Kräuterdünger im Jahreszyklus: wann du düngst und wann du pausierst
- Den meisten genügsamen Gartenkräutern reicht eine einmalige Frühjahrsgabe von 3 l reifem Kompost je m².
- Warme, feuchte, humose Beetböden liefern im Sommer häufig genug nach; Nachdüngen nach dem Schnitt kommt vor allem für Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und Rucola infrage.
- Ab dem Spätsommer setzt du Stickstoff bei ausreifenden mehrjährigen Kräutern aus.
- Im Winter bleibt das Beet ungedüngt, und winterruhende Kübelkräuter brauchen kaum Nährstoffe.
- Zu starke Düngung kann bei Kräutern weiches Wachstum und weniger Aroma bringen.

Kräuter brauchen nicht das ganze Jahr dieselbe Düngung. Eine zu starke Gabe kann weiches, übermäßiges Wachstum und ein geringeres Aroma bringen. Eine Gabe zur falschen Zeit kann ausgewaschen werden, bevor eine Pflanze sie aufnimmt. Ich plane meine Kräuterdüngung deshalb nach Jahreszeiten. Im Frühjahr gibt es eine Grundgabe, im Sommer Nachschub nur dort, wo ich viel schneide. Ab dem Spätsommer setze ich Stickstoff aus, und im Winter dünge ich nicht.
Für Gemüse, Rasen und Obst gelten eigene Termine. Wie du diese Bereiche übers Jahr versorgst, zeigt der Ratgeber zur Düngung des ganzen Gartens im Jahresverlauf.
Das Kräuter-Düngejahr auf einen Blick
Die Übersicht zeigt, was ich in jeder Jahreszeit für Beet- und Kübelkräuter vorsehe.
| Jahreszeit | Kräuter im Beet | Kräuter im Kübel |
|---|---|---|
| Frühjahr | einmalige Gabe von 3 l reifem Kompost je m² für die meisten genügsamen Gartenkräuter, flach eingearbeitet; vorher Bodenprobe, falls fällig | nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Erde häufig 4 bis 6 Wochen ohne Zusatzdünger; bei Winterruhe beginnt das Düngefenster Ende April |
| Sommer | warme, feuchte, humose Böden liefern häufig genug nach; laufend geschnittene Blattkräuter nach dem Schnitt nachdüngen | Düngefenster bei Winterruhe bis August; mit bedarfsgerecht bemessenem LangzeitdüngerEin Langzeitdünger, auch Depotdünger genannt, gibt seine Nährstoffe nicht sofort, sondern verzögert über einen längeren Zeitraum an die Pflanzen ab. Das gilt für entsprechend gekennzeichnete Mineraldünger und ebenso für organische Dünger. gewöhnlich keine Zusatzgabe |
| Herbst | Stickstoff bei ausreifenden mehrjährigen Kräutern ab dem Spätsommer aussetzen; abgeerntete Beete nicht düngen | nach August keine Gabe mehr für Kräuter mit Winterruhe |
| Winter | keine Düngung; organische Dünger setzen bei Frost kaum Nährstoffe frei | winterruhende Kräuter brauchen kaum Nährstoffe; vernässte Kübel weder gießen noch düngen |
Nährstoffe und Düngerarten in Kürze
Stickstoff unterstützt Blatt- und Triebwachstum, Phosphor ist am Energiehaushalt beteiligt und Kalium reguliert den Wasserhaushalt. Wie NPK, SpurenelementeSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. und Pflanzenbedarf zusammenhängen, erklären die Grundlagen zu Nährstoffen und Düngerarten. Welche Düngerformen zu Kräutern passen und wann Ernte oder Rückschnitt eine Gabe auslösen, zeigt ein eigener Ratgeber.
Frühjahr: So startest du die Kräuterdüngung
Im Frühjahr legst du die Grundversorgung für das Kräuterjahr. Eine Frühjahrsgabe ist im Hausgarten der Herbstdüngung möglichst vorzuziehen, weil dann weniger Nährstoffe ausgewaschen werden.
