Zichorie als Kaffeeersatz: Wurzeln anbauen, dörren und rösten
- Für Kaffeeersatz brauchst du die Rübe; Blätter und Treibsprosse sind ein anderes Kulturziel.
- Zichorien zur Wurzelnutzung säst du direkt ins Beet; das allgemeine Saatfenster der Art liegt im Juni und Juli, je nach Witterung.
- Die Rüben hebst du aus ungefrorenem Boden, weil die Wurzeln sonst abbrechen können.
- Gedörrt wird wie bei Möhren und Pastinaken im Backofen bei 40 bis 50 °C mit leicht geöffneter Tür.
- Rösten, abkühlen lassen, mahlen: Das Pulver brühst du auf wie Filterkaffee und passt die Menge nach Geschmack an.

Wenn du Kaffeeersatz aus dem eigenen Garten trinken willst, fällt die wichtigste Entscheidung schon vor der Aussaat. Du brauchst eine Zichorie, die eine kräftige Rübe bildet, denn in die Röstpfanne kommt die Wurzel und nicht das Blatt. Ich säe dafür gezielt Sorten zur Wurzelnutzung und verarbeite die Rüben nach der Ernte in vier Schritten: dörren, rösten, mahlen, aufbrühen.
Welche Zichorie liefert die Wurzel für den Kaffee?
Bei Zichorie unterscheidest du zwei Kulturziele. Die einen Formen baust du wegen ihrer Blätter oder Treibsprosse an, die anderen wegen ihrer Wurzeln. Für Kaffeeersatz gibt es eine eigens gezüchtete Wurzel- oder Kaffeezichorie. Verwandt mit ihr ist die Rübenzichorie, deren Rüben du für Chicorée treibst.
Unter dem Artnamen Wegwarte, botanisch Cichorium intybus, laufen die Wildform, Blattformen wie Radicchio und Zuckerhut und die Sorten zur Wurzelnutzung. Achte beim Saatgut deshalb auf den Zweck: Für den Kaffee wählst du eine Sorte, die für die Wurzel angebaut wird.
Anbau in Kürze: was die Kaffeerübe braucht
Hier stehen nur die Eckdaten für die Wurzelnutzung. Wie du Zichorie Schritt für Schritt anbaust, beschreibe ich in einer eigenen Anleitung.
Sorten zur Wurzelnutzung säst du direkt ins Beet; für Zichorie liegt das allgemeine SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. im Juni und Juli. Saattermine richtest du deshalb nach der Witterung, denn klimatisch ungünstige Lagen sind später bestellbar als Weinbaulagen.
| Eckdaten | Wert |
|---|---|
| Aussaat | direkt ins Beet; allgemeines Saatfenster der Art Juni bis Juli |
| SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. | 0,5 bis 2 cm |
| Abstände | 10 bis 30 cm in der Reihe und 20 bis 60 cm zwischen den Reihen, DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. in Reihen |
| Keimdauer | 7 bis 21 Tage |
| Standort | volle Sonne, nährstoffreicher und gut durchlässiger Boden |
| Wasser | in trockeneren Gegenden bei Bedarf zusätzlich gießen und für guten Wasserabzug sorgen |
Saattiefe, Abstände und Keimdauer gelten für die Art insgesamt und nicht speziell für Kaffeesorten. Weil die Keimung bis zu 21 Tage dauern kann und das SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. so lange feucht bleiben muss, hältst du es auch ohne sichtbare Keimlinge feucht, aber nicht nass. Deine übrigen Termine im Wurzelbeet sammelst du im Aussaatkalender für Wurzelgemüse zum Ausdrucken.
Fruchtfolge und Beetnachbarn
Zwischen zwei Zichorienkulturen auf derselben Fläche liegen 3 bis 4 Jahre AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern., und Chicorée, Radicchio sowie Endivien zählst du dabei mit. VorfrüchteDie Vorfrucht ist die Kultur, die vor der aktuellen Kultur auf derselben Fläche stand, in der Fruchtfolge meist im Vorjahr. Sie kann Boden, Nährstoffe und Krankheitsdruck für die nachfolgende Kultur positiv oder negativ beeinflussen. und Nachbarn klärst du im Abschnitt Fruchtfolge und Mischkultur im Wurzelgemüse-Ratgeber und in der Anbauanleitung. Die Pause trägst du im Beetplaner für deine Gartenbeete ein, passende Nachbarn findest du im Mischkultur-Planer für Beetnachbarn.
