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Kerbel und Petersilie: Aroma, Anbau und Küche im Vergleich

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Kerbel schmeckt zart und anisartig und verträgt keine Hitze; Petersilie ist frisch-würzig und hält im warmen Gericht länger durch.
  • Kerbel ist einjährig und nicht winterhart, Petersilie botanisch zweijährig – nach der Blüte im zweiten Jahr wird ihr Laub bitter.
  • Kerbel wird 30–60 cm hoch und mag Halbschatten; der Blattbestand der Petersilie bleibt bei 20–30 cm an sonnigen bis halbschattigen Plätzen.
  • Beide gelten als unverträgliche Nachbarn und wandern für den Vorrat in den Froster statt in den Trockenschrank.
Frische Küchenkräuter mit Petersilie und Schnittlauch auf einem Holzbrett neben einer Schale Kräuterdip
Foto: congerdesign · Pixabay Content License · Quelle ↗

Beide liegen fein gehackt auf dem Schneidebrett, beide wandern über Kartoffeln, Fisch oder Suppe – und trotzdem tauschst du Kerbel und Petersilie nicht einfach gegeneinander aus. Kerbel gibt ein zartes, anisartiges Aroma ab, das in der heißen Pfanne verschwindet. Petersilie schmeckt frisch-würzig und hält im Gericht länger durch. Im Beet gehen die Unterschiede weiter: Der eine ist nach einer Saison fertig, die andere kann überwintern, und nebeneinander stehen sollten sie nicht. Ich ziehe beide, aber in getrennten Reihen mit anderen Nachbarn dazwischen, und säe Kerbel mehrfach im Jahr nach, während die Petersilie an ihrem Platz bleibt.

Woran du Kerbel und Petersilie unterscheidest

Kerbel (Anthriscus cerefolium) trägt fein gefiederte, hellgrüne Blätter, die an kleine Farnwedel erinnern. Die Pflanze wächst locker und aufrecht und wird 30–60 cm hoch. Ab Mai schiebt sie weiße Blütendolden, die Blüte kann bis in den August reichen. Zerreibst du ein Blatt zwischen den Fingern, riecht es süßlich nach Anis.

Petersilie (Petroselinum crispum) gibt es glattblättrig mit flachen, dunkelgrünen Blättern und kraus mit dicht gekräuseltem Laub. Der für die Küche kultivierte Blattbestand bleibt mit 20–30 cm niedriger und bildet eher eine dichte Rosette als einen lockeren Busch. Der Duft ist krautig-frisch, ohne Anisnote. Ihre gelbgrünen Dolden erscheinen erst im zweiten Jahr, etwa im Juni bis Juli.

Glatte Petersilie wird häufiger mit Koriander verwechselt als mit Kerbel. Wenn dich das Blattbild unsicher macht, hilft dir der Vergleich, wie du Koriander und Petersilie an Blatt und Duft auseinanderhältst.

Aroma: zart-anisartig gegen frisch-würzig

Das Kerbelaroma ist leise. Es liegt zwischen Anis und einer feinen Süße und trägt kein Gericht allein, sondern rundet es ab. Hitze nimmt ihm dieses Aroma schnell. Deshalb kommt Kerbel roh in Salate und kalte Saucen oder erst nach dem Kochen auf warme Speisen. Ich hacke Kerbel erst, wenn die Suppe schon in den Tellern steht, und streue ihn direkt darüber.

Petersilie ist die kräftigere der beiden. Ihr frisches, leicht pfeffriges Aroma steht auch neben Knoblauch, Zitrone oder Fleischsaft noch da. Sie hält im warmen Gericht länger durch als Kerbel; am meisten Geschmack bleibt trotzdem, wenn du sie gegen Ende der Garzeit zugibst. Über fertige Gerichte gestreut bringt sie neben Würze auch Farbe.

Tipp

Behandle Kerbel wie ein Kraut zum Anrichten, nicht zum Kochen. Kalte Saucen, Kräuterbutter, Eierspeisen und Fisch, der schon auf dem Teller liegt, sind seine Plätze. Petersilie darf dagegen in Kartoffelwasser, Sud oder Sauce mitziehen.

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Anbau im Vergleich: eine Saison oder zwei Jahre

Lebensdauer und Winter

Kerbel ist einjährig. Er läuft in einer Saison von der Aussaat bis zur Samenreife, ist nicht winterhart und wird jedes Jahr neu gesät. Petersilie ist botanisch zweijährig: Im ersten Jahr bildet sie Blätter, im zweiten blüht sie, und nach der Blüte wird das Laub bitter. Deshalb wird sie für die Blattnutzung häufig einjährig gezogen. Wer sie stehen lässt, kann sie im Freiland überwintern lassen; sie treibt dann im zweiten Jahr erneut aus. Für die Überwinterung kürzst du die Triebe im Herbst auf 3–4 cm.

