Gartenpraxis · Gründünger & Bodenkur · Wissen

Perserklee im Ökolandbau: Rolle, Wirtschaftlichkeit und Grenzen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Perserklee ist einjährig und nicht winterhart, in einer Grasnarbe bleibt er deshalb nur eine Saison.
  • Im landwirtschaftlichen Anbau wird er als Hauptfrucht im März bis April und als Zwischenfrucht im Juli bis August gesät.
  • Für den landwirtschaftlichen Zwischenfruchtbau sind 150–200 dt Grünmasse je Hektar beschrieben.
  • Ob sich die Zwischenfrucht rechnet, hängt von Saatgutkosten, Aussaat- und Bearbeitungsverfahren sowie Ertrag und Verwertung der Biomasse ab.
  • Warme Lagen begünstigen sein Wachstum, wenn die Wasserversorgung gesichert ist, denn sein Wasserbedarf ist hoch.
  • Im Hausgarten werden für die Gründüngung 5 g Saatgut/m² angesetzt.
Perserklee als dichter Bestand mit rosavioletten Blütenköpfchen über dreizähligen Blättern und bräunlich verblühten Köpfen
Foto: Darrel Watts · CC0 1.0 · Quelle ↗

Auf der Saatguttüte steht Perserklee als Gründünger, in Fachtexten als Zwischenfrucht und Futterpflanze für den Ökolandbau. Wer beides zusammenliest, erwartet schnell zu viel: einen Dauerklee für die Wiese, Stickstoff, der vollständig bei der Folgekultur ankommt, und eine Pflanze für trockene Sommer. Keine dieser Erwartungen hält ohne Einschränkung. Ich schaue bei jeder Angabe zuerst nach, ob sie vom Acker oder aus dem Hausgarten stammt, bevor ich sie auf mein Beet übertrage.

Perserklee heißt botanisch Trifolium resupinatum und gehört zur Familie Fabaceae. Er ist einjährig, wird 50–80 cm hoch und blüht von Mai bis September. Wie er sich neben anderen Arten einordnet, zeigt der Überblick über die Familien und Wuchsformen der Gründüngerpflanzen.

Welche Rolle spielt Perserklee im Ökolandbau?

Im landwirtschaftlichen Anbau gibt es für Perserklee zwei Saatfenster. Als Hauptfrucht wird er im März bis April gesät, als Zwischenfrucht im Juli bis August. Genutzt wird er als Zwischenfrucht und als Futterpflanze, und seine Wurzelreste unterstützen die nachfolgende Hauptkultur.

Anders als Senf oder Phacelia bringt Perserklee als Leguminose zusätzlichen Stickstoff aus der Luft in den Boden. Bei der Düngung bleibt es nach der LfL deshalb bei der Grundversorgung mit Phosphat und Kali. Wie die Knöllchenbakterien dabei arbeiten, erklärt der Gründünger-Überblick im Abschnitt dazu, was Gründüngung im Boden leistet.

Als Futter wird Perserklee gegen Ende der Blüte geschnitten. Belastbare Futterwerte liefert vor der Rationsplanung bei Wiederkäuern erst eine Futteruntersuchung.

Dazu kommt die Blüte. Perserklee gilt als nützlingsfreundlich, ein einzelnes Blütenangebot versorgt aber nicht alle Arten: Wildbienen sind häufig auf wenige oder einzelne Nahrungspflanzen spezialisiert.

Futter, Bodenpflege und Blüte verlangen unterschiedliche Schnitttermine:

Ziel Wann geschnitten wird
Futter auf dem Betrieb gegen Ende der Blüte
Gründüngung im Hausgarten gewöhnlich kurz vor der Blüte
Blüte für Insekten nach der Blüte, aber vor der Samenreife

Wer den Klee für Insekten blühen lässt, schneidet also später, als es bei einer reinen Gründüngung üblich ist. Spätestens vor der Samenreife ist dann Schluss, denn sonst sät sich der Bestand selbst aus.

Marias Erfahrung

Ich lege vor der Saat fest, wozu der Klee da ist, und trage den Schnitttermin gleich in meinen Gartenkalender ein. Lasse ich ihn für Insekten blühen, mähe ich nach der Blüte, bevor die Samen reifen.

