältst, steht im Ratgeber zum schonenden Ernten und Lagern von Winterportulak. Erntezeitpunkt, Frischhalten und Haltbarmachen beim Sommerportulak findest du unter wie du Sommerportulak erntest und haltbar machst.
Geschmack und Küche im Vergleich
Wie schmecken Winter- und Sommerportulak?
Winterportulak schmeckt frisch säuerlich bis leicht nussig. Sommerportulak ist ebenfalls säuerlich und kann zusätzlich eine leicht salzige Note haben. Lässt du ihn blühen, können seine Blätter bitter werden.
So nutzt du beide in der Küche
Beim Sommerportulak verwendest du Blätter und Stängel, roh im Salat oder gekocht als Gemüse. Winterportulak nutze ich in der kalten Jahreszeit als frisches Salatgrün, oft zusammen mit Feldsalat. Feldsalat wird wie Winterportulak von Oktober bis März geerntet.
Roh enthält Sommerportulak relativ viel Oxalsäure. Blanchierst oder erhitzt du ihn und gießt das Kochwasser weg, sinkt der Gehalt. Wie sich Nährwerte und Oxalsäure bei den einzelnen Blattgemüsen unterscheiden, zeigt der Überblick zu Nährwerten, Küche und Oxalsäure bei Salaten und Blattgemüse.
Welcher Portulak passt in deinen Garten?
Welche Art zu dir passt, hängt von Platz und Jahreszeit ab.
| Deine Situation | Passender Portulak |
|---|---|
| Du willst von Oktober bis März ernten | Winterportulak |
| Der Platz liegt halbschattig | Winterportulak |
| Ein vollsonniges Sommerbeet ist frei | Sommerportulak |
| Zwischen langsamen Sommerkulturen ist eine Lücke | Sommerportulak |
Winterportulak ist winterhart, kommt ohne zusätzliche Düngung aus und steht sonnig bis halbschattig.
Sommerportulak ist nicht winterhart, wächst aber schnell. Mit 28 bis 42 Tagen Kulturdauer passt er gut zwischen Kulturen, die langsamer wachsen. Ernte ihn dort ab, bevor er der länger stehenden HauptkulturDie Hauptkultur ist die Gemüseart, die im Gartenjahr am längsten auf einem Beet steht, zum Beispiel Tomaten. Nach ihr richtet sich die Beetplanung: Vor-, Nach- und Zwischenkulturen werden um sie herum eingeplant. Platz und Licht streitig macht. Weil Portulak dichte Bestände bilden und Kohlrabi verdrängen kann, achtest du bei ihm besonders darauf. Mischkultur kann dabei helfen, garantiert aber nichts. Geplante Beetnachbarn kannst du im Mischkultur-Planer prüfen.
Portulak fast das ganze Jahr ernten
Die Erntezeiten der beiden schließen fast nahtlos aneinander an. Sommerportulak erntest du bis September, Winterportulak ab Oktober.
| Zeitraum | Was ansteht |
|---|---|
| April bis August | Sommerportulak säen |
| Mai bis September | Sommerportulak ernten |
| Ende August bis Oktober | Winterportulak säen |
| Oktober bis März | Winterportulak ernten |
Offen bleibt der April. Die Erntezeit des Winterportulaks endet im März, die des Sommerportulaks beginnt erst im Mai. Spinat, dessen Erntezeit im April beginnt, kann diese Lücke füllen. Den Sommerportulak säe ich zwischen April und August in mehreren Sätzen, damit junge Pflanzen nachkommen.
Räumst du im September die letzten Sommerportulak-Reihen, ist gerade Saatzeit für Winterportulak. Gesät wird er meist bis Oktober.
Alle Saattermine hast du im Aussaatkalender für Salate und Blattgemüse zum Ausdrucken auf einem Blatt. Wie viel Fläche du jeder Art gibst, legst du im Beetplaner fest.