Bevor ich ein Kräuterbeet bearbeite, warte ich, bis der Boden nicht mehr zu feucht ist und keine Erde mehr an der Hacke haftet. Ist eine Bodenprobe fällig, nimmst du sie im zeitigen Frühjahr vor der ersten Düngung. Ohne laufende Korrektur genügt es, die Standarduntersuchung alle 4 bis 5 Jahre zu wiederholen. Kalk gebe ich nur, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt.
Für die meisten genügsamen Gartenkräuter reicht eine einmalige Frühjahrsgabe von 3 l Kompost je m². Ich verteile reifen Kompost zwischen den Pflanzen und arbeite ihn nur flach ein. Tiefer im Boden können bei Sauerstoffmangel Fäulnisprodukte entstehen, die Pflanzen schädigen.
Die 3 l Kompost sind ein Flächenwert je Quadratmeter Kräuterbeet, keine Menge je Pflanze. Ich rechne die Beetfläche aus und messe den Kompost mit einem Eimer mit Literskala ab.
Organische Dünger setzen bei Frost und stauender Nässe kaum Nährstoffe frei. Hornmehl braucht schon unter günstigen Bedingungen etwa 6 Wochen, bis es umgesetzt ist. Eine Gabe in kalten, nassen Boden bleibt also lange liegen, bevor die Kräuter etwas davon haben. Wirken deine Kräuter nach einem kalten Frühjahr blass, behebt eine weitere organische Gabe das nicht zuverlässig, solange Frost oder Staunässe die Freisetzung hemmen.
Topfkräuter, die du im Frühjahr in frische, ausreichend vorgedüngte Erde setzt, kommen häufig 4 bis 6 Wochen ohne Zusatzdünger aus. Für mehrjährige Kübelkräuter mit Winterruhe beginnt das Düngefenster Ende April.
Sommer: Wann brauchen Kräuter Nachschub?
Im Sommer liefern warme, ausreichend feuchte und humusreiche Gartenböden häufig schon genug Nährstoffe nach. Wärme und Bodenfeuchte beschleunigen dann die Freisetzung aus dem Humus. Zu starke Düngung kann bei Kräutern dagegen weiches Wachstum und weniger Aroma bringen. Gut versorgten Beetkräutern gebe ich im Sommer deshalb keinen pauschalen Dünger: Der Boden liefert nach, und ein Zuviel kann das Aroma schwächen.
Anders ist es bei Kräutern, die du laufend erntest. Rucola, Basilikum, Schnittlauch und Petersilie können nach jedem Schnitt nachgedüngt werden. Welche Dünger dafür infrage kommen, steht weiter unten bei den Blattkräutern.
Dünger bringst du möglichst auf feuchten Boden aus. Bleibt er auf nassen Pflanzenteilen liegen, kann er dort Ätzschäden verursachen.
Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei, denn bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden Salmonellen nachgewiesen. Ich arbeite HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. bei Küchenkräutern in den Boden ein und achte darauf, dass nichts auf den Blättern liegen bleibt, die ich ernte.
PflanzenjauchePflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. aus Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch verdünnst du für die Wurzeldüngung im Verhältnis 1:10 mit Wasser. Eine allgemeingültige Menge oder Häufigkeit gibt es dafür nicht, weil ihr Nährstoffgehalt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeit schwankt.
Hitze und Trockenheit
Wurzeln nehmen Nährsalze nur in Wasser gelöst auf. Deshalb kann Trockenheit Mangelsymptome auslösen, obwohl der Boden genug Nährstoffe enthält. Organische Dünger setzen in trockenem Boden ohnehin kaum etwas frei. Ist bei langer Hitze trotzdem eine Flüssigdüngung nötig, feuchte ich den Wurzelbereich zuerst an. Danach gieße ich den Dünger niedrig konzentriert auf den Boden, ohne das Laub zu benetzen.