Perserklee wurzelt tief. Verrottende Wurzeln von Gründüngungspflanzen hinterlassen Kanäle, durch die Wasser und Luft in den Boden gelangen können. Mehr dazu steht im Beitrag darüber, was Perserklee als Gründünger im Gartenboden bewirkt.

Empfehlungen für den Garten

Aussaat und Vermehrung

Saattiefe

Die Samen 0,5-1 cm tief säen.

Aussaatkalender Perserklee
GartenkalenderAussaat: April, Mai, Juni, Juli, August; Blüte: Mai, Juni, Juli, August, SeptemberJFMAMJJASONDAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustBlüteBlüte: MaiBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustBlüte: SeptemberAussaatBlüte

Passt Perserklee ins Dauergrünland?

Dauergrünland braucht Pflanzen, die über Jahre stehen bleiben. Perserklee ist einjährig und nicht winterhart. Beides zusammen heißt: In einer Grasnarbe bleiben die Pflanzen eine Saison, danach muss neu gesät werden. Auch der Termin zählt, denn bei später Aussaat sind Ertragseinbußen beschrieben.

Der Vergleich mit Rotklee zeigt den Unterschied:

Perserklee Rotklee
Lebensdauer einjährig mehrjährig
Winterhart nein ja
Anbauformen Hauptfrucht oder Zwischenfrucht Reinsaat, Gemenge mit Gräsern, Untersaat in Getreide
Angesetzte Anbaupause 3 Jahre 7 Jahre

Für eine Fläche, die über Jahre stehen soll, passt Rotklee deshalb besser. Er ist für Wildblumenwiesen und naturnahe Gärten geeignet, gilt aber selbst als kurzlebig.

Im Beet ist das Abfrieren kein Nachteil, denn durch Frost abgestorbene Gründüngung bleibt über Winter als Mulch auf dem Boden. Ob Perserklee trotzdem als Rasenersatz taugt, klärt der Beitrag dazu, wie du mit Perserklee eine Bodendecker-Fläche anlegst und pflegst.

Rechnet sich Perserklee?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Ob sich eine Perserklee-Zwischenfrucht rechnet, hängt von den Saatgutkosten, vom Aussaat- und Bearbeitungsverfahren sowie von Ertrag und Verwertung der Biomasse ab. Zu den einzelnen Posten steht Folgendes fest:

Posten Was feststeht
Saatgut Zertifizierte Ökobetriebe müssen verfügbares ökologisch vermehrtes Saatgut verwenden, auch für reine Gründüngungspflanzen
Düngung Grundversorgung mit Phosphat und Kali (LfL)
Ertrag im landwirtschaftlichen Zwischenfruchtbau 150–200 dt Grünmasse/ha, 15–20 dt Trockenmasse/ha
Ertragsrisiko Ertragseinbußen bei später Aussaat, hoher Wasserbedarf
Verwertung Futter oder Gründüngung, die Wurzelreste unterstützen die nachfolgende Hauptkultur
Stickstoff für die Gartendüngung pauschale Rechenhilfe: 6 g/m² bei Beständen über 30 cm Aufwuchshöhe

Die Erträge sind Feldwerte. Diese Werte setzen voraus, dass rechtzeitig gesät wird und das Wasser reicht.

Häufiger Fehler

Feldwerte aufs Beet übertragen. Angaben in dt/ha stammen aus dem landwirtschaftlichen Zwischenfruchtbau und sagen nichts über deine Saatmenge. Für die Gründüngung im Hausgarten werden 5 g Saatgut/m² angesetzt, der verlässliche Ausgangspunkt ist die Angabe auf deiner Saatguttüte.

Im Garten rechnest du weniger in Geld als in Beetzeit. Für Perserklee werden 90–100 Tage Kulturdauer genannt. Im Gemüsebau zählt eine Gründüngung bis 3 Monate Vegetationszeit als Kurzzeitgründüngung. Perserklee liegt damit an dieser Grenze. Für eine kurze Lücke zwischen Ernte und Folgekultur eignen sich schnellere Arten: Bei Senf reichen die Angaben zur Entwicklungsdauer im Hausgarten von 4–10 Wochen. Ich schreibe mir deshalb vor der Saat auf, wie lange das Beet frei bleibt und was danach gepflanzt wird.