Standort und Versorgung

Kerbel steht am liebsten halbschattig. Petersilie kommt an sonnigen bis halbschattigen Plätzen zurecht. Beide sind schwachzehrend: Ein lebendiger Boden mit Kompost zum Start reicht ihnen für die Saison, üppige Stickstoffgaben machen das Kraut zwar schneller, aber flacher im Geschmack. Beide gehören zu den frisch-feuchten Blattkräutern und werden gleichmäßig gegossen, bevor sie schlappen – morgens und an den Fuß der Pflanze, nicht über das Blatt.

Als Einzelpflanzen in Reihen vereinzelt steht Kerbel mit 20 cm in der Reihe bei 30 cm Reihenabstand, Petersilie etwas enger mit 15 cm in der Reihe bei 25 cm Reihenabstand. Für die Fruchtfolge gilt bei Kerbel eine Anbaupause von 4 Jahren, bei Petersilie von 3 Jahren.

Nachbarn

Kerbel und Petersilie gelten als unverträgliche Nachbarn. Dasselbe gilt für ihre Verwandten unter den Doldenblütlern: Dill, Koriander, Möhren, Fenchel, Sellerie und Liebstöckel stehen bei beiden auf der Liste der schlechten Nachbarn. Petersilie hat mit Tomaten einen ausdrücklich guten Partner. Welche Kombinationen sonst passen, prüfst du im Mischkultur-Werkzeug – Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts.

Häufiger Fehler

Kerbel und Petersilie zusammen in einen Balkonkasten setzen, weil beide „irgendwie Petersilie” sind. Gerade diese beiden gehören getrennt, mit einer anderen Kultur dazwischen.

Aussaat: der Unterschied liegt in der Tiefe

Kerbel ist ein Lichtkeimer und wird oberflächlich gesät, angedrückt und höchstens 0–0,5 cm dünn bedeckt. Petersilie kommt 0,5–1 cm tief in die Erde und wird bedeckt. Vorkultur, Direktsaat und den Umgang mit feinen Samen erklärt der Hub-Abschnitt zur Aussaat von Kräutern in Vorkultur und Direktsaat.

Ernten und aufbewahren

Kerbel wird von Mai bis Oktober geerntet, und zwar solange die Pflanzen nicht blühen. Sobald Knospen erscheinen, wandert die Kraft in Blüte und Samen. Für laufende Ernte säst du deshalb alle 2 bis 3 Wochen nach. Ich säe Kerbel in kurzen Reihen nach und schreibe das Datum auf das Stecketikett, damit ich sehe, welche Reihe als Nächstes dran ist.

Petersilie erntest du im ersten Jahr von März bis Oktober, im zweiten Jahr von März bis Juni oder Juli, danach blüht sie und das Laub wird bitter. Gepflückt wird frisch und nur so viel, wie tatsächlich gebraucht wird; bei beiden nimmst du die äußeren Stiele und lässt das Herz stehen. Ich pflücke Petersilie erst, wenn das Schneidebrett schon liegt, und nur die Menge, die ins Gericht geht.

Für den Vorrat gilt bei beiden derselbe Weg: einfrieren. Getrocknet verliert Petersilie an Geschmack, Kerbel ebenso. Kerbelblätter frierst du portioniert in Eiswürfelformen ein und gibst sie erst kurz vor dem Servieren zu; Petersilie kommt fein geschnitten portionsweise oder als Eiswürfel mit wenig Wasser in den Froster. Eingefrorene Kräuter halten sich bis zu einem Jahr. Die Feinheiten zum Kerbel stehen im Beitrag dazu, wie du Kerbel erntest und lagerst, ohne das Aroma zu verlieren.

Achtung

Beim Kerbel werden nur Blätter und Blüten genutzt – die Wurzeln gelten als giftig. Wer die Pflanze am Saisonende abräumt, wirft die Wurzeln auf den Kompost, nicht in die Küche.

In der Küche: wohin welches Kraut gehört

Kerbel ist ein Kraut für zarte Gerichte. Er gehört in die französische Mischung Fines Herbes zusammen mit Petersilie, Schnittlauch und Estragon, passt zu Fisch, hellen Saucen, Eierspeisen und in Kräuterbutter, die auf warmes Brot oder Grillgemüse kommt. Frisch über Salat gestreut zeigt sich sein Aroma am deutlichsten.