Blattdünger kann einen akuten Mangel vorübergehend lindern, ersetzt die Versorgung über die Wurzeln aber nicht. Bei starker Sonne kann die eintrocknende Lösung die Blätter schädigen, deshalb kommt Blattdünger nur bei bedecktem Himmel oder abends infrage. Wie du die Kräuterdüngung an längere Trockenphasen anpasst, beschreibt der Ratgeber zu Kräuterdünger bei Trockenheit und veränderter Witterung.
Kübelkräuter im Sommer
Für Kübelkräuter mit Winterruhe läuft das Düngefenster bis August. Hast du beim Pflanzen einen bedarfsgerecht bemessenen Langzeitdünger eingemischt, brauchen sie im Sommer gewöhnlich keine zusätzliche Gabe.
Flüssigdünger auf trockene Topferde gießen. Die Lösung gehört nur auf bereits feuchte Erde, sonst können hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln schädigen.
Herbst: Warum du jetzt Stickstoff zurücknimmst
Stickstoffdünger gibst du während der VegetationsperiodeDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht.. Bei ausreifenden mehrjährigen Gartenpflanzen setzt du ihn ab dem Spätsommer aus, und dazu zählen Kräuter wie Thymian, Salbei und Lavendel. Hornspäne brauchen für die Umsetzung mehrere Monate. Streust du sie im Spätsommer, geben sie ihren Stickstoff also genau dann ab, wenn diese Kräuter ausreifen sollen.
Stehen Petersilie oder Schnittlauch im Gemüsegarten, gilt dort eine feste Grenze: Horndünger kommt auch bei Herbstkulturen nicht später als Ende August aufs Beet.
Abgeerntete Beete düngst du nicht mehr. Auf leeren Flächen nimmt keine Pflanze die freigesetzten Nährstoffe auf, sodass sie ausgewaschen werden können. Planst du ohnehin eine Bodenprobe, kannst du sie im späten Herbst vor der Bodenbearbeitung nehmen. Kübelkräuter mit Winterruhe bekommen nach August keinen Dünger mehr.
Eine kräftige Herbstgabe macht Kräuter fit für den Winter? Eher im Gegenteil: Eine zu späte oder zu reichliche Düngung kann die Gefährdung von Stauden und Gehölzen im Winter erhöhen. Zu den Gehölzen zählt auch der Lavendel, ein kompakter, buschig wachsender Strauch.
Ich führe für jedes Kräuterbeet eine Zeile im Gartenkalender. Dort steht, wann der Kompost kam, wann ich nach einem Schnitt nachgedüngt habe und wann die letzte Bodenprobe war. Ab dem Spätsommer trage ich bei den mehrjährigen Kräutern keine Stickstoffgabe mehr ein.
Winter: Was Beet- und Kübelkräuter jetzt brauchen
Im Winter düngst du Kräuter im Beet nicht. Organische Dünger setzen bei Frost kaum Nährstoffe frei, und niedrige Temperaturen verzögern auch die Wirkung von Langzeitdüngern. Wichtiger ist jetzt der Schutz. Lavendel ist winterhart, doch strenger Frost und Frosttrocknis sind ein Anlass für eine Abdeckung. Ich lege dann Reisig oder Schutzvlies auf, das gegen Kälte, Wind und direkte Mittagssonne schützt.
Winterruhende Kübelkräuter wachsen nur wenig und brauchen entsprechend kaum zusätzliche Nährstoffe. In torffreier Erde prüfe ich die Feuchte mit dem Finger auch unterhalb der Oberfläche, weil sie oben trocken und tiefer noch nass sein kann. Ist ein Kübel vernässt und sind die Wurzeln noch nicht verfault, gießt und düngst du bis zum Abtrocknen gar nicht. Auch kranke Kübelpflanzen regst du nicht mit Dünger zum Wachstum an.
Wie unterscheidet sich die Düngung nach Kräuterart?
Der Jahresrhythmus gilt für alle Kräuter. Wie viel ein Kraut innerhalb dieses Rhythmus bekommt, hängt von Standort, Wuchs und Nutzung ab.