Was danach kommt, gehört mit in die Rechnung. Leguminosen-Gründüngung eignet sich als Vorfrucht für stark zehrendes Gemüse. Die Nährstoffwirkung hängt aber neben der Pflanzenart von Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab und ersetzt die Düngeplanung der Folgekultur nicht. Auch die Rechenhilfe aus der Tabelle bleibt deshalb ein pauschaler Wert. Mehr dazu steht im Beitrag darüber, wie Perserklee Gartenboden und Folgekulturen beeinflusst.

Was zeigen Sortenprüfung und Feldversuche?

Für Perserklee sind 9 Sorten beschrieben, geprüft nach Ertrag, Konkurrenzkraft, Bestandesgüte und Krankheitsresistenz. Daran siehst du, woran eine Sorte gemessen wird: nicht nur an der Masse, sondern auch daran, ob der Bestand sich behauptet und gesund bleibt. Steht auf deiner Tüte eine Sorte, gelten deren Angaben. Für die Sorte Maral nennt der Hersteller zum Beispiel einen warmen, gut mit Wasser versorgten Boden.

Zu Mischungen gibt es Ergebnisse aus Feldversuchen. Zwischenfruchtmischungen mit unterschiedlichen Wuchsformen konnten dort Bestandslücken ausgleichen und Unkraut besser unterdrücken als einzelne Reinkomponenten. Was Perserklee in solchen Mischungen beiträgt, sagen diese Versuche nicht.

Bei Nematoden gehen zwei Angaben auseinander: Die LfL beschreibt Perserklee als nicht von Stock- und Stengelälchen befallen. Das LTZ empfiehlt trotzdem, ihn bei Problemen mit Ditylenchus nicht vor Zuckerrüben anzubauen. Der Grund für den Unterschied ist nicht erklärt. Was Gründünger bei Nematoden und Krankheiten leisten, ordnet der Gründünger-Überblick im Abschnitt zu Nematoden, Biofumigation und Krankheiten ein.

Hilft Perserklee im Klimawandel?

Beim Stichwort Klimawandel liegt die Frage nahe, ob ein Klee profitiert, der Wärme mag. Zwei Angaben gehören hier zusammen: Warme Lagen begünstigen sein Wachstum, wenn die Wasserversorgung gesichert ist, und sein Wasserbedarf ist hoch. Wärme allein hilft ihm also nicht, das Wasser muss dazukommen.

Dazu kommt der eigene Verbrauch. Lebende Gründüngung vermindert zwar die Bodenverdunstung, verbraucht beim Wachsen aber selbst Wasser und kann bei Trockenheit mit der Hauptkultur konkurrieren. Auf Sandböden kann bei Trockenheit außerdem der kapillare Wassernachschub abreißen.

Für ihn spricht der Schutz der Oberfläche. Eine lebende Gründüngungsdecke schützt den Boden vor Sonneneinstrahlung, Starkregen, Verschlämmung und Erosion. Humusaufbau durch Gründüngung kann die Aufnahme und Speicherung von Wasser im Gartenboden verbessern, eine entsprechend große Zunahme im gesamten Bodenprofil garantiert er aber nicht.

Beim Boden selbst stellt Perserklee nach der LfL keine besonderen Ansprüche, solange die Wasserversorgung ausreicht. Eingesetzt wird er bevorzugt auf mittleren Böden. Welche Art zu welchem Boden passt, zeigt der Gründünger-Überblick im Abschnitt zu Standort und Boden.

Im Beet heißt das: Säe Perserklee dort, wo du gießen kannst. Bei trockener Witterung kann Gründüngung besonders während der Keimphase wiederholtes Gießen benötigen, und für Perserklee werden 7–14 Tage Keimdauer genannt. Ich prüfe in dieser Zeit mit dem Finger, ob die oberste Schicht noch feucht ist, und gieße, bevor der Boden ganz austrocknet.

Was heißt das für dein Beet?