Petersilie kann mehr Gesellschaft vertragen. Petersilienkartoffeln, Taboulé, Kräuterbutter, Salsa verde oder einfach ein Löffel Gehacktes über Eintopf und Suppe – überall dort, wo Zwiebel, Knoblauch oder Zitrone mitspielen, bleibt ihr frischer Ton hörbar.

Zusammen treffen sich beide in der Frankfurter Grünen Soße, die seit 2016 EU-weit als geschützte geografische Angabe gilt. Sie besteht aus sieben Kräutern: Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer, Schnittlauch und Borretsch. Keine Kräuterart darf mehr als 30 % des Gewichts stellen, Borretsch soll mindestens acht Prozent, Pimpinelle mindestens drei Prozent ausmachen. Ich lege die sieben Kräuter vor dem Hacken getrennt auf das Brett, damit kein Kraut die Mischung dominiert. So bekommst du in einer Schüssel genau den Kontrast, um den es in diesem Artikel geht: die Süße des Kerbels und die Würze der Petersilie nebeneinander – in der Küche, nicht im Beet.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kerbel und Petersilie im Geschmack?
Kerbel schmeckt zart, leicht süßlich und anisartig. Petersilie bringt ein frisch-würziges, krautiges Aroma mit einer leicht pfeffrigen Note. Kerbel verliert seinen Geschmack in der Hitze schnell und kommt deshalb roh oder erst kurz vor dem Servieren ans Essen, Petersilie hält im warmen Gericht länger durch.
Wie erkenne ich Kerbel und Petersilie anhand ihrer Blätter?
Kerbel hat fein gefiederte, hellgrüne Blätter wie kleine Farnwedel, wächst locker aufrecht und wird 30–60 cm hoch. Petersilie gibt es mit glatten, dunkelgrünen Blättern oder kraus mit dicht gekräuseltem Laub; ihr Blattbestand bleibt mit 20–30 cm niedriger und wächst rosettig. Zerriebene Kerbelblätter riechen nach Anis, Petersilie riecht krautig-frisch.
Welche Standortbedingungen benötigen Kerbel und Petersilie im Garten?
Kerbel steht am besten halbschattig, Petersilie kommt an sonnigen bis halbschattigen Plätzen zurecht. Beide sind schwachzehrend und brauchen einen lebendigen Boden mit Kompost zum Start statt regelmäßiger Düngergaben. Beide sind frisch-feuchte Blattkräuter: gleichmäßig gießen, bevor sie schlappen, morgens und an den Fuß der Pflanze.
Was ist die französische Kräutermischung Fines Herbes?
Fines Herbes ist eine klassische französische Mischung aus vier zarten Kräutern: Petersilie, Schnittlauch, Kerbel und Estragon. Kerbel liefert die anisartige Süße, Petersilie die frische Würze, Schnittlauch eine milde Zwiebelnote und Estragon rundet ab. Die Mischung wird frisch verwendet und erst kurz vor dem Servieren zugegeben, weil die Kräuter in der Hitze Aroma verlieren – typisch zu Eierspeisen, hellen Saucen, Fisch und Gemüse.
Worin unterscheiden sich Kerbel und Schnittlauch in der Verwendung?
Kerbel bringt ein zartes Anisaroma auf fein gefiederten Blättern und passt zu Fisch, hellen Saucen und Eierspeisen; er kommt roh oder erst kurz vor dem Servieren dazu. Schnittlauch hat ein mildes Zwiebelaroma in röhrenförmigen Halmen und wird von Salat über Quark bis Kräuterbutter breiter eingesetzt. Im Beet ist Kerbel einjährig und wird jedes Jahr neu gesät, Schnittlauch ist mehrjährig und bleibt als Horst am Platz.
Warum wird Kerbel oft mit Dill verwechselt?
Beide gehören zu den Doldenblütlern und tragen fein gefiedertes, hellgrünes Laub, das sich auf den ersten Blick ähnelt. Der Duft trennt sie sofort: Kerbel riecht süßlich nach Anis, Dill würzig nach Dill. Im Beet gehören sie ohnehin nicht nebeneinander, denn Kerbel und Dill gelten als unverträgliche Nachbarn.
Stimmt es, dass nur Hexen Petersilie erfolgreich anbauen können?
Nein, das ist ein alter Aberglaube, der aus der langsamen Keimung stammt. Petersilie keimt bei 14–20 °C in 14–30 Tagen, Kerbel dagegen schon in 7–20 Tagen bei 8–20 °C – wer beides gleichzeitig säte, hielt die Petersilie leicht für verhext. Wer die Samen 0,5–1 cm tief legt, mit Erde bedeckt und die Reihe gleichmäßig feucht hält, bekommt sie ohne Zauberei zum Keimen.
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