Thymian, Salbei und Rosmarin
Ich behandle Thymian, Salbei und Rosmarin wie trockenheitsliebende mediterrane Stauden. Stehen sie auf einem kargen Standort, ist eine Kompostgabe für sie nicht sinnvoll. Stauden nährstoffarmer Standorte düngst du erst, wenn Mängel erkennbar sind. Zu viel Dünger kann bei ihnen untypisch starkes Wachstum auslösen und die WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. verschlechtern.
Lavendel
Lavendel bevorzugt einen gut durchlässigen, neutralen bis alkalischen Boden und toleriert keine Staunässe. Eine zurückhaltende Düngung unterstützt einen intensiveren Duft und einen kompakten, standfesten Wuchs. Stark stickstoffhaltige Dünger und Mist können dagegen zu weichem, instabilem Wuchs führen. Kalium ist blühfördernd, eine Mengenregel folgt daraus nicht.
Eine zusätzliche Phosphatbetonung ist kein allgemeiner Weg zu mehr Blüten. Ein regelmäßiger kräftiger Frühjahrsschnitt erhöht dagegen beim Lavendel Blühfreudigkeit und Blütengröße. Wer mehr Lavendelblüten möchte, setzt also im Frühjahr bei der Schere an statt bei einem phosphatbetonten Dünger.
Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und Rucola
Diese Kräuter erntest du laufend. Nach jedem Schnitt können sie Hornmehl oder flüssigen Universaldünger bekommen. Fein vermahlenes Hornmehl wird schneller umgesetzt als gröbere Hornspäne, im Boden rechnest du mit etwa 6 Wochen. Bei einem festgestellten Mangel kann eine passende Flüssigdüngung die Versorgung rasch verbessern. Ob du dabei organisch oder mineralisch düngst und wie du je nach Kraut dosierst, vergleicht der Ratgeber zu organischem und mineralischem Kräuterdünger.
Kresse
Gartenkresse braucht bei der kurzen Kultur zur jungen Ernte keinen zusätzlichen Dünger. Das gilt für Beetreihen ebenso wie für Schalen auf der Fensterbank.
Kräuter in Topf und Balkonkasten
Für Kräuter in Töpfen und Balkonkästen eignet sich spezielle Kräutererde, und jedes Gefäß braucht Abzugslöcher gegen Staunässe. In torffreier, vorgedüngter Erde kann trotzdem zu wenig verfügbarer Stickstoff stecken, weil die Ersatzstoffe ihn binden können. Hornspäne oder Hornmehl mischst du deshalb schon vor dem Pflanzen unter. Was der begrenzte Wurzelraum sonst verlangt, erklärt der Ratgeber, wie du Kräuter im Topf mit Nährstoffen versorgst.
Woran du merkst, dass der Rhythmus nicht passt
Weiches, übermäßiges Wachstum mit schwachem Aroma kann auf zu viel Dünger hindeuten. Vergilbende Blätter, die abfallen, sind dagegen kein sicheres Zeichen für Nährstoffmangel. Sie können auch auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. hinweisen. Stickstoffmangel betrifft häufig ältere Blätter, während Eisenmangel vor allem junge Blätter mit grün bleibenden Adern aufhellt. Weiße Krusten am Topfrand können aus dem Gießwasser stammen und beweisen allein keine Überdüngung.
Bevor ich nachdünge, schaue ich, ob ältere oder junge Blätter betroffen sind, und prüfe die Erde mit dem Finger. Welche Nährstoffe Gewürzkräuter im Einzelnen brauchen, erklärt der Ratgeber zu Nährstoffen für Gewürzkräuter und gesundem Boden.
Kompost, Mulch und Gründüngung im Kräuterbeet
Kompost, Grünschnitt und Erntereste versorgen die BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben. mit organischer Substanz und halten Nährstoffe im Gartenkreislauf. Auf abgeernteten Beeten bindet eine Gründüngung freigesetzte Nährstoffe, und eine Mulchdecke vermindert die Verdunstung. Wie du Kompost anlegst und Mulch und Gründüngung einsetzt, findest du in den Grundlagen zu Düngen und Boden.