Als Aussaatzeit werden für Perserklee April bis August genannt. Für eine flächige Begrünung wird er breitwürfig gesät und flach eingerecht, das Saatbett soll feinkrümelig und gut rückverfestigt sein. Alle Schritte beschreibt die Anleitung dazu, wie du Perserklee Schritt für Schritt anbaust. Welcher Termin zu welchem Ziel passt, zeigt der Beitrag dazu, wann du Perserklee je nach Jahreszeit und Nutzung säst. Die Saatfenster der anderen Arten findest du im Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.

In der Fruchtfolge zählt die Familie mit: Klee gehört in die Planung der Hülsenfrüchte. Meide ihn deshalb auf Beeten, auf denen kürzlich Bohnen oder Erbsen standen oder als nächste Hauptkultur vorgesehen sind. Für Perserklee ist außerdem eine Anbaupause von 3 Jahren angesetzt, die du im Beetplaner für deine Beete mitplanen kannst. Die Regeln dahinter erklärt der Gründünger-Überblick im Abschnitt zu Fruchtfolge und Mischkultur.

Passendes Saatgutaus dem samen.de Shop
Kiepenkerl Perserklee
Kiepenkerl Perserklee
Zum Shop

Häufige Fragen

Was ist Perserklee und welche Eigenschaften machen ihn für den ökologischen Landbau interessant?
Perserklee (Trifolium resupinatum) ist ein einjähriger Klee aus der Familie Fabaceae. Im landwirtschaftlichen Anbau dient er als Zwischenfrucht und als Futterpflanze. Als Leguminose bindet er mithilfe von Wurzelbakterien Luftstickstoff, die LfL beschränkt seine Düngung auf die Grundversorgung mit Phosphat und Kali. Er wird 50–80 cm hoch und blüht von Mai bis September.
Wie funktioniert die Stickstoffbindung bei Perserklee und welchen Nutzen hat sie für den Boden?
Perserklee ist eine Leguminose und lebt mit Knöllchenbakterien zusammen. Die Bakterien versorgen die Pflanze mit Ammonium, das sie aus Luftstickstoff bilden, und bekommen von ihr unter anderem Zucker. Für die Nachkultur wird der gebundene Stickstoff erst verfügbar, wenn das Pflanzenmaterial verrottet. Er steht ihr je nach Boden, Witterung und Umbruch nicht vollständig zur Verfügung und ersetzt die Düngeplanung nicht.
Welche Rolle spielt Perserklee als Gründüngung und Zwischenfrucht in der Fruchtfolge?
Im landwirtschaftlichen Anbau wird Perserklee als Zwischenfrucht im Juli bis August gesät, seine Wurzelreste unterstützen die nachfolgende Hauptkultur. In der Fruchtfolgeplanung gehört Klee zu den Hülsenfrüchten. Meide ihn deshalb auf Beeten, auf denen kürzlich Bohnen oder Erbsen standen oder als nächste Hauptkultur vorgesehen sind. Für Perserklee ist eine Anbaupause von 3 Jahren angesetzt.
Worin unterscheiden sich Perserklee und Rotklee in der landwirtschaftlichen Nutzung?
Perserklee ist einjährig und nicht winterhart, er wird als Hauptfrucht im März bis April oder als Zwischenfrucht im Juli bis August gesät. Rotklee ist mehrjährig und winterhart und kann als Reinsaat, im Gemenge mit Gräsern oder als Untersaat in Getreide stehen. Für Perserklee ist eine Anbaupause von 3 Jahren angesetzt. Bei Rotklee sind es 7 Jahre.
Stimmt es, dass Perserklee andere Pflanzen vollständig verdrängt?
Perserklee ist einjährig und nicht winterhart, die einzelne Pflanze bleibt also nur eine Saison. Aussäen kann er sich trotzdem, deshalb wird eine Gründüngung rechtzeitig vor der Samenreife beendet. Steht sie zwischen Gemüse, schneidest du sie, sobald sie die Kultur beeinträchtigt.
In welchen Regionen Deutschlands eignet sich Perserklee besonders gut?
Entscheidend ist weniger die Region als die Lage. Warme Lagen begünstigen das Wachstum von Perserklee, wenn die Wasserversorgung gesichert ist, denn sein Wasserbedarf ist hoch. Bei ausreichender Wasserversorgung stellt er nach der LfL keine besonderen Bodenansprüche, eingesetzt wird er bevorzugt auf mittleren Böden.
Zuletzt geprüft:
↑