Wurzelernte für den Kaffee
Für den Kaffee hebst du die ganze Rübe an einem trockenen Tag mit der Grabegabel aus ungefrorenem Boden, weil die Wurzeln sonst abbrechen können. Zum Vergleich: Die verwandte Chicorée-Rübe steht etwa 18 bis 20 Wochen im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle., bevor sie im September geerntet wird. Mehr zur Ernte nach Größe und Jahreszeit steht im Abschnitt Ernte des Wurzelgemüse-Ratgebers, und wie du die verschiedenen Zichorien erntest und frisch lagerst, liest du im eigenen Beitrag.
Von der Rübe zum Dörrgut
Waschen und schneiden
Die Rüben wäschst du vor der Verarbeitung gründlich unter fließendem Wasser. Ich schrubbe sie dabei mit der Gemüsebürste, schneide BlattansatzDer Blattansatz ist die Stelle am Trieb oder Stängel, an der ein Blatt entspringt. Dort ist der Trieb oft zu einem Knoten verdickt; direkt darüber, im Winkel zwischen Blatt und Trieb, liegt die Blattachsel. und dünne Wurzelenden ab und entferne beschädigte Stellen. Rüben mit sichtbarem Schimmel oder fauligem Geruch sortierst du vorher aus. Zum Dörren schneidest du die übrigen in etwa gleich große Scheiben.
Eine schimmelige Rübe nur ausschneiden und trotzdem mitdörren. Verschimmeltes Gemüse entsorgst du vollständig, weil das Entfernen der sichtbaren Befallsstellen nicht ausreicht.
Dörren im Backofen
Wie Möhren und Pastinaken dörrst du auch die Zichorienscheiben im Backofen bei 40 bis 50 °C. Die Ofentür bleibt dabei leicht geöffnet, damit der Wasserdampf abziehen kann. Ich lege die Scheiben dafür nebeneinander auf ein Blech mit Backpapier. Ob sie fertig sind, prüfst du am Stück selbst: Brich eines durch und schau, ob es innen noch weich oder feucht ist. Erst wenn es sauber bricht und durch und durch trocken ist, nimmst du das Blech heraus.
Vollständig getrocknetes Dörrgut lässt du abkühlen und lagerst es dann luftdicht, dunkel und trocken. Weil du die Rüben nur aus ungefrorenem Boden bekommst und Dörrgut für guten Geschmack innerhalb eines Jahres verbraucht wird, lohnt es sich, vor dem Frost alles zu heben, gleich zu dörren und erst bei Bedarf portionsweise zu rösten.
Rösten und mahlen
Rösten nach Farbe
Ich röste die getrockneten Stücke in einer schweren Pfanne ohne Fett, weil ich dort Farbe und Duft direkt verfolge. Wende die Stücke, sobald die Unterseite Farbe annimmt, und zieh die Pfanne vom Herd, wenn sie rundum gleichmäßig braun sind. Röste zuerst eine Probeportion, brühe sie auf und entscheide danach, ob die nächste Charge heller oder dunkler werden soll.
Ich notiere bei jeder Röstcharge, wie dunkel ich geröstet habe und wie viel Pulver in den Filter kam. So kann ich eine Mischung, die mir schmeckt, gezielt wiederholen.
Mahlen
Lass das Röstgut vollständig abkühlen, bevor du es mahlst. Ich mahle die Stücke in der Kaffeemühle etwa so fein wie Filterkaffee. Aus dem Dörrvorrat röste und mahle ich immer nur eine Portion auf einmal.
Die Stücke brechen sauber und sind innen trocken, bevor sie in die Pfanne kommen. Das Röstgut ist rundum braun und vollständig abgekühlt, bevor es in die Mühle geht. Der Dörrvorrat liegt abgekühlt, luftdicht, dunkel und trocken.
Aufbrühen: so kommt die Zichorie in die Tasse
Das Pulver brühst du auf wie Filterkaffee: in den Filter geben, mit heißem Wasser übergießen und durchlaufen lassen. Die passende Menge findest du über den Geschmack. Beginne mit einer Probe, schmecke ab und nimm beim nächsten Aufguss mehr oder weniger Pulver. Wenn du vom Bohnenkaffee umsteigst, mischst du das Zichorienpulver zunächst mit gemahlenem Kaffee und verschiebst den Anteil nach Geschmack.
Zichorienkaffee ist ein Getränk aus Wurzelgemüse und keine Medizin. Heilwirkungen leite ich daraus nicht ab, und bei Beschwerden ersetzt keine Tasse den ärztlichen Rat.

